Ritter Sport Nuss Nougat Creme — Inhaltsstoffe und Herstellung
Nuss-Nougat-Cremes erfreuen sich sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern großer Beliebtheit. Laut Verbrauchs- und Medienanalyse (VuMA) konsumierten im Jahr 2020 39,1 Prozent der Deutschen mindestens mehrmals im Monat Nuss-Nugat-Creme. Damit liegt der süße Brotaufstrich, nach Marmelade und Honig, auf Platz drei der beliebtesten süßen Brotaufstriche.
Marktlage und Verbraucherverhalten
Besonders beliebt sind die Cremes bei der jüngeren Zielgruppe. So haben 65 Prozent der 18- bis 24-Jährigen Nuss-Nugat-Creme bei sich zu Hause. Eher weniger kommt die Schokocreme bei der älteren Generation an. Schaut man in das Supermarktregal, stellt man schnell fest, dass sich die schokoladigen Aufstriche mittlerweile nicht selten über mehrere Regalmeter erstrecken. Kaum eine bekannte Marke, die nicht auch als Nuss-Nugat-Creme vertreten ist. Marktführer Nutella (Ferrero) hält sich dennoch auch 2020 auf der Spitzenposition der beliebtesten Marken unter den süßen Brotaufstrichen.
Leitsätze, Pflichtangaben und typische Zusammensetzung
Die Zusammensetzung von Nougatcremes ist in den Leitsätzen für Ölsamen und daraus hergestellte Massen und Süßwaren festgelegt. Danach enthält Nuss-Nougat-Creme mindestens 10 % Haselnusskerne, höchstens 67 % Zucker, Kakaoerzeugnisse sowie pflanzliche Speisefette und -öle. Es können geringe Mengen geschmackgebender Stoffe wie z.B. Vanillin zur Abrundung des Geschmacks und geringe Mengen Lecithin (E 322) zugesetzt werden.
| Parameter | Übliche Angaben / gesetzliche Vorgabe |
|---|---|
| Haselnussanteil | mindestens 10 % (häufig ~13 %, Bioprodukte 15-33 %) |
| Zuckeranteil | maximal 67 % (Basis oft ~50 %) |
| Fettgehalt | zwischen 32 und 46 % in geprüften Proben |
| Brennwert | etwa 560 kcal pro 100 g |
| Zusatzstoffe | Vanillin, Lecithin (E 322) u. a. |
Zutatenvarianten und Süßungsmittel
Auf den ersten Blick ähnelt eine Schokocreme der anderen. Wirft man einen detaillierten Blick auf die Inhaltsstoffe, variieren insbesondere Zucker-, Fett- und Kakaoanteil. Neben raffiniertem Zucker verwenden die Hersteller Rohrzucker (vor allem Biohersteller), Kokosblütenzucker (Haselherz) oder Malz- und Traubenzucker (Frusano). Ab September sind die von Zentis auch in drei zuckerreduzierten Varianten erhältlich.
Fette, Lecithin und ihre Funktion
Nuss-Nougat-Cremes enthalten außerdem pflanzliche Fette und/oder Öle wie Rapsöl und Palmöl/-fett. Lecithin ermöglicht als Emulgator, dass sich Fett- und Wasser-Phasen eines Lebensmittels nicht trennen. Als natürlicher fettähnlicher Stoff gehört es zur Gruppe der Phospholipide. Lecithin wird überwiegend aus Sojabohnen gewonnen. Auch Sonnenblumen, Raps, Erdnüssen, Mais und Eigelb können Rohstoffe sein.
Lesen Sie auch: Inhaltsstoffe der Ritter Sport Nuss Nougat Creme
Das so gewonnene natürliche Lecithin kann ebenso in Lebensmitteln eingesetzt werden, wie die Lecithine, die durch chemische Modifikation daraus gewonnen werden. Die chemisch modifizierten Lecithine werden auf besondere technologische Anforderungen zugeschnitten und erweitern so das Anwendungsgebiet des Stoffes deutlich. So ist etwa Lysolecithin besonders hitzestabil, während andere Modifikationen die Emulgatoreigenschaften des Lecithins verbessern.
Palmöl: Kritik, Nachhaltigkeit und Alternativen
Markenriese Nutella wird vor allem wegen der Verwendung von Palmöl kritisiert. Konventionelle Palmölplantagen zerstören Regenwald und sorgen für erhebliche ökologische und soziale Probleme in den Erzeugerländern, so der Vorwurf. Um Platz für Ölpalmplantagen zu schaffen, werden grosse Flächen von Regenwäldern gerodet. In Indonesien sind bereits über zwei Drittel der Regenwälder zerstört und zahllose Lebewesen vom Aussterben bedroht. Besonders der Orang-Utan, der weltweit nur in den Regenwäldern von Sumatra und Borneo vorkommt, ist in akuter Gefahr.
Durch die Waldzerstörung wird so viel Kohlendioxid freigesetzt, dass Indonesien zum drittgrössten Treibhausgasemittenten geworden ist - nach den USA und China. Dabei kommt ein grosser Teil des CO2 Ausstosses von der Zerstörung der Torfgebiete. Diese speichern riesige Mengen von Kohlenstoff. Für den Anbau von Ölpalmen werden die Torfböden entwässert, wobei Kohlendioxid und Methangas freigesetzt wird. Zusätzlich wird bei der Brandrodung und den damit einhergehenden, alljährlichen Torf- und Buschbränden viel CO2 emittiert.
Die Ausdehnung der Palmölplantagen führt immer wieder zu sozialen Konflikten. Die einheimische Bevölkerung verliert ihr Land, welches ihnen als Lebensgrundlage dient, an die Palmölindustrie. Zusätzlich halten die Palmölfirmen dabei häufig ihre Versprechungen zur Kompensation gegenüber der Landbevölkerung nicht ein. Deutschland verbraucht pro Jahr rund 1,8 Millionen Tonnen Palmöl. Palmöl findet sich in rund jedem zweiten Supermarktprodukt von Margarine, Pizzen und Süßwaren bis zu Kosmetika und Waschmitteln.
Palmöl kann als nachhaltig bezeichnet werden, wenn seine Produktion nicht zu Regenwald- und Torflandzerstörung und/oder zu sozialen Konflikten führt. Leider ist der Anteil an wirklich nachhaltigem Palmöl auf dem Markt aber noch sehr klein. Der Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO) geht zwar mit seinen Kriterien zur Zertifizierung in die richtige Richtung, wird aber leider auch von vielen Firmen als grünes Feigenblatt missbraucht.
Lesen Sie auch: Alternativen zur Ritter Sport Nuss Nougat Creme
Andere Hersteller verwenden ausschließlich Bio-Palmöl und unterwerfen sich neben der allgemein üblichen RSPO-Zertifizierung, die sich vor allem auf eine transparente Prozesskontrolle bezieht, strengeren Kriterien bezüglich biologischem Anbau und fairem Handel. So auch der Hersteller Bio Gourmet. Bei Bio-Gourmet wird Bio-Palmöl vor allem aufgrund seiner sensorischen Qualität verwendet, da dieses den Schokcremes ihren besonderen Schmelz verleiht. „Häufig wird in der Medienberichterstattung der günstige Preis als Grund für die Verwendung von Palmöl zitiert“, berichtet Samuel Huber, verantwortlich für das Marketing bei Bio Gourmet. „Das trifft auf Bio-Palmöl für die Lebensmittelerzeugung nicht zu. In Bio-Gourmet-Produkten kommt ausschließlich fair gehandeltes Bio-Palmöl zum Einsatz.“
Andere Unternehmen verzichten schon jetzt aufgrund der gestiegenen Kritik gänzlich auf Palmöl und verwenden Öle von Sonnenblume, Raps, Kokosnuss oder Shea. Dass die Kunden vermehrt darauf achten, keine palmölhaltigen Produkte zu kaufen, hat auch Daniel Küffler beobachtet, der als Substitut bei Rewe Tönnies in Odenthal tätig ist. „Daher werden immer mehr Alternativen von namhaften Schokoladenherstellern wie Milka gekauft“, verrät er.
Kontaminanten: Aflatoxine, MCPD- und Glycidyl-Ester
Das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover hat Nuss-Nougat-Cremes auf Prozesskontaminanten und auf die Belastung mit Schimmelpilzgiften (Aflatoxine) untersucht. In 28 Proben wurden die Gehalte an Aflatoxinen bestimmt. Aflatoxine sind Schimmelpilzgifte, die vor allem während der Lagerung von Lebensmitteln durch den Schimmelpilz Aspergillus flavus als Stoffwechselprodukte gebildet werden. Insbesondere Nüsse und daraus hergestellte Erzeugnisse haben ein hohes Gefährdungspotential. Aflatoxine sind stark krebserregend, wobei Aflatoxin B1 die stärkste krebserregende Wirkung besitzt.
In allen untersuchten Proben wurden Aflatoxine nachgewiesen. Die Summe der Aflatoxine B1, B2, G1 und G2 lag in zwei Proben unter der Bestimmungsgrenze (Bestimmungsgrenze 0,12 µg/kg), in den übrigen Proben wurden Gehalte zwischen 0,33 und 1,44 µg/kg ermittelt. In allen Proben wurde der Grenzwert von 4 µg/kg eingehalten.
Weiterhin wurden 28 Proben auf ihre Gehalte an 2- und 3-Monochlorpropandiol- (MCPD) und Glycidyl-Fettsäureester untersucht. Diese Kontaminanten können während der Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln gebildet werden, insbesondere durch die Temperaturbelastung bei der Fettraffination. Während der Verdauung entstehen aus 2- und 3-MCPD-Fettsäureestern freies 2- und 3-MCPD, aus Glycidyl-Fettsäureestern wird Glycidol freigesetzt. Von toxikologischer Bedeutung sind Glycidol und 3-MCPD.
Lesen Sie auch: Ritter Sport: Ursachen des Lieferengpasses
In allen untersuchten Nuss-Nougat-Cremes wurde mindestens eine dieser Prozesskontaminanten nachgewiesen (Nachweisgrenze 0,1 mg/kg Fett). Zum Vergleich: Die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI-Wert) für 3‑MCPD wurde 2016 von der EFSA auf 0,8 μg/kg Körpergewicht festgelegt. Das bedeutet, dass ein 35 kg schweres Kind täglich 28 µg 3-MCPD zu sich nehmen kann, ohne ein gesundheitliches Risiko befürchten zu müssen.
Die Probe mit dem höchsten Gehalt an 3‑MCPD-Fettsäureester berechnet als freies 3‑MCPD von 1,5 mg/kg Fett enthielt einen Fettgehalt von 32 %. Daraus errechnet sich ein Gehalt an 3‑MCPD von 0,5 mg/kg Nuss-Nugat-Creme. Bei einem Verzehr von 10 g Nuss-Nugat-Creme würde man mit der Probe 5 µg 3‑MCPD aufnehmen.
Kennzeichnung, Allergene und Verbraucherhinweise
Die Einschätzung beruht auf der Analyse der Verpackungsangaben, die entweder aus Produktdatenbanken stammen und zum Teil von Nutzer:innen erfasst wurden. Relevant sind nur die Angaben auf dem Etikett des Produkts. Ausserdem kann aus Zutaten wie Sojabohnen, Mais, Erdnüssen, Eigelb, Sonnenblumen- oder Rapsöl Lecithin hergestellt sein. Daher besteht Pflicht zur Allergenkennzeichnung.
Das LVI BS/H überprüfte sowohl die Fett- und Eiweißgehalte als auch die Gehalte an gesättigten Fettsäuren. Allerdings entsprach die Kennzeichnung von vier untersuchten Proben nicht den Vorgaben der VO (EU) 1169/2011. Die Nährwertkennzeichnung von drei Proben war als Fließtext und nicht tabellarisch dargestellt, obwohl auf der Verpackung ausreichend Platz vorhanden war. Eine Probe wies diverse Kennzeichnungsmängel auf, u.a. war die Nährwertkennzeichnung unleserlich und die Angabe des Haselnussanteils fehlte.
Dieses Produkt kann Gluten enthalten. Dieses Produkt enthält Laktose. Dieses Produkt enthält Bestandteile tierischen Ursprungs. Veganismus ist eine Lebens- und Ernährungsweise. Dabei wird auf den Konsum von Produkten verzichtet, die tierischen Ursprungs sind oder Bestandteile tierischen Ursprungs beinhalten. Wenn ein Hersteller auf seinem Produkt angibt, dass der Käse Lab enthält, handelt es sich um einen freiwilligen Hinweis.
Gesundheitliche Einordnung und Empfehlung
Mit Brennwerten von etwa 560 kcal/100 g zählen Nuss-Nougat-Cremes zu den hochkalorischen Lebensmitteln. Wegen der Kennzeichnungsmängel und geringen Mengen an Schadstoffen muss nicht auf Nuss-Nougat-Cremes verzichtet werden. Die Gehalte an Aflatoxinen lagen unter dem gesetzlichen Grenzwert, Prozesskontaminanten wurden jedoch in allen Proben nachgewiesen, weshalb ihre Gehalte in Lebensmitteln weitestgehend minimiert werden sollten.
Praktische Tipps für Verbraucher
- Auf Etiketten achten: Haselnussanteil, Fett- und Zuckerangaben sowie Allergenhinweise lesen.
- Nachhaltigkeit prüfen: RSPO- oder Bio-Zertifikate sowie Hinweise auf fair gehandeltes Palmöl beachten.
- Alternativen wählen: Produkte ohne Palmöl oder mit alternativen Pflanzenölen (Sonnenblume, Raps, Kokos) probieren.
- Konsum dosieren: Wegen hoher Kaloriendichte sparsam verwenden, besonders bei Kindern.
- Bei Unklarheiten Herstellerkontakt nutzen: Produktseiten können ergänzt oder korrigiert werden, wenn Angaben auf der Verpackung fehlen oder ungenau sind.
Worauf Hersteller und Politik achten sollten
Um den Klimawandel zu stoppen, ist deshalb ein Moratorium auf die Zerstörung von Regenwäldern und Torfgebieten notwendig. Fordere Hersteller aktiv dazu auf, kein Palmöl aus Regenwald- und Torflandzerstörung mehr zu verwenden. Je mehr KonsumentInnen wirklich nachhaltiges Palmöl verlangen, welches weder Regenwald- und Torflandzerstörung, Landkonflikte noch einen Verlust von Arten mit sich bringt, desto eher ist der Hersteller bereit etwas zu unternehmen.
tags: #Ritter #Sport #Nuss #Nougat #Creme #Inhaltsstoffe


