Grüne Verpackungen bei Schokoladenmarken: Bedeutung, Symbole und Realität
Grün steht für Natur, Frische und Nachhaltigkeit. Doch in den Supermarktregalen scheint die Farbe Grün auch zum Symbol für cleveres Marketing geworden zu sein. Von „Plant-Based Nutella“ über vegane Käsealternativen bis hin zu Kinder-Snacks - grüne Verpackungen suggerieren Gesundheit, Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit. Doch was steckt wirklich dahinter? Und wie leicht lassen wir uns von grünen Verpackungen und Werbeversprechen täuschen?
Warum Hersteller auf Grün setzen
Immer mehr Lebensmittelhersteller setzen auf grüne Verpackungen, um ihre Produkte als nachhaltig und gesund zu positionieren. Grün ist eine Farbe mit Symbolkraft, deshalb sind grüne Verpackungen oft ein cleverer Marketingtrick, um Produkte gesünder und nachhaltiger erscheinen zu lassen, als sie tatsächlich sind. Laut wissenschaftlicher Studien werden zwei Drittel aller Kaufentscheidungen emotional getroffen.
Wie Grün die Wahrnehmung verändert
Produktdesigner Dirk Hagen Zimmermann hat mit uns in einem Experiment gezeigt, wie stark grüne Verpackungen die Wahrnehmung von Produkten beeinflussen. Seine Agentur „Brandivision“ entwarf zwei fiktive Verpackungen für denselben „Vital-Taler“: eine schlichte und eine mit grünen Motiven, Blättern und Gütesiegeln. Wir befragten Passanten in einer Einkaufsstraße. Die spontanen Reaktionen: „Die Grünen würden mich mehr ansprechen. Das sieht aus, als würde das besser schmecken.“, „Grün ist meine Lieblingsfarbe. Und ich bin eine Käuferin nach Optik.“, „Ich finde das wirkt positiver auf mich.“
Beispiele: Wenn Grün irreführt
Ein aktuelles Beispiel ist das neue „Plant-Based Nutella“ von Ferrero. Das vegane Produkt kommt mit grünem Deckel daher und wirbt mit einem natürlichen Image. Stephan Lück, Lebensmitteltechnologe und Ernährungswissenschaftler, hat sich die Zutatenliste genauer angesehen. Er sagt: „Es ist im Prinzip wie das Original - nur in Grün. Tatsächlich enthält das vegane Nutella fast 160 Gramm Zucker und 112 Gramm Fett pro 350-Gramm-Glas. Und es unterscheidet sich in Sachen Nährwert nur minimal vom Klassiker. Zwar wurde Milch durch Kichererbsenmehl ersetzt, doch Palmöl bleibt ein zentraler Bestandteil.“
Stephan Lück warnt außerdem bei Produkten für Kinder: „Ich kann mir vorstellen, dass Eltern glauben, vielleicht auch nur unterbewusst, dass sie es hier mit einem gesunden, trendigen, aber auch nachhaltigen und guten Produkt für das Kind zu tun haben.“ Ein Beispiel sind die „Obsties“ von Alete, die mit einem grünen Blatt im Logo und der Aufschrift „ohne Zuckerzusatz“ werben. Doch durch den Prozess des Gefriertrocknens kommt es bei diesem Produkt zu einer Aufkonzentrierung des Fruchtzuckers. Der Zuckeranteil liegt somit bei fast 70 Prozent.
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Siegel, Zertifikate und deren Aussagekraft
Wenn du den grünen Frosch auf Verpackungen (z. B. von SMARTIES® oder KitKat®) siehst, weisst du, dass das Produkt durch die Rainforest Alliance zertifiziert ist. Man sieht es auf Kaffee, Tee, Bananen und vielen anderen Produkten im Supermarktregal - das Siegel mit dem grünen Frosch. Dahinter stecken die unabhängige Umweltschutzorganisation Rainforest Alliance und über 100 Anforderungen an die Farmer, die damit einen nachhaltigeren Anbau der jeweiligen Rohstoffe fördern.
Entstanden ist das Zertifizierungsprogramm der Rainforest Alliance in den 90er-Jahren, nur wenige Jahre nach Gründung der Rainforest Alliance. Heute wird die Rainforest Alliance oft ausschließlich mit der Zertifizierung in Verbindung gebracht. Wenig überraschend, schließlich ist das Zertifizierungsprogramm seither stetig gewachsen: Rund 1,3 Millionen Farmen weltweit sind mittlerweile für ihren nachhaltigen Anbau von über 100 verschiedenen Rohstoffen Rainforest-Alliance-zertifiziert.
Kritik und Studien zu zertifizierten Plantagen
Bereits 2016 haben wir im Rahmen unserer Studie „Süße Früchte, bittere Wahrheit“ auf Plantagen, die mit dem grünen Frosch der Rainforest Alliance ausgezeichnet waren, grobe Verstöße gegen nationale Gesetze festgestellt. So war die Gewerkschaftsfreiheit nicht gewährleistet und es fehlte an Schutz vor giftigen Pestiziden. Daraufhin haben wir mehrere Gespräche mit dem verantwortlichen Personal der in den USA beheimateten Organisation geführt, um die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten vor Ort zu verbessern.
Und tatsächlich gab es nach der Veröffentlichung unserer Studie erste Verbesserungen für die Beschäftigten auf den Plantagen, die mit dem grünen Frosch der Rainforest Alliance zertifiziert waren. Dem Personal sei besserer Schutz beim Pestizideinsatz zur Verfügung gestellt worden, hieß es. Zudem sei die Anzahl der Beschäftigten reduziert worden, die über Subunternehmen angestellt waren und nicht einmal den Mindestlohn erhalten hatten. Einer ganzen Reihe an Plantagen sei darüber hinaus das Siegel entzogen worden. Einige dieser Plantagen waren Gegenstand unserer Studie gewesen.
Zudem führte Rainforest Alliance in Costa Rica und Ecuador wohl erstmals in ihrer Geschichte direkte Gespräche mit den Gewerkschaften, die in den Exportsektoren der tropischen Früchte aktiv sind. Der bis dahin fehlende Austausch war ein zentraler Kritikpunkt unserer Partnerorganisationen aus Costa Rica und Ecuador. Die Gewerkschaften drängten auf freien Zugang zu den Plantagen, um sich für faire Arbeitsbedingungen der Beschäftigten einzusetzen. Der Zugang von Gewerkschaften ist zwar in den lokalen Gesetzen festgeschrieben, in der Realität aber leider nicht gegeben.
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2022 folgte unsere Studie „Grenzenlose Ausbeutung“. Diese deckte erneut Verletzungen von Menschenrechten sowie Arbeitsrechten auf Plantagen auf, die von der Rainforest Alliance zertifiziert waren. Wieder kündigte die Rainforest Alliance an, die Vorwürfe zu untersuchen. Auch in unseren Beschwerden nach dem Lieferkettengesetz 2023 spielten Rainforest-Alliance-zertifizierte Plantagen eine Rolle: So bekamen auf einer zertifizierten Plantage in Ecuador - einem Rewe-Zulieferer für Bananen - Beschäftigte gerade einmal die Hälfte des Mindestlohns ausgezahlt.
Recyclingzeichen und grüne Symbole auf Verpackungen
Im Recyclingbereich existieren verschiedene Symbole, wie beispielsweise der «Tidyman», «RESY» oder der «Grüne Punkt». International etabliert haben sich mittlerweile die bereits genannten Zeichen mit einem Recyclingsymbol in Form eines Dreiecks, das aus drei Pfeilen besteht, der Nummer in der Mitte des Pfeildreiecks und dem Materialkürzel darunter. Ein Recyclingcode gibt Ihnen Informationen zum Verpackungsmaterial.
Das ursprüngliche Recycling-Symbol wurde von Gary Anderson im Rahmen eines Logo-Design-Wettbewerbs im Jahr 1970 entworfen. Die heutigen Recyclingcodes mit Nummer- und Materialkürzel wurden erstmals 1988 von der Society of Plastic Industry (SPI) veröffentlicht. 2013 wurde das Symbol in ein einfaches Dreieck umgewandelt.
| Code / Kürzel | Material | Eigenschaften / Verwendung |
|---|---|---|
| PET | Polyethylenterephthalat | Sehr stabil, Getränkeflaschen, hohe Barriereeigenschaft, recyclingfähig |
| HDPE (PE‑HD) | Polyethylen high‑density | Milchig, sehr reißfest, Beutel, robuste Verpackungen |
| LDPE (PE‑LD) | Polyethylen low‑density | Elastisch, durchstoßsicher, Frischhaltefolien, Beutel |
| PP | Polypropylen | Höhere Steifigkeit, Thermoplast, geruchlos |
| PS | Polystyrol | Formstabil, klar, hohe Gas‑ und Dampfdurchlässigkeit |
| PAP 20 / PAP 21 / PAP 22 | Pappe / Papier | Wellpappe, sonstige Pappe, Papier; gesammelt über Altpapier |
Das Symbol mit den zwei in Kreisform miteinander verschlungenen Pfeilen, Grüner Punkt (The Green Dot) genannt, zeigt an, dass die Verpackung, die dieses Piktogramm trägt, am Verpackungssystem beteiligt ist und der Hersteller den Beitrag zur Finanzierung des Systems übernommen hat. Es sei darauf hingewiesen, dass das Zeichen Grüner Punkt in keiner Weise die Kennzeichnung der Recyclingfähigkeit der Verpackung oder die Möglichkeit, diese getrennt zu entsorgen, betrifft.
Recyclingpraxis in Österreich
In Österreich besteht bei Lebensmittelverpackungen noch keine Kennzeichnungspflicht, da im Normalfall Kunststoffverpackungen und Verpackungen aus Verbundstoffen gemischt gesammelt und erst anschließend automatisch sortiert werden. Die Kennzeichnung erfolgt auf freiwilliger Basis. Papier hat die Recyclingnummer 22. Verpackungen aus Papier werden in Österreich im Altpapier gesammelt. Aluminium ist nicht nur als Dose sondern auch in Form von Folien, Menüschalen oder Deckeln häufig anzutreffen. Metallverpackungen können in Österreich am Recyclinghof oder bei Sammelinseln (Container mit dem blauen Deckel) abgegeben werden.
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Praktische Hinweise für Verbraucher
Prüfen Sie die Zutatenliste und Nährwertangaben - unabhängig davon, wie gesund die Verpackung aussieht. Als Foodlover liegt uns gute Ernährung am Herzen und wir schauen gern genauer hin, was in unserem Einkaufswagen und später auf dem Teller landet. Darum haben wir die Labels, die du auf deinen Lieblingsprodukten einmal genauer unter die Lupe genommen.
Beim Entsorgen von Elektrogeräten und Batterien gibt es ebenfalls grüne Symbole und Hinweise: Elektromüll darf nicht einfach über den Hausmüll entsorgt werden. Diese Info ist vielen Verbrauchern bekannt, doch wo die Geräte stattdessen weggeben werden sollen, weiß nicht jeder. Das grüne Symbol soll Kunden das korrekte Recycling erleichtern.
Recycling von Elektro-Müll: Neues Symbol soll Verbrauchern helfen. An vielen Supermärkten, Discountern und Elektronikmärkten soll nun ein grünes Schild darauf aufmerksam machen, dass Kunden hier ihre ausgedienten Elektrogeräte abgeben können. Das Schild muss mindestens Din-A4-Größe haben. Im stationären Handel muss es gut sichtbar, etwa am Eingangsbereich, angebracht werden. Juli sind die betroffenen Filialen verpflichtet, das Schild gut sichtbar an ihrer Filiale anzubringen, das Logo existiert jedoch schon länger. Die Deutsche Umwelthilfe kündigte bereits an, stichprobenartig zu überprüfen, ob die Schilder auch wirklich an den Filialen angebracht werden. (Quelle: Deutsche Umwelthilfe)
Für Verbraucher gibt es seit dem 1. Juli eine weitere Neuerung, die das Recycling deutlich erleichtert. Jede Verkaufsstelle, die Einweg-E-Zigaretten als Neugeräte verkauft, muss diese auch zurücknehmen. Für kleine Händler oder kleine Läden gibt es dabei keine Ausnahmen. Raucher können sich den Weg zur Sammelstelle zukünftig sparen und ausgediente E‑Zigaretten beim Neukauf einfach abgeben.
Nachhaltigkeit praktisch: Maßnahmen und Codes verstehen
Der Schlüssel zur Umweltfreundlichkeit beinhaltet das 3R-Prinzip. Reduzieren und Wiederverwenden von Material sind die ersten beiden Schritte. Außerdem ist es wichtig, Recyclingmaterial - wo immer möglich - einzusetzen. Schlussendlich gelangt alles an den Punkt, am dem es ausgedient hat und nicht mehr benötigt wird.
Mit einer Umstellung auf umweltfreundliche Lebensmittelverpackungen leisten auch Sie einen wichtigen Beitrag zur Ressourcenschonung. Sind die Verpackungen zudem mit einer PEFC- oder FSC®-Zertifizierung gekennzeichnet, wird bescheinigt, dass der Forstbetrieb sowie die weiterverarbeitenden Unternehmen verantwortungsvoll mit dem Rohstoff Holz umgegangen sind. In Österreich erfolgt die Sammlung von Holzabfällen in Haushaltsmengen gratis bei den Altstoffsammelzentren.
Was Verbraucher tun können
- Lesen Sie Zutatenliste und Nährwerttabellen unabhängig von Farbe und Symbolik der Verpackung.
- Achten Sie bei Verpackungen auf echte Zertifikate und informieren Sie sich über deren Bedeutung und Kontrollen.
- Nutzen Sie Rückgabemöglichkeiten für Elektrogeräte und Einweg-E‑Zigaretten im Handel.
- Bevorzugen Sie Verpackungen mit klaren Recyclingcodes und recycelbare Materialien, wenn möglich PET, Papier mit PAP‑Kennzeichnung oder zertifiziertes Holz.
Zertifizierung allein kann viele Missstände in Ursprungsländern vieler Rohstoffe jedoch nicht lösen. Komplexe Themen und Herausforderungen bedürfen unterschiedlicher Ansätze und ganzheitlicher Strategien, um möglichst wirkungsvoll und umfassend zu Lösungen beizutragen. Und so ist die Zertifizierung nur ein Hebel unter vielen, die die Rainforest Alliance anwendet, um positive Entwicklungen zu unterstützen.
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