Welcher Zucker bei Reizdarm geeignet ist: Ein umfassender Leitfaden
Das Reizdarmsyndrom (RDS) betrifft etwa 20 Prozent der österreichischen Bevölkerung und äußert sich durch Symptome wie Blähungen, Stuhlprobleme (Durchfall bis Verstopfung) und Bauchschmerzen. Die Diagnose wird gestellt, nachdem andere Ursachen wie entzündliche Darmerkrankungen, Nahrungsmittelintoleranzen oder Darmkrebs ausgeschlossen wurden. Viele Betroffene beobachten, dass ihre Beschwerden durch die Nahrungsaufnahme ausgelöst werden.
FODMAPs: Eine Schlüsselrolle bei Reizdarm
Im Jahr 2008 veröffentlichte ein Forschungsteam der Monash University in Melbourne Ergebnisse, die zeigten, dass die Art der konsumierten Kohlenhydrate eine entscheidende Rolle bei der Auslösung von RDS-Symptomen spielt. Diese Kohlenhydrate, auch Zuckerverbindungen, werden unter dem Begriff "FODMAP" zusammengefasst.
FODMAP steht für Fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide And Polyole. Diese kurzkettigen Zucker kommen natürlich in vielen Lebensmitteln vor und können bei empfindlichen Personen Beschwerden verursachen, die denen eines Reizdarmsyndroms ähneln.
Bestandteile der FODMAPs
- Oligosaccharide: Hierzu gehören Fruktane (u.a. in Weizen, Roggen, Gerste) und Galaktooligosaccharide (u.a. in Hülsenfrüchten).
- Disaccharide: Der bekannteste Vertreter ist Laktose (Milchzucker), enthalten in Milchprodukten und industriell verarbeiteten Lebensmitteln.
- Monosaccharide: Hauptsächlich Fruktose (Fruchtzucker), die in den letzten Jahren vermehrt in der Lebensmittelindustrie eingesetzt wird.
- Polyole: Auch bekannt als Zuckeralkohole oder Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit (E420), Mannit (E421), Xylit (E967), Maltit (E965), Laktit (E966) und Isomalt (E953). Diese kommen in Obst, Gemüse und Pilzen vor, werden aber auch industriell als Süßungsmittel eingesetzt.
Es ist wichtig, Zuckeraustauschstoffe nicht mit Zuckerersatzstoffen wie Acesulfam-K, Aspartam, Cyclamat, Sucralose, Saccharin, Thaumatin und Stevia zu verwechseln, die nicht zu den FODMAPs gehören. Auch die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Mengen an Haushalts- (Saccharose) und Traubenzucker (Glukose) fallen nicht unter die FODMAPs.
Die Low-FODMAP-Diät: Ein möglicher Ansatz zur Linderung von Reizdarmbeschwerden
Die Low-FODMAP-Diät ist eine Eliminationsdiät, die darauf abzielt, FODMAPs für etwa acht Wochen konsequent zu meiden, um Beschwerden abklingen zu lassen. Anschließend werden einzelne FODMAPs schrittweise wieder eingeführt, um die individuelle Verträglichkeit zu testen. Studien haben gezeigt, dass bis zu 70% der Reizdarmpatienten eine Verbesserung ihrer Symptome durch diese Diät erfahren können.
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Ablauf der Low-FODMAP-Diät
- Karenzphase: Konsequentes Meiden von FODMAPs für etwa acht Wochen. Eine Positivliste von erlaubten Lebensmitteln dient als Leitfaden.
- Testphase: Schrittweise Wiedereinführung einzelner FODMAPs zur Beobachtung der Verträglichkeit.
- Langzeiternährung: Individuelle Anpassung der Ernährung basierend auf den Erfahrungen der Testphase.
Erlaubte und nicht erlaubte Lebensmittel in der Karenzphase
- Erlaubt: Glutenfreies Getreide, ausgewählte Gemüsesorten, laktosefreie Milchprodukte, Fleisch, Eier, pflanzliche Öle, Gewürze und frische Kräuter. Beispiele hierfür sind Cornflakes, Hafer, Reis, Mais, Quinoa, Hirse, Dinkel-Sauerteigbrot, weizenfreies, roggenfreies und gerstenfreies Brot. Laktosefreie Milch, Mandelmilch, Sojamilch aus Sojaprotein, Schnittkäse bis 45 Prozent Fett in der Trockenmasse (z.B. Brie, Camembert, Feta, Hartkäse), Gurke, Aubergine, Pak Choi, grüne Paprika, Kartoffeln, Karotten, Salat, grüne Bohnen und Zucchini. Cantaloupe, Kiwi (grün), Ananas, Orange und Mandarine. Eier, fester Tofu, gekochtes Fleisch, Geflügel oder Meeresfrüchte und Tempeh.
- Nicht erlaubt: Viele Hülsenfrüchte, viele Obstsorten, glutenhaltiges Getreide, laktosehaltige Milchprodukte, Light- und Diätprodukte sowie viele Zucker und Zuckeraustauschstoffe. Beispiele hierfür sind Spargel, Blumenkohl, Artischocken, Zwiebeln, Knoblauch, grüne Erbsen, Zuckererbsen, Pilze, Äpfel, Apfelsaft, Birnen, Wassermelone, Mango, Pflaumen, Nektarinen, Pfirsiche, Trockenfrüchte, Kirschen, Kuhmilch, Pudding, Joghurt, (gesüßte) Kondensmilch, Eis, Sojamilch aus ganzen Sojabohnen, Weizen, Gerste, Roggen, Frühstückszerialien, Kekse, Snacks, Cashewkerne, Pistazien, frische Kokosnuss, Honig und Maissirup mit hohem Fructosegehalt.
Welcher Zucker ist bei Reizdarm geeignet?
Bei der Auswahl von Süßungsmitteln ist das Verhältnis von Glukose zu Fruktose entscheidend. Normaler Haushaltszucker (Saccharose) kann in Maßen verwendet werden, ebenso wie Rohrzucker, Kokosblütenzucker, Reissirup und Ahornsirup, da sie in der Regel wenig Probleme verursachen. Honig, Mais- und Agavensirup hingegen sind reich an FODMAPs und können Beschwerden verursachen.
Süßstoffe und Reizdarm
Künstliche Süßstoffe wie Saccharin, Sucralose oder Aspartam können die Darmflora negativ beeinflussen. Studien haben gezeigt, dass sie Veränderungen im Mikrobiom verursachen und die Blutzuckerregulation stören können. Es ist ratsam, künstliche Süßstoffe zu meiden und den Zuckerkonsum generell zu reduzieren.
Zusätzliche Empfehlungen für Reizdarmpatienten
- Ballaststoffreiche Ernährung: Bei Verstopfung können Ballaststoffe helfen, die Verdauung anzuregen. Leinsamen und Flohsamen sind gute Optionen.
- Ausreichend Flüssigkeit: Bei Durchfall ist es wichtig, ausreichend zu trinken, z.B. Mineralwasser, Karottensaft, Kamillen- oder Pfefferminztee.
- Schonkost: Bei akuten Beschwerden kann eine vorübergehende Umstellung auf Schonkost (Tee, Brühe, Haferschleim, Zwieback) helfen, das Verdauungssystem zu entlasten.
- Langsames Essen: Nehmen Sie sich Zeit beim Essen und kauen Sie gründlich.
- Vermeidung blähender Lebensmittel: Patienten mit Blähungen sollten blähende Lebensmittel wie Softdrinks, Hülsenfrüchte, fettreiche Fleischwaren, Kohlsorten und Zwiebeln meiden.
- Regelmäßige Bewegung: Bewegung kann helfen, die Verdauung zu fördern.
- Stress vermeiden: Stress kann Reizdarmbeschwerden verstärken.
- Führen eines Reizdarm-Tagebuchs: Dokumentieren Sie Mahlzeiten, Aktivitäten und Beschwerden, um Zusammenhänge zu erkennen.
Weitere Aspekte bei Reizdarm
- Glutenunverträglichkeit: Reizdarm und Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) können Überschneidungen haben. Einige Reizdarmpatienten reagieren empfindlich auf Gluten, auch ohne Zöliakie.
- Darmflora: Eine gestörte Darmflora (Dysbiose) kann eine Rolle beim Reizdarmsyndrom spielen. Probiotika wie Lactobacillus plantarum 299v können helfen, die Darmflora auszugleichen.
- Laktoseintoleranz: Viele Reizdarmpatienten haben auch eine Laktoseintoleranz. Laktosefreie Produkte können helfen, Beschwerden zu reduzieren.
- Resistente Stärke: Kartoffeln, Nudeln und Reis vom Vortag enthalten resistente Stärke, die sich positiv auf die Darmgesundheit auswirken kann.
Die Rolle der Darmbakterien
Das Reizdarmsyndrom wird heutzutage nicht mehr nur als psychosomatische Erkrankung betrachtet. Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass eine gestörte Zusammensetzung der Darmbakterien (Dysbiose) eine zentrale Rolle spielt. Schädliche Fremdstoffe können in den Darm eindringen und die Darmflora zusätzlich belasten.
Probiotika und ihre Wirkung
Zur Förderung einer ausgeglichenen Darmflora hat sich der mikrobiotische Bakterienstamm Lactobacillus plantarum 299v bewährt.
Low-FODMAP-Diät mit Naturmedizin unterstützen
Zur Ergänzung der Low-FODMAP-Diät kann die Verwendung von Bitterstoffen sinnvoll sein. Auch die beruhigende Wirkung bestimmter pflanzlicher Präparate bei Blähungen könnte genutzt werden. Zusätzlich können Milchsäurebakterien eingesetzt werden.
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