Hubert Aiwanger und die Wasserstoffstrategie in Bayern: Hintergrund und aktuelle Entwicklungen

Bayerns Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger hat sich intensiv für die Wasserstoffwirtschaft eingesetzt und im Wirtschaftsausschuss des Bayerischen Landtags über die Wasserstoffstrategie der Staatsregierung berichtet. Dabei betonte er, dass Wasserstoff die Lösung für Wirtschaft und Umweltschutz gleichermaßen darstelle.

Die Wasserstoffstrategie Bayerns - Weichenstellung für die Zukunft

Bayern hat bereits im Mai 2020 eine umfassende Wasserstoffstrategie verabschiedet, mit dem Ziel, die heimische Wirtschaft auf eine nachhaltige und zukunftssichere Energieversorgung vorzubereiten. Ein zentrales Element dabei ist ein Förderprogramm für bis zu 50 Elektrolyseure bayernweit, das ab dem dritten Jahresquartal starten soll. Damit wird die Produktion von grünem Wasserstoff mit erneuerbaren Energien vorangetrieben. Die bayerischen Landesmittel für den Ausbau von Wasserstoffinfrastruktur umfassen unter anderem 65 Millionen Euro für das Elektrolyseur-Förderprogramm, das insgesamt 150 Millionen Euro umfasst.

Infografik zur Wasserstoffstrategie Bayerns mit Förderprogrammen und Elektrolyseuren

Nach Angaben von Hubert Aiwanger ist über 95 Prozent der heutigen Gasinfrastruktur in Bayern wasserstofftauglich. Dies ist von entscheidender Bedeutung, da die bestehende Gasnetzinfrastruktur vom Bund für die Verwendung von Wasserstoff anerkannt wird. Gleichzeitig arbeitet Bayern international an Partnerschaften mit Wasserstofflieferanten aus Ländern wie Norwegen, Nordafrika und Australien. So soll Bayern zu einem zentralen Knotenpunkt („Spinne im Netz“) europäischer Wasserstoff-Fernleitungen werden.

Wasserstoff als vielseitiger Energieträger

Aiwanger sieht grünen Wasserstoff als vielseitige Energiequelle, die sowohl für den Gütertransport mit Brennstoffzellen-Lkw, als Heizungsersatz in Privathaushalten als auch in der Industrie breite Anwendung finden kann. Im Gegensatz zu Kritikern, die Wasserstoff als zu teuer für eine breit angelegte Nutzung ansehen, wies er darauf hin, dass die Preise durch eine Ausweitung der Produktion stark sinken werden. Als Beispiel nannte er das amerikanische Ziel, den Preis bis 2030 auf einen US-Dollar pro Kilogramm Wasserstoff zu drücken.

Einen besonderen Vergleich zog Aiwanger zur Speicherung von Energie: „Wenn ich so viel Solar- oder Windstrom erzeuge, dass ich abschalten muss, ist es besser, den Wirkungsgradverlust in Kauf zu nehmen und Wasserstoff zu erzeugen.“ Er erläuterte das an einem Bild des „Erdbeerfeldes“: Die überschüssige Energie wird wie aus Erdbeeren Marmelade gemacht - sie verliert zwar an Wirkungsgrad, kann aber später genutzt werden. Wasserstoff kann in Gasspeichern eingelagert werden, Strom dagegen nicht.

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Schematische Darstellung der Wasserstoffproduktion und Energiespeicherung im Vergleich zu Solarstrom

Aktuelle Herausforderungen und Kritikpunkte

Obwohl Aiwanger große Hoffnungen in Wasserstoff setzt, gibt es zahlreiche Schwierigkeiten beim Ausbau. Von den ursprünglich geplanten 100 Wasserstofftankstellen in Bayern entstanden nach Angaben der Grünen nur etwa 20. Einige geförderte Projekte wurden gar nicht umgesetzt, was zu Rückzahlungen von Fördermitteln führte. Ebenso stockt der Bau von Elektrolyseuren trotz Förderbescheiden. Kritiker wie die Grünen-Politiker Martin Stümpfig und Markus Büchler werfen Aiwanger deshalb vor, Steuergelder in „sinnlose Projekte“ zu investieren.

Aiwanger erklärt, dass neben der fehlenden Nachfrage auch der Preis von Wasserstoff eine große Unsicherheit darstellt. Solange das Erdgas billig bleibt, sei es für Wasserstoff schwer, sich durchzusetzen. Die „Preisfrage“ sei deshalb die „Gretchenfrage“, da Industriebetriebe nur bei günstigen Kosten zu einer breiten Nutzung bereit seien. Zudem berichten Abgeordnete, dass Investoren angesichts der unsicheren Marktlage und Förderprogramme teilweise zurückziehen.

Position zu Alternativen und Energiewende-Diskussion

Die Grünen werfen Aiwanger vor, bei der Energiewende zu sehr auf Wasserstoff zu setzen und andere Technologien wie Batteriemotoren zu vernachlässigen. Vor allem im Bereich der Lkw-Mobilität seien Elektromotoren bereits weiter verbreitet und wirtschaftlicher. Aiwanger betont hingegen, dass der wirtschaftliche Erfolg Priorität hat: „Wenn wir nur Klima machen, bekommt Wasserstoff den vollen Durchbruch, aber die Wirtschaft ist weg.“ Deshalb müsse Klimaschutz immer im Einklang mit der Wettbewerbsfähigkeit stehen.

Weiterhin äußerte sich Aiwanger kritisch zur 10H-Regel für Windenergie in Bayern, die den Ausbau der Windkraft stark eingeschränkt hatte. Er sieht die Privatisierung der Energiewirtschaft und der Fokus auf kurzfristige Rendite als Hauptgründe für den mangelnden Ausbau von Windenergie in Bayern in den letzten 20 Jahren. Dabei wäre, so Aiwanger, ein öffentlich gesteuerter Ausbau von Windrädern und Pumpspeichern dringend notwendig gewesen.

Politische Dimension und Zukunftsaussichten

Im Interview sprach Aiwanger auch über aktuelle politische Entwicklungen bezüglich der Energieversorgung. Er sieht in der Bundesregierung eine gewisse Realitätsverweigerung, insbesondere bei der Verlängerung der Laufzeit der Atomkraftwerke und dem Umgang mit der Gasversorgung. Die Stabilität der Energiepreise und damit die wirtschaftliche Lage hängen nach seiner Einschätzung stark vom Mix aus Erdgas-, Wasserstoff- und erneuerbaren Energieträgern ab.

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Seine Haltung zur Koalition mit der CSU begründet Aiwanger mit der Notwendigkeit von Klarheit und Stabilität in der Politik. Er lehnt einen Regierungswechsel zu Rot-Grün ab, da er diese Konstellation als ideologisch und teilweise gefährlich ansieht. Die Wettbewerbsfähigkeit Bayerns und Deutschlands sowie die Versorgungssicherheit stehen für ihn an oberster Stelle.

Porträt von Hubert Aiwanger bei einer Rede zum Thema Wasserstoff und Energiewende

Wasserstoff in der Praxis: Engagement auf kommunaler Ebene

Ein Beispiel für die praktische Umsetzung der Wasserstoffstrategie ist das Haßfurter Stadtwerk, das sich im Bereich Kraft-Wärme-Kopplung und Wasserstofftechnologie engagiert. Nach einer Rede von Hubert Aiwanger stellte der Stadtwerksleiter Norbert Zösch die verschiedenen Projekte und das Engagement des Unternehmens vor. Dies zeigt, wie Wasserstoff zunehmend in kommunalen Energieversorgungsstrukturen Fuß fasst und zur Energiewende beiträgt.

Rede von Hubert Aiwanger zur Wasserstoffstrategie und kommunalen Umsetzung

Förderung und Investitionen im Überblick

Fördermaßnahme Geplante Mittel Ausgezahlte Mittel Status
Förderprogramm Wasserstofftankstellen 61 Mio. Euro 16,3 Mio. Euro Nur ca. 20 von 100 geplanten Stationen realisiert
Elektrolyseur-Förderprogramm 120 Mio. Euro (2024-2025) 4,1 Mio. Euro (2025) Keine Inbetriebnahme bisher, Nachfrage fehlt
Bayern gesamt: Wasserstoff-Wirtschaftsförderung 150 Mio. Euro 65 Mio. Euro Fortschreitender Ausbau, aber zäh

Die Diskrepanz zwischen zugesagten und tatsächlich ausgezahlten Fördermitteln zeigt, dass der Ausbau der Wasserstoffwirtschaft vor großen Realisierungshürden steht. Dabei ist die Nachfrage der Industrie und die wirtschaftliche Attraktivität entscheidend.

Diagramm der Fördermittelverteilung und Projektumsetzung Wasserstoff in Bayern

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