Tobler, Schokolade und Stuttgart: Geschichte, Verbindungen und Informationen

Stuttgart gilt als Schmiede und Hauptstadt des Automobils sowie als die Stadt der Verlage. Dank des Opernhauses, des Schauspiels und der Balletts genießt die Landeshauptstadt zudem den Ruf als Metropole der Künste. Ein Aushängeschild ist verblasst. Stuttgart war lange Jahre Deutschlands süße Schokoladenhochburg.

Die Anfänge reichen in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Konditor Eduard Otto Moser gründete in der Tübinger Straße 1846 ein Geschäft für „Konditorei und Schokoladewaren.“ 1859 begann er die Fabrikation von Schokolade und Bonbons in der Calwer Straße. Moser erweiterte den Betrieb bald. Nach dem Tod des Gründers fusionierte die Firma mit dem Konkurrenzbetrieb von Wilhelm Roth. Die bekannte Schokoladenmarke Moser-Roth entstand. Sie war in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts die größte Schokoladenfabrik mit bis zu 550 Beschäftigten in Stuttgart, wurde aber 1942 „aus politischen Gründen“ von den Nazis aufgelöst.

Der Obertürkheimer Schokoladenfabrikant Karl Haller kaufte die Markenrechte 1947 und führte die Produktion unweit des Obertürkheimer Bahnhofs bis 1968 fort. Eine - heute noch weltbekannte Marke - hängt mit der Firma Haller zusammen: Tobler. Das Schweizer Unternehmen ließ „ihre“ in den Staaten der EWG/EG vermarktete Schokolade bei der Firma Haller sowie in der ebenfalls in Stuttgart - unweit des Ostendplatzes - ansässigen Firma Schoko Buck herstellen.

Historische Schokoladenfabrik in Stuttgart

Jedem älteren Bürger in den Oberen Neckarvororten ist zudem die Firma Eszet ein Begriff. 1857 gründet Ernst Staengel mit seinem Schwager Karl Ziller die Schokoladenfabrik. Aus dem S und dem Z ihrer Nachnamen leiteten sie den (gesprochenen) Markennamen Eszet ab. Die Firma zog 1898 nach Untertürkheim ins Gebäude in der Augsburger Straße. Die praktische, dünne Eszet-Schnitte, die man geschickt auf eine Brotscheibe oder in ein Brötchen legen kann, machte die Firma europaweit bekannt.

Heute noch in aller Munde ist dagegen die „Ritter-Sport“ -Schokolade. Ursprünglich in der Wilhelmsstraße in Bad Cannstatt gegründet, hat das Unternehmen heute ihren Sitz in Waldenbuch.

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Schokoladenausstellung Rotenberg und Erinnerung an Traditionen

Bürgerverein erinnert in seiner Ausstellung an Traditionsunternehmen aus dem Neckartal - Eröffnung am 2. Die Schokoladen-Ausstellung im Alten Schulhaus Rotenberg, Württembergstraße 312, wird am Sonntag, 2. April, um 11 Uhr eröffnet. Den Besuchern der Schokoladenausstellung wird beim Betrachten der Vitrinen und beim Lesen der Tafeln der Mund offen stehen bleiben. Ein Besuch - eventuell verbunden mit einer Stippvisite in der Grabkapelle - lohnt sich! Text und Fotos: M. Herr

Vitrinen mit historischen Schokoladenverpackungen

Tobler: Ursprung, Entwicklung und weltweiter Erfolg

Der Appenzeller Zuckerbäcker Johann Jacob, genannt Jean Tobler (1830-1905) eröffnete 1868 eine Confiserie in Bern. Jean Tobler fertigt in seinem Geschäft Schokoladeprodukte zunächst nur aus Halbfabrikaten an, die er von anderen bekannten Herstellern bezieht. 1899 stieg die Familie Tobler von Bonbons auf Schokolade um - und baute die Fabrik in der hinteren Länggasse in Bern. 1899 gründete er mit seinen Söhnen die ‚Fabrique de Chocolat Berne, Tobler & Cie.

1899 kam die erste industriell hergestellte Schokolade aus dem Haus Tobler in Bern auf den Markt. Sohn Theodor stieg 1894 in die Firma ein und baute 1899 eine Schokoladenfabrik, deren Produkte guten Absatz fanden. Theodor Tobler (Jean Toblers Sohn) und Emil Baumann (Produktionsleiter und Cousin von Tobler) erfinden 1908 die Toblerone. 1908 erfinden die Chocolatiers Theodor Tobler und Emil Baumann die Toblerone. „Toblerone“ ist ein Wortspiel aus Tobler und Torrone, dem italienischen Wort für Nougat.

Toblerone-Riegel mit historischem Design

Damals war sie mit 15 Rappen pro Stück ein Luxusprodukt. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Stundenlohn der Arbeiterinnen und Arbeiter betrug 43 Rappen. Neben Toblerone wurde in der Fabrik auch rhombusförmige Sportschokolade und sechseckige Toblerido produziert. Mit rund sechshundert Angestellten war Tobler vor dem Krieg einer der grössten Arbeitgeber Berns.

Neu waren die Zacken und das Mandelnougat, auch die Werbung war ein wichtiger Punkt. Schon 1903 hiess es in den Geschäftsberichten, dass man viel Geld in die Reklame stecken müsse. Mein Grossvater hatte viele originelle Ideen. Er machte eine frühe Form von Promi-Unterstützung, liess in London Toblerone verteilen, sandte Werbedias bis nach Australien. In Ihrem Buch «100 Jahre Toblerone» steht, Bern sei mit Plakaten überhäuft gewesen. Wer mit dem Zug in die Stadt gefahren sei, habe zuerst achtzig Toblerone-Plakate passiert. Man nannte es die «Blechpest».

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Design, Legenden und Symbolik

Um die Dreiecksform der Toblerone gibt es mehrere Legenden. Seinen Söhnen erzählte mein Grossvater, dass er die Idee auf einer Geschäftsreise nach Paris hatte: als er Cancan-Tänzerinnen zuschaute, die sich seitlich in einer Reihe vornüberbeugten. Aha! Eine andere Vermutung ist, dass das Dreieck eine Anlehnung an die Freimaurer-Symbolik ist, denen er sich angeschlossen hatte. Und dann ist da natürlich die Inspiration durch das Matterhorn. Damals bildete man Schokolade sehr häufig mit Bergen ab, um die Schweiz als reine Naturlandschaft und Milch in der Schoggi als gesundes Produkt zu propagieren.

Der Adler wurde von der Toblerone-Verpackung entfernt. An seine Stelle tritt das Wappentier von Bern, der Berner Bär. Das Matterhorn kommt erst 1970 zum Auftritt auf der Verpackung der Toblerone, noch nicht auf der Vorderseite, sondern vorerst nur auf den beiden Kopfseiten. 2000 erfolgte ein sanftes Redesign: Das blau-weisse Tobler-Logo verschwindet, an seiner Stelle erscheint nun das Matterhorn auf der Verpackung. Im Matterhorn ist übrigens etwas versteckt.

Firmenverkäufe, Fusionen und Produktion

1910-1925 war die Firma mit 500-900 Angestellten der grösste industrielle Arbeitgeber der Stadt Bern. 1912, 1929 und 1931 geriet das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten, worauf es 1931-1932 von Otto Wirz saniert wurde. 1931 stieg die Familie Tobler in Zahlungsschwierigkeiten und die Führung wurde ausgewechselt. Ab 1931 wurde die Berner Firma übernommen und weiterverkauft: zuerst die Fusion mit Suchard, dann der Verkauf an den Bremer Kaffeeröster Jacobs und schliesslich an Philip Morris. 1970 fusionierte das Unternehmen mit Suchard, 1982 übernahm der Kaffeeproduzent Klaus Jacobs die Aktienmehrheit und verkaufte 1990 seinen Anteil an den amerikanischen Konzern Philip Morris, der Tobler in die Tochterfirma Kraft Foods eingliederte.

Heute gehört die Toblerone zum US-Konzern Mondelez. 1985 wurde die Produktion nach Bern-Brünnen verlegt. Die Toblerone gehört zu den erfolgreichsten Produkten der Schweiz. Jedes Jahr werden derzeit rund 7 Milliarden der dreieckigen Schokoriegel produziert. 97 Prozent davon werden in 120 Länder exportiert. Ab Ende 2023 wird ein Teil der Toblerone-Produkte in der Slowakei hergestellt.

Interview mit Andreas Tobler über Familie, Herkunft und Toblerone

Lokale Produktion in Deutschland: Stuttgart und Umgebung

Das Schweizer Unternehmen ließ „ihre“ in den Staaten der EWG/EG vermarktete Schokolade bei der Firma Haller sowie in der ebenfalls in Stuttgart - unweit des Ostendplatzes - ansässigen Firma Schoko Buck herstellen. 1955 beteiligte sich das schon damals legendäre Schweizer Schokoladeunternehmen Tobler an Schoko Buck, 1956 übernahm Tobler dann Buck zur Gänze. Das Unternehmen stellte in Ostheim auch seine Spitzenprodukte Toblerone und Tobler-o-rum her. Schon Mitte der 1960er-Jahre übertraf der hier erzielte Umsatz den des Berner Stammhauses erheblich.

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Im Jahre 1948 erwarb Haller die Firma Moser-Roth. Beide Firmen Karl Haller und Moser-Roth prägten in der Nachkriegszeit die Stuttgarter Schokoladenlandschaft. Ab 1960 übernahm die Melitta-Gruppe die Firma Haller weiter.

Historische Meilensteine der Tobler-Geschichte (Kurzübersicht)

Jahr Ereignis
1867-1868 Jean Tobler eröffnet in Bern die Confiserie Spéciale.
1899 Gründung der Fabrique de Chocolat Berne, Tobler & Cie; Beginn industrieller Produktion.
1908 Erfindung der Toblerone durch Theodor Tobler und Emil Baumann.
1920 Der Berner Bär erscheint auf der Verpackung.
1970 Das Matterhorn erscheint auf der Verpackung.
1985 Produktion nach Bern-Brünnen verlegt.
1990er-2000er Fusionen und Übernahmen; Toblerone wird Teil von größeren Konzernen (u. a. Mondelez).
2023 Teile der Produktion werden auch in der Slowakei hergestellt.

Persönliche Einblicke und Familiengeschichte

Tobler, wie lebt es sich als Enkel des Schoggibarons Theodor Tobler? Andreas Tobler: In meiner Kindheit war Toblerone kein grosses Thema. Wir machten weder einen Fabrikbesuch, noch assen wir die Schoggi jeden Tag. Im Gegenteil: Mein Vater mochte am liebsten schwarze Lindt Crémant. Ich hatte einzig einen Spielzeug-VW-Bus mit der Aufschrift Toblerone.

Wir stehen vor dem ehemaligen Haus Ihres Grossvaters im Berner Länggassquartier. In einer Nacht vor 115 Jahren schepperten hier Pfannendeckel und Schwingbesen, aus dem Fenster waberte ein süsslicher Geruch. In dieser Küche tüftelten mein Grossvater und sein Cousin Emil Baumann 1908 mit Milchschokolade und Mandelnougat …Der so schön zwischen den Zähnen klebt. … und erfanden das Toblerone-Rezept. Das ist aber eine Anekdote, schriftlich hat sich mein Grossvater nie zur Toblerone geäussert.

Sind Sie ihm dadurch nähergekommen? Ja, auch durch meine mit Patrick Feuz verfassten Bücher über Tobler. Vorher war da eine Distanz, doch beim Recherchieren und Schreiben kam die Vergangenheit Stück für Stück wieder zum Vorschein. Ich war beeindruckt von seinem Innovationsgeist und dass er trotz Rückschlägen immer wieder aufgestanden ist. Es ist eine bittersüsse Geschichte.

Warum Toblerone zum Welterfolg wurde

Wieso schaffte es ausgerechnet Toblerone zum Welterfolg mit Kultstatus? Neu waren die Zacken und das Mandelnougat, auch die Werbung war ein wichtiger Punkt. Mein Grossvater hatte viele originelle Ideen. Er machte eine frühe Form von Promi-Unterstützung, liess in London Toblerone verteilen, sandte Werbedias bis nach Australien. Die Toblerone ist schon lange weltweit verbreitet. Aber kommen Sie, jetzt gehen wir ein paar Meter ums Eck zur Universität. Hat die Uni auch mit Schokolade zu tun? Und wie! Die Unitobler war früher die Schokoladenfabrik Tobler.

Altes Fabrikgebäude, umgebaut zur Universität (Unitobler)

Wollen wir in die Mensa sitzen? Gerne. Sehen Sie die Bibliothek hier gleich nebenan? Das war früher der Innenhof der Schokoladenfabrik. Sie sagten vorher, Sie hätten die Fabrik nie besucht. Nein beziehungsweise erst viel später, als sie zur Uni umgebaut wurde. Da gab es eine Neujahrsparty, an der ich ausgelassen feierte.

Schokolade als Teil kultureller Identität

Schokolade, Matterhorn, Bankenkrise, die Neutralität im Krieg: Die Schweizer Identität hat es derzeit nicht leicht. Ja, das grenzt an eine Identitätskrise, neu ist das aber nicht. 1995 gab es einen ähnlichen Aufschrei. Schokolade sollte zu fünf Prozent aus anderen Fetten wie Palmöl bestehen dürfen, es musste nicht mehr zu hundert Prozent Kakaobutter sein. Die Bevölkerung war entrüstet - ein Angriff auf die Reinheit der Schokolade! In kürzester Zeit sammelte man hunderttausend Unterschriften, um die geplante Änderung der Lebensmittelverordnung abzuschmettern. Ohne Erfolg.

Wieso ist so etwas Leckeres wie Schokolade derart emotional aufgeladen? Weil wir so stolz auf sie sind. Viele Schweizerinnen und Schweizer bringen ihren Bekannten im Ausland Schokolade mit, darunter auch Toblerone. Ich auch, bis ich merkte, dass es Toblerone und Lindt in den meisten Ländern in jedem Supermarkt gibt.

Fazit zur Verbindung Stuttgart-Tobler

Die Verbindung zwischen dem weltbekannten Tobler/der Toblerone und Stuttgart ist geprägt von Lizenzfertigung, Beteiligungen und lokaler Produktion: Schweizer Firmen nutzten in der Nachkriegszeit deutsche Produktionsstätten wie Haller und Schoko Buck in Stuttgart, um Märkte der EWG/EG zu versorgen. Gleichzeitig prägten Stuttgarter Traditionsbetriebe wie Moser-Roth, Haller und Eszet die regionale Schokoladenlandschaft. Die Schokoladenausstellung in Rotenberg erinnert an diese lokale Tradition und macht die Geschichte für Besucher erlebbar.

Historische Werbeanzeige Toblerone in Deutschland

Die Geschichte der Toblerone und der Stuttgarter Schokoladenbetriebe zeigt, wie eng lokale Industriekultur, Familienunternehmen und internationale Markenentwicklung miteinander verflochten sind.

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