Ritter Sport Geschäftstätigkeit Russland – Hintergrund und Perspektiven

Der völkerrechtswidrige russische Angriffskrieg hat uns in einen Zwiespalt zwischen Haltung und Verantwortung gebracht. Unsere Haltung ist eindeutig: Wir verurteilen diesen Krieg und sind entsetzt über das Leid und die Zerstörung, die er über die Ukraine und die Menschen dort bringt. Gleichzeitig haben wir als Unternehmen aber auch Verantwortung für unsere Mitarbeitenden und für unsere Partnerinnen und Partner entlang der Lieferkette. Wir müssen also abwägen, welche Auswirkungen die eine und welche die andere Entscheidung hat. Diese Entscheidung ist hier niemandem leichtgefallen, aber wir bleiben dabei, um die Auswirkungen auf unser Unternehmen und unsere Partner so gering wie möglich zu halten. Wir tun das nicht, um Profit zu machen. Wir verstehen, dass unsere Position nicht von allen geteilt wird und es weiterhin Kritik daran geben wird. Vielleicht können die Antworten aber ein wenig dazu beitragen, dass unsere Entscheidung nachvollziehbarer wird.

Wir produzieren unsere Schokolade ausschließlich in Deutschland (Waldenbuch) und in Österreich (Breitenbrunn). Wir haben seit 2003 eine Vertriebsgesellschaft in Russland. Dort arbeiten rund 100 Kolleginnen und Kollegen. Wir verkaufen unsere Produkte seit über 20 Jahren über eine lokale Vertriebsniederlassung. Russland ist nach Deutschland unser wichtigster, das heißt größter, Markt. Ein Rückzug aus Russland würde nicht nur uns als Unternehmen betreffen, sondern auch viele Partner in unserer Lieferkette - allen voran die Kakaobäuerinnen und -bauern in Westafrika und Lateinamerika, mit denen wir zum Teil seit Jahrzehnten in Kakaoprogrammen zusammenarbeiten. Es ist ein zentraler Aspekt dieser Programme, dass wir für die Bäuerinnen und Bauern ein verlässlicher Partner mit fest vereinbarten Abnahmemengen sind.

Quadratisch. Praktisch. Gut. Infografik zur Ritter-Sport-Lieferkette: Von Kakaoanbau bis Verkauf

Nein. Lebensmittel und damit auch Süßwaren wie Schokolade sind nicht Teil der Sanktionen. Güter, die nicht nach Russland exportiert werden dürfen, sind zum Beispiel: Produkte der Spitzentechnologie, bestimmte Maschinen und Fahrzeuge, Technologien für die Energiewirtschaft, die Luft- und Raumfahrtindustrie, die Seeschifffahrt und Güter, die auch für militärische Zwecke verwendet werden können. Aber auch nicht mehr als ein Symbol, denn wir sehen heute, dass viele Produkte westlicher Firmen, die sich offiziell aus Russland zurückgezogen haben, weiterhin im Land erhältlich sind, weil sie über Importe aus Nachbarländern - den sogenannten Graumarkt - ins Land gelangen.

Wir haben die 2022 und 2023 in Russland erzielten und ausgeführten Gewinne an Hilfsorganisationen, die in der Ukraine aktiv sind, gespendet. 2022 waren das rund 1,51 Mio. Euro und 2023 etwa 940.000 Euro. Die Spenden gingen an Humedica e.V., Help e.V., Ebersberger Förderverein Interplast e.V.

Wir beliefern weiter den russischen Markt, um unser Unternehmen, unsere Mitarbeitenden und unsere Partner entlang der Lieferketten zu schützen. Ein Stopp unserer Lieferungen nach Russland hätte ernsthafte Auswirkungen auf uns als unabhängiges, mittelständisches Familienunternehmen insgesamt. Von Arbeitsplätzen an unseren Produktionsstandorten in Waldenbuch (Deutschland) und Breitenbrunn (Österreich) bis hin zur Lebensgrundlage vieler Kakaobäuerinnen und -bauern in Westafrika, Mittel- und Südamerika.

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Kakaoproduktion in Westafrika - Nachhaltigkeitsinitiativen von Ritter Sport

Der Bericht zur öffentlichen Kommunikation zeigt: Wir haben alle Werbekampagnen unserer Marke Ritter Sport in Russland gestoppt. Gleiches gilt für die Kommunikation mit unseren Konsumentinnen und Konsumenten über soziale Plattformen und Direktansprachen. Der schwäbische Schokoladenhersteller muss sich dieser Tage mit einer massiven Kritik im Netz auseinandersetzen. Der Grund: Ritter Sport will trotz dem Krieg in der Ukraine weiterhin seine Produkte nach Russland liefern. Die Meinung der Nutzerinnen und Nutzer in den sozialen Medien ist geteilt. Von Boykottaufrufen und Ummünzen des Firmenslogans, in zum Beispiel „Quadratisch.Praktisch.Aus“ (das ist noch eine der harmloseren Varianten), teilen andere wiederum die Entscheidung des Unternehmens.

Wir betonen: Von Arbeitsplätzen an unseren Produktionsstandorten in Waldenbuch (Deutschland) und Breitenbrunn (Österreich) bis hin zur Lebensgrundlage vieler Kakaobäuerinnen und -bauern in Westafrika, Mittel- und Südamerika - die Lieferkette bleibt geschützt, um langfristig Verantwortung übernehmen zu können. Investitionen und Marketingaktivitäten in Russland seien jedoch gestoppt worden. Im August 2025 verklagte die Alfred Ritter GmbH das Mannheimer Unternehmen Wacker GmbH (Bleibwacker). Die Klage wurde im Januar 2026 am Landgericht Stuttgart abgewiesen.

Rechtsstreit um Marken- und Verpackungsformen - Ritter Sport

Historisch blickt Ritter Sport auf eine lange Firmengeschichte: Das Unternehmen wurde 1912 gegründet und ist seitdem in Familienbesitz. Zwischen 2003 und heute entwickelte sich der Konzern weiter, mit Sitz in Waldenbuch und einer internationalen Präsenz. Die Marke Ritter Sport steht seit Jahrzehnten für quadratische Tafeln mit bunten Verpackungen sowie für eine starke Nachhaltigkeitsagenda, einschließlich zertifizierten Kakao, Öko-Audit und eigener Kakao-Plantage in Nicaragua. Gleichzeitig gab es interne und externe Kontroversen, unter anderem um Aromastoffe oder ökologische Zertifizierungen, die zu juristischen Auseinandersetzungen führten. Diese Geschichte prägt das Verständnis dafür, wie das Unternehmen heute Entscheidungen trifft - auch in geopolitisch sensiblen Märkten.

Ritter Sport Nachhaltigkeitsprojekt CACAONICA in Nicaragua

Derzeit prüfen Experten die Wirkung von Sanktionen: Einige Analysten sehen Sanktionen als eingeschränkt wirksam, während andere betonen, dass globale Wirtschaftsverflechtungen schwierig zu durchdringen sind. Q&A-Listen und Experteninterviews diskutieren, ob moralische Appelle ausreichen oder ob wirtschaftliche Realitäten stärker ins Gewicht fallen. Die Debatte um Ritter Sport illustriert auf eindringliche Weise, wie Unternehmen in Zeiten geopolitischer Spannungen entscheiden müssen: Verantwortung gegenüber Mitarbeitenden, Partnern und Menschenrechtsaspekten vs. wirtschaftliche Realitäten und Markterfordernisse.

Video: Debatte um Wirtschaftsethik und Sanktionen - Ritter Sport Fallstudie

Im Jahr 2024 verfolgte Ritter Sport eine Politik der Transparenz: „Nach Abwägung aller Aspekte haben wir uns entschieden, den russischen Markt weiterhin zu beliefern. Doch wir tun das nicht, um damit Gewinne zu erzielen. Wir haben alle Werbekampagnen unserer Marke Ritter Sport in Russland gestoppt. Gleiches gilt für die Kommunikation mit unseren Konsumentinnen und Konsumenten über soziale Plattformen und Direktansprachen.“ Diese Aussagen spiegeln die komplexe Balance zwischen wirtschaftlicher Bedeutung des russischen Marktes und ethischer Verantwortung wider. Die Debatte über Moral und Effektivität von Sanktionen bleibt in der öffentlichen Diskussion präsent und zeigt, dass klare Antworten oft fehlen.

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Moritz Ritter betont, dass die Entscheidung auf Verantwortung entlang der gesamten Lieferkette basiert - von Kakaobauern in Westafrika bis zu Arbeitsplätzen in Waldenbuch und Breitenbrunn. Gleichzeitig mahnt er, dass Sanktionen oft nicht die erhoffte Wirkung entfalten und dass Ambivalenz in geopolitischen Entscheidungen normal ist. Die Diskussion um Ritter Sport verweist auf das Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Vernunft, moralischen Überzeugungen und geopolitischen Realitäten - und fordert eine verantwortungsvolle Debattenkultur in Unternehmen.

BereichDetails
StandorteDeutschland (Waldenbuch), Österreich (Breitenbrunn); Vertriebsniederlassung in Russland
Beschäftigte in Russlandca. 100
Spenden 20221,51 Mio. EUR
Spenden 2023940.000 EUR
Warenmarkt RusslandGrößter Markt außerhalb Deutschlands

Nun interessiert mich Ihre Meinung, liebe Leserinnen und Leser: Finden Sie es richtig, dass Ritter-Sport-Gesellschafter Moritz Ritter als Verlierer gilt? Die Debatte zeigt, dass Wirtschaftsethik in einer komplexen Welt nicht eindeutig gelöst werden kann. Der Umgang mit Ambivalenz bleibt eine zentrale Frage - nicht nur für Ritter Sport, sondern für alle Unternehmen, die in geopolitischen Krisenzeiten agieren.

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