Agrana Zucker GmbH Leopoldsdorf — Informationen, Geschichte und Produktion
Agrana veredelt landwirtschaftliche Rohstoffe zu hochwertigen Lebensmitteln und einer Vielzahl von industriellen Vorprodukten. Als international tätiges Unternehmen mit österreichischen Wurzeln verarbeitet AGRANA seit über drei Jahrzehnten landwirtschaftliche Rohstoffe zu hochwertigen Produkten. Von maßgeschneiderten Lösungen für Lebensmittel und Getränke bis hin zu Stärke, Zucker und Bioethanol - AGRANA-Produkte sind Teil des Alltags von Millionen Menschen weltweit.
FACTS zur Agrana Beteiligungs-AG
- Gegründet: 1988
- Firmensitz: 1020 Wien, Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Platz 1
- Mitarbeiter: 8.730
- Tätigkeit: Holding und Beteiligungsverwaltung
- Umsatz 2022: 3,637 Mrd. €
- Gewinn [EBIT] 2022: 158 Mio. €
- trend TOP500 Ranking: 32
- Eigentümerstruktur: Agrana Zucker, Stärke und Frucht Holding AG (Anteil: 78,34 %); Streubesitz (Anteil: 18,92 %); Südzucker AG Mannheim/Ochsenfurt, Deutschland (Anteil: 2,74 %)
Firmengeschichte - von Zucker und Stärke zum internationalen Konzern
Agrana wurde 1988 als Holdinggesellschaft für die österreichische Zucker- und Stärkeindustrie gegründet. Zu Beginn übernahm die Holding die drei in Niederösterreich gelegenen Zuckerfabriken in Hohenau (2006 geschlossen), Leopoldsdorf und Tulln. Die Kartoffelstärkefabrik in Gmünd (NÖ) und die Maisstärkefabrik in Aschach (OÖ).
Bereits ein Jahr später, 1989, wurde eine Zusammenarbeit mit der Deutschen Südzucker AG mit Sitz in Mannheim beschlossen. Die börsennotierte Südzucker AG (DE0007297004) ist der größte Zuckerproduzent der Welt und einer der größten Nahrungsmittelkonzerne Deutschlands. 1990 setzte die Agrana zur Expansion nach Ungarn an. Die Holding stieg in die ungarische Zucker- und Stärkeindustrie ein. Heute hält die Agrana 50% an der Maisstärke- und Isoglukosefabrik Hungrana.
Der nächste Meilenstein war der Börsengang 1991, in dessen Folge die Beteiligungen in Ungarn bis 2001 weiter ausgebaut wurden und der Markteintritt in die Länder Tschechien und Rumänien gelang. 2003 wurde mit der Fruchtzubereitung und Fruchtsaftkonzentraten ein drittes Geschäftsfeld aufgenommen. 2008 wurde die erste österreichische Bioethanolanlage im niederösterreichischen Pischelsdorf in Betrieb genommen.
Seit dem 1. Juni 2021 besetzt Dkfm. Markus Mühleisen (geb. 1966) die Position des Vorstandsvorsitzenden. Mühleisen hat damit den langjährigen Vorstandschef Johann Marihart (geb. 1950) abgelöst, der die Agrana Beteiligungs-AG fast 30 Jahre lang führte.
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Struktur, Wachstum und Kennzahlen
Durch den steten Erwerb verschiedenster Firmen in den Branchen Zucker, Stärke und Fruchtverarbeitung und der laufenden Übernahme neuer Produktionsstandorte, betreibt die Agrana Beteiligungs-Aktiengesellschaft aktuell 10 europäische Zucker- und Stärkefabriken, sowie über 40 Produktionsstandorte weltweit im Industriezweig Frucht. Rund 8.000 Mitarbeiter erwirtschaften in den beiden Geschäftsbereichen Food & Beverage Solutions sowie Agricultural Commodities & Specialities an weltweit 50 Produktionsstandorten einen jährlichen Konzernumsatz von rund 3,2 Milliarden Euro.
| Jahr | Umsatz (in Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|
| 2015 | 2.477,6 | -0,64 % |
| 2016 | 2.561,3 | 3,38 % |
| 2017 | 2.566,3 | 0,20 % |
| 2018 | 2.443 | -4,80 % |
| 2019 | 2.480,7 | 1,54 % |
| 2020 | 2.547,0 | 2,67 % |
| 2021 | 2.901,5 | 13,92 % |
| 2022 | 3.637,4 | 25,36 % |
Geschäftsfelder der Agrana Beteiligungs-AG
Bereich Zucker: Agrana Zucker GmbH
Mit 7 Zuckerfabriken, 2 Rohzuckerraffinerien und einem INSTANTINA Werk, in dem über 300 Produkte, unter anderem für die Eigenmarken SWEETIVA, CLIO, DIXI, SÜSSINA oder WELLNESS FOR YOU sowie Produkte für Eigenmarken von Kunden hergestellt werden, ist die Agrana im Bereich der Zuckerindustrie in Österreich uneingeschränkter Marktführer. Ebenso stark ist das Unternehmen in Ost- und Südeuropa aufgestellt. Die Agrana beansprucht außerdem den Titel als Europas größten Bio-Zuckerproduzenten für sich. Im Einzelhandel werden die Produkte unter länderspezifischen Zuckermarken wie der bekannte „Wiener Zucker“ vertrieben, sowie eine breite Palette an Spezialwaren angeboten.
Eine große Rolle in der Zuckerherstellung bildet die ÖRZG (Österreichische Rübensamenzucht GesmbH), eine Tochtergesellschaft der Agrana Sales and Marketing, die sich in 4 wichtige Kernprozesse unterteilt: Rübensaatgutproduktion, Maisvermehrung, Zwischenfruchtproduktion und einer Versuchsabteilung. Mit der ISO 9001:2015 Zertifizierung möchte die AG die Qualitätssicherung der Produkte gewährleisten.
Bereich Stärke: Agrana Stärke GmbH
Aus den Rohstoffen Mais, Kartoffeln und Weizen hergestellt, bietet die AG verschiedenste Stärkeprodukte an, die in unterschiedlichen Industriezweigen benötigt werden. Darunter fallen nicht nur die Nahrungsmittel- und Genussmittelindustrie, sondern ebenso die Kunststoff-, Papier-, Textil-, Pharma-, Kosmetik- und Bauchemische Industrie. Allgemein legt Agrana großen Wert auf biologische und gentechnikfreie Stärkeprodukte.
In Österreich befinden sich hierfür 3 Produktionsstätten: Die Kartoffelstärkefabrik in Gmünd, die Maisstärkefabrik in Aschach und die Bioethanol- und Weizenstärkefabrik in Pischelsdorf. Letztere bildet Österreichs erste und bisher einzige Bioethanolanlage zur Herstellung von Biosprit.
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Fruchtzubereitungen und Fruchtsaftkonzentrate
Die Fruchtzubereitungen mit ihren global präsenten Produktionsstätten und Vertriebsaktivitäten spielen dabei besonders in der weltweiten Molkerei-, Backwaren- und Eiscremeindustrie eine wichtige Rolle. AGRANA ist Weltmarktführer bei Fruchtzubereitungen sowie weltweit führender Hersteller (und Anbieter) von Apfelsaft- und Beerensaftkonzentraten. Das Fruchtsaftkonzentratgeschäft selbst wird von der AUSTRIA JUICE GmbH betrieben. Das Unternehmen mit Sitz in Kröllendorf (Niederösterreich) besitzt über 14 globale Produktionsstandorte und ist ein Joint-Venture zwischen der Agrana Beteiligungs-AG und der RWA Raiffeisen Ware Austria AG.
Produktion in Leopoldsdorf - Wandel, Schließung und neue Nutzung
Die Zuckerfabrik der Agrana in Leopoldsdorf im Marchfeld muss erhalten bleiben, betonen Bauervertreter und Lokalpolitiker. Nach wochenlangen Gerüchten hatte der Stärke- und Zuckerkonzern am 25. August bekannt gegeben, die Fabrik nach Verarbeitung der heurigen Ernte schließen zu wollen. Dies sei aus wirtschaftlichen Gründen unumgänglich.
Die Agrana brauche bis spätestens November die Zusicherung, dass künftig auf zumindest 38.000 Hektar Zuckerrüben angebaut werden. Zuletzt lag die Anbaufläche laut Agrana bei 26.000 Hektar. Die Kosten der Schließung von Leopoldsdorf bezifferte der Konzern mit „bis zu 35 Millionen Euro, wovon bis zu 15 Millionen Euro liquiditätswirksam wären“.
Es war ein Schock für die Region, als die Agrana im März 2025 einen Schlussstrich ziehen musste: Die Zuckerproduktion wurde an dem Standort eingestellt, zu niedrige Zuckerpreise hatten zu der Entscheidung geführt. Nur noch die Logistik und Lagerung sollten an dem Standort erfolgen. Dass für einen Teil der Gründe so schnell eine Lösung gefunden werden konnte, damit hatte niemand gerechnet: Der Schienenfahrzeughersteller Stadler Austria unterzeichnete noch im April 2025 eine Absichtserklärung, einen Teil der Gründe pachten zu wollen. Ein Jahr später wurde bereits die Eröffnung der neuen Werkhalle gefeiert.
Dort werden seit nunmehr vier Monaten Hochgeschwindigkeitszüge getestet und gewartet. Dazu zählen die Hochgeschwindigkeitszüge der Westbahn ebenso wie die Doppelstockzüge der ÖBB, die in Leopoldsdorf auf Typentests vorbereitet werden. Potenzial, um das auch der Schweizer Unternehmer Peter Spuhler weiß: Seiner Firma, der PCS Holding, gehören Aktien der Stadler Rail. Nun ergriff er die Chance, sich die Agrana-Gründe vollständig zu sichern: Am Donnerstagabend wurde der Kauf zwischen PCS und Agrana in Wien fixiert.
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AGRANA und die PCS Holding des Schweizer Unternehmers Peter Spuhler haben in Beisein von NÖ-Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner einen Vertrag über den Verkauf von Teilen des Geländes der ehemaligen Zuckerfabrik Leopoldsdorf im Marchfeld unterzeichnet. Mit dem Erwerb des rund 50 Hektar großen Areals sichert sich die PCS Holding einen attraktiven Industriestandort mit langfristigen Perspektiven. Ein Teil des Grundstücks ist bereits an den Schienenfahrzeughersteller Stadler verpachtet, der dort seit März 2026 eine neue errichtete Werkhalle für die Inbetriebsetzung, Zulassung und den Service moderner Schienenfahrzeuge betreibt.
Agrana plant, den Standort Leopoldsdorf weiterhin als Zucker-Logistikhub zu führen. „Die zentrale Lage im Herzen Europas, die gut ausgebaute Infrastruktur sowie die Größe und wirtschaftliche Bedeutung des Standorts bieten hervorragende Voraussetzungen für nachhaltige Investitionen. Wir sehen in diesem Grundstück erhebliches Potenzial für eine zukunftsorientierte Nutzung und freuen uns darauf, die nächsten Schritte zu evaluieren“, sagt Spuhler.
Regionale Reaktionen und politische Dimension
„Katastrophe für Leopoldsdorf“ - Der Bürgermeister von Leopoldsdorf, Clemens Nagel (SPÖ), sprach von einer „Katastrophe für die Marktgemeinde Leopoldsdorf im Marchfeld und die gesamte Region“. Ihm zufolge gingen mit der Schließung 150 Voll- sowie 100 Kampagnenarbeitsplätze verloren. Außerdem würde seine Kommune jährlich bis zu 300.000 Euro an Kommunalsteuer verlieren.
Der Präsident des Verbands „Die Rübenbauern“, Ernst Karpfinger, forderte dringlich einen „letzten Anlauf zur Rettung der Zuckerfabrik Leopoldsdorf“. Die Mitglieder seines Verbands seien bereit, die von der Agrana verlangten Flächen zu kontrahieren. Sie bräuchten dafür aber „unbedingt begleitende Maßnahmen von der Politik“. Konkret forderte Karpfinger „verlässliche Rahmenbedingungen beim Pflanzenschutz sowie finanzielle Unterstützung im Kampf gegen den Rüsselkäfer“.
Bauernbund-Präsident Georg Strasser betonte, die Zuckerrübe sei „ein wichtiger Bestandteil in der Fruchtfolge, Böden profitieren vom Anbau dieser Kultur. Zudem ist sie ein wichtiger Einkommensfaktor im Ackerbau. Wir müssen alles tun, um diese wertvolle Pflanze und somit die gesamte Zuckerproduktion in Österreich zu erhalten“. Zuckerimporte aus Südamerika, wo Zucker aus Zuckerrohr wesentlich billiger erzeugt werden kann als Rübenzucker in Österreich, will Strasser „nicht zulassen“.
Komplexe Eigentümer- und Beteiligungsstrukturen
Die österreichischen Rübenbauern sind über die „Zucker und Stärke Holding AG“ (Z&S) nicht unmaßgeblich an der Agrana beteiligt. Der Z&S gehören 78,34 Prozent des Grundkapitals des Konzerns. Sie selbst steht zu 100 Prozent im Eigentum der Agrana Zucker, Stärke und Frucht Holding AG mit Sitz in Wien. An ihr hält die Zucker-Beteiligungsgesellschaft mbH (ZBG) 50 Prozent minus 1 Aktie, die ihrerseits der Agrana Zucker GmbH, einer Tochter der Agrana-Beteiligungs-AG gehört. Die übrigen 50 Prozent der Agrana Zucker, Stärke und Frucht Holding AG sind Eigentum der deutschen Südzucker AG.
Die ZBG wiederum gehört der Raiffeisen-Tochter Almara, der Marchfelder Zuckerfabriken GmbH, der Estezet-Beteiligungsgesellschaft, der Rübenproduzenten-Beteiligungs-GesmbH und der Leipnik-Lundenburger-Invest-Beteiligungs-AG, deren Generaldirektor der ehemalige Landwirtschaftsminister, Vizekanzler und ÖVP-Obmann Josef Pröll ist. Zwischen der Südzucker und der ZBG besteht ein Syndikatsvertrag, mit dem die beiden Gesellschaften ihre Stimmrechte gebündelt haben. Außerdem gibt es Übertragungsbeschränkungen für die Aktien sowie Nominierungsrechte für die Organe der Agrana und der Südzucker.
Forschung, Entwicklung und Klimastrategie
Mit dem firmeneigenen ARIC (Agrana Research & Innovation Center) in Tulln betreibt die Agrana ein eigenes Forschungszentrum für Produkt- und Produktinnovationen. Das ARIC ist dabei stark mit anderen Forschungseinrichtungen vernetzt und widmet sich Themen wie Clean Label, Ernährungsphysiologie, Süßungsmittel und Aromen. Am ARIC in Tulln befindet sich auch eine staatlich akkreditierte Prüfstelle für Zuckerrüben und deren Ertrags- und Qualitätsprüfung.
Hohe Priorität hat bei der Agrana das Nachhaltigkeit. Seit 2014 ist die Agrana Beteiligungs-AG Mitglied der SAI Plattform (Sustainable Agriculture Initiative Platform), die Möglichkeiten der Dokumentation nachhaltiger Umwelt- und Sozialkriterien in der agrarischen Lieferkette anbietet. Eines dieser Tools ist das Farm Sustainability Assessment, kurz FSA; dabei handelt es sich um einen Fragebogen, der von Agrana zur Bewertung von Vertragslandwirten für mehrere Rohstoffkategorien eingesetzt wird.
Hohe Priorität haben zudem der Einsatz emissionsarmer Technologien und die möglichst restlose Verwertung alles Einsatzten. AGRANA legt Wert auf Qualität, Nachhaltigkeit und Innovation entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Management und Aufsichtsrat (Auszug)
- Vorstand: Markus Mühleisen (VstVors), Ingrid-Helen Arnold, Stephan Büttner; Norbert Harringer; Mag. Erwin; Dr.; MBA Mag. Buchleitner Klaus; Dipl.-Ing. Bogner Daniela (AR v BR del); u. a.
- Aufsichtsrat: Erwin Hameseder (ARVors); Hans-Jörg Gebhard (1. ARVorsStv); Klaus Buchleitner (2.)
AGRANA wurde 1988 gegründet, ist Weltmarktführer bei Fruchtzubereitungen sowie weltweit führender Hersteller (und Anbieter) von Apfelsaft- und Beerensaftkonzentraten. Als international tätiges Unternehmen mit österreichischen Wurzeln verarbeitet AGRANA seit über drei Jahrzehnten landwirtschaftliche Rohstoffe zu hochwertigen Produkten.
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