Warum ist Dubai-Schokolade so beliebt? Erklärung eines viralen Trends

Süsswaren und Snacks gehen in den Sozialen Medien immer wieder viral. Aktuell dreht sich alles um Dubai-Schokolade. Aber wieso? Was sind eigentlich Hypes genau und wie beeinflussen sie unsere eigene Meinung? Die Klasse 6A aus Aarau sucht nach Antworten.

Was ist Dubai-Schokolade?

Dubai-Schokolade ist Schokolade, die mit Pistaziencreme und Kadaifi gefüllt ist. Die Füllung besteht aus geröstetem und gehacktem Kadaifi („Engelshaar“), gehackten Pistazien bzw. Sesammuss und feinen Teigfäden, sogenanntem «Engelshaar». Neben der Pistaziencreme und den dünnen Teigfäden ist häufig noch Sesam-Mus (Tahini) sowie Vollmilchschokolade enthalten. Als Schokolade wird meist Vollmilchschokolade verwendet, alternativ Bitterschokolade.

Dubai-Schokolade: Tafel mit grüner Pistazienfüllung und Engelshaar

Ursprung und Erfinderin

Die Schokolade selbst, wie der Name bereits verrät, kommt aus Dubai. Erfunden hat sie Sahra Hamouda. Die Erfindung der Dubai-Schokolade wird Sarah Hamouda zugeschrieben, sie ist die Inhaberin des Unternehmens "Fix Dessert Chocolatier" in Dubai. FIX wird im Internet als ‘Dubai Chocolate’ bezeichnet, aber wir selbst haben es nie so genannt, sagt Hamouda. Die Idee kam ihr während ihrer zweiten Schwangerschaft, als sie nichts fand, das ihren Heißhunger stillte, wie Hamouda selbst auf der Instagram-Seite ihres Unternehmes erzählt. Sie entschied sich, sich selbst etwas auszudenken. Die Dubai-Schokolade war geboren. 2022 war Markteinführung.

Wie wurde die Schokolade zum Hype?

Weltweit bekannt wurde die Schokolade durch mehrere virale Videos auf den Sozialen Medien. Über Social Media hat sich die Schokolade - gefüllt mit Pistaziencreme und Kadayif - wie ein Lauffeuer verbreitet. Menschen filmen sich dabei, wie sie die Packungen in Kleinstarbeit auseinanderfriemeln oder ungeduldig zerreißen, um an die Schokolade zu gelangen. Wenn die dann noch ordentlich knackt und cruncht, kann man sich vieler Likes sicher sein.

Was machte diese Schokoladensorte auf einmal so unwiderstehlich? Der Hype um die Dubai-Schokolade bedient sich einem einfachen Marketing-Prinzip: FOMO - Fear of Missing Out (dt. die Angst, etwas zu verpassen). Vier Buchstaben fassen den Hype perfekt zusammen: FOMO - die "Fear of Missing Out" (zu Deutsch: Angst, etwas zu verpassen). Es genügt, wenn ein paar Influencer ihre glamourösen Unboxing-Videos posten, und schon fühlen sich alle, als ob sie etwas verpassen, wenn sie diese Schokolade nicht besitzen.

Lesen Sie auch: Gefahren von Honig für Babys im ersten Lebensjahr

Die Rolle der Influencer und ASMR

Die Food- und ASMR-Influencerin Maria Vehera entdeckte die Dubai-Schokolade für sich, aß sie in einem Video und trat damit einen riesigen Hype los. Auf dem deutschen Markt machte aber nicht Maria Vehera die Dubai Schokolade bekannt, sondern die Food-Influencerin Kiki Aweimer. Sie brachte die Dubai-Schokolade im April 2024 nach Deutschland. Kiki Aweimer, besser bekannt unter ihrem Account-Namen „Kiki’s Kitchen“ ist mittlerweile zu so etwas wie der Botschafterin der Dubai-Schokolade hierzulande geworden.

ASMR steht für „Autonomous Sensory Meridian Response“ und viele Menschen empfinden beim Hören bestimmter Geräusche ein Kribbelgefühl; das Knacken der Schokolade und das Crunch-Gefühl steigern die Attraktivität der Clips zusätzlich.

Unboxing und ASMR: Dubai-Schokolade knackt beim Brechen

Marketing, Exklusivität und Preis

Ein Hype ist, wenn viele Leute einen Trend verbreiten und den auch nachmachen. Es entsteht meist, wenn etwas Neues oder Besonderes in kurzer Zeit sehr bekannt wird, oft durch viel Werbung oder Social Media. Je mehr darüber gesprochen wird, desto mehr Menschen wollen mitmachen, bis der Hype seinen Höhepunkt erreicht.

„Ein Produkt wie die Dubai-Schokolade wird dann zum Hype, wenn es etwas Neues ist, wenn es schwierig ist, das Produkt zu finden und wenn bekannte Personen auf Social Media für das Produkt werben“, erklärt uns Nikola Zdravev, Inhaber des Kiosks. Weil Dubai-Schokolade aktuell so gefragt ist, muss Nikola Zdravev sie schon Wochen im Voraus bestellen, um sie im Regal zu haben. Auch wegen der grossen Nachfrage ist die Schokolade ziemlich teuer. Die geschickt vermarktete Schokolade hat ihren Preis - um die 15 Euro kostet das begehrte Stück. Der Münchner Unternehmensberater Markus Hofer erklärt: „Dubai-Schokolade ist ein super tolles Beispiel für Value-Pricing. Das heißt, unabhängig von Wettbewerb und Kosten die Preise festlegen.“

Knappheit als Verkaufsstrategie

Wenn ein Produkt schwer zu bekommen ist, wollen es plötzlich alle haben. Die limitierte Verfügbarkeit erzeugt Begehrlichkeit und Dringlichkeit. Die Schokolade wurde in wechselnden deutschen Großstädten zeitweise in limitierten Aktionen verkauft; heute standen vor der Hamburger Filiale etliche Menschen in langen Schlangen in der Hoffnung, eine Tafel zu ergattern. Einige Exemplare der limitierten Auflage landeten später auf Verkaufsplattformen wie Ebay - und wurden für Preise von bis zu 250 Euro angeboten.

Lesen Sie auch: Die Risiken von Honig für Babys

Qualität, Herkunft und Verbraucherschutz

Im Großen und Ganzen handelt es sich bei der Dubai-Schokolade lediglich um eine Schokolade mit einer speziellen Füllung. Die Zutatenliste ist also relativ überschaubar. Doch es gibt auch Kritik. Und zwar seitens der Verbraucherschützer. Der hohe Preis ist für viele Menschen nur ein Grund zur Kritik. Ein weiterer ist die Qualität. So berichten Verbraucher*innen davon, dass viele der Schokoladen stark überzuckert sind und kaum echte Pistazien enthalten.

In Dezember 2024 führte die Lebensmittelüberwachung in Baden-Württemberg eine Untersuchung von acht Proben „Dubai-Schokolade“ durch: Fünf Proben waren unterschiedliche Chargen eines Herstellers aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), drei stammten von verschiedenen Produzenten aus der Türkei. Dabei wurde der Einsatz von Palmöl anstelle von Kakaobutter in den VAE-Proben beanstandet, was eine Verbrauchertäuschung darstellt, da das Produkt nicht den rechtlichen Anforderungen für Schokolade entspricht. Zudem enthielten die VAE-Proben herstellungsbedingte Verunreinigungen. In den Proben aus der Türkei wurde nicht deklarierter Sesam nachgewiesen, was für Personen mit Sesamallergie ein Gesundheitsrisiko darstellt. Fast alle untersuchten Proben enthielten zudem künstliche Farbstoffe, die einen höheren Anteil an hochwertigen Zutaten vortäuschten.

Markenrechtliche Debatten

Der Begriff „Dubai-Schokolade“ wurde breit verwendet und führte zu rechtlichen Auseinandersetzungen. Laut dem Deutschen Patent- und Markenamt gab es in Deutschland zum Stand 4. Dezember 2024 insgesamt 19 aktive Markenanmeldungen, die den Begriff „Dubai“ im Zusammenhang mit Süßwaren umfassen. In Europa wurden mehr als 30 ähnliche Markenanmeldungen für Schokolade registriert. Im Dezember 2024 mahnte ein Importeur andere Hersteller ab, da deren Dubai-Schokolade nicht in Dubai produziert wird. Trotz der Abmahnungen vertreiben zahlreiche Hersteller weiter unter der Bezeichnung Dubai-Schokolade.

Der Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie ist der Meinung, dass als „Dubai-Schokolade“ bezeichnete Schokoladenerzeugnisse auf der ganzen Welt hergestellt werden dürfen. Im Januar 2025 entschied ein Gericht in Köln jedoch, dass sich nur im Emirat hergestellte Produkte Dubai Chocolate oder Dubai-Schokolade nennen dürfen; spätere Urteile veränderten diese Debatte weiter.

Soziale und ökologische Folgen

Die Beliebtheit der Süßigkeit hat zudem zu einer verstärkten Nachfrage nach Pistazienprodukten geführt. Die Nachfrage weltweit ist groß und steigend. Dies wiederum verlangt nach mehr Anbauflächen. Pistazienbäume benötigen viel Wasser; die Bewässerungsmenge an den Anbauorten übertrifft sogar die der wasserintensiven Kulturen von Avocados und Mandeln. Im Iran wird hierfür auch das Grundwasser abgepumpt, was zu regelrechten Wasserkrisen führt. Und es sieht so aus, als ob sich auch zukünftig an der Wasserknappheit in diesen Regionen wenig ändern wird.

Lesen Sie auch: Agavendicksaft oder Zucker: Ein detaillierter Vergleich

Hinzu kommt noch der Anbau als Monokulturen und der damit verbundene Einsatz von chemischen Düngemitteln und Pestiziden sowie die langen Transportwege des begehrten grünen Schatzes. Dadurch bekommt die leckere Pistaziencreme der überteuerten Dubai-Schokolade einen weiteren, wahrlich bitteren Beigeschmack.

DIY: Dubai-Schokolade selber machen

Die Nachfrage und die Kritik führten zu einem weiteren Trend: Anleitungen zum Selbermachen sind beliebt. Inzwischen kursieren unzählige Rezepte im Internet und Youtuber erklären Schritt für Schritt, wie man die Schokolade selbst kreiert. Wer also nicht warten möchte und günstiger in den Genuss kommen möchte, findet hier passende Alternativen. Für die Füllung benötigt man noch zerkleinertes Engelshaar (Kadayif-Fäden z.B. aus türkischen Lebensmittelläden) das mit Butter oder Öl in einer Pfanne geröstet wird. Hinzu kommen noch die typische Pistazien-Creme und Tahini.

Weisse Schokolade fein hacken, in eine Schüssel geben, im Wasserbad schmelzen, glatt rühren, in einen Spritzsack geben. Die Schokolade wellenartig in die Form spritzen, ca. 5 Min. in den Tiefkühler stellen. Teigfäden fein hacken. In einer Bratpfanne mit Butter goldbraun braten. Pistaziencreme und Sesamcreme daruntermischen, auskühlen. Dunkle Schokolade im Wasserbad schmelzen, glatt rühren, je 1 EL davon auf die weisse Schokolade in die Vertiefungen der Form geben, sorgfältig mit einem Pinsel verteilen. Form ca. 5 Min. in den Tiefkühler stellen. Die Pistazienmasse gleichmässig auf der Schokolade verteilen, nochmals 5 Min. in den Tiefkühler stellen. Die restliche dunkle Schokolade darüber giessen, glatt streichen, 30 Min. tiefkühlen.

Ist die Dubai-Schokolade ihr Hype wert?

Ob Dubai-Schokolade den Hype und auch ihren Preis wert ist, wollten Schüler:innen in Aarau herausfinden: Leute, die in Aarau unterwegs sind, können ein Stück probieren und uns ihre Meinung sagen. «Mmmh, fein!», sagt ein Mann nach dem ersten Bissen. «Die Schoggi ist fein, aber eigentlich nichts Spezielles», meint eine junge Frau dazu. Auch wir als Klasse probieren verschiedene Sorten Dubai-Schokolade. Wir sind uns einig: Schoggi ist immer fein! Ob Dubai-Schokolade jetzt wirklich so speziell ist - da sind wir uns nicht sicher.

Der Markt mit der exotischen Schokolade boomt und ist im Grunde ein ausgeklügelter Marketingtrick. Die Wahrheit ist, dass es hier nicht um Geschmack oder Qualität geht. Nein, es geht um das Image. Dubai-Schokolade klingt nach Luxus, nach Exotik, nach einem Hauch von "1001 Nacht". Dubai steht für Luxus, Überfluss und den Wunsch, sich von der Masse abzuheben. Und wenn wir ehrlich sind, kaufen viele von uns das Gefühl mit: das Gefühl, sich etwas Besonderes leisten zu können, dazuzugehören.

Marktforschung und Nachhaltigkeit

Marktforscher erklären, dass Konsumenten sich nach "exklusiven Genussmomenten" sehnen, und soziale Medien wirken dabei als Katalysator. Innerhalb weniger Tage erreiche ein Trend weltweit Konsumenten, "die immer auf der Suche nach dem nächsten großen Genusserlebnis sind". Ohne Social Media wäre dieser rasante Erfolg undenkbar. Entscheidend für die Nachhaltigkeit des Trends werde sein, ob das Geschmackserlebnis die hohen Erwartungen erfüllt.

Die Delikatesse mag schmecken, ist aber leider auch eine Kalorienbombe. Immerhin kommt der 200-Gramm-Riegel “Can't Get Knafeh Of It” von FIX mit sage und schreibe 992 Kalorien und 60 Gramm Fett einher. Ist die Dubai-Variante gesünder als normale Schokolade? Das lässt pauschal nicht beantworten, es kommt auf das Rezept bzw. die Inhaltsstoffe an. Die Zufuhr an Kalorien, Zucker und Fetten unterscheidet also auch bei dieser Schokoladenvariante nicht groß von anderen.

Ausblick: Hype, Dauer oder Klassiker?

Wie lange der Hype noch anhält, ist ungewiss. Ob der Hype weiter wachsen wird oder das Ende bereits erreicht ist, bleibt abzuwarten. Manche vermuten Hype-Müdigkeit, andere sehen die Schokolade auf dem Weg, ein stets beliebtes Lebensmittel zu werden. Die Beliebtheit hat sogar Auswirkungen auf den Tourismus: Es gäbe immer mehr Besuchende, die den Erwerb einer Dubai-Schokolade als wesentlichen Bestandteil und Grund für den Besuch des Emirates sehen. FIX ist mehr als nur ein virales Dessert. Es erzählt eine Geschichte von Unternehmergeist, handwerklicher Qualität und kosmopolitischer Anziehungskraft, die alle das Wesen Dubais widerspiegeln.

Aspekt Kurzbeschreibung
Hauptzutaten Milchschokolade, Pistaziencreme, Kadayif (Engelshaar), Tahini
Ursprung Dubai, FIX Dessert Chocolatier (Sarah Hamouda)
Treiber des Hypes Influencer, ASMR-Videos, FOMO, künstliche Knappheit
Kritikpunkte Hoher Preis, Qualitätsmängel, Täuschung (Palmöl statt Kakaobutter), Allergene
Nachhaltigkeit Hoher Pistazienverbrauch, Wasserbedarf, lange Transportwege

Danke fürs Lesen, Zuhören und Zuschauen! Ich wette, auch ihr habt euch schon gefragt: Was hat es bloß mit dieser mysteriösen Dubai-Schokolade auf sich? Warum flippen gerade alle wegen einer Schokolade aus Dubai aus? Die Antwort liegt in einer Mischung aus Geschmackserlebnis, Image, Social-Media-Power und cleverem Marketing.

tags: #warum #ist #dubai #schokolade #so #beliebt

Populäre Artikel: