Waben mit Honig schmelzen: Verfahren, Tipps und Anwendung
Bienenwaben dienen nicht nur als Lagerstätte für Honig, sondern sind auch Quelle des wertvollen Bienenwachses. Imker stehen regelmäßig vor der Aufgabe, Waben nach der Honigernte einzuschmelzen, um das Wachs zurückzugewinnen und nutzbar zu machen. Dieser Prozess ist essenziell für die Wiederverwertung und Gesundheit des Bienenstocks und bietet zahlreiche Möglichkeiten für die Weiterverarbeitung des gewonnenen Wachses. In diesem Artikel werden verschiedene Verfahren zum Einschmelzen von Waben mit Honig, praktische Tipps sowie die wichtigsten Anwendungen des Bienenwachses ausführlich beschrieben.
Bienenwaben: Aufbau und Bedeutung für die Imkerei
Bienenwaben sind ein zentrales Element der Imkerei. Sie dienen den Bienen als Lebensraum für ihre Brut sowie zur Lagerung von Honig und Pollen. Die Bienen formen aus einzelnen Wachsschuppen die Waben. Das Wachs, welches von den Bienen produziert wird, ist ein vielseitiger Stoff, der für Imker oft mit viel Arbeit verbunden ist.
Im Gegensatz zu Honig gilt Wachs eher als Nischenprodukt, da die Bienen weit weniger Wachs als Honig erzeugen. Besonders das Jungfernwachs (frisch geschwitzt) ist sehr rein und enthält keine Schadstoffe. Häufig schneiden Imker im Frühjahr Drohnenrahmen aus, um die Varroa zu bekämpfen - dabei kann qualitativ hochwertiges Wachs gewonnen werden. Nach der Ernte enthält das Wachs meist noch Schmutzpartikel und muss gereinigt werden.
Warum Waben einschmelzen?
- Wiederverwendung des Wachses: Wachs ist ein wertvolles Produkt, das vielseitig genutzt werden kann, z.B. für Mittelwände, Kerzen oder Bienenwachstücher.
- Vermeidung von Krankheitserregern: Alte Waben können Bakterien oder Pilze beherbergen. Regelmäßige Wabenerneuerung erhält die Gesundheit des Bienenstocks.
- Kreislaufwirtschaft: Durch Schmelzen wird das Wachs recycelt und kann dem eigenen Wachskreislauf der Imkerei zugeführt werden.
Vorbereitung der Waben zum Schmelzen
Viele Imker entscheiden sich, die alten Waben einzuschmelzen, wenn sie nach der Honigernte nicht mehr benötigt werden oder beschädigt sind. Die Waben werden zunächst von Honigresten, Pollen und eventuell Propolis befreit. Besonders schöne Waben, die noch nicht oft bebrütet wurden oder bereits einen Bereich mit Pollen enthalten, können bei der Ablegerbildung verwendet werden.
Gelbe, unbebrütete Waben sollten extra gelagert werden, da sie weniger von Wachsmotten befallen werden. Bevor gelbe Waben aus dem Honigraum eingelagert werden, sollten sie besser von den Bienen ausgeschleckt werden, denn im Inneren bleiben Honigreste zurück, die sonst gären könnten. Wer die Waben über den Winter lagert, sollte sie unbedingt dicht verstauen.
Lesen Sie auch: Warum Honig in der Wabe kristallisiert
Tabelle: Typische Vorgehensweise bei der Wabenaufbereitung
| Arbeitsschritt | Ziel | Empfohlene Methode |
|---|---|---|
| Entfernen von Honigresten | Verhindert Gärung | Bienen ausschlecken lassen |
| Sortieren nach Wabenart | Qualitätserhaltung | Unbebrütete Waben extra lagern |
| Lagerung | Schutz vor Wachsmotten | Verschlossene Behälter oder Kühltruhe |
Verschiedene Schmelzverfahren im Überblick
Es gibt drei bewährte Methoden zum Einschmelzen von Waben mit Honig:
1. Dampfwachsschmelzer
Der Dampfwachsschmelzer ist ein spezielles Gerät, das für das Einschmelzen von Bienenwaben entwickelt wurde. Im Dampfwachsschmelzer wird Wasser zum Verdampfen gebracht, welches wiederum das Wachs zum Schmelzen bringt. Viele Modelle besitzen einen Einsatz, in dem die Reste (Trester) zurückbleiben. Expertentipp: Geräte aus Edelstahl sind besonders geeignet, da eine falsche Materialwahl sich auf die Farbe des Wachses auswirken kann. Das Schmelzen mit Dampfwachsschmelzern wird meist von Imkern für das Schmelzen großer Mengen verwendet.
Ganze oder teilweise mit altem Futter gefüllte Waben können direkt eingeschmolzen werden - der Schmelzvorgang erhitzt alles mehrfach und tötet so ziemlich alle Keime.
2. Wasserbad-Methode
Wenn kein spezieller Wachsschmelzer zur Verfügung steht, kann die Wasserbad-Methode verwendet werden. Hierbei nimmt man einen großen Topf, in dem etwas Wasser erhitzt wird. Die Wabenstücke kommen in ein feines Netz oder einen Sack aus Baumwolle, der im Wasserbad platziert wird. Durch das Wasserbad wird das Wachs gereinigt, und Honig löst sich im Wasser auf, während das Wachs oben schwimmt.
Sehr wichtig ist, dass die Temperatur nicht zu hoch eingestellt wird, um ein Verbrennen zu verhindern. Am besten sind doppelwandige Töpfe geeignet, wobei sich im Doppelmantel Wasser befindet, das verdampft, bevor das Wachs zu heiß wird.
Lesen Sie auch: Honig aus Waben entnehmen
3. Sonnenwachsschmelzer
Das Einschmelzen mit Sonnenergie gilt als besonders umweltfreundlich. Sonnenwachsschmelzer bestehen meist aus Holz mit einer Ablage innen, auf welche die Waben inklusive Rähmchen gelegt werden. Nach dem Verschließen mit Glas oder Plexiglas erledigt die Sonne den Rest. Im Frühjahr und Sommer wird diese Methode gern genutzt, bei wenigen Waben oder Wildbau.
Nach dem ersten Schmelzvorgang ist das Wachs oft noch nicht ganz sauber und muss zusätzlich gereinigt werden, z. B. durch Filtration. Für Kerzen ist sauberes Wachs Voraussetzung, da unreines Wachs rußt und knistert.
Reinigung und Filtration des Wachses
Das gewonnene Wachs enthält oft noch Schmutz, Pollenreste, Larvenhäutchen oder Propolis. Die Reinigung erfolgt durch Filtration - am einfachsten mit einer Feinstrumpfhose oder einem Edelstahl-Sieb. Das heiße Wachs wird langsam in ein konisches Gefäß gegossen und setzt beim Abkühlen den Schmutz am Boden ab. Je langsamer das Wachs abkühlt, desto besser können sich Schwebeteilchen absetzen. Mit dem Zusatz von Zitronensäure (ca. 1g / 2,5kg Bienenwachs) kann die Reinheit weiter erhöht werden.
Wichtig ist beim Umgang mit flüssigem Wachs Vorsicht, da die Temperatur bei etwa 80°C liegt. Nach der vollständigen Abkühlung kann der abgesetzte Schmutz einfach abgekratzt werden.
Umgang mit problematischen Waben: Schimmel, Kotspuren, altes Futter
Waben mit Kotspuren oder Schimmel können bedenkenlos eingeschmolzen werden, da beim Einschmelzen alles mehrfach hoch erhitzt wird, was die Keime abtötet. Allerdings lohnt sich das Einschmelzen von Waben mit viel altem Futter meist nicht, da der Schmodder den Aufwand nicht wert ist. Solche Waben können gesammelt zur Müllhalde gebracht oder gemeinsam mit anderen Imkern eingeschmolzen werden. Wachsmotten befallene Waben können ebenfalls im Wasserbad geschmolzen werden, wobei der Honig im Wasser gelöst wird und das Wachs oben schwimmt.
Lesen Sie auch: Gesundheitliche Lage von Heinz Hoenig im Detail
Es empfiehlt sich, verschmutzte und dreckige Waben gemeinsam mit anderen Imkern zu verarbeiten, um den Energie- und Zeitaufwand zu reduzieren.
Tipps zur Lagerung von Waben und Wachs
- Saubere, ausgeschleuderte Honigwaben am besten im Wabenschrank lagern, da Wachsmotten sich meist nicht dafür interessieren.
- Bebrütete Waben mit Pollen sollten getrennt gelagert werden, Wachsmotten sind hierfür anfällig.
- Kühltruhe bietet Schutz vor Motten und Schimmel.
- Leere oder fast leere Waben können zur Ablegerbildung verwendet werden.
Anwendungen des gewonnenen Bienenwachses
- Neuer Wabenbau: Das zurückgewonnene Wachs wird zur Herstellung neuer Mittelwände verwendet, sodass die Bienen im nächsten Jahr eine reine Basis erhalten.
- Kerzenproduktion: Wachs ist ein beliebtes Material zur Herstellung von Bienenwachskerzen, die lange brennen und aromatisch duften.
- Bienenwachstücher: Nachhaltige Alternative zu Frischhaltefolie, mehrfach verwendbar und sehr beliebt.
- Geschenk- und Dekoartikel: Christbaumanhänger und Teelichter sind besonders gefragt.
- Pflegeprodukte: Bienenwachs ist Bestandteil vieler Cremes, die Schutz vor Kälte bieten.
Praktische Tipps und Erfahrungswerte
Anfänger kommen im ersten Jahr ihrer imkerlichen Aktivitäten meist noch ohne Wachsverarbeitung aus, doch nach 2-3 Jahren müssen Entscheidungen getroffen werden. Grundsätzlich sollte eine regelmäßige Wabenerneuerung erfolgen, da das Wachs Schadstoffe wie Pestizide bindet und für die Bienen wie eine Niere wirkt.
Die Reinigung des Edelstahlsiebs erfolgt am besten mit Soda aus der Drogerie und heißem Essig - dies weicht das Wachs gut ein und mit einer Bürste lässt sich das Sieb anschließend säubern. Die Methode ist nur bei Edelstahl anzuwenden, bei anderen Materialien kann eine Feinstrumpfhose als Filter genutzt werden und nach Gebrauch entsorgt werden.
Eigenwachsumarbeitung und Kreislaufwirtschaft in der Imkerei
Mit dem gezielten Einschmelzen und Umarbeiten des eigenen Wachses lässt sich der Imkerei-Wachskreislauf schließen. Ab einer Menge von 100 kg kann man beim Fachhandel gewalzte Mittelwände zurückerhalten, die etwas elastischer sind als gegossene. Die Ausbeute erhöht sich durch Vorrichtungen zum Auspressen des noch heißen Tresters - kleine Stampfer oder selbstgebaute Wachspressen helfen dabei.
Weitere Hinweise und Ressourcen
Für Kerzen gibt es zahlreiche Formen im Handel, aber auch die eigene Herstellung ist möglich. Ziel vieler Imker ist, mit dem gewonnenen Wachs neue Mittelwände und umweltfreundliche Produkte zu schaffen. Wer Erfahrung und eigene Methoden hat, kann im Austausch mit anderen Imkern profitieren oder Videos und Blogbeiträge konsultieren - etwa auf dem YouTube-Kanal von Hausbiene.de, wo eine informative Playlist zum Thema Wachs vorhanden ist.
tags: #waben #mit #honig #schmelzen #verfahren #und


