Stellmittel in Keramikglasuren: Anwendung, Wirkungsweise und praktische Tipps

Stellmittel sind essenzielle Hilfsstoffe in der Keramik, die häufig in Glasuren eingesetzt werden, um ein gleichmäßiges und professionelles Ergebnis beim Glasieren zu gewährleisten. Ihre wichtigste Aufgabe: Sie verhindern das Absetzen und Entmischen der Glasuranteile, insbesondere bei Glasuren, die wenig Schwebstoffe enthalten und zu Sedimentation neigen. Dank moderner Stellmittel ist es heute möglich, selbst anspruchsvolle Keramikglasuren optimal zu verarbeiten und dauerhaft zu lagern.

Glasuraufbau und Sedimentationsschema bei Keramik

Was ist ein Stellmittel?

Stellmittel ist ein Zusatzmittel für Glasuren. Es handelt sich meist um ein klares, helles, dünnflüssiges, wasserlösliches Produkt mit einem pH-Wert (10%ige Lösung) von etwa 8. Stellmittel ist lange haltbar und besitzt eine Lagerfähigkeit, die in der Regel unbegrenzt ist. Es verhindert das Absetzen und Entmischen der Glasuranteile. Die wichtigsten Anwendungsgebiete sind Glasuren für Fritten, Steinzeug-, Selen- und Cadmiumglasuren.

Wirkungsweise von Stellmitteln

Stellmittel dient dazu, die Glasur in Schwebe zu halten, damit die Glasurteilchen (Minerale) beim Glasieren nicht permanent absinken und keine Entmischung stattfindet. Da die gemahlenen Fritten kein Wasser aufnehmen, müssen sie im Glasurschlicker in Schwebe gehalten werden. Ein Zusatz verhindert das Absetzen und Entmischen von Glasuren.

  • Durch die Erhöhung der Viskosität verhindert das Stellmittel, dass die Glasurbestandteile sich am Boden absetzen.
  • Die Additive haben, da sie organisch sind und somit verbrennen, keinen Einfluss auf das Schmelzverhalten einer Glasur.
  • Ermöglicht das Glasieren auf senkrechten Oberflächen ohne Schlierenbildung.
  • Verhindert Wulstenbildung auf den Rändern.
Anwendung und Funktion von Stellmitteln in der Keramik

Welche Glasuren benötigen Stellmittel?

Zu den Glasuren, bei denen eine Zugabe von Stellmittel ratsam ist, zählen in erster Linie farblose Transparentglasuren und weiß glänzende Glasuren. Besonders wichtig ist die Anwendung bei Fritten, Steinzeug-, Selen- und Cadmiumglasuren sowie bei Glasuren mit wenig tonigen Bestandteilen, da diese meist eine höhere Neigung zum Absetzen zeigen. Unsere Keramikglasuren enthalten in vielen Fällen bereits einen höheren Anteil an tonigen Bestandteilen, wodurch das Absetzverhalten des Glasurschlickers reduziert wird.

Glasurarten und typische Stellmittelzugabe

Glasurart Absetzverhalten Stellmittelzugabe empfohlen?
Fritten-Glasuren hoch ja
Steinzeugglasuren mittel ja
Selen-/Cadmiumglasuren hoch ja
Tonreiche Glasuren niedrig meist nein
Farblos-Transparent hoch ja

Anwendung: Wie wird Stellmittel verwendet?

Die erforderliche Zusatzmenge an Stellmittel richtet sich nach der jeweiligen Glasur. Einfach in der Anwendung, erfordert Stellmittel meist nur eine sparsame Zugabe von 0,1-0,2 % zum Glasurgemisch. Alternativ können Mengen zwischen 0,1 und 0,5 % oder 1 g auf 100 g Trockenglasur verwendet werden. Für den Pinselauftrag empfiehlt sich eine Zugabemenge von ca. 1 %, beim Tauchen reduziert sich die benötigte Menge auf etwa 0,4 %.

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  • Zu Beginn gibt man etwas Wasser in den Behälter, in welchen dann die Glasur gegeben wird.
  • Kräftig mit Schneebesen, Pürierstab o. ä. umrühren.
  • Schließlich das restliche Wasser hinzugeben.
  • Man kann die Glasur am Vortag vorbereiten, um sie quellen zu lassen, dies ist allerdings in den meisten Fällen nicht nötig.
  • Vor dem Auftragen die Glasur durch ein Glasursieb gießen.

Beim Anrühren sollten Sie ein übermäßiges Einatmen der Stäube vermeiden. Es empfiehlt sich, vor dem Glasurauftrag das Kunstwerk mit einem feuchten Schwamm abzuwischen, um Staub und Verschmutzung zu entfernen. Bei Aufbewahrung der angerührten Glasur in einem fest verschlossenen Behälter können Klümpchenbildung durch richtiges Aufrühren oder Sieben beseitigt werden.

Dosierung und Anwendungsbeispiele

Die Zugabemenge kann variieren: Bei Kombi-Produkten wie KUR 8, speziell für den Pinselauftrag, reichen beispielsweise 10-12 ml auf 100 g Glasur. Ein optimiertes Glasieren wird durch die Kombination einer Stellmittelwirkung und die eines Glasurleims in einem einzigen Produkt realisiert. Die aufstellende Eigenschaft vermeidet eine schnelle Sedimentation des Glasurpulvers; eine verleimende Wirkung verlängert die Nasszeit des Glasurschlickers, was einen gleichmäßigen Pinselauftrag ermöglicht.

Anwendung und Mischen von Stellmitteln für Keramikglasuren

Besondere Additive und Stellmitteltypen

Neben klassischen Stellmitteln gibt es auch spezielle Bindemittel und Kombi-Produkte mit zusätzlicher Leimfunktion. Ein bekanntes Beispiel ist der Glasurleim KUR 5, der nicht nur das Abrollen und den Kantenbruch verhindert, sondern auch die Grifffestigkeit der Glasur verbessert. Durch seine flüssige Form löst er sich gut auf und kann auch nachträglich zugegeben werden.

Es gibt auch Stammlösungen in pastöser Form, die für bestimmte Glasuren eingesetzt werden. Die Stammlösung wird meist mit dem Glasurpulver und wenig Wasser vermischt und verrührt, bis eine gleichmäßige Konsistenz erreicht ist. Bei einer zu festen Glasur kann einfach mehr Wasser hinzugefügt werden. Organische Additive, wie sie in einigen Stellmitteln enthalten sind, sorgen zudem für das restlose Ausbrennen während des Brandes und beeinflussen das Schmelzverhalten der Glasur nicht.

Verdickungs- und Siebdruckmittel

  • Einige Additive sind speziell für Siebdruckprozesse entwickelt und dienen dazu, die Streichglasur auf die ideale Konsistenz zu bringen.
  • Eine Messerspitze Verdickungsmittel pro Teelöffel Glasur eignet sich, um die Abriebfestigkeit und den festen Sitz zu erhöhen.
  • Das Siebdruckmedium verbessert zudem die Haftung der Farben auf der Oberfläche und ermöglicht präzise, gleichmäßige Druckergebnisse.

Praktische Anwendungstipps für Stellmittel in der Keramik

Das Anrühren von Pulverglasuren gestaltet sich effizienter, wenn ein Stellmittel zugesetzt wird. Ein Glasurfix beispielsweise erleichtert das Auftragen mit dem Pinsel, sorgt für eine gleichmäßige Verteilung und verhindert das Absetzen der Glasur. Zudem wird das Kunstwerk vor dem Glasurauftrag mit einem feuchten Schwamm gereinigt, um die bestmögliche Haftung zu gewährleisten. Die Haltbarkeit der angerührten Glasuren kann je nach Zusammensetzung variieren, ist aber in einem fest verschlossenen Behälter optimal gegeben.

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Werkzeuge zum Anrühren und Sieben von Glasuren: Praxisübersicht

Ein haarfeines Sieb aus dem Keramikbedarfshandel lohnt sich, wenn Glasuren regelmäßig angerührt werden. Klümpchen, die durch aufquellende Zusätze entstehen, lassen sich so leicht entfernen. Die so eingestellte Viskosität bleibt erhalten und vereinfacht die Handhabung bei allen Glasiertechniken, wie Pinsel-, Beguß- und Tauchglasieren.

Typische Probleme und ihre Lösungen

Oftmals kommt es vor, dass nach dem Anrühren immer noch nicht gelöstes Stellmittel sichtbar ist oder sich die Pulverbestandteile nicht sofort homogen verteilen. In diesem Fall hilft längeres Stehenlassen, weiteres Umrühren oder das Durchstreichen durch ein Sieb. Bei zu hohem Einsatz von Additiven kann die Bildung einer dicken Glasurschicht erschwert werden, da die Nasszeit des Glasurschlickers erhöht wird.

Der Unterschied zwischen Stellmitteln und Bentonit besteht darin, dass Bentonit ebenfalls als Suspensionmittel wirkt, jedoch teilweise andere rheologische Eigenschaften zeigt und das Volumen stärker beeinflusst. Stellmittel auf Elektrolyt-Basis, wie z.B. Stellmittel ZS, bieten eine gezielte Steuerung der Viskosität und sind unentbehrlich vor allem für technologische Glasurrezepturen.

Vergleich organischer und anorganischer Additive für Keramikglasuren

Anwendungsüberblick der wichtigsten Additive

Produkt Wirkung Typische Dosierung
Stellmittel (elektrolytisch) verhindert Absetzen, hält Schlicker stabil 0,1-0,5 %
KUR 5 (Glasurleim) erhöht Haftung, Abriebfestigkeit 5-6 ml/100 g
KUR 8 (Kombi-Leim+Stellmittel) optimiert Pinselauftrag, verlängert Nasszeit 10-12 ml/100 g
Glasurfix vereinfachte Pinselverteilung, bessere Haftung 1%
Sieb- und Verdickungsmittel erhöht Viskosität, für Siebdruck Messerspitze je Teelöffel

Zusammenfassung

Stellmittel in Glasuren sind spezielle Zusatzstoffe, mit deren Hilfe die Qualität, Haltbarkeit und Verarbeitbarkeit keramischer Glasuren maßgeblich verbessert wird. Durch die gezielte Auswahl und Dosierung bleibt die Glasur homogen, haftet besser und lässt sich in den verschiedenen Techniken - vom Pinselauftrag bis zum Siebdruck - optimal applizieren.

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