Zucker Bunker Bremen: Geschichte und Nutzung

Der Hochbunker in der Hans-Böckler-Straße, bekannt als Diakonissenbunker, erlebt derzeit eine beeindruckende Transformation. Jahrzehntelang stand das markante Bauwerk als stummer Zeuge der Vergangenheit in der Bremer Stadtlandschaft, nun wird es dank der Initiative des Zucker e.V. und des ZuckerClubs zu neuem Leben erweckt. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte, die architektonische Besonderheit und die geplante Nutzung des Bunkers sowie dessen Bedeutung für die Bremer Kulturszene.

Historische Aufnahme Diakonissenbunker Bremen

Geschichte des Zucker Bunkers

Der Bunker wurde 1941 erbaut und diente während des Zweiten Weltkriegs als Schutzraum für das nahegelegene Diakonissenhaus. Bremen war Ziel zahlreicher Luftangriffe, und der achtgeschossige Bunker war ursprünglich für 1500 Menschen ausgelegt. Tatsächlich sollen sich während Fliegerangriffen bis zu 8000 Menschen darin gedrängt haben - dicht an dicht, häufig im Dunkeln bei Stromausfällen.

Die Kommunikation zwischen den verschiedenen Räumen erfolgte über Fernsprechgeräte, die durch Kurbeln betrieben werden mussten. Das Bauwerk überstand die verheerende Nacht des 19. August 1944, als mehr als 100.000 Bomben auf Bremen niederregneten, und wurde nach dem Krieg zunächst als Krankenhaus weiter genutzt. In den 1960er Jahren wurde er zum Atomschutzbunker umgebaut und diente später dem Zivilschutz.

Luftangriffe auf Bremen und Bunkerstruktur

Architektonische Besonderheiten

Der Diakonissenbunker ist eines von circa 100 erhaltenen Bunkern in Bremen. Besonders auffällig ist das Wandbild „Look at me, look at you“ von Victor Ash, das 2009 für den 32. Deutschen Evangelischen Kirchentag entstand und mit seinen 25 Meter hohen Figuren das Gebäude prägt.

Die massiven, zwei Meter dicken Betonwände machen Umgestaltungen zur Herausforderung. Fenster können beispielsweise nicht einfach herausgeschnitten werden, da ein Kubikmeter Beton etwa 2,4 bis 2,5 Tonnen wiegt. Trennschnitte und das Verladen einzelner Teilstücke sind erforderlich, um das Gebäude behutsam für die neue Nutzung zu öffnen. Der geplante Umbau umfasst auch die Installation von Brandschutztüren, Lüftungen und technischen Gebäudeausrüstungen sowie die teilweise Herausnahme von Geschossdecken, sodass ein Mainfloor mit einer Höhe von etwa 5,50 Metern entsteht.

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Merkmale Details
Baujahr 1941/1942
Ursprüngliche Nutzung Krankenhausbunker
Anzahl Stockwerke 8
Gesamtfläche ca. 1500 m²
Wandstärke ca. 2 Meter
Innenleben eines Hochbunkers - Technik und Bauweise

Von der Vergangenheit in die Zukunft: Der Zucker e.V. und das neue Nutzungskonzept

Nach mehr als zehn Jahren Raumsuche, über 60 besichtigten Immobilien und zahlreichen Rückschlägen hat der Verein Zucker e.V. im März 2021 den Bunker gekauft. Der entsprechende Erbpachtvertrag mit der Wirtschaftsförderung Bremen GmbH (WFB) wurde auf 70 Jahre geschlossen. Intensive Gespräche zwischen der WFB und dem Wirtschaftsressort überzeugten sogar die Nachbarn von dem neuen Nutzungskonzept. Das Projekt steht für die positive Durchmischung und Weiterentwicklung des Quartiers Überseestadt.

Der renommierte Zucker-Club, gegründet 2003 als „Zuckerwerk“, ist eine feste Größe in der Bremer Kulturszene und hat nach Jahren des Umherziehens endlich ein dauerhaftes Zuhause gefunden. Als einer der markantesten Bunker Bremens bietet er viel Platz - über sechs Etagen entstehen ein Club mit mehreren Floors, Ateliers, Studios und Werkstätten.

Geplante Nutzung und Umbau

Seit Ende 2015 planen die Mitglieder des Zucker-Kollektivs die Umgestaltung des Bunkers. Die Finanzierung stemmt der Verein durch eine Mischung aus einem Kredit bei der GLS Bank, Fördergeldern der WFB, Crowdfunding-Aktionen und Unterstützung durch Stiftungen. Die Gesamtkosten betragen etwa 1,5 Millionen Euro, ein Großteil der Arbeiten wird in Eigenregie und mit freiwilliger Unterstützung gestemmt.

Umbauarbeiten im Bunker, Vereinsmitglieder am Werk

Die Umnutzung eines Bunkers als Kunst- und Kulturzentrum stellt Architektinnen und Architekten vor einzigartige Herausforderungen: Licht und Luft müssen in die dunklen Räume gebracht werden, ohne den charakteristischen Charme des Gebäudes zu verlieren. Photovoltaikanlagen auf dem Dach sind geplant, um einen Teil des Energiebedarfs zu decken. Nachhaltigkeit ist ein zentrales Thema - die weitere Nutzung bestehender Strukturen spart Ressourcen.

Kulturelles Angebot und Ausstellungen

Auf den Stockwerken soll ein kreativer Mix aus Musik, Kunst und Veranstaltungen stattfinden und breiten Raum für die Bremer Subkultur bieten. Neben den Dancefloors sind Ausstellungsflächen, Ateliers, Studios und Werkstätten für Künstlerinnen und Künstler vorgesehen. Eine Dauerausstellung zur Geschichte des Diakonissenbunkers wird die NS-Vergangenheit aufarbeiten und den Bunker als Zeitzeugen sichtbar machen.

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Ein Aufzug sorgt für Barrierefreiheit, und die fünf für die Öffentlichkeit zugänglichen Etagen schaffen einen lebendigen Treffpunkt für Bremerinnen und Bremer sowie Besucher aus dem europäischen Ausland.

Vorstellung Zucker Bunker Bremen: Kunst, Architektur & Subkultur

Bedeutung für die Stadtentwicklung und die Kulturszene

Der Zuckerbunker wird zum Schutzort für Subkultur und bringt frischen Wind in die Überseestadt. Hier entsteht auf einer Fläche von etwa 18 × 24 Metern ein Ort, an dem Kreative sich ausprobieren können. Das Projekt hat Strahlkraft über Bremen hinaus, wie internationale Berichte zur Baugenehmigung zeigen.

Durch den partizipativen Ansatz des ZuckerClubs werden Bürgerinnen und Bürger aktiv in den Planungsprozess einbezogen. Workshops, Informationsveranstaltungen und Online-Plattformen ermöglichen es Interessierten, ihre Ideen einzubringen. Eine Balance zwischen Bewahrung der Geschichte und Neuinterpretation ist das Ziel - so bleibt der ursprünglich als Schutzraum konzipierte Bunker auch künftig ein Ort mit Bedeutung.

Der Zucker-Club, der als Treffpunkt der Bremer Subkultur gilt, hat nach jahrelanger Raumsuche und wechselnden Standorten wie dem Lankenauer Höft und dem Kellogg-Gelände nun ein dauerhaftes Zuhause in einem Gebäude von historischer und kultureller Relevanz.

Zucker-Club: Architektur und künstlerische Umsetzung

Finanzierung und Herausforderungen

Die Finanzierung des Projekts ist vielfältig: Neben dem Kredit bei der GLS Bank gab es Crowdfunding mit Unterstützung von knapp 1200 Zupporter*innen, Fördergelder der WFB im Rahmen eines Wettbewerbs, Stiftungsmittel und weitere Spenden. Durch die hohe Kunst des Bauens ohne Geld, radikaler Selbstausbeutung und kreative Finanzierungsmodelle meisterte der Verein Verzögerungen, rechtliche Hürden und die Herausforderungen der Baubranche.

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Finanzierungsquelle Betrag (ca.)
Kredit (GLS Bank) 600.000 €
WFB-Förderung 100.000 €
Crowdfunding 60.000 €
Stiftungen & Spenden Mehrere größere Beträge
Gesamtkosten 1,5 Millionen €

Die geplante Eröffnung im Herbst 2025 wird das Quartier bereichern - als Vorbild für die Transformation von militärischen Relikten in Orte für Kultur, Nachhaltigkeit und gesellschaftliches Engagement.

Übersicht Überseestadt Quartier Bremen - Urbanes Leben

Der Zucker Bunker als Modellprojekt

Die Transformation des Bremer Zucker Bunkers steht für die Kraft der Kultur, nachhaltige Stadtentwicklung und bürgerschaftliches Engagement. Die Umnutzung respektiert die Geschichte - insbesondere die NS-Vergangenheit und den Einsatz von Zwangsarbeit beim Bau - und schafft einen neuen Raum für Vielfalt und kreative Projekte. Der ZuckerBunker ist nicht nur ein Gebäude, sondern ein Statement für die Zukunft Bremens und kann Vorbild für andere Städte sein, in denen Bunker und militärische Relikte ungenutzt stehen.

Kulturelle Projekte im Bunker - Workshop, Club, Ausstellung

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