Warum ist Schokolade so teuer geworden? Hintergründe und Ursachen
Schokolade ist ein beliebtes Genussmittel, doch in letzter Zeit ist sie spürbar teurer geworden. Ob Lebkuchenherzen, Dominosteine oder Schoko-Nikoläuse zur Weihnachtszeit oder Schokoladen-Osterhasen - viele Süßwaren sind teurer als noch vor einem Jahr. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für diesen Preisanstieg.
Preisanstieg bei Schokolade: Ein Überblick
Die Preise für Schokolade sind spürbar gestiegen. Fast alle Hersteller haben ihre Produkte verteuert, was sich zulasten der Supermarktkunden auswirkt. So kostet beispielsweise eine Tafel Milka-Schokolade bei großen Handelsketten wie Aldi, Edeka, Kaufland, Rewe und Rossmann mittlerweile 1,99 Euro statt wie bisher 1,49 Euro. Auch andere Hersteller wie Ritter Sport und Lindt & Sprüngli haben die Preise erhöht und weitere Preiserhöhungen für 2025 angekündigt.
Das Statistische Bundesamt berichtet, dass sich der Preis für eine klassische 100-Gramm-Tafel Schokolade im Verlauf des Jahres 2024 um fast 15 Prozent erhöht hat. Laut einer Auswertung des Preisvergleichsportals Smhaggle ging es Anfang 2025 erneut deutlich nach oben.
Hauptursachen für den Preisanstieg
Die Ursachen für den Preisanstieg bei Schokolade sind komplex und vielfältig. Im Wesentlichen lassen sie sich auf folgende Faktoren zurückführen:
1. Steigende Kakaopreise
Kakao ist die Hauptzutat von Schokolade, und der Preis für Kakao hat in den letzten Jahren ein Allzeithoch erreicht. Zwischen 2023 und 2025 hat sich der Preis für Kakao verdoppelt. Dies liegt vor allem an:
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- Schlechten Ernten in Westafrika: Ein Großteil des weltweiten Kakaos wird in Westafrika angebaut, insbesondere in Ländern wie Ghana und der Elfenbeinküste. Dort haben extreme Wetterereignisse wie lange Dürreperioden, Starkregen und Überflutungen zu geringeren Erträgen, schlechterer Qualität oder vollständig zerstörten Ernten geführt.
- Krankheiten der Kakaobäume: Vielerorts sind die Kakaobäume zudem von Krankheiten befallen, was die Ernte zusätzlich reduziert. Die „Black Pod Disease“ ist eine gefürchtete Pilzkrankheit, die ganze Ernten vernichten kann.
- Klimawandel: Der Klimawandel trägt zu extremen Wetterbedingungen und der Ausbreitung von Krankheiten bei, was die Kakaoernte zusätzlich gefährdet.
- Steigende Produktionskosten: Die Kosten für Energie, Personal und Transport sind gestiegen, was sich ebenfalls auf den Preis von Kakao auswirkt.
- Wachsende globale Nachfrage: Die globale Nachfrage nach Schokolade steigt stetig, was den Preis für Kakao zusätzlich in die Höhe treibt.
2. Auswirkungen des Klimawandels
Der Klimawandel hat erhebliche Auswirkungen auf den Kakaoanbau. Die Kakaopflanze ist äußerst empfindlich und benötigt ein ausgewogenes Verhältnis von Wärme und Feuchtigkeit. Extreme Wetterereignisse wie Dürren und Überschwemmungen, die durch den Klimawandel verstärkt werden, können zu erheblichen Ernteausfällen führen.
3. Monokulturen und Anfälligkeit für Krankheiten
Im konventionellen Anbau wird Kakao oft in Monokulturen angebaut. Diese sind anfälliger für Pilzkrankheiten und Wetterschäden. Die Bäume stehen dicht an dicht in Reihen, ohne den Schutz durch andere Gewächse, was die Ausbreitung von Krankheiten begünstigt.
4. Spekulationen an den Rohstoffbörsen
Auch Spekulationen an den Rohstoffbörsen tragen zu schwankenden Kakaopreisen bei. Der spekulative Terminhandel an den Börsen in New York und London verstärkt die Volatilität der Preise.
5. Weitere Faktoren
Neben den genannten Hauptursachen gibt es noch weitere Faktoren, die zum Preisanstieg bei Schokolade beitragen:
- Höhere Löhne: Die Löhne sind gestiegen, was sich auf die Produktionskosten auswirkt.
- Teurere Verpackung: Die Kosten für Verpackungsmaterialien sind gestiegen.
- Teurerer Transport: Die Kosten für den Transport von Kakao und Schokolade sind gestiegen.
- US-Zölle: Die von Donald Trump verhängten US-Zölle von 15 Prozent auf Kakao-Exporte aus Afrika verteuern die Schokolade für US-Kunden.
Bio-Kakao als Alternative
Kakao aus biologischem Anbau stammt meist aus Mischkulturen, die widerstandsfähiger gegen extreme Witterungsbedingungen sind. Durch die hohe Biodiversität sind diese Anbaumethoden nachhaltiger und weniger anfällig für Krankheiten oder Ernteausfälle. In Sierra Leone, dem Hauptanbauland für Bio-Kakao, wirtschaften viele Kleinbäuerinnen und Kleinbauern nach Naturland-Richtlinien und sind in einer großen Kakao-Kooperative vernetzt.
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Der Markt für Bio-Kakao wächst seit Jahren. Immer mehr Menschen wollen Produkte kaufen, die kontrolliert, nachhaltig und fair produziert und gehandelt werden. Daher tragen viele Schokoladenprodukte in Bio-Qualität auch Siegel des fairen Handels.
Auswirkungen auf Verbraucher und Hersteller
Die steigenden Kakaopreise und die daraus resultierenden höheren Schokoladenpreise haben Auswirkungen auf Verbraucher und Hersteller:
- Verbraucher: Verbraucher müssen tiefer in die Tasche greifen, um Schokolade zu kaufen. Nach Daten des Statistischen Bundesamts erhalten sie für jeden Euro ein Drittel weniger Schokolade als vor fünf Jahren.
- Hersteller: Schokoladenprodukte im Handel verteuern sich deutlich, und die Produktion wird aufgrund des Rohstoffmangels zurückgefahren. Kleine Schokoladenhersteller, die auf fairen und ökologischen Kakaoanbau setzen, sind besonders betroffen.
Reaktionen von Produktion und Handel
Die Schokoladenhersteller reagieren auf die steigenden Kakaopreise auf unterschiedliche Weise:
- Preiserhöhungen: Viele Hersteller erhöhen die Preise für ihre Schokoladenprodukte, um die gestiegenen Kosten auszugleichen.
- Reduzierung der Tafelgröße: Einige Hersteller reduzieren die Größe der Schokoladentafeln, um den Preis pro Tafel stabil zu halten. So hat beispielsweise Milka die Tafelgröße von 100 auf 90 Gramm reduziert, während der Preis gleichzeitig gestiegen ist.
- Verwendung von weniger Kakao: Einige Hersteller verwenden weniger Kakao in ihren Schokoladenprodukten, um Kosten zu sparen.
- Fokus auf Bio- und Fairtrade-Schokolade: Einige Hersteller setzen verstärkt auf Bio- und Fairtrade-Schokolade, um den steigenden Kakaopreisen entgegenzuwirken und den Bedürfnissen der Verbraucher nach nachhaltigen Produkten gerecht zu werden.
Was können Verbraucher tun?
Verbraucher, die beim Schokoladenkauf etwas Geld sparen und nachhaltiger konsumieren wollen, können folgende Tipps beherzigen:
- Auf Eigenmarken setzen: Viele Supermärkte bieten Schokoladen ihrer Eigenmarken an, die oft eine ähnliche Qualität wie Markenprodukte bieten, jedoch deutlich günstiger sind.
- Nachhaltige Schokolade wählen: Wer einen Beitrag leisten möchte, kann auf Schokolade mit zertifizierten Nachhaltigkeitssiegeln wie das von Fairtrade setzen. Sie bieten zumindest einen gewissen Schutz für die Kakaobauern.
- Preise vergleichen: Die Preise für Schokolade können von Hersteller zu Händler stark variieren.
- Weniger Schokolade konsumieren: Wer weniger Schokolade konsumiert, spart nicht nur Geld, sondern leistet auch einen Beitrag zur Reduzierung der Nachfrage nach Kakao.
Ausblick
Die Situation auf dem Kakaomarkt bleibt angespannt. Die Preise zeigen sich äußerst volatil, was durch den spekulativen Terminhandel an den Börsen noch verstärkt wird. Die konventionellen Lagerbestände sind zuletzt gestiegen, was zu einem kurzfristigen Preisrückgang führte. Dennoch bleiben die strukturellen Versorgungsengpässe bestehen.
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Es ist unklar, inwieweit die aktuelle Preisentwicklung tatsächlich an die nachgelagerten Marktteilnehmer weitergegeben wird. Insgesamt ist eine deutliche Entspannung vorerst nicht in Sicht. Es ist daher wahrscheinlich, dass die Schokoladenpreise auch in Zukunft hoch bleiben werden.
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