Die Geschichte der Schokolade von Riegelein: Von den Anfängen bis zur internationalen Expansion
Schokoladenhasen sind zu Ostern allgegenwärtig und erfreuen sich großer Beliebtheit bei Jung und Alt. Jedes Jahr werden in Deutschland über 130 Millionen Stück verkauft. Doch wer hat den Schokoladenhasen erfunden und wann genau geschah dies? Die Ursprünge des Schokoladenhasen sind bis heute nicht eindeutig geklärt, doch Experten vermuten, dass Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland die ersten Hasen aus Schokolade geformt wurden. Diese waren jedoch meist massiv, wogen mehrere Kilogramm und dienten hauptsächlich als Schaufensterdekoration. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam die Hohlfiguren-Technik auf, die es ermöglichte, leichtere und erschwinglichere Schokoladenhasen herzustellen. Der erste „Goldhase“ der Firma Lindt&Sprüngli, der im Jahr 2010 weltweit mehr als 100 Millionen Mal verkauft wurde, kam 1952 auf den Markt.
Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte des Schokoladenherstellers Riegelein, beginnend mit den Herausforderungen der Nachkriegszeit über die Expansion und Fusionen bis hin zum Engagement für Nachhaltigkeit und Qualität.
Die Nachkriegszeit und die Anfänge in der DDR
Wie viele andere Betriebe in Deutschland wurde auch die Schokoladenindustrie im Osten des Landes durch den Zweiten Weltkrieg stark beeinträchtigt. Viele Fabriken waren zerstört oder zu Rüstungsbetrieben umgebaut worden. Zudem erschwerten fehlende Rohstoffe und die Trennung von den anderen Besatzungszonen die Wiederaufnahme der Produktion.
In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) wurden die meisten Betriebe durch den „Volksentscheid in Sachsen“ vom 30. Juni 1946 enteignet und in Volkseigentum umgewandelt. Bekannte Süßwarenfabriken, die aus dieser Entwicklung hervorgingen, waren unter anderem:
- Most-Mignon (Süßwarenfabrik „Halloren“, Halle)
- Berger (Süßwarenfabrik „Berggold“, Pößneck)
- Mauxion (Süßwarenfabrik „Rotstern“, Saalfeld)
- Rolle AG (Süßwarenfabrik „Bergland“, Niederoderwitz)
- Hartwig & Vogel (Dresdener Süßwarenfabrik „Elbflorenz“, Dresden)
- Oehler (Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik „Zetti“, Zeitz)
- Felsche (Schokoladenfabrik „Goldeck“, Leipzig)
- Böhme (Kakao- und Schokoladenfabrik „Sachar“, Delitzsch)
Mangels Rohstoffen wurden in den Nachkriegsjahren oft Ersatzschokoladen hergestellt. Ein erfolgreiches Beispiel war die ab 1953 erhältliche Vitalade, die unter anderem aus Haferflocken, Braumalz, Sojamehl und gehärtetem Pflanzenfett hergestellt wurde. Sobald jedoch wieder echte Schokolade verfügbar war, sank der Absatz der Ersatzschokoladen schnell.
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Interessanterweise konnte die Firma Berger in Pößneck bereits 1948/49 Schokolade für einen niederländischen Händler produzieren, der den Rohkakao lieferte. Durch eine höhere Kakaoausbeute konnte das Unternehmen aus dem restlichen Kakao die erste Schokolade für den Inlandsmarkt herstellen. Ab 1953 kam auch in der DDR wieder Schokolade in die Geschäfte. Die Qualität und Menge der angebotenen Schokoladenwaren hing jedoch stark von der Verfügbarkeit der Rohstoffe ab, da nicht immer ausreichend Devisen für den Import von Rohkakao zur Verfügung standen. Wenn genügend Rohstoffe vorhanden waren, konnte die ostdeutsche Süßwarenindustrie jedoch die gleiche Qualität wie ihre westdeutschen Pendants liefern. Schokoladenersatzprodukte, die im Westen längst verschwunden waren, blieben in der DDR bis zum Ende des Landes erhältlich. Das bekannteste Produkt war die „Schlager Süßtafel“ von Zetti, die ohne Kakao auskam.
Mit dem Ende der DDR 1989/1990 wurden zahlreiche Betriebe der Schokoladenindustrie geschlossen, von Firmen aus dem Westen aufgekauft oder privatisiert. Ostdeutsche Schokoladenprodukte verschwanden zunächst völlig vom Markt, der nun von westdeutschen und internationalen Marken beherrscht wurde. Erst einige Jahre später kamen mit der „Ostalgie“ ehemalige DDR-Marken zurück auf den Markt.
Die Erfolgsgeschichte von Riegelein
Die Hans Riegelein & Sohn GmbH & Co. wurde 1953 gegründet. Am 17. Februar wurde die Schokoladenfabrik der Firma Riegelein nach Cadolzburg verlegt. Das Unternehmen hat sich seitdem zu einem der führenden Hersteller von Schokoladenfiguren in Europa entwickelt. Gemeinsam mit Rübezahl Schokoladen in Dettingen gehört Riegelein europaweit zu den Marktführern von Schokoladen-Figuren. Das Sortiment umfasst mehr als 750 verschiedene Schokoladenprodukte, wobei der Fokus auf saisonalen Artikeln für Weihnachten, Ostern, Silvester, Valentinstag und Halloween liegt. Riegelein exportiert seine Produkte in über 50 Länder weltweit.
Expansion und Übernahmen
In den letzten Jahrzehnten hat Riegelein durch strategische Übernahmen und Expansionen sein Wachstum vorangetrieben:
- 1991: Integration der sächsischen Traditions-Schokoladenfabrik Bergland unter der Firmierung Kathleen in die Riegelein-Gruppe.
- 1995: Erwerb eines tschechischen Werks in Jablonec und Gründung der Vertriebstochter „Riegelein France“ in Paris.
- 2014: Mehrheitsbeteiligung an der chocri GmbH, einem Online-Anbieter von handbestreuten Manufaktur-Schokoladen.
- 2019: Fusion der Süßwarenproduzenten Riegelein und Rübezahl Schokoladen.
Durch den Zusammenschluss mit Rübezahl entstand ein Schokoladenunternehmen mit einem Umsatz von etwa 260 Millionen Euro im Jahr. Die Geschäftsführung übernahmen Claus Cersovsky (ehemaliger Rübezahl-Chef), Peter Riegelein (bisheriger Riegelein-Chef) und Rüdiger Bonner.
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Riegelein und Nachhaltigkeit
Trotz anfänglicher Vorurteile als reiner Massenproduzent hat sich Riegelein unter der Führung von Peter Riegelein dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben. Peter Riegelein ist selbst Mitglied bei Slow Food und setzt sich mit großer Überzeugung für Nachhaltigkeitsgedanken ein. Das Unternehmen hat eine unternehmerische Entscheidung getroffen, innerhalb von drei Jahren auf Fairtrade-Kakao umzustellen, was nicht ohne Risiko war und kurzfristig zu Verlusten von Aufträgen geführt hat. Riegelein war einer der ersten Produzenten, der auf Fairtrade-Kakao umgestiegen ist.
Peter Riegeleins persönliche Leidenschaft gilt der „Fortunato No 4“, einer Schokolade, die aus der Kakaobohne des „Urkakaos“ hergestellt wird. Der ursprüngliche Pure Nacional Cacao stammt aus dem Marañón-Tal in Peru. Diese Kakaosorte, die einst in Ecuador angebaut wurde und wegen ihrer fruchtigen, blumigen Aromen beliebt war, schien seit Anfang des 20. Jahrhunderts verloren. Im Marañón-Tal wurde jedoch nicht nur die edelste aller Kakaosorten wiedergefunden, sondern auch eine bisher nicht gekannte Ausprägung der Pure Nacional mit weißen Bohnen entdeckt. Der hohe Anteil der weißen Kakaobohnen verleiht der Kakaomasse durch das Fehlen von Bitterstoffen einen einzigartigen, zarten Geschmack.
Gubor: Eine weitere Marke mit bewegter Geschichte
Ein weiteres Beispiel für die bewegte Geschichte der Schokoladenindustrie ist die Marke Gubor. Hermann Gottfried Uebersax aus Oberönz in der Schweiz gründete 1939 die Schokoladen-Manufaktur Gubor. Ab 1953 begann das Unternehmen, den deutschen Markt zu erobern, und gründete eine Niederlassung in Untermünstertal im Breisgau.
In den folgenden Jahrzehnten erlebte Gubor mehrere Übernahmen und Veränderungen:
- 1968: Übernahme der Gubor Schokoladenfabrik im Schwarzwald durch Bahlsen.
- 1971: Kauf des Schweizer Standorts in Langenthal durch Lindt & Sprüngli.
- 1991: Übernahme der Firma durch den US-Schokoladenriesen Hershey’s.
- 1997: Verkauf an die finnische Leaf Group.
- 2005: Übernahme der Marken- und Vertriebsrechte durch Genuport Trade.
- 2007: Einstellung der Herstellung von Gubor-Produkten.
- 2013: Rückkehr von Gubor mit einem Werksverkauf nach Müllheim, wobei die Produktion in Dettingen/Teck erfolgte.
Nach dem Ostergeschäft 2016 zog Rübezahl die Marke Gubor endgültig aus dem klassischen Lebensmittel-Einzelhandel zurück. Im Jahr 2023 wurde bekannt, dass die 2014 von Riegelein übernommene Online-Confiserie Chocri zum 30. April 2023 geschlossen wird.
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