Zucker im Urin ohne Diabetes: Ursachen und Bedeutung
Die Glucosurie, auch als Harnzucker bekannt, beschreibt das Vorhandensein von Glucose (Zucker) im Urin. Normalerweise filtern die Nieren Glucose aus dem Blut und resorbieren sie vollständig zurück in den Blutkreislauf. Wenn jedoch die Glukosekonzentration im Blut einen bestimmten Schwellenwert übersteigt oder eine Nierenfunktionsstörung vorliegt, kann Glucose in den Urin gelangen. Während Glucosurie oft mit Diabetes mellitus in Verbindung gebracht wird, gibt es auch andere Ursachen, die zu dieser Erkrankung führen können.
Was ist Glucosurie?
"Harnzucker" ist die Bezeichnung für "Glukose (Traubenzucker) im Urin". Normalerweise enthält der Urin so wenig Glukose, dass der Harnteststreifen sich nicht verfärbt. Der Urintest ist dann "negativ", also "normal". Ab circa 40 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) Urin verfärbt sich der Harnteststreifen - der Urintest ist "positiv". Das kann ein Anzeichen für eine Zuckerkrankheit (Diabetes) oder für eine Nierenerkrankung sein.
Normalerweise wird mit dem Urin in 24 Stunden die geringe Menge von etwa 70 mg Glukose ausgeschieden. Nach kohlenhydratreicher Nahrung kann die Glukosekonzentration im Urin auch ansteigen. Gesunde Menschen scheiden dennoch normalerweise weniger als 200 mg Glukose in 24 Stunden aus. Der Glukosewert im Urin ist normal, wenn sich der Harnteststreifen im Testfeld "Glukose" nicht verfärbt. Der Arzt sagt dann: "Der Urintest ist negativ." Das bedeutet: Der Glukosewert im Urin ist so niedrig, dass das Ergebnis "normal" ist.
Ursachen von Glucosurie
Die Glucosurie kann verschiedene Ursachen haben, wobei Diabetes mellitus eine der häufigsten ist.
Diabetes mellitus: Bei Diabetes Typ 1 und Typ 2 ist der Blutzuckerspiegel chronisch erhöht, was zu einer erhöhten Glucosekonzentration im Blut führt. Wenn der Blutzuckerspiegel einen bestimmten Schwellenwert überschreitet, können die Nieren die überschüssige Glucose nicht mehr vollständig zurückgewinnen und es tritt Glucosurie auf. Bis zu einem Blutzuckerspiegel von 160 bis 180 mg/dl (8,9 bis 10 mmol/l) schaffen es die Nierentubuli, fast die gesamte Glukose aus dem Vorharn wieder zurück ins Blut zu holen. Ist der Blutzuckerwert jedoch noch höher, wie das zum Beispiel bei einer Zuckerkrankheit der Fall sein kann, dann sind die Glukosetransporter der Nierentubuli überlastet. An diesem Punkt ist die sogenannte "Nierenschwelle" überschritten. Mit dem Urin wird dann auch eine größere Menge Glukose ausgeschieden (Glukosurie). Der Harnteststreifen verfärbt sich, der Urintest auf Glukose ist dann "positiv".
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Renale Glucosurie: In seltenen Fällen kann eine sogenannte renale Glukosurie vorliegen. Dabei handelt es sich um eine genetisch bedingte Störung der Nierentubuli, bei der Zucker in den Urin gelangt, obwohl der Blutzuckerspiegel normal ist. Auch bei verschiedenen Nierenerkrankungen kann der Glukosewert im Urin erhöht sein. Das ist zum Beispiel bei einer angeborenen Nierenerkrankung der Fall, bei der die Transporter-Eiweiße in den Nierentubuli, welche die Glukose zurücktransportieren, defekt sind. Aber auch nach schweren erworbenen Nierenerkrankungen (zum Beispiel Nierenentzündungen, Schwermetallvergiftungen) können die Nierentubuli defekt sein.
Andere Ursachen:
- Schwangerschaft: Während der Schwangerschaft kann es aufgrund hormoneller Veränderungen und einer erhöhten Filtrationsrate der Nieren zu Glucosurie kommen.
- Medikamente: Die Einnahme bestimmter Medikamente, wie z. B. Gliflozine (SGLT-2-Hemmer), kann zu Glucosurie führen, da diese die Rückresorption von Glukose in den Nieren beeinflussen.
- Ernährung: Nach kohlenhydratreicher Nahrung kann die Glukosekonzentration im Urin auch ansteigen.
- Stress: Starker Stress kann zu einem vorübergehenden Anstieg des Blutzuckerspiegels und somit zu Glucosurie führen.
Symptome der Glucosurie
Die Symptome einer Glucosurie können variieren und hängen von der zugrunde liegenden Ursache ab. Oftmals verursacht eine Glucosurie keine spezifischen Symptome und bleibt daher unbemerkt. In einigen Fällen können jedoch vermehrtes Wasserlassen (Polyurie), erhöhter Durst (Polydipsie) und Gewichtsverlust auftreten. Dies liegt daran, dass überschüssige Glucose im Urin ausgeschieden wird und somit dem Körper Energie entzogen wird.
Diagnose der Glucosurie
Die Glucosurie wird häufig durch den Nachweis von Glukose im Urin mittels Urinuntersuchungen festgestellt. Der Zucker im Urin lässt sich mittels Urinteststreifen nachweisen, die durch eine Verfärbung eine visuelle Einschätzung des Glukosegehalts ermöglichen. Diese Methode ist unkompliziert und zeigt sofort ein Ergebnis an. Früher war die Urinzuckerbestimmung ein häufig genutztes Mittel zur Überwachung des Diabetes, wurde jedoch weitgehend durch die Blutzuckermessung ersetzt.
Es ist wichtig, die Ursache der Glucosurie zu ermitteln, da sie auf verschiedene medizinische Zustände hinweisen kann. Bei Diabetes mellitus ist eine optimale Blutzuckerkontrolle entscheidend, um die Glucosurie zu reduzieren oder zu vermeiden. Die regelmäßige Überwachung des Blutzuckerspiegels und die Anpassung der Diabetes Behandlung sind notwendig, um eine gute Stoffwechselkontrolle zu erreichen.
Die Nierenschwelle
Die sogenannte Nierenschwelle liegt bei etwa 180 mg/dl (10 mmol/l) Blutzucker. Wird dieser Wert überschritten, spricht man von einer Glukosurie, weil die Nieren dann nicht mehr in der Lage sind, den Zucker zurück in den Blutkreislauf zu filtern. Der überschüssige Zucker wird über den Urin ausgeschieden. Bis zu einem Blutzuckerspiegel von 160-180 mg/dl (= 8.9 - 10.0 mmol/l) können die Nieren meist die gesamte Glucose wieder in das Blut zurückführen.
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Diabetische Nephropathie als Folge von Diabetes
Eine diabetische Nephropathie ist eine Schädigung der Nieren als Folge eines lange bestehenden Diabetes. Wenn der Blutzuckerspiegel auf Dauer zu hoch ist, bilden sich Ablagerungen in den Blutgefäßen. Diese sogenannte Arteriosklerose verengt und beschädigt die Gefäße. Die stark durchbluteten Nieren sind davon besonders betroffen. Liegt eine diabetische Nephropathie vor, werden die kleinen Blutgefäße in den Nieren beschädigt. Darunter leidet die Filterfunktion der Niere und Stoffwechsel-Abbaustoffe können nicht mehr richtig ausgeschieden werden. Zusätzlich zu einem hohen Blutzuckerwert erhöhen weitere Faktoren das Risiko für eine diabetische Nephropathie:
- Veranlagung
- Bluthochdruck
- eiweißreiche Ernährung
- zu hohe Blutfettwerte
- Rauchen
Viele Betroffene haben lange Zeit keine Beschwerden. Eine länger bestehende diabetische Nephropathie kann folgende Symptome auslösen:
- Kopfschmerzen und Erschöpfung
- Ödeme (Wassereinlagerungen), z.B. an den Beinen
- Juckreiz
- schäumender Urin
- 'milchkaffeeartig' verfärbte Haut
- Blutarmut
Da die Erkrankung in vielen Fällen zunächst keine Symptome verursacht, wird die diabetische Nephropathie oft zufällig durch Auffälligkeiten bei einer Urinuntersuchung entdeckt. Um gezielt festzustellen, ob eine diabetische Nephropathie vorliegt, testet der Arzt den Albuminwert im Urin. Albumin ist ein Eiweiß, das normalerweise im Blut vorkommt, bei einer gestörten Nierenfunktion aber verstärkt mit dem Urin ausgeschieden wird. Weil auch beispielsweise Infekte oder körperliche Betätigung zu einem erhöhten Eiweißwert führen können, sind mehrere Untersuchungen notwendig. Außerdem untersucht der Arzt die sogenannten Nierenfunktionswerte im Blut: Bei einer eingeschränkten Nierenfunktion sind die Werte für die Stoffwechsel-Abbauprodukte Kreatinin, Harnsäure und Harnstoff erhöht.
Unbehandelt kann eine diabetische Nephropathie zu einem Nierenversagen führen. Entscheidend für einen positiven Krankheitsverlauf ist vor allem, dass der Blutzuckerwert möglichst frühzeitig optimal eingestellt wird. Um die Nierenfunktion zu stabilisieren und eine Verschlimmerung der diabetischen Nephropathie zu verhindern, sollte der Langzeit-Blutzuckerwert (HbA1c) unter 7,0 Prozent liegen. Des Weiteren sollte der behandelnde Arzt die Medikamenteneinnahme des Patienten daraufhin überprüfen, ob die eingenommenen Mittel zusätzlich die Nieren belasten und die Medikation gegebenenfalls anpassen.
Die Behandlung einer diabetischen Nephropathie sollte außerdem folgende Punkte berücksichtigen:
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- Bluthochdruck senken
- gesunde, eiweiß- und salzreduzierte Ernährung
- genügend trinken
- Übergewicht abbauen
- nicht rauchen
- regelmäßige Kontrolle von Blutzucker, Blutdruck und Blutfett (Cholesterin)
Ketoazidose als Komplikation bei Diabetes
Die diabetische Ketoazidose ist eine schwere Form der Stoffwechselentgleisung, die besonders Menschen mit Typ-1-Diabetes betrifft. Der Körper übersäuert infolge von Insulinmangel. Ketone sind eine Klasse von chemischen Verbindungen, die im Körper bei der Fettverbrennung entstehen und die normalerweise in geringen Mengen im Körper vorhanden sind. Zu viele Ketone gelangen bei einem Insulinmangel, wie er bei Diabetes mellitus Typ 1 typisch ist, ins Blut - es kommt zur Ketoazidose.
Fehlt es den Körperzellen an Glukose, greifen sie auf einen anderen Stoffwechselweg zurück, bei dem unter anderem gespeicherte Fette zu Ketonen abgebaut werden. Fachleute sprechen auch von „Ketonkörpern“, womit mehrere Verbindungen - unter anderem Aceton - gemeint sind. Nach und nach reichern sich die Ketone allerdings auch im Blut an und führen dazu, dass der pH-Wert sinkt, das Blut also übersäuert. Das hat weitreichende Folgen im gesamten Organismus und kann bleibende Schäden anrichten. Ohne rasche Behandlung kann eine Ketoazidose in ein diabetisches Koma übergehen und bei einem schweren Verlauf zum Tod führen.
Eine diabetische Ketoazidose (DKA) betrifft meist Menschen mit Typ-1-Diabetes, kann aber in ganz seltenen Fällen auch bei Typ-2-Diabetes auftreten. Besonders gefährdet sind Kinder und Jugendliche mit einem noch nicht diagnostizierten Diabetes Typ 1. In seltenen Fällen können auch Personen ohne Diabetes durch übermäßigen Alkoholkonsum eine Ketoazidose entwickeln (alkoholische Ketoazidose, AKA).
Häufige Ursachen für eine Ketoazidose bei bekanntem Diabetes ist, dass die Insulingabe vergessen oder das Insulin selbständig abgesetzt wurde. Bei Menschen, die eine Insulinpumpe nutzen, kann eine Ketoazidose darauf hindeuten, dass das Gerät nicht richtig funktioniert oder nicht richtig eingestellt ist. Häufige Auslöser einer Ketoazidose bei bestehendem Diabetes sind auch Infektionen mit Fieber wie Harnwegs- oder Lungenentzündungen. Durch sie verbraucht der Körper mehr Energie, für deren Gewinnung er mehr Glukose und mehr Insulin benötigt. Auch ein Herzinfarkt, ein Schlaganfall oder eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) können bei einer Zuckerkrankheit eine Ketoazidose auslösen. Arzneimittel zur Entwässerung (Diuretika) oder Kortisonpräparate sind ebenfalls mögliche Verursacher.
Typische Symptome einer Ketoazidose sind Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Da diese aber auch auf viele andere Erkrankungen hindeuten können, sind sie bei einem noch unbekannten Diabetes oft schwer zu deuten. Daneben zeigen Betroffene oft Symptome einer Überzuckerung, etwa sehr häufiges Wasserlassen, Abgeschlagenheit und starken Durst. Zudem führt die diabetische Ketoazidose aufgrund der großen Urinmengen oft zu einer Dehydrierung. Ein deutlicher Hinweis ist die sogenannte Kußmaul-Atmung (nach dem Arzt Adolf Kußmaul), bei der die Betroffenen sehr tief und rasch aufeinanderfolgend ein und aus atmen. Der Körper versucht auf diese Weise, den Säuregrad des Blutes wieder auszugleichen. Die ausgeatmete Luft hat dabei einen auffälligen Geruch, der an vergorenes Obst oder Nagellackentferner erinnern kann. Dieser Effekt geht auf die enthaltenen Ketone, insbesondere Aceton, zurück. Bei mittlerem bis schwerem Verlauf der Ketoazidose kommen Kopfschmerzen hinzu, in schweren Fällen auch Anzeichen einer eingeschränkten Gehirn- und Nervenfunktion. Anschließend kommt es zu Taumeln, Missempfindungen, Lähmungen oder Bewusstseinstrübungen. Die Betroffenen werden schläfrig und können das Bewusstsein verlieren.
Die Folgen einer diabetischen Ketoazidose können schwerwiegend sein. Schwere Verläufe führen unbehandelt zu einem diabetischen Koma und zum Tod. Untersuchungen haben gezeigt, dass schon eine diabetische Ketoazidose bei Kindern oder Heranwachsenden die Gehirnentwicklung schädigen kann. Kinder, die eine mittlere bis schwere Ketoazidose erlitten hatten, zeigten später ein verändertes Hirnwachstum und waren geistig weniger leistungsfähig.
Diabetes Typ 2: Entstehung und Behandlung
Diabetes Typ 2 beginnt schleichend und mit unspezifischen Symptomen. Unbehandelt führt der Diabetes mellitus zu schweren Folgeerkrankungen. Der Diabetes mellitus zählt in den Industrieländern zu den meistverbreiteten Volkskrankheiten. Allein in Deutschland behandeln Ärztinnen und Ärzte rund acht Millionen "Zuckerkranke". Unterschieden wird zwischen Typ 1 und Typ 2, wobei vor allem Letzterer als Wohlstandskrankheit gilt - über 90 Prozent aller Diabetikerinnen und Diabetiker leiden daran. Vom Typ-1-Diabetes sind deutlich weniger aller "Zuckerkranken" betroffen. Nach Schätzungen aus dem Jahr 2012 haben in Deutschland 7,2 Prozent der Bevölkerung einen bekannten Diabetes und zusätzlich 2,1 Prozent einen unentdeckten. Aktuellen Zahlen des RKI zufolge hat - zusätzlich zu den diagnostizierten Diabetikern - mindestens jeder fünfte Erwachsene in Deutschland auffällige Blutzuckerwerte.
Ein Typ-2-Diabetes entsteht meist schleichend ohne auffällige Symptome und kann über Jahre unbemerkt bleiben. Genau das ist das Heimtückische: Der Körper merkt sich jede einzelne Überzuckerung ("Zuckergedächtnis") und präsentiert Jahre später die Folgen, etwa Nervenschäden oder Durchblutungsstörungen besonders an Unterschenkeln und Füßen. Die Neigung zu Typ-2-Diabetes ist erblich. Doch nicht jeder mit der Veranlagung zu dieser Kohlenhydrat-Stoffwechselstörung erkrankt auch tatsächlich daran.
Insulin ist ein lebenswichtiges Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Es vermittelt die Aufnahme des Energielieferanten Glukose (Zucker) aus dem Blut in die Körperzellen und senkt dadurch den Blutzuckerspiegel. Wenn die Zellen weniger empfindlich für Insulin werden (resistent), benötigt der Stoffwechsel immer mehr Insulin. Ein anerkanntes Maß zur Einschätzung der Insulinresistenz ist der Homa-Index. Er berechnet sich aus der Nüchtern-Insulin- und Nüchtern-Glukose-Konzentration nach etwa 12 Stunden Nahrungspause. Der Wert sollte idealerweise kleiner sein als 2,5. Bei Typ-2-Diabetikern liegt er durchschnittlich über 5,0. Die Forschung geht heute davon aus, dass die Insulinresistenz vererbt werden kann. Wer seinen Körper mit vielen Portionen leicht verwertbarer Kohlenhydrate versorgt, hält die Bauchspeicheldrüse im Dauerbetrieb. Insulinresistente Menschen haben mehr Insulin im Blut als gesunde, trotzdem kann der Körper das Überangebot an Zucker nicht mehr im Gewebe unterbringen. Der ständig erhöhte Insulinspiegel wirkt sich an anderer Stelle aus: Der Körper lagert mehr Fett ein - im Bauchraum wie auch in den Organen. Die Folge ist Übergewicht, häufige Vorstufe beziehungsweise Begleiterkrankung von Diabetes mellitus ist außerdem eine Fettleber. In den Gefäßen bilden sich zudem gefährliche Ablagerungen.
Allgemeines Unwohlsein und Abgeschlagenheit sind erste Anzeichen dafür, dass die aufgenommene Nahrungsenergie (Kohlenhydrate/Zucker) wegen einer Insulinresistenz nicht in den Körperzellen ankommt. Doch wer sucht deshalb gleich einen Arzt oder eine Ärztin auf? Dabei sind die Chancen auf Heilung in diesem Stadium (Prädiabetes) noch ausgezeichnet. Der Volksmund nennt Diabetes auch Zuckerkrankheit und benennt damit schon das Hauptanzeichen: Nachweis von Zucker im Urin. Zunächst wird in der Arztpraxis der Blutzucker bestimmt. Man unterscheidet zwischen Nüchternblutzucker und Gelegenheitsblutzucker. Der normale Nüchternblutzucker beträgt höchstens 100 Milligramm pro Deziliter. Bei Nüchternblutzucker-Werten bis zu 125 Milligramm pro Deziliter kann Prädiabetes vorliegen. Bei noch höheren Werten besteht der Verdacht auf Diabetes mellitus.
Wer rechtzeitig den Lebensstil umstellt, kann große Mengen an Medikamenten vermeiden und die Insulinresistenz sogar wieder umkehren. Etwa die Hälfte aller Typ-2-Diabetikerinnen und -Diabetiker könnten ihre Krankheit allein schon durch gezielte Bewegung und eine bewusste Ernährung zurückdrängen. Übergewichtige Menschen sind dabei sogar im Vorteil, denn oft reicht ihr Insulin schon wieder aus, wenn sie einige Kilo abgenommen haben. In schwierigeren Fällen kann eine ärztlich begleitete Formula-Diät beim Einstieg ins Abnehmen helfen. Ein unkomplizierter und sehr wirksamer Weg in die Ernährungsumstellung sind Hafertage: Als Kurzkur machen sie die Körperzellen nachweislich wieder empfindlicher für Insulin.
Bewusste Ernährung bei Diabetes bedeutet: Es gibt zwar keine Tabus - aber die Mengen spielen eine erhebliche Rolle. Kohlenhydrate (wie Brot, Obst oder Süßes) fördern den Blutzuckeranstieg, einfache Kohlenhydrate lassen den Blutzucker besonders steil ansteigen. Deshalb sollte man bei Diabetes Süßes und Weißmehlprodukte unbedingt einschränken: täglich insgesamt maximal eine Handvoll davon. Auch Brot und Beilagen sollten weniger und generell nur in der komplexen, also ballaststoffreichen Variante auf den Tisch kommen: Vollkornbrot, -nudeln, -reis, ungezuckerte Getreideflocken. Der Körper profitiert von vier- bis fünfstündigen Esspausen, denn nur in diesen kleinen Fastenintervallen kann er auf Fettverbrennung schalten. Zwischenmahlzeiten oder auch kalorienhaltige Getränke wie Softdrinks, Latte Macchiato und Co. Bewegung hilft unmittelbar, weil Muskeln Glukose brauchen: Sie entnehmen ihre Energie dem Blutzucker. Die Gleichung ist schlicht: Je mehr Muskeln aufgebaut werden, desto eher und schneller sinkt der Blutzuckerspiegel. Diabetikerinnen und Diabetiker sollten deshalb durch gezielte Kraftübungen Muskulatur aufbauen. Daneben brauchen Betroffene regelmäßiges Ausdauertraining, das kann dauerhaft den Blutzuckerspiegel senken. Tabletten können die Ernährungsumstellung unterstützen. Metformin und einige andere Substanzen (wie zum Beispiel GLP-1-Analoga, SGLT-2-Hemmer) fördern sogar die Gewichtsreduktion. Der Einsatz von Insulin sollte gut abgewogen werden, da ein Teufelskreis aus Gewichtszunahme und Insulin-Dosissteigerung droht.
Behandlung von Glucosurie bei Diabetes
Ein gutes Blutzuckermanagement und strikte Kontrolle des Blutdrucks stellen die wichtigsten Faktoren dar, um die Entwicklung und das Voranschreiten einer diabetischen Nierenerkrankung zu verhindern beziehungsweise zu verzögern. Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Deutsche Diabetes Gesellschaft als Therapieziel einen Blutzucker-Langzeitwert von unter 7,0 Prozent (unter 53 mmol/mol). Ausgenommen sind Patientinnen und Patienten, die unter einer Wahrnehmungsstörung von Unterzuckerungen (Hypoglykämien) leiden oder bei denen bereits eine Schädigung der mittleren und großen Blutgefäße vorliegt. Bei ihnen sollte der Zielbereich für den HbA1c-Wert unter Berücksichtigung der individuellen Gegebenheiten durch die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt festgelegt werden.
Aufgrund ihrer unterschiedlichen Wirkmechanismen auf den Zuckerstoffwechsel und möglichen Nebenwirkungen eignen sich nicht alle blutzuckersenkenden Medikamente gleich gut zur Diabetes-Therapie, wenn eine Nierenerkrankung vorliegt. In mehreren groß angelegten Studien konnten für die Wirkstoffgruppe der Gliflozine (SGLT-2-Hemmstoffe) und der GLP-1-Agonisten schützende Effekte auf die Nieren und das Herz-Kreislauf-System nachgewiesen werden. Somit stellen sie Therapieoptionen dar, wenn keine Unverträglichkeiten oder andere Faktoren, die gegen die Einnahme dieser Medikamente sprechen, vorliegen.
Wenn eine optimale Blutzuckereinstellung bei Menschen mit Typ-2-Diabetes durch die Einnahme von blutzuckersenkenden Tabletten, sogenannten oralen Antidiabetika, nicht mehr gewährleistet werden kann, kann ein Wechsel hin zu einer Insulintherapie hilfreich sein. Dies gilt ebenfalls, wenn die Patientin oder der Patient häufig in den Unterzucker gerät, oder sich das allgemeine Wohlbefinden verschlechtert. Auch sollten blutzuckersenkende Tabletten ab einer Filtrationsrate der Nieren von unter 60 Milliliter pro Minute (Stadium 3) nur noch eingeschränkt und unter einer engmaschigen Kontrolle der Nierenfunktion zur Diabetes-Therapie eingesetzt werden. Liegt eine schwere Nierenfunktionsstörung mit einer Filtrationsrate unter 30 Milliliter pro Minute vor, sind orale Antidiabetika nicht mehr anwendbar.
Ab Stadium 3 der Nierenschädigung (moderate Funktionseinschränkung), bei einem schnellen Fortschreiten der Erkrankung oder bei Nierenschäden, die auf eine andere Ursache als die Diabetes-Erkrankung hindeuten, sollte eine nephrologische Mitbetreuung erfolgen.
Sind die Nieren so stark geschädigt, dass es zu einem chronischen Nierenversagen kommt, ist eine Nierenersatztherapie lebensnotwendig. Eine Nierenersatztherapie umfasst medizinische Verfahren, die angewendet werden, um die Funktion der Nieren zu ersetzen. Am häufigsten wird die Dialyse, ein Verfahren zur Reinigung des Blutes, eingesetzt. Auch kann eine Organtransplantation durchgeführt werden. Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes werden, wenn möglich, Niere und die insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse zusammen transplantiert, bei Menschen mit Typ-2-Diabetes dagegen in der Regel nur die Niere.
Neben der Blutzuckereinstellung spielt auch die Blutdruckeinstellung eine wichtige Rolle bei der Therapie der diabetischen Nierenerkrankung. Bluthochdruck erhöht das Risiko für eine weitere Schädigung der Nieren und die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Daher sollten erhöhte Blutdruckwerte medikamentös behandelt werden. Besonders geeignet sind hierbei ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten (AT1-Blocker). Als Zielwerte sollten bei Menschen mit Diabetes Blutdruckwerte von 130/80 mmHg oder niedriger, aber nicht unter 120/70 mmHg, angestrebt werden.
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