Wiener Zuckerstreuer: Geschichte, Erfinder, Formen und Verwendung im Alltag
Mit oder ohne Zucker? Diese Frage spaltet Kaffee- und Teetrinker in zwei Lager. Diejenigen, die ihr Getränk lieber mit Zucker zu sich nehmen, finden ihn meist in allerlei Varianten: braun oder weiß, aus dem Streuer, aus einem Tütchen - oder eben als Würfelzucker. Er ist ohne Zweifel eine wichtige - wenn nicht gar die wichtigste - Ingredienz einer gelungenen Mehlspeise: der Zucker.
Wer an österreichisch geprägte Begriffe wie „Wiener Zucker“ oder „Zuckergoscherl“ denkt, der wird kaum glauben, dass der Zucker eigentlich von den melanesischen Inseln stammt. Schon seit Jahrtausenden lieben ihn die Menschen, sie verarbeiten und verkosten ihn auf unterschiedlichste Art und Weise.
Vom Zuckerhut zum handlichen Portionierer: Der Weg zum Wiener Zuckerstreuer
Lange Zeit war der Zuckerhut die gebräuchlichste Handelsform des Zuckers. Die Zuckermengen, die in der griechischen und römischen Antike den Weg nach Europa fanden, waren sehr gering. Die arabischen Eroberer brachten den Zucker schließlich nach Sizilien, Malta und Spanien. In Mittel- und Nordeuropa wurde der Rohstoff schließlich durch die Kreuzritter im 11. Jahrhundert populär.
Dieser entstand durch die Art, wie die Perser aus dem Zuckerrohrsaft das Sirup entzogen: Mit Hilfe eines Kegels rann das Sirup durch eine Öffnung an der Spitze ab, während der Zucker im Kegel zurückblieb und mit dem Umdrehen in Form eines Zuckerhuts herausfiel. Das Zerkleinern eines Zuckerhutes mit Zange, Beil und Mörser verlangte Kraft und Geschick.
Die Erfindung des Würfelzuckers als Grundlage für den Streuer
Deshalb konstruierte 1843 der Direktor der Zuckerfabrik im mährischen Datschitz, Jakob Christoph Rad, auf Anregung seiner Frau Juliane eine einfache Maschine, mit der Kristallzucker zu Würfeln gepresst werden konnte. Diejenigen, die ihr Getränk lieber mit Zucker zu sich nehmen, finden ihn meist in allerlei Varianten: braun oder weiß, aus dem Streuer, aus einem Tütchen - oder eben als Würfelzucker.
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So wie bei vielen anderen Erfindungen spielte auch hier der Zufall eine Rolle - besser gesagt: ein Unfall. An einem Augusttag des Jahres 1841 verletzte sich Juliana Rad beim Abhacken eines Stücks vom Zuckerhut am Finger. Die verstimmte Frau trug ihrem Mann an, einen einfacheren Weg zu finden als das mühsame und gefährliche Hacken.
Nur drei Monate später überraschte Rad seine Frau mit einer Schachtel, in der sie 350 ansehnlich angeordnete, weiße und rosarote Würfel aus Rübenzucker fand. Der Tüftler presste sie in einer eigenhändig hergestellten Presse so, dass das gesiebte Zuckermehl ungetrockneter Zuckerhüte Messingplatten mit 400 Löchern in quadratischer Form füllte.
Das kaiserlich-königliche Patent erhielt er schließlich am 23. Januar 1843. Noch im selben Jahr erschien die Neuheit zum allerersten Mal als Thee-Zucker oder Wiener Würfelzucker auf dem Markt - und war auf der Stelle erfolgreich.
Wiener Würfelzucker: Produktion, Maße und Verbreitung
Würfelzucker wurde für 50 Kreuzer verkauft, jede Packung zu 500 Gramm war mit einem Bild der Datschitzer Raffinerie gekennzeichnet. Die steigende Nachfrage verlangte nach neuen Lagern in Brünn, Pest, Wien und Lemberg.
Produziert wurden sie damals in zwei Größen: mit einer Kantenlänge von einem Drei-Fünftel-Daumen, also circa zwei Zentimetern, oder einem halben Daumen, was ungefähr 1,2 Zentimetern entspricht. Heute sind die Maße 1,6 mal 1,6 mal 1,1 Kubikzentimeter. Es handelt sich beim Zuckerwürfel also streng genommen um einen Quader.
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Rad verkaufte sein Patent nach Sachsen, Bayern, Preußen, in die Schweiz und nach England, später auch an eine Zuckerfabrik in Zbraslav bei Prag. Würfelzucker aus Dacice wurde in das südwestliche Mähren sowie das südliche und und südöstliche Böhmen und Niederösterreich geliefert.
| Bezeichnung | Maße | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Historische Größe (ca. 1843) - 3/5 Daumen | ~2,0 cm Kantenlänge | Aus gesiebtem Rübenzucker gepresst |
| Historische Größe - 1/2 Daumen | ~1,2 cm Kantenlänge | Trocknung ca. halber Tag |
| Moderne Standardgröße | 1,6 × 1,6 × 1,1 cm | Streng genommen ein Quader |
Der „Süße Heinrich“: Der ikonische Wiener Zuckerstreuer
So prächtig schauen die polierten Zuckerstreuer aus, dass ihre Konkurrenten, die Zuckerportionstütchen in noch so verrückten Formen und Farben daneben einfach verblassen. Dieses nagelneue Haushaltsgeschirr passte so wunderbar in die deutschen Wirtschaftswunderzeiten, dass es bald überall herumstand: auf den klebrigen Stehtischen der Imbissbuden, genauso wie auf den grob gewebten Tischdecken der Wirtshäuser und Ausflugslokale.
So hieß der Zuckerstreuer, der im Nu bekannt wurde: Ein Zucker-Portionierer aus Glas, oben zuzuschrauben mit einem Metalldeckel, aus dem eine Tülle ragt. Dreht man den süßen Heinrich um, rieselt immer ungefähr eine Portion Zucker heraus.
Gut verpackt im handlichen „Süßen Heinrich“ konnte der Zucker einfach auf dem Tisch stehen bleiben, gleich neben Salz, Pfeffer und der Maggiflasche und musste von den Bedienungen nicht mehr extra auf- und abgetragen werden. Reich wurde sein Erfinder trotzdem nicht.
Heinrich Kurz und das Patent von 1953
Wenn man der Chronik des hessischen Städtchens Nidderau glauben darf. Seine bekannteste Erfindung ist der "Süße Heinrich". Aber seine Kinder waren längst erwachsen, als "Der Süße Heinrich" am 15. November 1953 ein Patent erhielt.
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Heinrich Kurz - dem die Frau wegstarb, als das jüngste Kind grade mal drei Monate alt war und das älteste 11 Jahre - war einfacher Sattler. Jedenfalls baute Kurz zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als rundherum die schmutzige Wäsche noch in großen Zubern gekocht und auf Waschbrettern geruffelt wurde, eine rotierende Waschmaschine.
Und es könnten auch die Bauklötzchen-Gebäude seiner Kinder gewesen sein, die ihn auf die Idee brachten, wie sich der schiefe Turm von Pisa wiederaufrichten ließe. Kurz meldete vorsorglich ein Patent für diese Maßnahme an.
Ob es dabei zunächst um Hygiene ging, die bei vielen Löffeln, wenn sie in ein und dieselbe Zuckerdose tauchen, nicht mehr so recht gegeben war? Oder um die ewigen Zuckerklümpchen, die sich so in der Zuckerdose bildeten? Oder eher um Gerechtigkeit, weil es immer Geschwister gab, die mit ihrem Löffel eine größere Portion Zucker in ihren Kakao schaufelten als die anderen?
Der Auslöser ist nicht überliefert. Heinrich Kurz hatte die Idee an ein Unternehmen in der Nachbarstadt Hanau verkauft. Dem Tüftler Heinrich Kurz bleibt nur die Ehre der Erfinder zu sein.
Wiener Zucker in der Kultur und im Gebrauch
Heute freut sich Jung und Alt auf vielfältige Weise über Zucker: Vom genüsslichen Lutschen eines ganzen Stücks Würfelzucker über das Versüßen von Kaffee und Tee bis hin zum Genießen des in köstlichen Mehlspeisen verarbeiteten Zuckers. In der Wiener Hofburg wird dem Zucker jedes Jahr große Ehre gemacht - und zwar in Form des Zuckerbäckerballs.
Diejenigen, die ihr Getränk lieber mit Zucker zu sich nehmen, finden ihn meist in allerlei Varianten: braun oder weiß, aus dem Streuer, aus einem Tütchen - oder eben als Würfelzucker. Außer diesen klassischen gibt es auch noch besondere Formen wie Bridgezucker mit den Spielkartensymbolen Pik, Karo, Herz und Kreuz oder Kleeblätter zu kaufen.
Formenvielfalt: Vom Bridgezucker bis zum Kleeblatt
Außer diesen klassischen gibt es auch noch besondere Formen wie Bridgezucker mit den Spielkartensymbolen Pik, Karo, Herz und Kreuz oder Kleeblätter zu kaufen. Es handelt sich beim Zuckerwürfel also streng genommen um einen Quader.
Diejenigen, die ihr Getränk lieber mit Zucker zu sich nehmen, finden ihn meist in allerlei Varianten: braun oder weiß, aus dem Streuer, aus einem Tütchen - oder eben als Würfelzucker.
Industrieller Hintergrund in Wien und Niederösterreich
Mitte des 19. Jahrhunderts zählte Niederösterreich mit seinen Fabriken in Hohenau, Leopoldsdorf, Tulln, Enns sowie Siegendorf (Burgenland) zu den Zuckerexportländern. Die Errichtung der Zuckerfabrik Leopoldsdorf erfolgte in den Jahren 1901|02 als Rohzuckerfabrik. Im Jahre 1925 wurde die Fabrik zu einer Weißzuckerfabrik umgebaut.
Die Gründung der Zuckerfabrik Tulln erfolgte im Jahre 1937. In Österreich produzieren noch die 1901/02 eröffnete Fabrik in Leopoldsdorf und die 1937 gegründete Tullner Zuckerfabrik. Die 1867 gegründete Zuckerfabrik in Hohenau bestand bis 2005.
Ab 1849 blühte der Rübenzuckeranbau wieder auf. Als Franz I. 1851 die Zuckerproduzenten von der Erwerbssteuer befreite, konnten sich auch die Bürger wieder Rübenzucker leisten. Ein Innovationsschub erfolgte um 1860, als Jules Robert (1826-1888) ein bahnbrechendes Verfahren entwickelte und erstmals in der Zuckerfabrik Seelowitz (Böhmen) umsetzte: Wurden die geschnittenen Rüben bisher gepresst, so werden sie seit Robert ausgelaugt (Diffusion).
Vom Rohr zur Rübe: Grundstoffe, die den Streuer möglich machten
Zuckerrohr ist in Südostasien beheimatet. Den Persern soll daraus als Ersten die Zuckergewinnung durch Raffinade gelungen sein. Über Ägypten kam Zuckerrohr in den Mittelmeerraum.
Vor der Mitte des 18. Jahrhunderts erkannte der märkische Chemiker Andreas Sigismund Marggraf (1709-1782), dass sich Zucker aus heimischen Feldfrüchten gewinnen ließ. Sein Schüler Franz Carl Achard (1753-1821) errichtete 1789 bei Berlin die erste Rübenzuckerfabrik.
Eine neue Art der ZuckergewinnungWährend Zucker über Jahrtausende durch das Zuckerrohr gewonnen wurde, ist die Entdeckung der Zuckerrübe relativ jung. 1747 stieß der deutsche Chemiker Andreas Sigismund Marggraf auf Zucker in der Runkelrübe, allerdings nur in sehr geringen Maßen. Marggrafs Schüler Franz Carl Achard züchtete schließlich auf Basis der Runkelrübe die zuckerreiche Zuckerrübe.
Somit war der Grundstein für die europäische Zuckerindustrie gelegt. Vom ausgehenden 18. Jahrhundert an entwickelte sich die Rübenzuckerfabrikation zu einem neuen, florierenden Wirtschaftszweig. Innerhalb wenige Jahrzehnte wurde Rübenzucker zu einem leistbaren Massenerzeugnis.
Verwendung des Wiener Zuckerstreuers im Alltag
Dreht man den süßen Heinrich um, rieselt immer ungefähr eine Portion Zucker heraus. Gut verpackt im handlichen „Süßen Heinrich“ konnte der Zucker einfach auf dem Tisch stehen bleiben, gleich neben Salz, Pfeffer und der Maggiflasche und musste von den Bedienungen nicht mehr extra auf- und abgetragen werden.
So prächtig schauen die polierten Zuckerstreuer aus, dass ihre Konkurrenten, die Zuckerportionstütchen in noch so verrückten Formen und Farben daneben einfach verblassen. Diejenigen, die ihr Getränk lieber mit Zucker zu sich nehmen, finden ihn meist in allerlei Varianten: braun oder weiß, aus dem Streuer, aus einem Tütchen - oder eben als Würfelzucker.
- Dosiergenauigkeit: Dreht man den süßen Heinrich um, rieselt immer ungefähr eine Portion Zucker heraus.
- Hygiene: Ob es dabei zunächst um Hygiene ging, die bei vielen Löffeln, wenn sie in ein und dieselbe Zuckerdose tauchen, nicht mehr so recht gegeben war?
- Verfügbarkeit: Gut verpackt im handlichen „Süßen Heinrich“ konnte der Zucker einfach auf dem Tisch stehen bleiben.
Ergänzende Entwicklungen beim Zuckerformen und -dosieren
Wenn auch die Maschinen 1852 in Datschitz endgültig abgeschaltet wurden, bahnte sich der Würfelzucker seinen Weg durch Europa - und wurde dabei immer weiterentwickelt. Der Betrieb des französischen Maschineningenieurs und Unternehmers Louis Chambon fand 1949 einen Weg, regelmäßige Zuckerwürfel mithilfe von Rotationsmaschinen direkt zu fertigen, indem in diesen angefeuchteter, gemahlener Zucker in die gewünschte Form gepresst wurde.
An Rads Vermächtnis knüpfte ein halbes Jahrhundert später der Pariser Lebensmittelhersteller Eugène François an, der eine Maschine zum mechanischen Schneiden und Brechen von Zucker konstruierte, da ihm die traditionelle Zerkleinerung von Zucker als nicht hygienisch erschien. Ein alternatives Verfahren zur Produktion von gegossenen Zuckerwürfeln, die in vorgefertigten Schachteln zu je 25 Kilogramm gelagert wurden, hielt sich bis 1940 und machte sich in der Geschichte der Zuckerherstellung als Adant-Prozess einen Namen.
Historische und praktische Vielfalt auf dem Tisch
Außer diesen klassischen gibt es auch noch besondere Formen wie Bridgezucker mit den Spielkartensymbolen Pik, Karo, Herz und Kreuz oder Kleeblätter zu kaufen. Diejenigen, die ihr Getränk lieber mit Zucker zu sich nehmen, finden ihn meist in allerlei Varianten: braun oder weiß, aus dem Streuer, aus einem Tütchen - oder eben als Würfelzucker.
Wiener Zucker und seine städtische Süßwarentradition
In Wien hatte sich das Zuckerbäcker-Handwerk Mitte des 16. Jahrhunderts etabliert, nachdem es - so die 400-Jahr-Festschrift der Wiener Zuckerbäcker 1955 - zu einem Zusammenschluss von „Zuckermachern, Konfekterzeugern, Kuchen- und Mandoletti-, Oblaten- und Krapfenbäckern, Holhippern, Schokolademachern und später Gefrorenenerzeugern“ gekommen war. Eine Konstante im Zuckerlsortiment vieler Hersteller bildete eine Auswahl an Hustenzuckerln.
Heute freut sich Jung und Alt auf vielfältige Weise über Zucker: Vom genüsslichen Lutschen eines ganzen Stücks Würfelzucker über das Versüßen von Kaffee und Tee bis hin zum Genießen des in köstlichen Mehlspeisen verarbeiteten Zuckers. In der Wiener Hofburg wird dem Zucker jedes Jahr große Ehre gemacht - und zwar in Form des Zuckerbäckerballs.
Zeitstrahl: Meilensteine auf dem Weg zum Wiener Zuckerstreuer
- 11.-15. Jahrhundert: Zuckerhut etabliert sich in Europa; lange Zeit gebräuchlichste Handelsform.
- 1841-1843: Juliana Rad verletzt sich am Zuckerhut; Jakob Christoph Rad erfindet die Würfelzucker-Presse und erhält 1843 das Patent; „Wiener Würfelzucker“ kommt auf den Markt.
- 1901-1937: Ausbau der Zuckerindustrie (Leopoldsdorf, Tulln) stärkt Verfügbarkeit von Haushaltszucker in Wien.
- 1949: Rotationsmaschinen für gepresste Zuckerwürfel (Chambon) rationalisieren die Produktion.
- 1953: Patent für den „Süßen Heinrich“ - den ikonischen Zucker-Portionierer aus Glas mit Metalldeckel und Tülle.
Diejenigen, die ihr Getränk lieber mit Zucker zu sich nehmen, finden ihn meist in allerlei Varianten: braun oder weiß, aus dem Streuer, aus einem Tütchen - oder eben als Würfelzucker. So prächtig schauen die polierten Zuckerstreuer aus, dass ihre Konkurrenten, die Zuckerportionstütchen in noch so verrückten Formen und Farben daneben einfach verblassen.
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