Detaillierte Informationen zum Werksverkauf und Standort Salzburg Schokolade Grödig
Die Geschichte von Salzburg Schokolade in Grödig ist eng mit der Entwicklung der österreichischen Süßwarenindustrie verbunden. Über 127 Jahre war das Unternehmen ein bedeutender Arbeitgeber und ein Symbol für Qualitätsschokolade und vor allem für die weltberühmte Mozartkugel. In diesem Artikel erhalten Sie einen umfassenden Überblick zu Geschichte, Werksverkauf, Insolvenz, Zukunft und aktuellen Entwicklungen am Standort Grödig.
Geschichte der Salzburg Schokolade und Mozartkugel
Das Unternehmen Salzburg Schokolade wurde 1897 gegründet. Im September 1897 erwarb Bartholomäus Rajsigl die "Candis- und Canditen-Fabrik" von Josef Woska im Haus Rupertgasse 15, der er unter dem Namen "B Raijsigl, vorm. Jos." führte. Bereits lange vor dem ersten Weltkrieg waren in der Firma rund 240 Arbeiter und Angestellte beschäftigt. Während des Zweiten Weltkriegs ruhte die Produktion, die erst ab April 1946 in der Vierthalerstraße wieder aufgenommen wurde. Bald erwies sich die Fabrik in der Stadt Salzburg als zu klein, sodass 1948 in Grödig ein neues Firmengebäude errichtet wurde.
1965 wurde der Standort in der Stadt Salzburg aufgegeben und nur mehr in Grödig produziert. Heinz Kappel entwickelte damals innovative Fertigungstechniken zur maschinellen Herstellung der Mozartkugel bei Beibehaltung des traditionellen Aufbaus. 1975 übernahm die Schweizer Firma Suchard das Unternehmen, ab 1980 war "Mirabell" gänzlich im Besitz von Suchard, gefolgt von Interfood und Kraft Foods International. 1994 wurde das Familienunternehmen von der Familie Pöll übernommen und hieß fortan "Salzburg Schokolade".
In den besten Jahren produzierte Salzburg Schokolade über 90 Millionen Mozartkugeln jährlich und exportierte in über 30 Länder. Das Produktsortiment umfasste Pralinenspezialitäten, Waffeln, Riegel sowie Halbfabrikate (Kuvertüren, Nougat, Fettglasuren) unter der bekannten Marke Nordpol, dazu unter anderem die österreichische Süßwaren-Ikone Bobby Riegel, Salzburg Confiserie, Maria Theresia Taler sowie der Webshop Schokotaler.com.
Krisenjahre und Insolvenz
Den Beginn der Krise markierte die Corona-Pandemie: Touristen blieben aus, der Umsatz brach insbesondere in den Fabriksläden in Wien und Salzburg ein. Die Rücklagen aus wirtschaftlich stabilen Jahren reichten nicht aus, um die Verluste aufzufangen. Steigende Rohstoff- sowie Energiekosten, Logistikprobleme und der Wegfall eines Großkunden verschärften die Situation. Ende November 2021 wurde ein Konkursantrag gestellt; zu diesem Zeitpunkt hatte das Unternehmen 140 Beschäftigte und rund 600 Gläubiger. Die Überschuldung betrug etwa 3,9 Millionen Euro bei Verbindlichkeiten von 27,29 Millionen Euro.
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Am 30. November 2021 wurde das Konkursverfahren über die Salzburg Schokolade eröffnet. Dank Sanierungsplan und einer Investorengruppe rund um die rumänische KEX Confectionery Gruppe der Meinl Gruppe konnte der Betrieb zunächst fortgeführt werden. Die restlichen 80 Prozent der Gläubigerforderungen sollten bis Februar 2025 beglichen werden, abgesichert durch Unternehmensliegenschaften, die an den Insolvenzverwalter als Treuhänder übertragen wurden.
Trotz neuen Eigentümers und Umstrukturierungen blieben die Herausforderungen groß. 2022 und 2023 folgten weitere Kündigungen, die Produktion wurde schrittweise reduziert. Letztendlich war der Produktionsstandort Grödig deutlich zu groß und zu kostspielig für den verbleibenden Betrieb. Die Produktionsstätte konnte nicht nachhaltig stabilisiert werden.
Das Ende der Produktion und Veränderungen am Standort Grödig
Im Dezember 2024 wurde die Produktion endgültig eingestellt. Die letzten Mozartkugeln rollten Anfang Dezember 2024 vom Band, 65 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz, für sie gab es keinen Sozialplan. Die Gewerkschaft äußerte scharfe Kritik am Verhalten der Eigentümer und des Hauptkunden.
Die Maschinen wurden verkauft und in alle Welt geliefert, das Werksgebäude stand zunächst leer. Auch der berühmte Werksverkauf in Grödig wurde noch so lange fortgesetzt, wie Süßwarenbestände vorhanden waren - aufgrund der hohen Nachfrage wurden die letzten Produkte rasch verkauft.
Der US-amerikanische Markeninhaber Mondelez, für den exklusiv "Echte Salzburger Mozartkugeln" produziert wurden, verlagerte die Produktion ins Ausland. Wo künftig produziert wird, ist unbekannt, auf die Herkunftsbezeichnung "Salzburg" wird fortan verzichtet. Nach dem Relaunch werden die Mozartkugeln unter dem Namen „Echte Mirabell Mozartkugel“ im Handel erhältlich sein, produziert nach Originalrezept mit leichten Änderungen.
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Neunutzung: Die Zukunft als Quartier Schokofabrik
Mit dem endgültigen Aus für die Produktion in Grödig wurde das Areal 2025 von den Salzburger Immobilientreuhändern Marco Sillaber und Franz Stiller um rund zehn Millionen Euro gekauft. Geplant ist die Entwicklung eines neuen Stadtquartiers mit dem Projekttitel "Quartier Schokofabrik". Die bestehenden Industriehallen aus den 1950er-Jahren bleiben erhalten und werden unter Berücksichtigung nachhaltiger Bauweise renoviert und erweitert. Das ehemalige Fabriksgebäude wurde aufwendig umgebaut und soll ab Juni 2026 schrittweise mit den ersten Mietern und Käufern belebt werden.
Insgesamt entstehen fast 19.000 Quadratmeter Nutzfläche, inklusive Tiefgarage und Autoparkplätzen für 340 Fahrzeuge. Dafür wurde auch eine angrenzende Fläche im Wert von 2,5 Millionen Euro zugekauft.
| Fakten zum Umbau | Details |
|---|---|
| Investitionssumme | rund 15 Millionen Euro |
| Nutzfläche | ca. 19.000 m² |
| Parkplätze | 340 inkl. Tiefgarage |
| Geplante Arbeitsplätze | bis zu 400 |
| Fertigstellung (volles Quartier) | Oktober 2026 |
Nutzungsstruktur und Mieter
Zwei Drittel der Büro- und Gewerbeflächen (20 Einheiten) sind bereits vergeben. Darunter sind ein Designunternehmen, ein pharmazeutisches Unternehmen, eine größere Unternehmensberatung sowie ein Handelsbetrieb. Das Quartier erhält eine kleine Betriebskantine und ein Café, das auch Kunden offensteht. Neue Atrien bringen großzügiges Tageslicht in die Räume.
In die künftigen Produktions- und Gewerbeflächen ziehen zudem Betriebe aus den Bereichen Möbel und Fitnessgeräte, darunter zwei Unternehmen des Investors Marco Sillaber, ein. Insgesamt werden rund 1.500 Quadratmeter von diesen Firmen genutzt. Außerdem sollen etwa 400 Beschäftigte künftig im "Quartier Schokofabrik" Arbeit finden.
Der Werksverkauf: Geschichte und Bedeutung
Der Werksverkauf in Grödig hatte eine lange Tradition und erfreute sich immer großer Beliebtheit, sowohl bei Salzburgern als auch bei Touristen. Kunden konnten dabei Pralinen, Mozartkugeln, Waffeln und saisonale Spezialitäten direkt ab Werk zu günstigen Preisen erwerben. Noch lange nach der Insolvenz setzte sich der Run auf die letzten Süßwaren fort, bis das Lager endgültig geleert war.
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Mit dem Ende der Produktion in Grödig und dem Aus für Salzburg Schokolade fand auch der traditionsreiche Werksverkauf sein Ende. Die Nachnutzung der Liegenschaft sieht keine Schokoladenfertigung und keinen Werksverkauf mehr vor - stattdessen entstehen am Standort innovative Gewerbeflächen und Büros.
Hintergrund: Investoren, Sanierungspläne und offene Forderungen
Die Salzburger Immobilientreuhänder Franz Stiller und Marco Sillaber wickelten den Kauf der Liegenschaft über die SAPEG ab. Sie ist zu 60 Prozent im Besitz der Firma Stiller & Hohla sowie zu jeweils 20 Prozent Franz Stiller und Leo Hohla. Nach Angaben des Kreditschutzverbandes KSV1870 beträgt die aktuelle Schuldenlast etwa 7,7 Millionen Euro, wobei durch Gutachten ein Wert der Liegenschaften von rund 9,9 Millionen Euro festgestellt wurde. Der Unternehmenswert besteht letztlich nur noch aus den Immobilien.
Die Gläubigerstruktur musste nach der Insolvenz neu geregelt werden: Die erste Teilquote von 20 Prozent wurde fristgerecht ausgezahlt, die restlichen 80 Prozent sollten durch den Verkauf der Immobilien realisiert werden.
Zusammenfassung und Ausblick
Mit Salzburg Schokolade und dem traditionsreichen Werksverkauf ist ein bedeutendes Kapitel Salzburger Industriegeschichte zu Ende gegangen. Die Produktion der berühmten Mozartkugel wurde ins Ausland verlegt; die Zukunft der Marke bleibt unklar. In Grödig entsteht auf dem Gelände eine moderne Kombination aus Gewerbe- und Büroflächen, die bis zu 400 neue Arbeitsplätze bieten und nachhaltig gebaut werden. Die berühmten Hallen bleiben erhalten, dienen aber künftig nicht mehr der Schokoladenproduktion, sondern als Quartier für innovative Unternehmen verschiedenster Branchen.
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