Zuckerbörse London: Geschichte und Funktionsweise
Die Entwicklung der Zuckerbörse und der Zuckerproduktion in London ist eng mit der Geschichte der Stadt als weltweit bedeutende Finanz- und Handelsmetropole verbunden. Von den ersten Kaffehäusern, in denen Händler ihre Geschäfte abwickelten, bis hin zu den modernen Handelsplätzen entwickelte sich die City of London als Zentrum des internationalen Zuckerhandels.
Die Ursprünge: Kaffeehäuser und Royal Exchange
Die Anfänge der heutigen Finanzmetropole City of London liegen insbesondere in Pubs und Kaffeehäusern, in denen rüpelige Händler ihre Deals abwickelten. Damals hatten die Leute keine Büros, in denen sie arbeiten konnten. Stattdessen wickelten sie ihre Geschäfte im Pub und auf der Straße ab. Besonders beliebt wurden die Kaffeehäuser, weil sie Zugang zu Zeitungen boten und die Chance, interessante Leute zu treffen. Im ‘Edward Lloyds Coffee House’ wurden aktuelle Schifffahrtsnachrichten veröffentlicht, besonders wichtig für Kaufleute, Schiffsbesitzer und die ersten Underwriter.
Am 23. Januar 1571 eröffnete Königin Elisabeth I. die Royal Exchange, das erste klassizistische Bauwerk mit Glasüberdachung und Glockenturm, gegenüber der Bank von England. Die Royal Exchange entwickelte sich rasch zum zentralen Treffpunkt für Handelstreibende. Sir Thomas Gresham, der bedeutendste englische Kaufmann seiner Zeit und ein überaus angesehener Diplomat, war die treibende Kraft hinter diesem Bau.
Bald zog die Royal Exchange verschiedenste Geschäfte an. Die wachsenden politischen Turbulenzen auf dem europäischen Festland machten den Handel an dortigen Börsenplätzen immer schwieriger, weshalb Gresham für eine eigene Londoner Börse sorgte. Nach kurzer Zeit wurde die Royal Exchange zur Konkurrenz anderer Treffpunkte wie „Jonathan‘s Coffee House“. Dutzende von Händlern bekamen Hausverbot infolge ihres wilden Benehmens und zogen fortan in andere Gebäude um, wo sie den Austausch von Aktien- und Rohstoffpreisen organisierten. 1801 wurde das Mitgliedschaftssystem gegründet, das die Grundlage des Londoner Börsenhandels bildet.
Die Entwicklung des internationalen Zuckerhandels
Wortursprung und erste Zuckerproduktion
Die Herkunft des deutschen Wortes Zucker führt, wie auch die ersten Belege der Nutzung des Zuckerrohrs zum Süßen, nach Indien. Das altindische śárkarā bezeichnete alles Zerriebene oder Körnige, später die trockene, körnige Masse des Zuckers. Mit dem Indienfeldzug Alexanders des Großen gelangte das altindische Wort ins Griechische (sakcharon), wovon sich der lateinische Begriff saccharum ableitete. Daraus entstand der heute verwendete Fachbegriff Saccharose.
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Verbreitung und Handelswege
Durch arabische Eroberungszüge gelangte das Zuckerrohr nach Zypern und Sizilien und wurde dort angebaut. Während des Ersten Kreuzzugs lernten die Kreuzfahrer aus Mitteleuropa das Zuckerrohr kennen und eigneten sich die Methoden der Zuckergewinnung an. Zwischen 1600 und 1700 verstärkte sich der transatlantische Dreieckshandel. Von Lateinamerika aus wurden vor allem Zucker, Tabak und Gold nach Europa verschifft, während Waffen, Branntwein und Baumwollstoffe nach Afrika gingen und von dort wiederum Sklaven nach Amerika gebracht wurden.
Mit dem Aufschwung des europäischen Handels entstanden immer mehr Zuckersiedereien, in denen der angelieferte Rohrohrzucker gereinigt, also raffiniert, wurde. Die neuen Heißgetränke wie Tee, Kaffee und Kakao, die mit Zucker gesüßt werden mussten, trieben die Zuckernachfrage weiter an.
Die Zuckerraffinerien in London: Entstehung und Arbeitskräfte
Die Rolle Deutschlands im Londoner Zuckergewerbe
- Seit einem halben Jahrhundert ging aus den Marschen des rechten Weserufers ein anderer Zug junger Leute nach London, um sich Geld in den dortigen Zuckerraffinerien zu verdienen.
- Deutsche Arbeitskräfte spielten eine tragende Rolle in diesem Gewerbe, wie auch im Beispiel der USA und für Großbritannien insgesamt.
- Zuckerbäckereien waren zur Mitte des 18. Jahrhunderts innerhalb der Stadtgrenze Londons angesiedelt.
Deutsche, insbesondere Hannoveraner, hielten der Hitze besser stand als Engländer. Die Temperatur in einer Raffinerie war durchweg hoch; in den Trockenstuben betrug sie 140 Grad Fahrenheit. Die Arbeit war lang, hart und heiß, aber die Löhne gut und das Bier unbegrenzt. Viele gelernte Zuckerbäcker gingen zurück nach Hannover, um dort Landwirtschaft zu betreiben.
Produktionsbedingungen und Techniken
Das Gewerbe des Zuckerbäckers erlangte erst Bedeutung, seit England in den Besitz von Jamaica kam, eine Eroberung, die man Oliver Cromwell verdankte. Zucker wurde aus einer Art von Rohr mittels zweier Eisen-Walzen, die von Negern gedreht wurden, gepresst. Der Saft wurde in einem Kessel aufgefangen, worin er gekocht und durch Beimischung von Kalk zum Körnen gebracht wurde. Das trockene Pulver wurde in Fässer verladen, in denen ein Loch war, um die Melasse ablaufen zu lassen.
Der Kocher war der oberste Arbeitsmann in einem Zuckerhaus und verdiente zwischen dreißig und fünfzig Pfund im Jahr; der Rest waren nur Arbeiter. Holländer und Hamburger waren als bessere Kocher angesehen. Nach 1807 zwangen neue Feuerschutzbestimmungen die Raffineriebesitzer, ihre Unternehmen vor die Stadttore zu verlagern.
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Bedeutende Raffinerien und Krisen
Das Viertel St. George’s-in-the-East
Das Siedereigewerbe etablierte sich fast ausschließlich in einem Gebiet von nicht mehr als einer halben Quadratmeile im Stadtteil Whitechapel und St. George’s-in-the-East. Dort errichtete Raffinerien besaßen sieben oder acht Stockwerke, deren flachbogigen Tonnengewölbe aus Ziegel feuerfest und tragkräftig ausgelegt waren und eine ausgedehnte Fläche für die Bearbeitung des Zuckers bereitstellten.
Ein Feuer, das in einer Zuckerraffinerie ausbrechen konnte, war stets eine große Gefahr. Beispielsweise brannte das Gebäude von Grant und Baldwin in St. George’s place völlig nieder und verursachte einen Schaden von mehr als 20.000 Pfund.
Soziales Leben und Wohltätigkeit
- Die Zuckerbäcker lebten in den Raffinerien und wurden für den Fall eines Feuers an Ort und Stelle gehalten.
- Bier war ein billiges Eigenbräu; der Durchschnittsverbrauch lag bei zwei Gallonen pro Kopf am Tag.
- Nach Gründung des Deutschen Krankenhauses im East End im Jahr 1845 führten die Betriebe jährliche Geldsammlungen für diese privat unterhaltene Krankenanstalt durch.
Zur Jahrhundertmitte sammelten die Belegschaften von 16 weiteren Siedereien jährlich Geld für das German Hospital. Dies gewährte das Recht, je nach Höhe der geleisteten Beiträge, einen oder mehr Patienten stationär ins Hospital einzuliefern. Die deutschen Namen an Schankwirtschaften und Läden sowie der exzellente Wohltätigkeitsverein „Die Gesellschaft der Vereinigten Freunde zur Unterstützung alter und schwacher Deutscher und Anderer“ haben sich bis heute erhalten.
Der Preisverfall und das Ende der Zuckerindustrie im Londoner East End
Der Konkurrenzkampf zwischen Rohr- und Rübenzucker führte zu einem drastischen Preisverfall. Die Zuckersieder im East End wehrten sich zuvor tapfer gegen die Veränderungen, aber prämienbegünstigter Hutzucker aus Frankreich und Belgien überschwemmte den heimischen Markt.
Jahr für Jahr wurden die Raffinerien geschlossen; nicht eine blieb, die letzte im Jahr 1885. Viele verwandte Gewerbe wie Küfer, Fuhrleute, Kohlenbrenner, Maschinenbauer, Schnur- und Papierhändler und Tierbluthändler prosperierten bis zum Niedergang des Gewerbes.
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Tabellarische Übersicht der wichtigsten Phasen
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1571 | Eröffnung der Royal Exchange durch Königin Elisabeth I. |
| 1698 | Kaffehaus-"Jonathan's" mit Börsenpublikationen |
| 1801 | Mitgliedschaftssystem eingeführt, Börsengebäude "The Stock Exchange" |
| 1770-1850 | Blütezeit der Zuckerraffinerien in St. George’s-in-the-East, deutsche Arbeitskräfte dominieren |
| 1885 | Schließung der letzten Raffinerie im Viertel |
Zuckerproduktion heute: Technologisierung und internationale Handelsabkommen
Der Handel am Londoner Stock Exchange ist inzwischen hoch technologisiert. Zwei Sitzungen pro Tag, bei denen Marktschreier nur fünf Minuten Zeit pro Metall bekommen, kennzeichnen die Marktschreierbörse London. Transaktionen finden auch online und telefonisch statt.
Auf internationaler Ebene brachte die Brüsseler Zuckerkonvention den Abschluss eines Handelsabkommens, unterzeichnet von den wichtigsten Rüben- und Rohrzuckerproduzenten. Sie beendete den ruinösen Prämienwettlauf und garantierte den Zuckerproduzenten ihren nationalen Markt. Während des Ersten Weltkriegs schränkte die staatlich gelenkte Kriegswirtschaft den Rübenanbau stark ein, insbesondere zugunsten des Brotgetreideanbaus. Die Preise fielen immer wieder drastisch.
Heute ist die Royal Exchange kein Handelsplatz mehr, sondern beherbergt Luxusgeschäfte in den Arkaden und erinnert an ihre historischen Ursprünge. Die Statue von Sir Thomas Gresham thront hoch über den Besuchern.
Risiko, Preisbildung und moderne Aspekte
Beim Handel mit Finanzinstrumenten wie Zucker und Kryptowährungen bestehen erhebliche Risiken, die zum vollständigen oder teilweisen Verlust des investierten Kapitals führen können. Die Preise sind extremen Schwankungen unterworfen und können durch externe Einflüsse wie finanzielle, regulatorische oder politische Ereignisse beeinflusst werden.
Die Kursinformationen werden nicht unbedingt von Börsen, sondern von Market Makern zur Verfügung gestellt und sind oft nur indikativ, nicht für Handelszwecke geeignet.
Die Bedeutung des Zuckerhandels in London
Der Zuckerhandel war ein zentraler Wirtschaftszweig für London, St. George’s und das East End, und prägte über Jahrhunderte hinweg die Stadt, ihre Wirtschaft und ihre Bevölkerung, insbesondere durch deutsche Arbeitsmigration, technische Innovationen und soziale Netzwerke.
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