Schmutzige Schokolade ARD-Dokumentation: Inhalt und Hintergrund
Die Dokumentation „Schmutzige Schokolade“ des dänischen Journalisten Miki Mistrati machte erstmals 2010 in Deutschland Schlagzeilen und löste eine öffentliche Debatte über Kinderarbeit und Kinderhandel auf Kakaoplantagen Westafrikas aus. Gestern strahlte die ARD die Fortsetzung dieser Dokumentation aus, in der Mistrati sich von den Fortschritten der Branche im Kampf gegen die Kinderarbeit überzeugen wollte.
Ausgangslage: Kinderarbeit und Reaktionen der Industrie
Die Kinderarbeit auf Afrikas Kakaofarmen machte 2010 Schlagzeilen, Schokoladenhersteller versprachen Hilfe. Die Firmen - große Namen wie etwa Mars, Nestlé oder die US-Firma Cargill -, die ihren Kakao von den betroffenen Plantagen bezogen, gelobten Besserung. Und sie versprachen viel: den Bau von Schulen, Krankenhäusern und eine faire Bezahlung der Kakaobauern etwa. Die Dokumentation sollte ihre Wirkung nicht verfehlen, die Industrie gelobte Besserung und bekräftigte ihre Null-Toleranz-Haltung gegenüber Kinderarbeit.
Die Fortsetzung bei der ARD: Fokus und Zuschauerresonanz
Im Jahr 2010 wurde der Dokumentarfilm „Schmutzige Schokolade“ des dänischen Journalisten Miki Mistrati erstmals im deutschen Fernsehen gezeigt. Gestern strahlte die ARD die Fortsetzung dieser Dokumentation aus, in der Mistrati sich von den Fortschritten der Branche im Kampf gegen die Kinderarbeit überzeugen wollte. 1,6 Millionen Zuschauer schalteten gestern zu später Stunde ihre Fernsehgeräte ein. Viele davon wohl auch mit der Frage, ob sie an den Weihnachtstagen mit ruhigem Gewissen Schokolade essen können.
Recherchemethode und Gefahren vor Ort
Der investigative Journalist und Filmemacher Miki Mistrati ist diesem Verdacht nachgegangen und mit seinem Kameramann nach Westafrika gereist, nach Mali und an die Elfenbeinküste, dem weltgrößten Produzenten von Kakao-Bohnen. Eine gefährliche Reise - erst vor wenigen Jahren wurde dort ein Journalist bei einer ähnlichen Recherche entführt, bis heute ist er verschwunden. Miki Mistrati drehte daher oft mit versteckter Kamera. Er führte aber auch offen Interviews mit Menschen, die wissen müssten, was vorgeht, zum Beispiel mit dem größten Kakao-Exporteur der Elfenbeinküste und mit einem Staatssekretär, zuständig für den Kampf gegen Kinderhandel. Beide bestanden darauf, dass es keinen Kinderhandel und keine Kinderarbeit auf den Plantagen gäbe. Miki Mistrati beweist das Gegenteil.
Konkrete Befunde: Was Mistrati vorfand
Den erste, 2010 ausgestrahlte Teil der Dokumentation von Mistrati erregte großes Aufsehen: In mehr als 20 Ländern wurde der Film ausgestrahlt, der schuftende Kinder in der Hand von Menschenhändlern auf den Kakaoplantagen im Westen Afrikas zeigt. Mistrati fand mit Hilfe Einheimischer geflohene Opfer, er ging auf die Plantagen, sah dort kleine Jungen bei der Arbeit, er traf einen Polizisten von Interpol, der soeben eine Razzia geleitet hatte, bei der 65 Kinder befreit wurden.
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Die Ergebnisse der neuen Recherchen sind ernüchternd, Mistrati und sein Kollege Ange Aboa fanden nach eigenen Angaben kein einziges funktionierendes Projekt. Schon der erste Besuch einer Plantage offenbarte die Wirkungslosigkeit von Zertifikaten: Während am Eingang das Logo der Organisation UTZ-Certified hing, die sich unter anderem gegen den Einsatz von Kindern auf den Plantagen einsetzt, war der erste Arbeiter, der dem Filmteam über den Weg lief, ein 15-jähriger Junge - und es sollte nicht der Einzige bleiben. An anderer Stelle standen Rohbauten, die einmal eine Schule werden sollten, an denen aber schon seit Jahren nicht mehr gearbeitet wurde.
Reaktionen der Unternehmen und Zertifizierer
Die meisten Konzerne stützen ihre Bemühungen auf solche Zertifizierungsorganisationen. So hat Nestle auf einen Bericht der FLA über die Anbaubedingungen in der Elfenbeinküste reagiert und einen eigenen Aktionsplan gegen Kinderarbeit entwickelt und veröffentlicht. „Wir konzentrieren unsere Anstrengungen auf Bereiche, auf die wir direkten Einfluss nehmen können“, heißt es bei Nestle. Deren zuständiger Generaldirektor José Lopez empfing Mistrati zu einem Interview, in dem er mit den Filmaufnahmen konfrontiert wurde. Ebenso traf sich Mistrati mit Vertretern der Zertifizierungsorganisationen Utz-Certified, der International Cocoa Initiative (ICI) sowie der Fair Labor Association (FLA). Überall die gleichen Reaktionen: Damit sind wir nicht einverstanden, so soll es nicht sein, dass haben wir nicht gewusst.
„Leider gelingt es dem Film nicht, weder die komplexe Realität des Kakaoanbaus noch die erreichten Fortschritte angemessen darzustellen“, heißt es in einer Stellungnahme des Lebensmittelkonzerns Nestle. Die Reaktion war ernüchternd. Keine der vielen Firmen, die er kontaktierte, war bereit, seine Beweise anzusehen und dazu Stellung zu nehmen.
Technische Ansätze zur Rückverfolgbarkeit
Auch das wollte Mistrati genauer wissen und besuchte in Ghana ein Büro der Organisation Source Trust. Diese hat ein System eingerichtet, mit dem jeder Sack Kakaobohnen genau zurückverfolgt werden kann. Nach einigen Schwierigkeiten funktionierte ein Test vor der Kamera, bei dem anhand eines Strichcodes auf der Schokolade deren Anbaubetrieb identifiziert werden konnte. Dennoch zeigte sich Mistrati skeptisch, ob so Kinderarbeit wirksam bekämpft werden kann. Bei Nestle ist man vom eigenen Aktionsplan überzeugt und wird jährlich über dessen Fortschritte berichten.
Wirtschaftliche Daten und Ungleichgewicht
Es sind nicht nur die Bilder, sondern auch die Zahlen, die den Zuschauer beim Schauen der Dokumentation betroffen machen. Laut den Recherchen des Filmteams machten die großen Schokoladenfirmen weltweit einen Umsatz von 134 Milliarden Euro. Für Hilfsprojekte in der Elfenbeinküste hingegen wurden nur 338.000 Euro ausgewiesen.
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Tabelle: Umsatz vs. ausgewiesene Hilfsprojekte (Quelle: Filmrecherche)
| Posten | Summe (laut Film) |
|---|---|
| Umsatz großer Schokoladenfirmen weltweit | 134 Milliarden Euro |
| Ausgewiesene Mittel für Hilfsprojekte in der Elfenbeinküste | 338.000 Euro |
Ursachen und Persistenz des Problems
Den Dekoder des Problems bilden mehrere Ursachen: Zum einen können Kakaobauern von ihrer Arbeit nicht leben, wie erst vor wenigen Wochen eine NGO-Studie belegte. Zum anderen besteht offenbar weiterhin ein System des Kinderhandels: Etliche der Kinder, die auf Plantagen in Ghana arbeiten, stammen aus dem weit entfernten Burkina Faso. Was haben die zahlreichen Initiativen der Branche bewirkt? Und was ist aus den Versprechen der Konzerne geworden?
Fazit des Filmemachers und Bedeutung für Verbraucher
Der Filmemacher und sein Sujet: Miki Mistrati auf Säcken mit Kakaobohnen. Sein Fazit am Ende der Recherche: Nur durch den Druck der Verbraucher auf die Hersteller wird sich bei der Kakaoproduktion in Westafrika etwas ändern - wenn überhaupt. Vielleicht hilft diese eindrucksvolle und auch erschütternde Dokumentation dabei, die Ausbeutung von Kindern auf den Kakao-Plantagen zu beenden.
Die meisten Menschen lieben Schokolade, und die Hälfte aller Schokolade weltweit essen Europäer. Jeder Deutsche isst im Durchschnitt etwa elf Kilo jährlich. Jedoch ist Schokolade-Essen nicht so harmlos wie wir glauben - vor allem nicht für Kinder in Afrika. Hilfsorganisationen verdächtigen die Schokoladen-Industrie, von Kinderhandel und Kinderarbeit in Afrika zu profitieren und damit Straftaten zu verschleiern.
Was aber ist aus den Versprechungen geworden? Der dänische Journalist Miki Mistrati hat die Projekte besucht - und dabei Baustellen und Blut entdeckt.
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