Schokoladenriegel früher: Marken, Sorten und Geschichte

Schokolade und Schokoriegel haben im 20. Jahrhundert nicht nur Gaumen erfreut, sondern auch Wirtschaft, Kultur und Erinnerung geprägt. Die Entwicklung einzelner Marken, die Verfügbarkeit von Rohstoffen, Kriegs- und Nachkriegszeiten sowie Innovationen in Form, Verpackung und Rezeptur bestimmen die Geschichte der Riegel- und Tafelschokolade. Im folgenden Text werden klassische Marken, prägende Sorten, DDR‑Spezifika und wegweisende Unternehmensgeschichten anhand vorhandener Textbausteine beschrieben.

Die frühen Jahre der Schokoladenindustrie und die Zwischenkriegszeit

Direkt nach dem 1. Weltkrieg ist die Einfuhr von Rohkakao verboten um den Abfluss von Devisen zu verhindern. Auch Zucker ist nicht ausreichend verfügbar und zunächst rationiert. Schon kurze Zeit nach dem ersten Weltkrieg floriert das Geschäft mit dem braunen Gold wieder und versüßt die „Goldenen 20er“. Die Zahl von 180 deutschen Betrieben 1914 wuchs auf 350 Schokoladehersteller im Jahr 1925. Ende der 1920er Jahre setzt ein starker Verdrängungswettbewerb ein. Mit dem als „schwarzer Freitag“ bekannten Börsencrash in New York im Oktober 1929 beginnt schließlich die Weltwirtschaftskrise. Viele Firmen in Deutschland müssen schließen als das ausländische Kapital im großen Umfang aus Deutschland abgezogen wird. In diesen Jahren müssen viele inhabergeführte traditionsreiche Unternehmen aufgeben oder werden aufgekauft.

Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg und Rohstoffknappheit

Mit der Machtübernahme durch die NSDAP 1933 beginnt in Deutschland die Vorbereitung auf den zweiten Weltkrieg. Die „Wirtschaftliche Vereinigung der Deutschen Süßwarenindustrie“ löst den „Verband der Schokoladefabrikanten“ ab und erteilt ab 1935 Richtlinien zur Herstellung von Pflichtmengen für das Reich und kontrolliert die Rohstoff-Kontingente. Ab 1939/40 gibt es keine Schokolade mehr für den zivilen Gebrauch (außer Getränke), die gesamte Produktion geht an das Militär. Aber auch die Produktion für die Truppenverpflegung bricht kurze Zeit später zusammen, als die Versorgung mit Rohkakao ausbleibt. Obwohl mangels Rohkakao bald kaum noch Schokolade hergestellt werden kann, haben die meisten Schokoladefabriken Vollbeschäftigung. Viele werden für „ernährungswirtschaftliche Aufgaben“, wie die Produktion von Grundnahrungsmitteln und Ersatzstoffen eingesetzt.

Nachkriegszeit, Versorgung und Wiederaufbau

Direkt nach dem Ende des zweiten Weltkrieges war Schokolade in Deutschland nur von den Soldaten der Besatzungsmächte zu bekommen. Ab Juli 1946 kam auch über die CARE-Pakete Schokolade nach Deutschland. Für viele die erste und einzige Schokolade nach langer Zeit. Geflüchtete ostdeutsche Schokoladenfabrikanten erhielten im Westen Unterstützung beim Neuaufbau einer Fabrik. Der ab 1949 verfügbare Rohkakao wurde nach einer Quote unter allen Fabrikanten aufgeteilt. Wer noch nicht wieder über eine eigene Produktion verfügte, konnte seinen Rohkakao an andere Hersteller verkaufen, oder dort die eigene Schokolade fertigen lassen. Durch diese Regelung konnten auch Firmen weiterexistieren die Ursprünglich aus dem Osten Deutschlands kamen. Bis 1964 werden Preise für Schokolade vorgegeben an die sich alle Hersteller halten müssen. In den folgenden Jahrzehnten konzentriert sich der Mark auf immer weniger große Hersteller. Bedingt wird dies auch durch die immer stärkere Automatisierung der Produktion von Schokoladenwaren. Gleichzeitig geht die Zahl der Beschäftigten deutlich zurück, obwohl die Produktionsmengen ständig steigen.

Ritter Sport: Vom Familienbetrieb zur Ikone des Schokoladenquadrats

Die Geschichte von Ritter Sport fängt da an, wo die meisten Liebesfilme aufhören: Bei der Hochzeit. Der Konditormeister Alfred Eugen Ritter und die Süßwarenladeninhaberin Clara Göttle geben sich 1912 das feierliche Ja-Wort und gründen noch im gleichen Jahr die Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik Alfred Ritter Cannstatt. Hier wurden die ersten „Ritter“-Pralinen hergestellt und verkauft. Kurze Zeit später folgt die erste eigene Schokoladenmarke, die ALRIKA. Die Produktion findet zunächst in Bad Cannstatt statt, wird dann aufgrund von Ausweitung der Produktion im Jahr 1930 nach Waldenbuch verlegt. Dort ist noch heute unser Hauptsitz.

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In Waldenbuch wurde auch das Schokoladenquadrat von Clara Ritter erfunden und mit dem Namen Ritter’s Sportschokolade getauft. Doch dann gibt es zu Zeiten des Nationalsozialismus Probleme mit der Beschaffung von Kakao und anderen Rohstoffen. Da Alfred Eugen Ritter nicht bereit ist in die NSDAP einzutreten, erhält die Firma keine Zuteilung für Kakao mehr. Gute Neuigkeiten! 1950 kann die Produktion wieder in vollem Umfang aufgenommen werden. Zu kaufen gibt es die Sorten Vollmilch, Halbbitter, Marzipan, Nugat und Mocca, die auch heute noch fast alle erhältlich sind.

Im Jahr 1960 konzentriert sich das Angebot immer stärker auf das bekannte Schokoladenquadrat. Saisonartikel, Langtafeln, Pralinen und Hohlfiguren werden zur Nebensache. Mitte der 60er-Jahre entsteht die Sorte Honig-Nuß, ein Vorgänger einer beliebten Sorte. In den 70er-Jahren erfolgt der große Durchbruch: Aus Ritter’s Sportschokolade wird Ritter Sport. Der Slogan „Quadratisch. Praktisch. Gut.“ erobert ganz Deutschland und ist allseits bekannt. Zudem trifft Alfred Otto Ritter 1974 einer der wichtigsten Entscheidungen für Ritter Sport: Jede Sorte erhält eine eigene, fröhliche und charakteristische Verpackungsfarbe. Das ist auch heute noch so!

Trotz des Todes von Alfred Otto Ritter im Jahr 1974 wird das Ritter Sport Quadrat kontinuierlich weiterentwickelt. Zwei Jahre später entstehen mit der Einführung der Schlauchbeutelverpackung der berühmte Ritter Sport Knick-Pack und die typischen Flossen an der Verpackung. In den 1980ern heißt es 75 Jahre Ritter Sport! Das wird gefeiert mit 710 Mitarbeitenden. Die Schokolade im Quadrat hat sich fest etabliert und eine einmalige Eigenständigkeit erreicht. 1980 wird eine der beliebtesten Sorten erfunden: die Olympia! Die Tafel basiert auf der Sorte Honig-Nuß aus den 60er-Jahren.

1990 wird der Startschuss für die ökologische Ausrichtung des Unternehmens abgegeben: Die agroforstliche Initiative CACAONICA in Nicaragua startet zum nachhaltigen Anbau von Kakao. Außerdem werden eine recyclebare Verpackungsfolie aus Polypropylen sowie ein Umwelt- und ein Qualitätsmanagementsystem eingeführt. Das Sortiment wird immer größer und wird auf 24 Standardsorten ausgeweitet. Schon bald gibt es auch was für den großen Hunger: Die 250g Großtafeln werden 2006 eingeführt. Ergänzend dazu gibt es saisonale Produkte, wie Sommerschokolade, die Ritter Sport Schokolade im In- und Ausland immer beliebter machen.

Ab 2010 öffnen die Türen unserer Bunten Schokowelt im Zentrum Berlins und laden zum Staunen und Probieren ein. Zwei Jahre später heißt es „100 Jahre Ritter“. Außerdem kauft die Familie Ritter die Kakaofarm „El Cacao“, welche sich zu einem der größten zusammenhängenden Kakaoanbaugebiete der Welt entwickelt. Ab März 2016 wird das Sortiment in die bekannte „Bunte Vielfalt“ und die „Nussklasse“ eingeteilt. Kurz darauf folgen schon die ersten veganen Sorten wie die Dunkle Mandel Quinoa und die dunkle Voll-Nuss Amaranth. Im Jahre 2020 wird ein weiterer Meilenstein erreicht: Ritter Sport ist ein klimaneutrales Unternehmen.

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Im folgenden Jahr kauft Ritter Sport eine weitere Produktionsstätte in Breitenbrunn in Österreich und die Marke Amicelli auf. Zudem erhalten 2022 die Tafeln einen neuen Anstrich: Die Folie ist matt und es wird auf den nachhaltigen Kakaobezug hingewiesen. 2022 gibt es wieder was zu feiern: Die Kakaofarm „El Cacao“ feiert ihr 10-jähriges Bestehen. Das vegane Sortiment erhält ein neues Design und wächst auf insgesamt fünf Sorten. Außerdem haben wir ein Comeback zu verkünden: die Ritter Sport Smarties sind zurück!

Ritter Sport Quadrat und historische Verpackungen

DDR‑Spezifika: eigene Sorten, Ersatzstoffe und Kultprodukte

Magdeburg/Halle (Saale)/DUR. - Von wegen, in der DDR gab es nicht viel zu kaufen. Auch wenn sich über Geschmack streiten lässt: An Süßigkeiten und Schokolade mangelte es jedenfalls nicht. Einige Produkte haben sogar die Wende überlebt und erfreuen sich immer noch großer Beliebtheit. In der DDR war die Rezeptur oft anders: Mit dem Ende der DDR übernehmen ab 1990 westdeutsche Unternehmen die Fabriken im Osten. Weniger moderne und rentable Fabriken werden geschlossen und einige Betriebe privatisiert. Dr. Stefan Wolle, wissenschaftlicher Leiter des DDR-Museums in Berlin, macht aber darauf aufmerksam, dass es sich bei den Riegeln, die es heute noch zu kaufen gibt, um keine echten DDR-Produkte handelt. Die Firmen wurden meist aufgekauft und die Zusammensetzung der Schokoriegel sei heute eine andere. Schließlich wurden in der DDR sehr viele Ersatzstoffe eingesetzt, etwa grüne Tomaten für Zitronat oder gezuckerte Apfelstücke für Rosinen. Während der gesamten Zeit der DDR führte ein Mangel an Rohstoffen, insbesondere an Kakao, immer wieder zu Produktionsengpässen und dem Einsatz „alternativer Rohstoffe“, bis hin zu Erbsenmehl.

Beliebte DDR‑Produkte und Riegel waren unter anderem: Bon (Schokoriegel mit Kokosfüllung), Joker, Fetzer, Mobil, Tramp oder Topsi. Halloren-Kugeln entwickelten sich schnell zur vielleicht beliebtesten Süßigkeit in der DDR. Die Schlager-Süßtafel war trotz ihres niedrigen Kakaogehaltes ein Liebling der DDR-Naschkatzen. Viele dieser Produkte leben in Erinnerung und teilweise in veränderter Form weiter.

DDR Schokoladen- & Süßwarenverpackungen (historisch)

Retro-Riegel, Auslaufmodelle und Comebacks

Manche Schokoriegel verschwinden vom Markt, andere feiern Comebacks. Banjo etwa war 1979 eingeführt und von 1979 bis 2009 in Deutschland erhältlich. 2019 übernahm die Alfred Ritter GmbH & Co. KG die Produktionsstätte sowie die Namensrechte am Schokoladenriegel Banjo und plant eine Neuauflage des Riegels. Ritter selbst brachte zwischen 1988 und 1993 den länglichen Riegel Ritter Balloon in vier Varianten (Nuss-Crisp, Joghurt-Crisp, Peanuts und Nugat-Crisp) auf den Markt. Der Riegel wurde in vier Varianten angeboten und die Bewerbung drehte sich um Heißluftballon-Motive.

Weitere retro‑bekannte Produkte, die viele Nostalgiker vermissen: Banjo, Milka Knusper Zauber, Milka Lila Pause, Leckerschmecker, Solero Shots, Frufoo, Bazooka, Gino Ginelli und viele mehr. Einige Marken verschwanden wegen veränderter Rezepturen, Rohstoffprobleme oder wirtschaftlicher Entscheidungen; andere wurden als „Westprodukte“ übernommen oder neu interpretiert.

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Historische Werbemotive: Banjo, Balloon, Milka

Globale Konzerne: Mars, Wrigley und die Expansion von Riegelmarken

Die Geschichte von Mars: Seit mehr als fünf Generationen entwickelt Mars Produkte und Dienstleistungen, die die Menschen begeistern. Mars-Gründer Frank C. Mars wurde in Minnesota geboren und begann früh mit der Herstellung handgeschöpfter Schokolade. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wuchs Mars zu einem multinationalen Konzern mit Marken wie Milky Way, Snickers und M&M’s. Während des Zweiten Weltkriegs spielten Mars und Wrigley eine besondere Rolle: M&M’s wurden für das US-Militär hergestellt; Wrigley stellte Kaugummis für die Truppen her. Mars führte zahlreiche Marken und Innovationen ein, investierte in Forschung (z. B. Mars Center for Cocoa Science) und setzte sich zunehmend für nachhaltigen Kakaoanbau und Umweltziele ein.

M&M’s, Snickers & historische Mars-Produkte

Form, Verpackung und Marketing: Warum manche Riegel überdauern

Markenüberleben hängt von mehr als Geschmack ab: Innovation in Verpackung, klare Markenidentität, Anpassung an Konsumentenwünsche (z. B. vegane Sorten) sowie Nachhaltigkeitsmaßnahmen spielen eine Rolle. Ritter Sport zeigte dies durch das markante Quadrat, die farbcodierten Verpackungen je Sorte und später ökologische Initiativen. Mars investierte in Nachhaltigkeit, Zertifizierungen und Forschung, um langfristig Kakaozufuhr und Image zu sichern. Packaging‑Innovationen wie der Knick-Pack bei Ritter Sport oder auffällige Werbe-Slogans (z. B. „Quadratisch. Praktisch. Gut.“) prägen die Wahrnehmung und Dauerhaftigkeit von Produkten.

Tabelle: Beispiele für ausgestorbene bzw. nostalgische Riegel und Status

Produkt Ursprungszeitraum / Peak Status / Anmerkung
Banjo 1979-2009 Rechte 2019 von Alfred Ritter übernommen, Neuauflage geplant
Ritter Balloon 1988-1993 Länglicher Riegel von Ritter in vier Varianten, eingestellt
Milka Knusper Zauber 1990er eingestellt
Solero Shots 1990er 1999 eingestellt (Sicherheitsbedenken)
Leckerschmecker 1970er aus den Regalen, ähnliches Produkt: Curly Wurly (UK)
Schlager-Süßtafel (DDR) DDR‑Zeit Heutige Rezepturen verändert, nostalgisch beliebt

Warum historische Schokoriegel faszinieren

Retro‑Riegel und -tafeln verbinden Geschmackserinnerung mit sozialer Erinnerung: Schulhof, Kino, Ferien, Sammelbilder und Werbejingles bleiben im Gedächtnis. Das erklärt den Wunsch nach Comebacks und die Suche nach Originalrezepturen. Manche Produkte überdauern als Marken oder werden von Großkonzernen reanimiert, andere verschwinden endgültig aufgrund veränderter Märkte, Rohstoffverfügbarkeit oder veränderter Ernährungstrends.

Dokumentation: Geschichte der Schokoladenindustrie und ikonische Riegel

Praktische Hinweise für Nostalgiker

  • Retro‑Produkte finden sich teilweise im Onlinehandel oder als Wiederauflagen.
  • Manche Marken wurden übernommen und reformuliert; heutige Rezepturen weichen oft von den Originalen ab.
  • Nachhaltigkeit und Zertifizierungen (z. B. durch Initiativen von Mars oder Ritter) beeinflussen moderne Schokolade-Angebote.

Die Geschichte der Schokoriegel ist ein Spiegel wirtschaftlicher, politischer und kultureller Veränderungen. Während manche Klassiker wie KitKat, Twix (ehemals Raider) oder Ritter Sport über Jahrzehnte bestehen, sind andere Produkte nostalgische Zeitzeugen. Hersteller, die Formen, Verpackung, Nachhaltigkeit und Markenbildung verbinden, haben die besten Chancen, auf dem Markt zu bleiben - und vielleicht eines Tages erneut in die Regale zurückzukehren.

Collage: Nostalgische Schokoriegel und moderne Varianten

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