Schokoladenproduktion und Kakaoanbau in Afrika
Kakao ist ein wichtiger Rohstoff und zugleich Ursprung vieler Probleme und Hoffnungen in Afrika: Etwa 65 bis 70 Prozent der globalen Ernte stammen aus Westafrika, insbesondere aus der Elfenbeinküste und Ghana. Fast die Hälfte der deutschen Importe kamen im vergangenen Jahr aus der Elfenbeinküste, die zugleich weltweit größter Kakaoproduzent ist. Nach der Elfenbeinküste (Côte d’Ivoire) ist Ghana der zweitgrößte Exporteur von Kakao weltweit. Heute werden in der Côte d’Ivoire und Ghana rund 63 Prozent aller weltweit angebauten Kakaobohnen produziert, insgesamt mehr als 3 Millionen Tonnen pro Jahr. Die Côte d’Ivoire allein erzeugt rund 43 Prozent.
Anbaugebiete, Klima und Pflanzenbiologie
Der Kakaobaum nennt sich lateinisch Theobroma Cacao L. und gehört zur Familie der Malvengewächse. Der Kakaobaum, wie wir ihn heute kennen, kann ausschließlich unter besonderen klimatischen Bedingungen wachsen und Kakaofrüchte tragen. Die Pflanze ist sehr anspruchsvoll: Sie benötigt eine hohe Luftfeuchtigkeit und viel Regen bei möglichst konstant hohen Temperaturen zwischen 25 und 30 °Celsius. Zudem ist der Kakaobaum ein Schattenbaum und benötigt schattenspendende größere Bäume um sich herum. Zusammengefasst heißt das, dass Kakao am besten in tropischen Regenwäldern, nördlich und südlich des Äquators wächst. Der Kakaogürtel ist also ein rund 2.200 Kilometer breites Band, das sich rund um den Globus zieht.
Schon vor tausenden Jahren nutzten und konsumierten die Ureinwohner Kakao und Trinkschokolade: Der älteste Fundort von Tonscherben, auf denen Kakaoreste identifiziert werden konnten, ist in Santa Ana La Florida in Ecuador. Afrika, und hier insbesondere Westafrika, erschien erst Ende des 19. Jahrhunderts auf der Kakaolandkarte. Im Jahr 1824 brachten Portugiesen die ersten Kakaopflanzen von Brasilien nach Sao Tomé und Gabun. Ende des 19. Jahrhunderts verbreitete sich der Kakaoanbau zunächst nach Ghana und Nigeria, ehe im Jahr 1905 in der Côte d‘Ivoire die ersten Pflanzungen angelegt wurden.
Anbaumethoden in Afrika
Der Kakaoanbau in Westafrika ist geprägt von kleinbäuerlichen Strukturen, mit kleinen Anbauflächen von durchschnittlich zwei bis sieben Hektar. Kakao wird überwiegend von Kleinbäuerinnen und -bauern angebaut. 90 Prozent des Kakaoanbaus findet auf kleineren Parzellen von 2 bis 5 Hektar statt. Dabei pflanzen die Bauern den Kakao zwischen ihre sonstigen Gewächse wie z. B. Maniok, Bananen oder Ananas an, die auf lokalen Märkten verkauft werden.
Im Gegensatz zu Lateinamerika, wo Kakao oft auf großen Plantagen angebaut wird, baut man in Afrika den Kakao in kleinbäuerlichen Betrieben an. Auch in Afrika ist Kakaoanbau vor allem Handarbeit. Der Kakaobaum blüht das ganze Jahr hindurch und entwickelt somit auch ständig Früchte. An ihm wachsen die großen Kakaoschoten, die von Hand von den Bäumen geerntet werden. Nachdem die reifen Schoten geerntet wurden, werden sie mit Macheten geöffnet, um die Bohnen freizulegen. Danach werden die Bohnen über mehrere Tage fermentiert (vergoren), wodurch der Kakao sein typisches Aroma erhält. Anschließend werden die Bohnen getrocknet und in Säcke verpackt. Jetzt sind sie fertig zum Weiterverkauf an die Zwischenhändler.
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Anders als in Lateinamerika werden die Bohnen mit der Haufen-Methode fermentiert. Dafür wird eine Mulde ausgehoben und mit Bananenblättern ausgelegt. Darauf wird die frische Pulpe gegeben und mit Bananenblättern bedeckt. So fermentieren die Bohnen für vier bis fünf Tage, bis das gesamte Fruchtfleisch vergoren ist. Die Großteil der Ernte wird während der Regenzeit geerntet, was sich auf den Feuchtigkeitsgehalt und andere Qualitätsparameter der Kakaobohnen auswirkt.
Lieferkette und Verarbeitung
Nach der Ernte werden die Kakaobohnen aus dem Fruchtfleisch gelöst, dann fermentiert und anschließend getrocknet. Im Anschluss werden die Bohnen zu Kakaomasse, -butter- und -pulver weiterverarbeitet. Zwischenhändler kaufen die Säcke mit den rohen Kakaobohnen und verkaufen sie an Exporteure. Vier große Unternehmen (darunter Barry Callebaut, Cargil und Olam) dominieren den Handel mit und die Vermahlung von Kakao. Zusammen kontrollieren sie etwa zwei Drittel der weltweiten Kakaoverarbeitung. In Fabriken auf der ganzen Welt verarbeiten sie den Kakao weiter. In den Verarbeitungsfabriken werden die Bohnen zerstoßen und die Hüllen entfernt, danach werden sie geröstet und schließlich gemahlen. Das Ergebnis - die Kakaomasse - wird zur Herstellung von Schokolade verwendet, oder zu Kakaobutter und Kakaopulver weiterverarbeitet.
Zwar ist die Côte d'Ivoire heute der größte Kakaoverarbeiter der Welt, die Fabriken zur Weiterverarbeitung gehören allerdings internationalen Unternehmen. Und ein großer Teil der Kakaobohnen wird nach wie vor nicht in den Anbauländern weiterverarbeitet. Der Großteil afrikanischer Kakaobohnen wird exportiert, in Übersee zu Schokolade verarbeitet und wieder zurück in afrikanische Länder geschickt, sagt Co-Gründer Anthony Gird. Die Tatsache, dass die Wertschöpfung außerhalb des Kontinents stattfinde, sei nichts anderes als ein "neokoloniales System", ist Gird überzeugt.
Wirtschaftliche und soziale Probleme
Die Situation der Menschen auf den Kakao-Plantagen ist, genau wie beim Anbau von Kaffee, Baumwolle und Tee äußerst schlecht. Hungerlöhne, unwürdige Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit sind an der Tagesordnung. Sozialleistungen sind auf den Plantagen ein Fremdwort. Nach Berichten von UNICEF und der Hilfsorganisation Terre des Hommes wird die Zahl der Kinder, die auf Plantagen in West- und Mittelafrika zur Arbeit gezwungen werden auf weit über 200.000 geschätzt. Eine Studie des International Institute for Tropical Agriculture (IITA) ging von rund 284.000 Kindern in der Elfenbeinküste, Ghana, Kamerun, Guinea und Nigeria aus, die unter gefährlichen Bedingungen auf Kakaofarmen arbeiten müssen. Unumstritten ist, dass eine große Zahl von Kindern unter gefährlichen und ungeeigneten Bedingungen arbeiten muss.
Oft sind Plantagen bereits sehr alt und die Erträge viel geringer als das eigentliche Potential. Der Großteil des Kakaos wird in Monokultur angebaut. Zudem haben die Bäuerinnen und Bauern oft keine gesicherten Landrechte, weshalb es sich nicht lohnt in einen nachhaltigeren Anbau zu investieren. Wenn die Bäume kaum noch Früchte tragen, ziehen die Kleinbäuerinnen und -Bauern weiter und erschließen sich durch Brandrodungen neue Flächen. Daher wird immer mehr Wald für den Kakaoanbau zerstört.
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Die Preise, die die Bäuerinnen und Bauern erhalten, sind oft nicht existenzsichernd und unterliegen starken Schwankungen. Von dem Preis, den wir pro Tafel Schokolade zahlen, erhalten die Bäuerinnen und Bauern nur wenige Cent. Wenn eine Tafel Schokolade in Deutschland für 86 Cent verkauft werde, landen laut einer Studie des Recherche-Insituts „Le Basic“ im Durchschnitt nur etwa acht Cent beim Bauern in Ghana, sagt die Menschenrechtsreferentin beim Inkota-Netzwerk, Evelyn Bahn. Die Kosten für die Preis-Feilscherei tragen die Kakao-Farmer: Vom Preis einer 100-Gramm-Tafel Schokalade landen bisher weniger als zehn Prozent bei den Kakaoproduzenten.
Auch die Tatsache, dass die Bohnen zur Weiterverarbeitung größtenteils exportiert werden, führt dazu, dass nur wenig Geld in den Ländern bleibt, in denen der Kakao angebaut wird. Afrika, und hier insbesondere Westafrika, erschien erst Ende des 19. Jahrhunderts auf der Kakaolandkarte. Afrika exportiert Rohstoffe, Europa verarbeitet sie - und schöpft Gewinne in Milliardenhöhe ab. So läuft es seit der Kolonialzeit.
Klimawandel, Ernteausfälle und Preisentwicklung
Der Klimawandel macht landwirtschaftliche Flächen teilweise unbrauchbar. Klimaextreme wie Dürren, Starkregen und Überflutungen vernichten Ernten. Neue Pflanzenkrankheiten treten auf. Zudem schadet der global Temperaturanstieg dem Gleichgewicht der empfindlichen Kakaopflanze. Bereits die Maya kultivierten und schätzten die Pflanze. Inzwischen wird Kakao weltweit in tropischen Gebieten angebaut. Forscher:innen warnen, dass die Produktion von Kakao in Zukunft einbrechen könnte. Das Forschungszentrum International Center for Tropical Agriculture (CIAT) prognostiziert bereits, dass diese Ausfälle zunehmen werden. Die Wissenschaftler:innen berechneten, dass 90 Prozent der Anbauflächen in Ghana und der Elfenbeinküste im Jahr 2050 für den Kakaoanbau deutlich weniger geeignet sein werden.
Kakao-Rohware hat sich massiv verteuert. Grund sind Ernteausfälle in der Elfenbeinküste und Ghana. Seitdem Siaka Sylla im Kakao-Geschäft ist, hat er das Lagerhaus seiner Kooperative noch nie so leer gesehen: "Normalerweise ist es jetzt voll mit Kakao. Im ganzen Land haben überdurchschnittliche Regenmengen dafür gesorgt, dass zuerst die Blüten Schaden nahmen. Die Früchte, die am Ende noch geerntet wurden, waren oft innen verfault - als Folge der langen Feuchtigkeit." Die Folge all dieser Probleme sind drastisch steigende Preise für die Rohware. In Deutschland nahmen die Einfuhrpreise für Kakaobohnen und Kakaobohnenbruch im Oktober um fast 54 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu, bei Kakaomasse und Kakaobutter waren es mehr als 27 Prozent.
Häufige extreme Wetterereignisse wie geringere Niederschläge und hohe Temperaturen haben dazu geführt, dass Kakaopflanzen anfälliger für Schädlinge und Krankheiten wie Schwarzhülsen und geschwollene Triebe sind. Jahrzehntelange strukturelle Armut und niedrige Einkommen sowie begrenzte Investitionen in die Erneuerung der Kakaopflanzen sind zusätzliche Herausforderungen. Hinzu kommt in der ganzen Region die hohe Inflation. Die Verträge zwischen globalen Konzernen und Kakaobehörden wurden neu verhandelt - wieder zum Nachteil der afrikanischen Kleinbetriebe.
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Handelsstrukturen, Politik und Initiativen
Um die Kakao-Preise nachhaltig zu erhöhen, trafen sowohl Ghana als auch die Elfenbeinküste bereits 2019 eine gemeinsame Entscheidung: Zusätzlich zur bereits länger bestehenden Qualitätsprämie führten sie das "Living Income Differential" ein, übersetzt in etwa: Differenz zu einem existenzsichernden Einkommen. Dabei handelt es sich um 400 US-Dollar zusätzlich pro Tonne Kakao. Die sollen garantieren, dass Hunderttausende Kakaobauern und -bäuerinnen von ihrer Arbeit leben können.
Um sich auf dem Weltmarkt besser behaupten zu können, behält die ghanaische Regierung das Monopol für Kakao. Deshalb dürfen Bauern ihre Rohbohnen gar nicht selbst an internationale Unternehmen weiterverkaufen, sondern ausschließlich an die staatliche Behörde Cocobod. Sie erhalten dann einen Fixpreis pro Kilogramm, erklärt Sophie van Huellen. Dieser ist abhängig von den Verträgen, die die Regierung am Weltmarkt abschließt. Er steht in der Zeitung, wird im Radio verkündet, weitererzählt. Das schafft Sicherheit. Jeder Kakaobauer in Ghana erhält diesen garantierten Preis.
Fairtrade International und sein Produzentennetzwerk Fairtrade Africa mit dem West Africa Cocoa Programme (WACP) spielen bei der Unterstützung von Kleinproduzenten eine Rolle. Im Jahr 2024 erreichte Fairtrade International damit 56 Kleinproduzentenorganisationen in Ghana und der Elfenbeinküste. Insgesamt erreichten die Trainer 37.991 Produzenten, davon 33.345 in der Côte d'Ivoire und 4.646 in Ghana. In Sierra Leone wurde mit FAIRTRADE-Mitteln der Bau von metallenen Solartrocknungskabinen für die Kasiyatama Cocoa Farmers Cooperative und die Salmed Cocoa/Coffee Farmers Cooperative unterstützt.
Das Fairtrade-Siegel garantiert den Bäuer:innen einen Mindestpreis pro Tonne Kakao - also eine Art Absicherung in Zeiten niedriger Weltmarktpreise. Anders als die Rainforest Alliance garantiert das Fairtrade-Siegel den Bäuer:innen einen Mindestpreis pro Tonne Kakao. Rainforest Alliance hat dafür ein Kriterium zum Schutz der Wälder. Bei Siegeln am Besten auf den Kauf von Bio-Schokolade in Kombination mit anderen Siegeln wie Fairtrade und Rainforest Alliance achten.
Nachhaltigkeit, Agroforstsysteme und Projekte
Entscheidend ist ein vielfältiges Anbausystem in naturnahen Agroforstsystemen. Anstatt das sich ausschließlich Kakaobäume auf einer Fläche befinden, wächst der Kakao in Agroforstsystemen im Schatten von Bananenbäumen, Edelhölzern oder Palmen. Auf dem Boden werden medizinische Kräuter oder anderes Obst und Gemüse angebaut. Das positive Zusammenspiel von Landwirtschaft und Wald kann zu einer erhöhten Produktivität der Pflanzen beitragen, denn die Bäume und Pflanzen profitieren voneinander, spenden sich gegenseitig Schatten oder reichern den Boden mit Nährstoffen an. Zudem werden weniger Pestizide benötigt, was Tiere und Insekten anzieht und die biologische Vielfalt erhält. Agrofrostsysteme sind zudem widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel. Durch den Anbau verschiedener Produkte sind die Bäuerinnen und Bauern nicht nur von dem Kakao als einzige Ernte abhängig, sondern können auch viele weitere Produkte für den eigenen Bedarf oder für lokale und internationale Märkte produzieren.
Der WWF engagiert sich in Projekten für nachhaltigen Kakao: Ecuador: Regenwald bewahren mit Kakao, nachhaltiger Anbau auf über 1.800 Hektar; Kolumbien: Biodiversität im Kakaoanbau; Kolumbien: Kakao als Friedenstifter. Wir beim WWF engagieren uns in der Multi-Akteurs-Plattform Forum Nachhaltiger Kakao. Unser Anliegen ist es, wertvolle Ökosysteme zu schützen. Da der Anbau von Kakao und die steigende weltweite Nachfrage nicht ohne Auswirkungen auf die Umwelt bleibt und teilweise zur Rodung tropischer Regenwälder beiträgt, setzen wir uns im Forum für die nachhaltigere Ausgestaltung des Kakaoanbaus und der Lieferkette ein, um Transparenz, Rückverfolgbarkeit und die Lebensbedingungen in den Anbauländern zu verbessern und weitere Entwaldung zu verhindern.
Lokale Verarbeitung und Initiativen gegen das neokoloniale System
Der Großteil des Profits bleibt in den Händen der westlichen Großkonzerne. Einige der globalen Schokoriesen, darunter Nestle und Mondelez, haben Fabriken in Südafrika, die in Massenproduktion Schokolade für den Kontinent herstellen. Das schafft dringend benötigte Jobs und treibt Südafrikas industrielle Entwicklung voran. Doch der Großteil des Profits bleibt in den Händen der westlichen Großkonzerne.
Der Großteil afrikanischer Kakaobohnen wird exportiert, in Übersee zu Schokolade verarbeitet und wieder zurück in afrikanische Länder geschickt, sagt Co-Gründer Anthony Gird. Die Tatsache, dass die Wertschöpfung außerhalb des Kontinents stattfinde, sei nichts anderes als ein "neokoloniales System", ist Gird überzeugt.
Viele Akteurinnen und Akteure versuchen, die Wertschöpfung vor Ort zu erhöhen: "Wir beabsichtigen, immer mehr Kakao im eigenen Land zu verarbeiten und mehr Schokolade zu produzieren", sagen Initiativen in den Anbauländern. Beispiele sind Fairafric in Ghana oder Paccari in Ecuador. Die Deutsch-Ghanaerin Lydia Amenyaglo will das ändern. Die deutsch-ghanaische Gründerin von plentyplenty.africa möchte die Geschichte des Kakaos neu erzählen. Sie hat es sich zum Ziel gemacht, alles, was sie anbaut, auch im Land zu verwerten. Auch Antonino Allegra mit seiner Schokoladenmanufaktur Afrikoa rüttelt das auf alten kolonialen Handelswegen gründende System auf. Mit seiner Schokoladenmanufaktur Afrikoa rüttelt Allegra das auf alten kolonialen Handelswegen gründende System auf. Er ist Europäer, ein sizilianischer Auswanderer, doch stellt er in Südafrika Edelschokolade her, die sowohl in den Supermärkten von Kapstadt als auch New York verkauft wird. Der Kakao stammt aus Tansania.
"Es ist nichts Falsches daran, wenn Afrika große Mengen Kakao nach Europa exportiert", ist Aisha Kalinda aus der Demokratischen Republik Kongo überzeugt. Im Osten der Demokratischen Republik Kongo betreibt ihre Familie eine Kakaoplantage. Seit kurzem produziert sie mit ihrer Chocolaterie Lowa auch ihre eigene Schokolade. Dennoch will sie weiter auf den Rohstoff setzen.
Auswirkungen auf Konsumenten und Preise
Die Folgen spüren Verbraucher:innen bereits an der Supermarktkasse. Schokolade wird immer teurer. Kakao-Rohware hat sich massiv verteuert. Die Folge all dieser Probleme sind drastisch steigende Preise für die Rohware. In Deutschland nahmen die Einfuhrpreise für Kakaobohnen und Kakaobohnenbruch im Oktober um fast 54 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Bei Kakaomasse und Kakaobutter waren es mehr als 27 Prozent. Weil man für Schokolade Zucker braucht, spielt auch der bei den Erzeugerpreisen am Ende eine Rolle. Alles keine guten Aussichten für Schokofreunde vor dem Weihnachtsbaum.
Trotzdem hat die deutsche Süßwarenindustrie fürs hohe Fest 167 Millionen Weihnachtsmänner vom Produktionsband laufen lassen. Das sind nur ein Prozent weniger als im Vorjahr, obwohl die Herstellungskosten pro Schoko-Hohlkörper im Oktober im Vergleich zum Vorjahr um zwölf Prozent zulegten.
Möglichkeiten für Verbraucher: nachhaltiger Schokoladengenuss
Unsere Tipps für nachhaltigen Schokogenuss: Achten Sie beim Kauf von Schokolade auf Initiativen, bei denen der Großteil der Wertschöpfung vor Ort stattfindet. Fragen Sie bei Ihrem Lieblingsschokoladenhersteller nach, ob die Schokolade fair ist. Fairhandelsorganisationen wie zum Beispiel GEPA gehen über die Fairtrade-Standards hinaus und zahlen teilweise deutlich höhere Preise als den Fairtrade-Mindestpreis. Informiert Sie sich, teilen Sie Ihr Wissen, und informieren Sie andere über den nachhaltigen Genuss von Schokolade.
Nachhaltigkeitssiegel sind mittlerweile auf vielen Supermarktprodukten zu finden, sollten jedoch immer kritisch hinterfragt werden. Zertifizierungen und Standards können zwar eine Orientierung bieten und einen Beitrag zur Rückverfolgbarkeit des Kakaos und Verbesserung von Nachhaltigkeitsaspekten leisten, aber sie können die Einhaltung oft nicht garantieren. Sie sind daher nicht die einzige Lösung für die Probleme des Kakaosektors, sondern nur ein kleiner Baustein. Bei Siegeln am Besten auf den Kauf von Bio-Schokolade in Kombination mit anderen Siegeln wie Fairtrade und Rainforest Alliance achten.
Tabelle: Wichtige Fakten im Überblick
| Aspekt | Fakten |
|---|---|
| Hauptproduzenten | Elfenbeinküste, Ghana (ca. 63 % der Weltproduktion) |
| Weltweite Kleinbauern | Ca. 5,5 Millionen Kakaobäuerinnen und -bauern |
| Arbeitsplätze gesichert | Etwa 14 Millionen Menschen |
| Preiswirkung | Einfuhrpreise in Deutschland stiegen z. T. um 54 % (Kakaobohnen) |
| Klimarisiko | CIAT: Bis 2050 90 % der Flächen in Ghana/Elfenbeinküste weniger geeignet |
Viele Initiativen und Projekte, sowohl lokal als auch international, versuchen, die Bedingungen zu verbessern: FAIRTRADE-Schulungen, Agroforstprojekte, lokale Weiterverarbeitung und politische Maßnahmen wie das Living Income Differential. Eine Transformation kann nur gemeinsam mit allen beteiligten Akteuren der globalen Lieferkette gelingen. Daher halten viele Experten Plattformen wie das Forum Nachhaltiger Kakao für wichtige Instrumente für den gemeinsamen Austausch.
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