Schokolade ohne Sklaverei: Faire Produktion und Siegel
Schokolade macht glücklich und wird besonders gern zu Anlässen wie Geburtstagen, Feiertagen oder einfach als kleines Dankeschön verschenkt. Doch ihr wichtigster Inhaltsstoff, Kakao, hat eine lange Geschichte der Ausbeutung von Mensch und Umwelt. Die Schokoladenindustrie, bekannt für ihre süßen Genüsse, steht vor erheblichen ethischen und ökologischen Herausforderungen. Von ausbeuterischer Kinderarbeit bis hin zur Abholzung von Regenwald sind die verborgenen Kosten einer Tafel Schokolade oft höher, als wir denken.
Warum fair gehandelte und Bio-Schokolade wichtig ist
Bio-Fairtrade-Schokolade bietet in der Lieferkette bessere Bedingungen für Mensch und Natur. Auch Bio-Schokolade ist meist besser als herkömmliche: Für die Gewinnung der Rohstoffe wird die Umwelt weniger belastet, etwa durch den Verzicht auf Pestizide und synthetische Dünger. Ein Biosiegel steht für einen schonungsvollen Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen. So verbietet Bio etwa den Einsatz von giftigen Pflanzenschutz- und Düngemitteln.
Das Fairtrade-Siegel steht für bessere soziale Bedingungen, verbietet ausbeuterische Kinderarbeit und den Einsatz einiger Chemikalien und unterstützt eine nachhaltige Produktion. Anders als etwa UTZ und Rainforest Alliance sichert es Mindestpreise und zahlt Prämien zur Förderung von Gemeinschaftsprojekten. Der Fairtrade-Mindestpreis schützt vor den schwankenden Preisen auf dem Weltmarkt, jedoch nicht vor Armut.
Die Lage vor Ort: Kinderarbeit, Armut und Umweltprobleme
Noch immer arbeiten mehr als 1,5 Millionen Kinder auf den Feldern in Westafrika. Sie schlagen mit scharfen Messern die Kakaofrüchte von den Bäumen, versprühen giftige Chemikalien, tragen viel zu schweres Gewicht. Dabei verletzen und vergiften sie sich. Viele werden chronisch krank. Armut ist die Hauptursache für Kinderarbeit.
Eine Studie des National Opinion Research Center (NORC) der Universität Chicago belegt: Rund 1,5 Millionen Kinder verrichten demnach in Ghana und der Elfenbeinküste ausbeuterische Kinderarbeit auf Kakaoplantagen. Die Kinder verätzen sich die Haut an giftigen Pestiziden, verletzten sich an Macheten und machen sich bei der Schufterei Rücken und Knochen kaputt. Schwerstarbeit statt Schule.
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Von einem Euro, der hierzulande für Schokolade bezahlt wird, erreichen nur 8 Cent die Kakaobäuerinnen und -bauern. Um Kinderarbeit zu verhindern, müssten es mindestens 20 Cent sein. Die Gewinne landen bei den großen Lebensmittelkonzernen, bei den Kakaobäuer:innen aber bleibt wenig bis gar nichts hängen.
Wie faire Preise und Organisationen helfen
Faire Preise für Kakaobohnen helfen aus der Armut. INKOTA-Partnerorganisationen setzen sich für existenzsichernde Preise für Kakaobohnen ein. Recherchen und Studien helfen, die Kosten der Bäuerinnen und Bauern transparent zu machen und aufzuzeigen, wie hoch der Preis mindestens sein müsste. Dabei werden auch Missstände und Betrug aufgedeckt oder verhindert. So bewies INKOTA-Partner SEND Ghana in einer Studie, dass Waagen manipuliert wurden.
Wer verdient wie viel? Laut BMZ erhalten die Kakaofarmer:innen in der Elfenbeinküste von einer 89 Cent teuren Schokolade 6 Cent. INKOTA-Partner in Ghana und Côte d'Ivoire setzen sich für eine faire Bezahlung der Kakaobäuerinnen und Kakaobauern ein! Helfen Sie mit einem regelmäßigen Beitrag den Kakaobauernfamilien in Westafrika.
Siegel und Kriterien: Worauf beim Kauf achten?
Bessere Schokolade erkennst du zum Beispiel an Fairhandels-Siegeln wie etwa Fairtrade. Die Siegel stehen zunächst einmal für etwas Gutes: eine Zertifizierung soll die Löhne und Produktionsbedingungen verbessern und die strukturelle Entwicklung vor Ort fördern. Der Einsatz bestimmter Chemikalien ist untersagt und Kinderarbeit verboten.
Was man über die Siegel auch wissen sollte: Sie lindern die Probleme etwas, sie lösen sie aber nicht. Sie sind keine Garantie dafür, dass die Bäuer:innen von ihrer Arbeit leben und sich aus der Armut befreien können. Prüfer:innen sehen oft nur einen kleinen Ausschnitt von Kakaoplantagen, Prüfungen sind häufig angekündigt, Verbesserungen finden vornehmlich auf dem Papier statt und die Zertifizierungen kosten Geld. Trotz der bekannten Probleme sind Fairhandels-Programme ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung - auch wenn es unter den Zertifizierungen erhebliche Unterschiede gibt.
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Fairtrade
Das wohl bekannteste Label ist Fairtrade. Es verbietet Kinderarbeit und Abholzung, überprüft, dass Rechte von Arbeiter:innen eingehalten werden und zahlt wie die meisten Siegel den Bauern eine Prämie sowie einen Mindestpreis für eine Tonne Kakao. Der Mindestpreis liegt beim Fairtrade-Zertifikat derzeit bei 2.400 US-Dollar pro Tonne, die Prämie bei 240 Dollar. In Elfenbeinküste liegt der Mindestpreis bei 2.206 US-Dollar und die Prämie bei 221 US-Dollar pro Tonne.
Ein Schokoladenprodukt besteht aus mehreren Zutaten. Das Fairtrade Cocoa Program zeigt, dass zumindest der Kakao fair gehandelt wurde. Fairtrade schreibt jedoch bei Mischprodukten vor, dass „Zutaten, die als Fairtrade-Rohstoffe verfügbar sind, aus Fairtrade-Quellen bezogen werden.“ Außerdem muss der Fair-Anteil eines Mischprodukts bei mindestens 20 % liegen.
GEPA und WFTO-Ansatz
Das Handelshaus GEPA setzt strenge Sozialstandards, verbietet Kinderarbeit, arbeitet direkt und langfristig mit verschiedenen, demokratisch organisierten Kleinbauerngenossenschaften zusammen und fördert diese. 70 Prozent der Mischprodukte - und damit auch der Schokolade - enthalten über 75 Prozent fair gehandelte Zutaten, das Unternehmen strebt 100 Prozent an. GEPA-Schokoladen sind seit Ende 2023 zu 100 Prozent biozertifiziert. Nach eigener Angabe wird in den Vollmilchschokoladen immer Naturland Fair-zertifiziertes Milchpulver eingesetzt.
Gepa zahlt für eine Tonne Kakao plus Prämie mindestens 3.500 Dollar, also deutlich mehr als bei einer Fairtrade-Zertifizierung nötig. Der Preis soll sich dabei an den wahren Produktionskosten orientieren. GEPA wirtschaftet nach den Richtlinien der World Fair Trade Organisation (WFTO) und richtet das ganze unternehmerische Handeln nach den 10 Prinzipien der WFTO aus.
Naturland Fair, Rainforest Alliance und Fairchain
Bei Bio-Fair-Trade Schokolade selten zu finden, aber spannend ist das Siegel Naturland Fair. Es steht einerseits für Bio-Richtlinien von Naturland, andererseits für faire Zutaten auch jenseits von Kakao. Zertifizierungen wie das Naturland-Fair-Siegel kennzeichnen Schokolade, die sowohl ökologische Kriterien erfüllt als auch fair gehandelt wurde.
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Das Rainforest Alliance-Logo ist auf Produkten besonders häufig zu sehen. Das Programm verfolgt dabei einen anderen Ansatz als Fairtrade: Bäuer:innen werden vor allem darin geschult, ihre Erträge durch nachhaltige Anbautechniken zu steigern. Mindestpreise für den Kakao gibt es jedoch nicht, eine Mindestprämie wurde erst 2022 eingeführt. Sie ist mit 70 Dollar pro Tonne jedoch weit unter Fairtrade- oder GEPA-Standards.
Der Fairchain-Ansatz sieht vor, den gesamten Produktionsprozess im Herkunftsland der Rohstoffe zu belassen und so die Kontrolle in die Anbauländer zu bringen. Ein Fairchain-Unternehmen in Deutschland ist etwa Fairafric. Statt Kakao zu importieren und ihn erst in Deutschland zu verarbeiten, wird die Schokolade komplett in einer biozertifizierten Kooperative in Ghana produziert. Das schafft neue und langfristige Arbeitsplätze vor Ort und sorgt für mehr Kontrolle bei der Preispolitik.
Beispiele für bessere Produktion und Hersteller
Während Tony’s Chocolonely für eine kinder- und sklavenarbeitfreie Schokoladenwelt kämpft und dabei auf volle Transparenz setzt, legt Original Beans den Schwerpunkt auf nachhaltige Landwirtschaft, Aufforstung und Erhaltung der Biodiversität. Original Beans: Nicht nur eine Schokolade, sondern ein Baumretter. Tony Chocolonely: Die Mission? Tony’s Open Chain ist eine Initiative, der sich Schokoladen-Unternehmen anschließen können. Ziel der Tony’s Open Chain ist, dass 100 % der weltweit produzierten Schokolade sklavenfrei ist.
Weitere erwähnenswerte Marken und Anbieter sind HALBA, Zotter, Vivani, Rapunzel, Fairafric, Ombar, Chocolate Makers, Malmö Chokladfabrik, Fairafric, GEPA und viele kleinere Hersteller, die sich durch höhere Standards auszeichnen. Die Schokoladen-Scorecard bewertet regelmäßig, welche Hersteller in den Bereichen Rückverfolgbarkeit, existenzsicherndes Einkommen, Kinder- und Zwangsarbeit, Entwaldung, Pestizideinsatz und Agroforstwirtschaft, Klima und Gendergerechtigkeit am besten abschneiden.
Entwaldung, Agroforstwirtschaft und Klima
Kakao ist ein wertvoller Rohstoff. Sein Anbau gehört zu den größten Verursachern von Entwaldung weltweit und befeuert damit die Erderhitzung. Der Einsatz von Pestiziden und chemischen Düngemitteln laugt die Böden aus und verschmutzt das Trinkwasser. Weil Preise und Erträge so niedrig sind, müssen Bauern neue Anbauflächen schaffen, was wiederum Wald und Lebensraum vernichtet.
Wie Schokoladenanbau nachhaltig funktionieren kann: Eine Alternative sind Agroforstsysteme. Im Fall des Kakaos bedeutet Agroforstwirtschaft, dass die Kakaobäume gemeinsam mit anderen Bäumen und Nutzpflanzen angebaut werden. Monokulturen werden vermieden und der Pflanzenmix fördert die Widerstandsfähigkeit und Produktivität.
Entwaldungsfreier Kakao ist möglich - aber noch immer die Ausnahme. Ab dem 30. Dezember 2026 darf Kakao, der in der EU verkauft wird, nur noch in Verkehr gebracht werden, wenn er nachweislich entwaldungsfrei ist. Das sieht die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) vor.
Transparenz, Rückverfolgbarkeit und Konsumentenmacht
Viele Schokoladenhersteller können ihre komplizierten Lieferketten selbst nicht einmal einwandfrei zurückverfolgen und sicher sein, dass bei der Produktion nicht gegen Menschenrechte verstoßen oder die Umwelt illegal zerstört wurde. Um Licht in das dunkle Geschäft mit der Schokolade zu bringen und Verbraucher:innen bei ihrer Kaufentscheidung zu unterstützen, bewertet die sogenannte Schokoladen-Scorecard jährlich die größten Schokoladenhersteller unter Gesichtspunkten der Umweltfreundlichkeit und fairen Produktion.
Am Ende hat es der Schokoladenliebhaber und Verbraucher in der Hand. Immerhin gibt es mittlerweile viele Firmen, die Schokolade mit sozialen und ökologischen Gütesiegeln produzieren. Um nur die bekannteren zu nennen: UTZ und Rainforest Alliance fördern die Umstrukturierung auf eher niedrigem Niveau. Großen Erfolg am Markt hat Fairtrade Schokolade. Bei Fairtrade Schokolade liegt der Anteil zertifizierten Kakaos beim Endprodukt höher (bei 20 Prozent). Die Arbeits- und Umweltschutzrichtlinien sind anspruchsvoller und die Kontrollen schärfer.
Praktische Hinweise für den Kauf
- Bevorzuge Produkte mit Fairtrade- und Bio-Siegel. Besser ist eine Kombination aus Fairtrade plus Bio oder Naturland Fair.
- Achte auf Angaben zum Fair-Anteil bei Mischprodukten: Auf der Verpackung eines Fairtrade-Produkts steht, wie hoch der Fair-Anteil letztlich ist.
- Informiere dich über Hersteller, die im Direkthandel (Tree-to-Bar) arbeiten oder den Fairchain-Ansatz verfolgen.
- Weniger ist mehr: Lieber weniger Schokolade kaufen - dafür solche, bei denen wirklich mehr Geld bei den Kakaobäuer:innen ankommt.
- Bevorzuge dunkle Schokolade, wenn du an den Klima-Fußabdruck denkst - sie spart die Treibhausgase, die durch die Milchproduktion entstehen.
- Achte auf Verpackungen: Weg von Aluminium, hin zu kompostierbaren Materialien.
Was du mit deinem Beitrag unterstützen kannst
Mit 85 € unterstützen Sie die Kakaobauernfamilien in Westafrika, Betrug zu verhindern, indem z. B. elektronische Waagen beschafft werden, die genau wiegen können. Mit 300 € ermöglichen Sie, die Arbeitsbedingungen auf einer Kakaoplantage zu prüfen, um besonders die Kinder vor Rechtsverletzungen zu schützen. Ein regelmäßiger Beitrag hilft den Kakaobauernfamilien in Westafrika.
Beispiele und Initiativen
Cocoa for Schools ist Teil von Kim’s Chocolate und dem non-profit Unternehmen ‚Cocoa for Schools‘, das in Tansania Bildungs- und Entwicklungsarbeit leistet. 20-25.000 Familien in Mbeya, Tansania, leben vom Kakao. Fairafric hat vor Ort 115 Arbeitsplätze geschaffen, produziert wird mit Solarenergie. Für eine Tonne Bio-Kakao zahlt Fairafric eine Prämie von 692 Dollar. Stammen die Bohnen aus dem Dynamischen Agroforst-Anbau liegt die Prämie bei 842 Dollar pro Tonne.
Weiterdenken: Fairtrade weitergedacht
Der Fairchain-Gedanke, Transparenz und Wertschöpfung vor Ort sind Ansätze, die über klassische Zertifikate hinausgehen und die Ökonomie der Herkunftsländer stärken. Wertschöpfung in der Produktion verbleibt im Anbauland und schafft Jobs. Durch solche Ansätze können Preise stabilisiert, Planbarkeit geschaffen und die lokale Wirtschaft nachhaltig gestärkt werden.
Tabelle: Vergleich ausgewählter Siegel (Kurzüberblick)
| Siegel/Ansatz | Schwerpunkt | Mindestpreis / Prämie |
|---|---|---|
| Fairtrade | Soziale Standards, Mindestpreis, Prämie | Mindestpreis ~2.400 USD/t, Prämie ~240 USD/t |
| GEPA / WFTO | Unternehmensweite Fairtrade-Prinzipien, höhere Preise | Mind. ~3.500 USD/t (GEPA-Angabe) |
| Naturland Fair | Bio + faire Zutaten | --- (stärkerer Öko-Fokus) |
| Rainforest Alliance | Produktivität, Nachhaltigkeit, Schulung | Prämie seit 2022, ~70 USD/t (gering) |
| Fairchain (z. B. Fairafric) | Wertschöpfung vor Ort, Verarbeitung im Herkunftsland | Prämien deutlich über Standard, z. B. 692-842 USD/t |
Fakten, die nachdenklich machen
Die größten Schokoladenhersteller sind Mars, Ferrero, Mondelez (Milka), Nestlé, Lindt & Sprüngli. Sie wissen sehr genau, dass sie keine existenzsichernden Preise zahlen. Kaum ein großer Schokoladenproduzent kann Kinderarbeit ausschließen. Im Schoko-Check 2021 von INKOTA konnte keiner der Marktführer Schokolade ohne Armut und Kinderarbeit garantieren. Die Produktion des süßen Genussmittels fällt oft zu Lasten der Natur - und ebenfalls zu Lasten der Menschen, die den Kakao dafür pflücken.
Das wirklich Bittere an der Geschichte: Weder die am Existenzminimum lebenden Kakaobauern noch die Kinderarbeiter Afrikas werden in ihrem Leben jemals Schokolade essen. Das tun am Ende nur die Menschen in den westlichen Staaten.
Was du heute tun kannst
- Kaufe Schokolade mit klaren Fairtrade- und Bio-Zertifikaten.
- Informiere dich über Hersteller und ihre Lieferketten.
- Unterstütze Initiativen, die Transparenz und faire Preise fördern.
- Reduziere Konsum und favorisiere Marken, die Wertschöpfung vor Ort stärken.
Nachhaltige Schokolade: Mehr als nur ein Genuss. Indem Ihr bewusst nachhaltige Schokolade kauft, werden nicht nur Eure Geschmacksknospen, sondern auch die Umwelt und die Lebensbedingungen der Kakaobauern- und Bäuerinnen belohnt. Faire Schokolade ist kein Allheilmittel, aber ein wichtiger Schritt zu einer gerechteren Lieferkette.
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