Gründe für steigende Zuckerpreise weltweit: Entwicklungen, Ursachen und Auswirkungen

In den vergangenen Monaten stiegen die Preise für Zucker sowohl am Weltmarkt als auch im Supermarkt rasant. Verbraucherinnen und Verbraucher haben sich zwar bereits an steigende Preise bei Lebensmitteln gewöhnt, doch der Zuckerpreis hat sich zuletzt besonders dynamisch entwickelt und ist im Vergleich zum Vorjahr stellenweise um bis zu 80 Prozent teurer geworden. Was sind also die Gründe für diese außergewöhnlichen Preissteigerungen bei Zucker?

Weltkarte der Zuckerproduktion mit den wichtigsten Export- und Importländern

Aktuelle Preisentwicklungen auf den Märkten

Die globalen Zuckerpreise sind am Montag gestiegen, da die Ölpreise aufgrund anhaltender Lieferengpässe die Marke von 119 US-Dollar pro Barrel überschritten haben. Am 24. Juli 2026 stieg Zucker auf 14,76 USD/Lbs, ein Anstieg von 0,48% im Vergleich zum Vortag. Im vergangenen Monat ist der Preis für Zucker um 4,68% gestiegen, liegt jedoch immer noch 9,39% unter dem Vorjahr, gemäß dem Handel mit einem Differenzkontrakt (CFD), der den Referenzmarkt für diese Ware verfolgt. Die Rohzucker-Futures an der Intercontinental Exchange stiegen um 2,1 % auf 14,40 US-Dollar pro Pfund, während die Weißzucker-Futures laut Reuters um 2,4 Prozent auf 424,30 US-Dollar pro Tonne kletterten.

Zucker wird voraussichtlich bis Ende dieses Quartals bei 14,59 Cent/Pfund gehandelt, gemäß den globalen Makromodellen von Trading Economics und den Erwartungen der Analysten. Der größte Produzent und Exporteur von Zucker weltweit ist Brasilien (21% der Gesamtproduktion und 45% der Gesamtexporte), gefolgt von Indien, der Europäischen Union, China, Thailand und den Vereinigten Staaten.

Graphische Übersicht der Preisentwicklung von Zucker an der ICE-Börse

Einfluss von Ölpreisen und Ethanolproduktion

Dies schürt die Sorge, dass brasilianische Zuckerfabriken künftig mehr Ethanol und weniger Zucker produzieren werden. Reuters zitierte Alberto Picciotto, Direktor des Brokerhauses und Beratungsunternehmens AB Commodities, mit der Aussage, dass die Nachfrage nach Ethanol dank des starken Anstiegs der Rohölpreise, die sich seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt haben, zunimmt.

Weil sie damit mehr Geld verdienen, produzieren einige Zuckerrohrhersteller, unter anderem in Brasilien, schon keinen Zucker mehr, sondern sie machen aus ihrem Zuckerrohr Biokraftstoff, also Ethanol. Der Ukraine-Krieg hat bewirkt, dass auch Treibstoffe deutlich teurer werden. Auf dem Weltmarkt landet somit weniger Zucker - der Zucker wird teurer, auch bei uns.

Lesen Sie auch: Gefahren von Honig für Babys im ersten Lebensjahr

Erklärung: Wechselwirkung von Zucker-, Öl- und Ethanolpreisen auf dem Weltmarkt

Produktionskosten und Verfügbarkeiten

Der aktuell steigende Zuckerpreis erhöht für viele Hersteller den Druck noch zusätzlich. Die aktuelle Lage der Hersteller kulinarischer Lebensmittel ist äußerst angespannt. Seit Monaten steigen in fast allen Produktions-Bereichen die Kosten - sei es bei Energie, Verpackung, Transport und Logistik sowie Agrarrohstoffen. Die deutschen Hersteller sind wichtige Abnehmer von Agrarrohstoffen wie Zucker. Die Kostenexplosion gerade für Zucker erschwert vielen Mitgliedern die Herstellung ihrer Produkte. Schon die Corona-Pandemie hatte enorme Auswirkungen auf die Beschaffung und die Kosten im Herstellungsprozess. Seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs hat sich diese Situation jedoch noch verschärft und bringt für einige Unternehmen Belastungen, wie es sie bisher noch nie gab.

Zucker ist ein gefragtes Gut - insbesondere seitdem wegen der aktuellen Wetterlage Erntemengen geringer ausfallen können und die unsichere Gasversorgung Verfügbarkeiten in Frage stellt. Die Unternehmen müssen den Landwirten einen höheren Preis für ihre Rüben bezahlen, weil die sich sonst entscheiden, keine Rüben, sondern etwas anderes anzubauen. Gerade in den kalten Monaten waren aber Gas und Co. besonders teuer, was die Kosten für die Rübenverarbeitung in die Höhe trieb.

Wetterextreme und Ernteerträge in den wichtigsten Produktionsländern

Schlechte Ernte in Deutschland und Frankreich: Der Zucker, den wir im Supermarkt kaufen, ist meist aus heimischem Rübenzucker. Die Hauptzuckerproduzenten in Europa sind Frankreich und Deutschland. In Deutschland werden auf rund 360.700 Hektar Zuckerrüben angebaut. Aus rund 25 Millionen Tonnen Zuckerrüben wurden im vergangenen Produktionszeitraum rund 3,8 Millionen Tonnen Zucker hergestellt. Im Zeitraum davor, 2021/2022, war der Ertrag höher: rund 4,5 Millionen Tonnen Zucker wurden aus rund 29 Millionen Tonnen Rüben produziert. Vergangenes Jahr war die Ernte wegen mehrerer Hitzewellen schlecht, vor allem in Frankreich. Eigentlich sei die Zuckerrübe ideal für heißeres und trockeneres Klima, weil sie mit ihren langen Wurzeln Wasser aus tieferen Schichten ziehen könne. So wie wir es letztes Jahr gesehen haben, war es aber zu viel.

Durch den Klimawandel treten auch mehr Schädlinge und Pflanzenkrankheiten auf. Zwei Drittel des Zuckers weltweit wird aus Zuckerrohr gemacht. Die größten Produzenten im Zuckergeschäft sind Brasilien, Indien und Thailand. Auch diese Länder haben mit Wetterextremen zu kämpfen, haben vergangenes Jahr weniger geerntet und deshalb weniger Zucker exportiert. Im Frühjahr gab es auch bereits Ernterückgänge.

Infografik: Einfluss von Wetterextremen auf globale Zuckerernten

Veränderungen durch Marktregulierungen und Abbau von Quoten

Bis zum Jahre 2017 regelte eine Zuckermarktverordnung mit festen Mindestpreisen für Rüben und Quoten den Markt. Als die Verordnung wegfiel, fielen auch die Preise. Doch inzwischen sind die Zuckerpreise in Deutschland etwa doppelt so hoch wie auf dem Weltmarkt; auch weil Zuckerrohrproduzenten wie Brasilien oder Thailand ihre Exporte in die EU reduziert haben.

Lesen Sie auch: Die Risiken von Honig für Babys

Europas Zuckerbranche warnt vor dem Marktkollaps. Die Zuckerrübenkampagne ist in ihrer Hochphase, nun schlagen die europäischen Dachverbände der Zuckerwirtschaft Alarm. Die Lage ist nach Angaben der Verbände äußerst besorgniserregend. Alleine in diesem Jahr wurde die Schließung von fünf Zuckerfabriken angekündigt. Eine weitere wird in der kommenden Kampagne keine Zuckerrüben mehr verarbeiten.

Die europäischen Zuckerpreise sind seit dem Höchststand im Dezember 2023 um 38 Prozent eingebrochen. Auch der Weltmarktpreis für Zucker hat in den letzten Monaten deutlich nachgegeben. Die europäischen Preise folgen den Weltmarktpreisen für Zucker: Diese waren auf Grund einer Überproduktion in Brasilien, Indien und Thailand sowie umfangreicher Spekulationen an den Terminmärkten eingebrochen. Trotzdem bleiben aufgrund extremer Schwankungen Angebotsrisiken bestehen.

Importe, Zölle und internationale Handelsbedingungen

Rohrzucker zu kaufen ist für die Hersteller teuer: wenn sie ihn in die EU importieren wollen, müssen sie dafür Strafzölle von über 400 Euro pro Tonne zahlen. Neben den regulären Importen gelangen große Mengen im Rahmen des Verfahrens der aktiven Veredelung, Inward Processing Procedure (IPP), in den EU-Markt. Das sei, so WVZ, ein Schlupfloch für billigen Zucker, der EU-Sozial- und Umweltstandards nicht erfüllt. CEFS und CIBE sehen die stark ansteigenden, zollfreien Importe als sehr kritisch.

Konsequent steigende Verbraucherpreise und Auswirkungen auf die Lebensmittelindustrie

Zucker ist ein Grundnahrungsmittel im Vorratsschrank der Verbraucher und eine der wichtigsten Zutaten in der Lebensmittelindustrie. Steigende Preise im Supermarkt gehören seit Monaten zum Alltag. Doch nun sticht ein Preis heraus: Zucker ist rasant teurer geworden. Laut dem Statistischen Bundesamt sind es 55 Prozent mehr gegenüber dem Vorjahr, ohne dass es den einen klar erkennbaren Grund gibt.

Fast zwei Millionen Tonnen Süßwaren werden in Deutschland pro Jahr gegessen - mit steigender Tendenz. Stiegen die Preise 2022 noch um 5,9 Prozent, lag der Preissprung im Juni dieses Jahres bei 19,4 Prozent. Und es könnte weiter nach oben gehen. So werden Verbraucher in Zukunft noch mehr für Schokolade, Gummibärchen und Kekse zahlen müssen. Fast 80 Prozent des in Deutschland erzeugten Zuckers nutzt die Lebensmittel- und Getränkeindustrie.

Lesen Sie auch: Agavendicksaft oder Zucker: Ein detaillierter Vergleich

Symbolfoto: Preisauszeichnung und Zuckerprodukte im Supermarktregal

Jochen Jung, der fünf Eisdielen in Südhessen betreibt, hat seinen Kugelpreis von 1,60 Euro auf 1,80 Euro erhöht. Ein Grund sind seine gestiegenen Kosten. Milch, Sahne, Früchte - nun auch noch der Zuckerpreis. Die höheren Kosten bringen Unwucht in seine Kalkulation. Fast 20 Prozent mehr musste er allein nur seinem Zwischenhändler an Mehrkosten beim Zucker zahlen, erzählt er.

Auch bei Schokoladenhersteller Helmut Gräber läuft es gerade in Sachen Zucker nicht besonders gut. Im Herbst startet er mit der Weihnachtsproduktion: handgefertigte Weihnachtsmänner und Tannenbäume. Statt 850 Euro pro Tonne, wie die Jahre davor, zahlt er in diesem Jahr 1400 Euro.

Einige Süßwarenhersteller haben Angst, dass bald nicht mehr genug Zucker da ist. Storck erwartet Lieferengpässe im August und September, bevor neuer Zucker aus der Ernte von diesem Jahr zur Verfügung steht. Und auch Katjes erwartet, dass das Zuckerkontingent bis September ausverkauft ist.

Preise und Anbau aus Sicht der Rübenbauern

Statt 30 Euro pro Tonne wie 2022, bekommen Rübenbauern jetzt von ihrem Abnehmer Südzucker 38 Euro pro Tonne bezahlt: ein Plus von 27 Prozent. Endlich haben Bauern wieder einen Wert für ihre Rüben, und der wird bezahlt. "Wir produzieren regional mit hohen Umweltstandards, und wer das haben will, muss es eben auch bezahlen. Da gibt es eben keinen Zucker für 59 Cent", fügt der Landwirt hinzu.

Blick auf ein Zuckerrübenfeld während der Ernte

Marktsituation und Perspektiven

Region/Land Produktion (Mio. t) Hauptrohstoff Besondere Herausforderungen
Brasilien Mehr als 35 Zuckerrohr Lenkung in Ethanolproduktion, Wetterrisiken
Indien ~27 Zuckerrohr Exportbeschränkungen, Wetter
EU (Deutschland/Frankreich) ~17 (gemeinsam) Zuckerrübe Dürrejahre, Produktionskosten, Flächenstilllegung
Thailand ~10 Zuckerrohr Spekulation, Wetterextreme

Zwischen Prognose und Unsicherheit

Sandra Fürderer erwartet, dass Zucker erst einmal eine Weile teuer bleiben wird. Das extreme Wetter spielt dabei eine Hauptrolle, dadurch sei eine Prognose über die Erträge in Europa und weltweit für die Analysten schwierig. Gerade, wenn die Unsicherheit da ist, wird der Preis eher hoch bleiben. Auf das Niveau vor vier, fünf Jahren wird es wahrscheinlich so schnell nicht wieder zurückgehen.

Für die Rübenbauer und die Zuckerindustrie sind die hohen Zuckerpreise gut. Sie können mit Zucker wieder Geld verdienen. Europas zweitgrößter Produzent Nordzucker sowie Südzucker konnten ihre Gewinne im Geschäftsjahr 2022/2023 deutlich steigern.

Prognosegrafik: Zuckerpreise und Erntetrends weltweit

tags: #Gründe #für #steigende #Zuckerpreise #weltweit

Populäre Artikel: