Zuckerstangen: Herstellung und Geschichte der berühmten Polkagris aus Gränna

Die rot-weiß gekringelten Zuckerstangen sind heutzutage aus der Weihnachtszeit kaum wegzudenken: Sie schmücken festlich dekorierte Tannenbäume, tauchen in illustrierten Weihnachtsgeschichten auf und erfreuen Kinder und Erwachsene gleichermaßen als süßer Genuss. Besonders bekannt sind sie in Schweden unter dem Namen „Polkagris“, deren Ursprungsort das kleine Städtchen Gränna am Vätternsee ist.

Doch woher stammen Zuckerstangen wirklich, wie werden sie hergestellt, und warum verbinden Millionen Menschen gerade diese Süßigkeit mit dem Fest der Liebe? Die Geschichte der „Polkagris“ beginnt im 19. Jahrhundert und ist eng mit einer besonderen Frau verknüpft: Amalia Eriksson.

Die Entstehung der Polkagris in Gränna

Gränna, gegründet im Jahr 1652 von Graf Per Brahe, liegt malerisch am Vätternsee und ist heute als Zuckerbäckerstadt weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Die Stadt hat nur etwa 2.500 Einwohner, empfängt aber jährlich rund 1,5 Millionen Besucher aus aller Welt, die das süße Geheimnis: die Polkagris, entdecken wollen.

Die Erfindung der Zuckerstange geht auf das Jahr 1859 zurück, als Amalia Eriksson, gerade einmal 25 Jahre alt, verwitwet und ohne Einkommen war. In einer Zeit, in der Frauen in Schweden kein eigenes Geschäft führen durften, wagte sie den Schritt: Sie beantragte beim Bürgermeister Carl Johan Wennberg die Erlaubnis, „gröbere und feinere Brotsorten zu verarbeiten und sogenannte Polkagrisar herzustellen“. Mit diesem mutigen Antrag begann ihre Erfolgsgeschichte.

Erst nachdem sie die Genehmigung erhalten hatte, eröffnete Amalia in Gränna eine Bäckerei und stellte neben Brot auch die rot-weiß gestreiften Pfefferminz-Zuckerstangen her, die sie „Polkagrisar“ nannte. Die Geschäftsidee war so erfolgreich, dass Tochter Ida das Handwerk nach Amalias Tod 1923 übernahm und die Tradition weiterführte.

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Historische Aufnahme von Amalia Eriksson und der ersten Polkagris-Manufaktur

Bedeutung und Herkunft des Namens

Der Name „Polkagrisar“ stammt vermutlich vom Tanz Polka, der zu jener Zeit sehr populär war und auch heute noch zur schwedischen Midsommer-Tradition gehört. Über die genaue Herkunft des Wortbestandteils „gris“ (Schwein) gibt es verschiedene Interpretationen. Die Süßigkeit war so beliebt, dass sie sich rasch in ganz Schweden verbreitete und zum Symbol von Gränna wurde.

Herstellung der Polkagris: Das originale Rezept und der Handwerksprozess

Bis heute werden die Polkagrisar in Gränna so hergestellt wie zu Amalia Erikssons Zeiten. Das Grundrezept besteht aus Zucker, Wasser und Glukose, die in einem Kochtopf mit dickem Boden 20-30 Minuten langsam gerührt und auf etwa 150 Grad erhitzt werden, sodass die Masse glasig und zäh wird. Ein kleiner Teil wird für die charakteristische rote Farbe abgetrennt und gefärbt, während der restliche, farblose Teil mit Pfefferminzöl aromatisiert wird.

Nach dem Abkühlen auf etwa 70 Grad wird Luft in den Teig eingearbeitet, wodurch er weiß wird und eine poröse Textur erhält. Die beiden Teigteile werden länglich ausgeformt, miteinander verdreht und immer wieder gerollt, gezogen und gewirbelt - typischerweise auf Holztischen, die den Teig nicht zu schnell abkühlen lassen. Zum Schluss werden sie getrocknet und ausgebacken, wobei Bonbons oder Stangen nach Belieben zugeschnitten werden.

Traditionelle Herstellung der Polkagris im Handwerksbetrieb
Zutat Menge Verwendung
Zucker Hauptbestandteil Basis für die Süßigkeit
Wasser Wird zugegeben Für die Konsistenz
Glukose Wird beigemischt Für Elastizität
Pfefferminzöl Ein paar Tropfen Aroma
Lebensmittelfarbe (rot) Restliche Masse Färbung

In Gränna können Besucher die Herstellung sogar beobachten oder selbst ausprobieren. Die lokale Manufaktur „Polkapojkarna“ ist dabei ein besonderer Hotspot. Gegründet 1994 von den Brüdern Daniel und Fredric Agnhammar, steht die Firma für höchste Qualität und Handarbeit - auch als „Unternehmen des Jahres“ und „Zuckerstangenbäcker des Jahres“ ausgezeichnet.

Vielfalt der Sorten und Geschmacksrichtungen

Ursprünglich waren Polkagrisar nur rot und weiß gestreift und schmeckten nach Pfefferminze. Heute gibt es sie in vielen Farben und Geschmacksrichtungen - von Erdbeere über Heidelbeere bis Himbeere und Fruchtgeschmack. Allerdings gelten nur die Originalen mit Pfefferminzgeschmack als echte Polkagris; die anderen werden meist als „karamellstång“ bezeichnet.

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Die Auswahl an Süßigkeiten aus Gränna ist groß: Neben Zuckerstangen gibt es Karamell und Sahnekaramell sowie viele Spezialitäten, die heute nicht nur im Laden, sondern auch im Onlineshop erhältlich sind.

Vorführung der Polkagris-Herstellung in Gränna

Die Zuckerstange als Weihnachtsdekoration und internationale Tradition

Zuckerstangen sind nicht nur eine originelle Möglichkeit, dem Tannenbaum einen unwiderstehlichen Charme zu verleihen, sondern auch ein Symbol für festliche Atmosphäre. In den USA gehören die rot-weiß gekringelten „Candy Canes“ zum Standardschmuck an Weihnachtsbäumen. Ohne sie ist in den Vereinigten Staaten Weihnachten kaum vorstellbar. Aus diesem Grund wird am 26. Dezember sogar der „National Candy Cane Day“ begangen.

Laut dem US-Verband der Zuckerbäcker (National Confectioners Association) sind Zuckerstangen - abgesehen von Schokolade - die meistverkaufte Süßigkeit im Dezember. Viele Kinder verbinden sie mit Weihnachten, was besonders in illustrierten Geschichten zur Geltung kommt.

Symbolik und Legenden um die Zuckerstange

Die Symbolkraft der Zuckerstange ist vor allem in Nordamerika stark ausgeprägt. Viele amerikanische Candy-Cane-Gedichte beziehen sich auf die Form des Hirtenstabs, als Hinweis auf Jesus Christus - den „guten Hirten“. Stellt man die Stange auf den Kopf, erkennt man den Buchstaben „J“ für Jesus. Die Farbe Rot symbolisiert den Opfertod Jesu, die weiße Farbe steht für die Hoffnung auf das Leben nach dem Tod.

Zur Herkunft kursieren verschiedene Geschichten. Eine Legende besagt, dass die „Candy Canes“ bereits 1670 in Köln erfunden wurden, als der Kantor des Kölner Doms die Stangen in Auftrag gab, damit die Kinder des Chores während langer Gottesdienste nicht unruhig wurden. Historisch belegt ist diese Geschichte allerdings nicht. Das Deutsche Weihnachtsmuseum fand keine Hinweise auf die weiß-rote gebogene Zuckerstange als Baumbehang in historischen deutschen Quellen; erst nach dem Zweiten Weltkrieg gibt es Fotos mit Zuckerstangen an deutschen Weihnachtsbäumen.

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Infografik zu internationalen Weihnachts-Traditionen mit Zuckerstangen

Ein Priester namens Gregory Keller half seinem Schwager, dem Geschäftsmann Bob McCormack, indem er eine Maschine erfand, die die Zuckerstangen formte und bog - so wurde der Prozess für die Süßwarenindustrie revolutioniert.

Doch es ist wesentlich wahrscheinlicher, dass die Wurzeln der Zuckerstange im schwedischen Gränna liegen, wo Amalia Eriksson mit ihrer Tochter Bonbons herstellte und sie auf lokalen Märkten verkaufte. Die Amerikaner waren dann so begeistert von der Zuckerstange, dass sie diese sogar nutzten, um mit ihr ihre Weihnachtsbäume zu dekorieren.

Die Polkagris heute: Tradition und Innovation

Heute zählt die Zuckerstange, insbesondere die Polkagris aus Gränna, zu den beliebtesten Souvenirs Schwedens. Seit Ida Eriksson das Handwerk von ihrer Mutter übernahm, blieb die Qualität bewahrt, und das Rezept wurde von Generation zu Generation weitergegeben.

Die Handwerkskunst lebt weiter: In Gränna gibt es zahlreiche Manufakturen, in denen die Herstellung in kleinen Gruppen demonstriert wird und Besucher, darunter viele Kinder, den bunten Teig selbst formen oder probieren dürfen. Simone Roth von der Bodensee Bonbon Manufaktur etwa stellt pro Jahr Hunderte Zuckerstangen in Handarbeit für „Candy Cane“-Fans in Deutschland her.

Die Zuckerstange ist somit nicht nur ein Weihnachtsklassiker, sondern ein Stück europäischer Kulturgeschichte, das weit über Schweden hinaus fest mit dem Winterfest verbunden ist.

Moderne Polkagris-Auswahl in verschiedenen Farben und Geschmacksrichtungen

Die Polkagrisar werden heute auch in neuen Varianten angeboten: Neben Pfefferminz gibt es sie mit Erdbeer-, Himbeer- und Fruchtgeschmack, die jedoch streng genommen keine echten Polkagrisar sind.

In Gränna finden sogar Weltmeisterschaften der Polkagris-Herstellung statt, und einige Manufakturen sind im Guinness-Buch der Rekorde vermerkt. Die Stadt hat damit eine einmalige, lebendige Tradition geschaffen, die Besucher und Bewohner gleichermaßen begeistert.

Zuckerstangen und die schwedische Süßigkeitskultur

Schweden ist das Land, in dem am meisten Süßigkeiten gegessen werden. Auf Weihnachtsmärkten und dem Julbord, dem schwedischen Weihnachtsbuffet, findet man neben Godis und Godsacker auch Polkagrisar. Jede Familie kennt sie, jedes Kind freut sich darauf.

So wird die Tradition von Generation zu Generation weitergegeben, und die rot-weiß geringelten Stangen sind heute ebenso ein Symbol für schwedische Süßigkeitenkultur wie für das gemeinsame Genießen und Dekorieren zur Weihnachtszeit.

Schwedische Kinder genießen Polkagrisar beim Weihnachtsfest

Lasst sie Euch schmecken!

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