Typische russische Desserts: Spezialitäten und Rezepte
Eine der interessantesten Möglichkeiten, neue Kulturen kennen zu lernen, ist die Verkostung nationaler Gerichte und Getränke. Wenn Sie eine Naschkatze sind, ist dieser Artikel genau das Richtige für Sie, denn heute werden wir über russische Desserts sprechen. Russische Desserts unterscheiden sich von den typischen europäischen Desserts. Feines und schönes Gebäck, Torten mit Sahne oder Mousse sind nicht typisch für die russische Küche. Sind Sie interessiert? Dann lassen Sie uns über russische Desserts sprechen!
Die Vielfalt der russischen Süßspeisen
Wie Sie sehen können, gibt es in der russischen Küche sehr unterschiedliche Arten von Desserts. Jedes Dessert hat seine Geschichte, und jede Geschichte erzählt viel über das Leben der Menschen in Russland. Einige Rezepte sind ungewöhnlich, und deshalb empfehlen wir Ihnen, sie bei Ihrem Besuch in Russland zu probieren.
Guriev-Brei (Гурьевская каша)
Wir wetten, dass Sie ein wenig überrascht sind, wenn Sie von Brei als Nachspeise lesen, und vielleicht wecken Sie auch einige Assoziationen aus Ihrer Kindheit. Der Guriev-Brei hat nichts mit dem typischen Brei gemein, den wir heute zum Frühstück essen. Der Guriev-Brei wurde von einem Koch erfunden, der im Dienste des Gutsbesitzers Georgiy Yurisovsky stand. Dieser lud einmal Dmitri Alexandrowitsch Gurjew (1751-1825), den Finanzminister und Mitglied des Staatsrates des Russischen Reiches, zu einem Besuch ein und beauftragte seinen Küchenchef, etwas Ungewöhnliches zu kreieren, denn Dmitri Gurjew war ein Feinschmecker und liebte neue und interessante Gerichte. Der Koch kreierte einen Brei, der Dmitrij Gurjew so gut gefiel, dass er sogar einen Vertrag mit seinem Freund Georgij Jurisowskij abschloss und dessen Koch einstellte. Der Brei wurde nach Dmitrij Gurjew benannt. Das Originalrezept für diesen Brei ist recht einfach. Er wird aus Grieß und Milch unter Zugabe von kandierten Nüssen (Haselnüsse, Walnüsse, Mandeln), Honig und Trockenfrüchten zubereitet. Dieser süße Brei blieb lange Zeit sehr beliebt.
Pastila (Пастила)
Pastila ist ein traditionelles russisches Dessert, das seit dem XIV. Jahrhundert bekannt ist und aus pürierten Äpfeln, Honig oder Zucker und Eiweiß zubereitet wird (dies kann optional sein). Es gibt auch Rezepte für Pastila aus pürierten Beeren. Nachdem die Äpfel püriert und mit Honig vermischt wurden, wird diese Masse in einer dünnen Schicht auf ein Backblech gestrichen. Das Backblech wird zum Trocknen für mehrere Stunden in den russischen Ofen gelegt. Dann wird die Pastila in mehreren Schichten in einer Erlenholzkiste angeordnet und im selben Ofen getrocknet. Pastila gibt es in verschiedenen regionalen Varianten. Die beliebtesten Pastilasorten sind Kolomna-Pastila (aus pürierten Äpfeln), Rzhev-Pastila (zwischen den Apfelschichten gibt es zusätzliche Schichten aus Sorbus oder Preiselbeeren) und Belyov-Pastila (aus Bratäpfeln).
Vogelmilch (птичье молоко)
Vogelmilch ist ein sehr ungewöhnlicher Name für ein Dessert und sollte symbolisieren, wie selten und einzigartig diese Nachspeise ist. Wir müssen zugeben, dass das Originalrezept aus Polen stammt und in den 1960er Jahren in der Sowjetunion verwendet wurde, wo das Rezept ein wenig verändert wurde. Ursprünglich handelt es sich bei Vogelmilch um einen mit Schokolade überzogenen Riegel mit einem weichen, Marshmallow-ähnlichen Inneren. Im Jahr 1978 kreierte der sowjetische Konditor Wladimir Guralnik einen neuen Kuchen, der an die ursprünglichen Bonbons erinnerte und der auch den Namen Vogelmilch erhielt. Es handelte sich um einen leichten Biskuitkuchen, der mit einem luftigen Soufflé gefüllt und mit Schokoladenglasur und Kondensmilch überzogen war. Eine Besonderheit des russischen Rezepts ist die Verwendung von Agar-Agar anstelle von Gelatine. Das Rezept für diesen Kuchen wurde sogar patentiert.
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Sorbet (щербет)
Aufgrund der weltweiten kulturellen Verbindungen hat sich die russische Küche von anderen Küchen inspirieren lassen. Ein Beispiel dafür ist das Sorbet, das normalerweise mit orientalischen Süßigkeiten in Verbindung gebracht wird. Die Idee des russischen (oder sogar sowjetischen) Sorbet stammt von dem Getränk Scharbat, das aus Blütenblättern hergestellt wird. Aber das russische Sorbet ist kein Getränk, sondern eine Süßigkeit. Wenn Sie ein Sorbet probieren möchten, sollten Sie zunächst eine Fondant-Glasur aus Zucker und Kondensmilch zubereiten. Bei der Herstellung dieser Masse gibt man auch Maltodextrin hinzu und kocht den Sirup, bis er eine Temperatur von 110-115 Grad erreicht. Danach kühlt man die Masse auf 45 Grad ab und püriert sie dann. Wenn das Sorbet braun wird, können Sie einige Nüsse hinzufügen.
Kartoffelkuchen (пирожное „Картошка“)
Ein weiterer interessanter Name für ein Dessert, das nicht sehr attraktiv klingt, aber in Wirklichkeit erstaunlich gut schmeckt. Die Geschichte des Kartoffelkuchens ist nicht besonders interessant. Der Kuchen wurde zu Beginn des XX. Jahrhunderts erfunden, als die finanzielle Situation nicht gut genug war, um Kuchen aus guten Zutaten herzustellen. Die Legende des Kartoffelkuchens besagt, dass die Restaurantbesitzer bemerkten, wie viele Reste sie nach der Schließung ihrer Restaurants hatten. Also beschlossen sie, Semmelbrösel mit Zucker, Butter und Rum zu mischen. Aber die Masse sah nicht gut aus, also beschlossen sie, sie wie eine Kartoffel aussehen zu lassen und sie in Kakaopulver zu wälzen. Der neuen Kuchen in kleinen Portionen war ein großer Erfolg. Während der Sowjetzeit wurde dieses Rezept geändert. Anstelle von Semmelbröseln nahm man Biskuitreste und mischte sie mit Buttercreme oder Kondensmilch. Bei einem Besuch in Russland empfehlen wir Ihnen, es zu probieren.
Weitere beliebte russische Süßspeisen und Gebäck
- Watruschki (ватрушки) - süße, oben offene Teigtaschen mit einer Füllung aus Quark, beliebt sind auch Füllungen aus Obst, Beeren oder Marmelade.
- Matroschka-Kekse - Honigkekse in Matroschka-Form; Honig gibt den Matroschka Keksen einen feinen Geschmack und die Zitrone bringt eine angenehme Frische.
- Napoleon-Torte - die Torte wird aus Blätterteig mit viel Buttercreme gemacht und gehört zu den beliebtesten Süßspeisen der russischen Küche.
- Zupfkuchen und russische Apfelkuchen - einfache, beliebte Kuchenvarianten, zum Teil mit Preiselbeeren verfeinert.
- Süße Wurst - wird mit Butterkeksen gemacht und ähnelt Kuchen ohne Backen.
- Kartoschka-Törtchen - Kombination aus Biskuit und Buttercreme, zart und beliebt.
Watruschki: Rezept und Zubereitung
Die mit Quark (Tworog) gefüllten Hefeteig-Taler wurden schon im alten Russland nachmittags zum Tee serviert. Zuerst bereitet ihr einen Hefeteig aus Mehl, Milch, Zucker, Salz, Öl und natürlich Hefe zu. Nach einer Ruhezeit von einer guten Stunde rollt ihr den Teig 1 cm dick aus. Mit einem Glas oder einem Dessertring stecht ihr dann Kreise aus. Anschließend verteilt ihr die Teile mit etwas Abstand auf 2 Backbleche und drückt eine Mulde in die Mitte. Jetzt kommt die Quarkfüllung in die Mulden. Diese habe ich in der Gehzeit vom Teig aus Quark, Zucker, Eigelb und Zitronensaft angerührt. In die Hälfte der Füllung habe ich überbrühte, abgetropfte Korinthen eingerührt. Dann ist erstmal wieder eine Ruhezeit von ca. 20 Minuten angesagt. Bevor die Teiglinge für ca. ... Ich habe die Watruschki lauwarm an meine Lieben verteilt. Meine Eltern und mein Großer lieben Rosinen/Korinthen. Die Freundin meines Sohnes und meine Wenigkeit waren von der Cranberry-Pistazien-Variante angetan. Mein Junior mag das ganze Gedöns nicht, deshalb war er ganz happy über die Exemplare mit der puren Quarkfüllung. Kurzum genau richtig und wirklich superlecker!
Watruschki: praktisches Schritt‑für‑Schritt
- Mehl in eine Schüssel geben und eine Mulde in die Mitte drücken. Zucker und die Hefemilch in die Mulde geben und zu einem Vorteig verrühren. Diesen abgedeckt 30 Minuten ruhen lassen.
- Anschließend die anderen Zutaten für den Teig dazugeben und gründlich zu einem glatten Teig verkneten, der sich vom Schüsselrand löst. Evtl. noch etwas (lauwarme) Milch dazugeben, falls der Teig zu fest sein sollte.
- Inzwischen die Füllung zubereiten: Dazu den Quark durch ein Sieb streichen und mit Eigelb, Zucker und Zitronensaft verrühren. Je nachdem wie die Watruschki gefüllt werden sollen, die Quarkfüllung in 2 Portionen teilen. In eine Hälfte die überbrühte, abgegossene Korinthen unterrühren.
- Den Teig nach der Ruhezeit ausrollen (1 cm dick) und Kreise mit Ø 10 cm ausstechen. Die Teiglinge mit etwas Abstand auf die Bleche setzen. Jeweils in die Mitte eine Mulde drücken und mit einer der beiden Quarkmassen füllen. Wer mag kann einen Teil noch mit getrockneten Cranberrys und gehackten Pistazien belegen. Die Watruschki weitere 20 Minuten gehen lassen.
- Eigelb mit etwas Milch verrühren und die Teigränder damit einstreichen, bevor die Watruschki für ca. ... gebacken werden.
Süßes zum Tee und die russische Teekultur
Tee - auf Russisch Tschai (Чай) - ist aus Russland nicht wegzudenken. Besonders im eiskalten Winter wärmen sich die Russen gern bei einer Tasse Tee auf. Traditionell bereitet man russischen Tee im Samovar zu. Dafür verwendet man losen chinesischen Schwarztee mit einer leichten Rauchnote. Der Samovar besteht aus einem großen Kessel mit Wasser, der elektrisch oder mit Kohle beheizt wird, und einer kleinen Kanne (Tscheinik), in der der Teesud zubereitet wird. Wenn man den Tee serviert, gibt man zunächst ein bisschen Teesud in ein Teeglas und verdünnt es dann ganz nach den persönlichen Vorlieben mit heißem Wasser aus dem großen Kessel. Milch gibt man in Russland in der Regel nicht in den Tee, dafür aber Zucker oder Honig. Auch wenn man in den meisten russischen Haushalten einen Samovar findet, kann man Tee auch im Teebeutel kaufen und ihn "wenn es mal schneller gehen muss" genießen. Zum Tee isst man in Russland gerne süßes Gebäck, z. B. Baranki, kleine Teigkringel, die manchmal mit Sesam bestreut sind. Sehr sättigend sind russische Milchbrötchen oder Quarkteilchen (Watruschki), die eine komplette Mahlzeit ersetzen können. Auch herzhaft gefüllte Piroggen oder Blinis mit Fleisch oder Fisch sind beliebte Snacks zum Tee. Am besten du stellst eine kleine Auswahl an süßen und herzhaften Snacks für deine Gäste zusammen.
Kurzrezepte & Serviervorschläge
| Dessert | Hauptzutaten | Serviervorschlag |
|---|---|---|
| Guriev-Brei | Grieß, Milch, kandierte Nüsse, Honig, Trockenfrüchte | Warm, mit zusätzlichen Nüssen und Honig |
| Pastila | Äpfel, Honig/Zucker, Eiweiß (optional) | In Schichten getrocknet, als Snack |
| Vogelmilch | Biskuit, Soufflé, Schokoladenglasur, Agar-Agar | Als Schichtkuchen oder Riegel |
| Kartoffelkuchen | Biskuitreste, Buttercreme/Kondensmilch, Kakao | Kleine Portionen, in Kakao gewälzt |
| Watruschki | Hefeteig, Quark, Zucker, Eigelb, Rosinen/Korinthen | Warm zum Tee |
Typische Begleiter und süße Klassiker
Feines und schönes Gebäck, Torten mit Sahne oder Mousse sind nicht typisch für die russische Küche, dennoch gibt es große Klassiker wie die Napoleon-Torte oder die Vogelmilch, die ihren Platz auf festlichen Tafeln haben. Evergreens wie Russische Eier oder der Russische Zupfkuchen sind ebenfalls weit verbreitet, aber bei den Desserts stechen Spezialitäten wie Pastila, Guriev-Brei oder Kartoshka hervor. Bei einem Besuch in Russland lohnt es sich, diese Desserts zu probieren und so ein Stück Kultur zu kosten.
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