Rezept: Seidentofu-Käsekuchen ohne Boden – cremig, saftig und rein pflanzlich

Ich freue mich sehr, dir aus meiner Experimentierküche einen echten Klassiker vorstellen zu können. Viele werden sich wahrscheinlich nicht einmal vorstellen können, dass dieser Kuchen schmeckt wie sein tierisches Pendant. Besser sogar noch: Ich muss gestehen, dass ich nie der riesen Fan vom klassischen Käsekuchen war. Doch während ich das Original tunlichst vermeide, kann ich hier bedenkenlos mit großer Freude zulangen.

Warum Seidentofu?

Solltest du jetzt die ersten Vorbehalte aufkommen verspüren, rate ich dir: halte sie zurück. Wer jetzt an einen weißen oder grauen, krümeligen Tofublock denkt ist schon falsch abgebogen. Denn nach meinem Empfinden hat Seidentofu mit dem klassischen Tofu nicht viel zu tun. Er wird auch weicher Tofu oder glatter Tofu genannt. Seine Konsistenz entspricht etwa die eines erstarrten, dünnen Vanillepuddings den man zuvor aus einem Puddingpulvertütchen zubereitet hatte. Seidentofu ist die nicht abgetropfte Form seines festen Pendants und enthält von allen Tofusorten den höchsten Wasseranteil. Er ist sehr cremig und geschmeidig. Und ich denke, darin liegt auch der Grund warum mir dieser Kuchen so sehr zusagt: Er wartet nicht mit dem Gefühl auf, dass sich die Quarkmasse beim Verzehr im Mund vervielfältigt. Sondern er sorgt für eine leichte und saftige Konsistenz.

Seidentofu in Schale, cremige Textur

Das Besondere an einem Käsekuchen ohne Boden

Ein Käsekuchen ohne Boden? Genau das macht dieses Rezept so besonders. Form, ab in den Ofen, fertig. Das ist vollkommen normal! Ein leichtes Wackeln in der Mitte beim Herausnehmen aus dem Ofen ist das Zeichen dafür, dass der Kuchen nicht übergaren ist. Geduld beim Kühlen: Der Kuchen braucht Zeit zum Festwerden.

Zutaten (für 1 Springform, ca. 24-26 cm) - Basisrezept

  • 800 g Seidentofu (z. B. Alnatura)
  • 500 g Soja-Naturjoghurt, ungesüßt (Alternativ Lupinenjoghurt oder vegane Quark-Alternative)
  • 180-200 g Zucker (je nach Süße)
  • 1 Stück Bio-Zitrone (Schale und optional Saft)
  • 3 EL Speisestärke
  • 1 Päckchen Vanillepuddingpulver oder Vanilleextrakt
  • Prise Salz
  • Optional: 150 g veganer Frischkäse für extra Cremigkeit

Hinweis: Dieses Rezept ist von Natur aus glutenfrei, da es keinen Mehlboden gibt.

Varianten und Tipps zu Zutaten

  • Cashewbasierter veganer Frischkäse wie Violife oder Omni ergibt die cremigste Textur und den besten Geschmack.
  • Sorten auf Mandeldrink-Basis funktionieren ebenfalls gut.
  • Für besonders intensive Farbe eine Prise Kurkuma (optional).
  • Wer es sehr zitronig mag: zusätzlich 25 ml Zitronensaft verwenden.

Wichtige Hinweise zur Technik

  • Seidentofu gut ausdrücken: Das ist der wichtigste Schritt. Zu viel Restflüssigkeit im Tofu macht die Käsekuchenmasse wässrig und der Kuchen wird nicht richtig fest.
  • Das gute und extrem sorgfältige Pürieren der Zutaten ist sehr wichtig. Niemand mag Tofustückchen im Kuchen.
  • Nicht zu heiß backen: 160-175 °C (je nach Rezept) ist die ideale Temperatur, 160 °C Ober-/Unterhitze wird oft empfohlen. Zu hohe Temperaturen lassen den Käsekuchen reißen und austrocknen.
  • Backzeit und Abkühlen: Nach dem Backen den Kuchen in der Form komplett auskühlen lassen. Es braucht ein paar Stunden bis er zusammengesunken und damit auch fertig ist. Erst nach dem Erkalten anschneiden oder aus der Form lösen!
Abgekühlter veganer Käsekuchen auf Kuchengitter, angeschnitten

Zubereitung Schritt für Schritt (bodenlos, cremige Basis)

  1. Den Backofen auf 160-175 °C vorheizen (je nach Rezept: 160 °C Ober-/Unterhitze oder 175 °C Umluft).
  2. Seidentofu in eine Rührschüssel geben. Den Seidentofu mit einem sauberen Küchentuch oder Mulltuch fest ausdrücken, damit so viel Flüssigkeit wie möglich entweicht.
  3. Anschließend mit einem Handmixer auf höchster Stufe 2-3 Minuten cremig schlagen oder alle Zutaten (Seidentofu, Sojajoghurt, Zucker, Speisestärke, Puddingpulver/Vanille, Zitronenschale und optional Zitronensaft sowie veganer Frischkäse) in einen Hochleistungsmixer geben und glatt pürieren.
  4. Die geschmeidige Käsemasse direkt in eine gefettete Springform (Ø 24-26 cm) gießen und gleichmäßig verteilen. Die Oberfläche glatt streichen.
  5. Im vorgeheizten Ofen auf mittlerer Schiene backen. Hinweise zur Backzeit: ca. 38-42 Minuten (für kleinere Formen oder dünnere Massen) bis zu 75 Minuten bei größeren oder reichhaltigeren Varianten. Die Oberfläche soll leicht golden sein und am Rand fest, in der Mitte aber noch leicht wackeln.
  6. Den Kuchen aus dem Ofen nehmen und 30 Minuten bei Zimmertemperatur abkühlen lassen. Dann für mindestens 2 Stunden (besser über Nacht) in den Kühlschrank stellen. Wichtig: Erst nach dem Erkalten anschneiden oder aus der Form lösen!

Tipps zur Backzeit und Lagerung

  • Wenn du an der Form rüttelst und der Kuchen nur noch leicht nachgibt, ist dein veganer Käsekuchen fertig und super cremig.
  • Abgedeckt im Kühlschrank hält er sich 3-4 Tage. Der Geschmack wird sogar besser, wenn er 1-2 Tage durchzieht.
  • Ja, der Käsekuchen lässt sich gut einfrieren. Am besten in Scheiben aufteilen, einzeln in Frischhaltefolie wickeln und in einem Gefrierbehälter bis zu 2 Monate aufbewahren.
Zubereitung Seidentofu-Käsekuchen: Mixen, Backen und Abkühlen

Serviervorschläge und Toppings

Der Käsekuchen schmeckt gut gekühlt und mit frischen Früchten oder einem Beerenpüree und etwas Schlagcreme am besten. Im Sommer eignen sich Erdbeeren, Heidelbeeren oder Pfirsiche hervorragend. Für ein Himbeer-Topping die Himbeeren mit Zucker und Zitronensaft in einem kleinen Topf bei mittlerer Hitze 5-7 Minuten köcheln lassen, bis die Beeren zerfallen und eine dickflüssige Sauce entsteht.

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Varianten: mit oder ohne Boden, mit Spekulatius oder Mürbteig

Für Menschen, die doch einen Boden bevorzugen, eignet sich ein dünner Mürbeteig oder ein Keksboden (z. B. Spekulatius mit veganer Butter). Ich persönlich bevorzuge bei bodenlosen Varianten das Verhältnis zugunsten der Käsekuchenmasse, da so der Kuchen saftiger wirkt. Wer einen Boden möchte: Spekulatius und vegane Butter zu einem Boden verarbeiten und kaltstellen, dann die Käsemasse darauf geben.

VarianteBackzeitBesonderheit
Bodenlos (Ø 24-26 cm)38-75 Min. (je nach Masse)Sehr cremig, geringerer Aufwand
Mit Mürbeteigboden45-75 Min. Knuspriger Kontrast, zusätzlicher Aufwand
Spekulatius-No-BakeKeine Backzeit (No-Bake) Perfekt für Feiertage, Topping mit Bratapfel möglich

Praktische Küchengeräte

  • Handmixer oder Hochleistungsmixer (wichtig für glatt pürierte Masse)
  • Rührschüssel
  • Springform (Ø 24-26 cm empfohlen)
  • Kuchengitter zum Abkühlen

Erfahrungen aus der Experimentierküche

Optisch ist der vegane Seidentofu-Kuchen schön goldgelb und fällt nicht mehr zusammen als das sonst auch der Fall ist. Ich hatte ihn für Jans Kollegen gemacht, denen er erst einmal nicht verraten sollte, was drinsteckt. Der Tofukäsekuchen habe ihnen gut geschmeckt. Ich selber finde: Er ist cremig, gut und schön, aber wirklich anders als ein „normaler“, er hat einen spezifischen Eigengeschmack und wirkt auf mich etwas zu fettig. Da gefällt mir der etwas traditionellere vegane Käsekuchen mit Soja-Skyr besser. Aber auch der Seidentofu-Käsekuchen ist durchaus eine tolle Alternative für Veganer.

Stück Seidentofu-Käsekuchen mit Fruchtkompott

Der vegane Käsekuchen ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass es auch ohne Milch lecker sein und funktionieren kann. Von diesem klassischen Käsekuchen isst man selten nur ein einziges Stückchen. Guten Appetit!

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