Funktionsweise von Refraktometern zur Bestimmung von Zucker- und Alkoholgehalt

Refraktometer haben sich in der modernen Weinherstellung als unverzichtbar erwiesen. Sie messen den Brechungsindex des Mosts, was für Winzerinnen und Winzer entscheidende Daten zum Zuckergehalt liefert. Bei einem Refraktometer handelt es sich um ein Messinstrument, mit dem der Brechungsindex von transparenten Flüssigkeiten oder Feststoffen bestimmt werden kann. Genutzt wird dabei das Verhalten des Lichts beim Übergang zwischen einem Prisma mit bekannten Eigenschaften und dem zu prüfenden Stoff.

Physikalische Grundlagen: Brechungsindex, Totalreflexion und kritischer Winkel

Der Brechungsindex nD ist als Verhältnis zwischen der Geschwindigkeit von Licht im Vakuum und einem Medium definiert. Je höher die optische Dichte ist, desto größer ist auch der Brechungsindex. Trifft Licht auf die Grenzfläche von zwei Medien mit unterschiedlichen Brechungsindices, so führt dies in der Regel zu Brechung und Reflexion des Lichts. Überschreitet der Einfallswinkel einen gewissen materialabhängigen Schwellenwert, wird das Licht nicht mehr gebrochen, sondern ausschließlich reflektiert. In diesem Fall spricht man von Totalreflexion.

Maßgeblich für die Messung ist der kritische Winkel der Totalreflexion. Über ihn wird der Brechungsindex einer Probe bestimmt. Das Messprisma wird nur von Strahlen durchdrungen, die in einem kleineren Winkel als der kritische Winkel der Totalreflexion einstrahlen. Hierdurch wird auf einem Schirm ein Hell‑Dunkel‑Bereich abgebildet. Dann kann der Brechungsindex auf einer eingestellten Skala abgelesen werden.

Grafik: Licht trifft auf Grenzfläche - Brechung und Totalreflexion

Aufbau und Gerätetypen

Es gibt ein großes Spektrum verschiedener Geräte: Handrefraktometer sind eine kostengünstige Möglichkeit zur Probencharakterisierung und oft erhältlich für spezielle Anwendungen. Analoge Handrefraktometer und Abbe-Refraktometer beruhen auf einer Durchlichtmessung. Als Lichtquelle dient hier häufig das Sonnenlicht oder eine simple Glühlampe. Ein Lichtstrahl durchläuft zwei rechtwinklige Prismen, ein Beleuchtungsprisma und ein Messprisma, die beide aus Glas mit demselben Brechungsindex bestehen.

Im Unterschied dazu besitzen digitale Refraktometer eine interne Lichtquelle und erfassen die Messung über einen CCD‑Sensor. Heutige Geräte, wie Refraktometer, nutzen eine LED‑Lichtquelle und einen CCD‑Sensor, um schnelle und genaue Ergebnisse zu liefern. Digitale Gerätetypen arbeiten mit Reflexionslicht, das bedeutet: Das Licht muss die Probe nicht durchqueren. Während der Messung entsteht auf dem Fotodetektor ein beleuchteter und ein unbeleuchteter Bereich. Der Winkel, ab dem Totalreflexion entsteht, trennt die zwei Bereiche erkennbar ab (siehe CCD‑Zeile).

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Differentielle Refraktometer gleichen den Brechungsindex einer Referenzprobe mit der zu testenden Probe ab, indem die Proben‑Grenzfläche selbst ein Prisma bildet. Nahezu jedes differenzielle Refraktometer verwendet zwei einfache Detektoren, um die Ablenkung des Lichtes zu messen.

Foto: Handrefraktometer und digitales Tischrefraktometer

Skalen und Umrechnung: Brix, °P, Öchsle und potenzieller Alkohol

Zur Messung der relativen Dichte von Saccharose/Wasser‑Lösungen im Bereich der Wein‑ und Saftherstellung ist diese zum Beispiel Grad Brix (°Bx), wobei ein °Bx einem Gramm Saccharose auf 99 Gramm Wasser entspricht. Die Praxis zeigt, dass Brix‑ oder Plato‑Skalen weit verbreitet sind, um den Zuckerwert zu messen. Brixwerte und der Öchsle‑Grad messen den Zuckergehalt in Trauben. Viele Refraktometer zeigen diese Skalen direkt an. Dadurch können Winzer den Reifegrad und die Qualität ihrer Trauben optimal bewerten.

Mit einem Refraktometer lässt sich der Alkoholgehalt berechnen und der optimale Erntezeitpunkt bestimmen. Refraktometer - ein praktisches Gerät zur Messung des Zuckergehalts in Most oder Bierwürze in Grad Brix (% Brix) sowie zur Bestimmung des potenziellen Alkoholgehalts in Wein oder Bier (%). Die Messwerte des Geräts beruhen auf der Bestimmung des Brechungsindexes des Lichts (vereinfacht gesagt: auf der Änderung des Lichtbrechungswinkels, wenn die Probe auf das Prisma des Refraktometers aufgetragen wird).

Vom Messwert zum Alkohol: Korrekturen während und nach der Gärung

Das während der Gärung gebildete Ethanol verfälscht nicht nur die Extraktmessung mit der Bierspindel, sondern beeinflusst auch den Brechungsindex. Es besteht daher die Notwendigkeit, einen Refraktometer‑Messwert für die Berechnung des Alkoholgehalts in eine andere Messgröße zu transformieren. Die Umrechnung erfolgt durch eine Korrelationsfunktion. Zur Berechnung der entsprechenden Korrellationsfunktionen ist eine Probe der Anstellwürze vor der Gärung (Ri) und eine während oder nach der Gärung entnommene Probe (Rf) mit einem Refraktometer zu messen.

Mit Hilfe des Scheinbaren Restextrakts (SRE) und des Total Rest Extract (TRE) lassen sich noch zwei weitere wichtige Kenngrößen berechnen: der scheinbare und der tatsächliche Endvergärungsgrad (EVG). Sie sind ein Maß dafür, welcher Anteil des Zuckers während der Gärung von der Hefe in Kohlendioxid umgewandelt wird. Um die Stammwürze in °P zu ermitteln, ist der Messwert des Refraktometers der Stammwürze (Ri) durch den Wort Correction Factor (WCF) zu dividieren. Der WCF ist stark von der Würzezusammensetzung und zum Teil auch vom eingesetzten Messgerät abhängig und sollte deshalb pro unterschiedlicher Schüttung mithilfe einer Extraktmessung durch ein anderes Messgerät bestimmt werden. Der etablierte Durchschnittswert für den WCF entspricht 1,04.

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Temperatur: Einfluss, Kompensation und Kalibrierung

Refraktion ist temperaturabhängig. Messungen sind daher je nach Anwendungsgebiet bei einer festgelegten Temperatur durchzuführen. Das ist im Normalfall 20 °C. Die Temperaturkompensation (ATC) ist entscheidend, um Temperaturschwankungen zu kompensieren. Selbst kostengünstige Handrefraktometer besitzen deshalb einen Kompensationsmechanismus (Automatic Temperature Compensation, ATC) in Form eines Bimetallstreifens. Viele digitale Modelle verfügen über eine automatische Temperaturkompensation (ATC) für die Brix‑Skala. Bei der Messung mit automatischer Temperaturkompensation (ATC) von zuckerhaltigen Getränken, Süßwaren, Marmeladen oder Honig kann auf eine Temperierung der Probe verzichtet werden.

Schon eine Temperaturänderung von 1 °C beeinflusst den Brechungsindex messbar in der vierten Nachkommastelle. Deshalb ist es wichtig, dass das eingesetzte Refraktometer auf Raumtemperatur erwärmt ist und dass vor jeder Messserie eine Einpunkt‑Kalibrierung bei Raumtemperatur mit destilliertem Wasser durchgeführt wird. Zur Kalibrierung ist eine Messung mit destilliertem Wasser als Probe durchzuführen. Der abgelesene Messwert muss 0 °Bx betragen. Wird eine Abweichung festgestellt, kann ein Handrefraktometer durch Drehen an der Einstellschraube justiert werden.

Infografik: Temperaturkompensation (ATC) und Kalibrierung mit destilliertem Wasser

Probenahme, Vorbereitung und richtige Messpraxis

Vor einer Messung sollte der Probenaufnahmebereich eines Refraktometers und die zum Transfer der Probe eingesetzte Pipette mit destilliertem Wasser gereinigt werden, um eine Messwertverfälschung durch Rückstände vorheriger Proben zu verhindern. Proben bedürfen einer Aufbereitung. Darin enthaltene Schwebestoffe und Gase sind zu entfernen. Das heißt, dass während der Gärung entnommene Proben längere Zeit stehen gelassen werden müssen, bis ein Großteil der darin enthaltenen Hefe sedimentiert ist. Zur Entfernung von CO2 kann die Probe innerhalb eines Behälters mehrmals geschüttelt werden. Heiße Würze sollte nicht direkt auf ein Refraktometer aufgetragen werden, da es hierbei zu Verdampfungen kommt und somit zu einer Konzentrationsänderung.

Für die eigentliche Messung sind mittels Pipette einige Tropfen der Probe auf den Probenaufnahmebereich aufzutragen. Beim Handrefraktometer ist danach die Abdeckung zu schließen und dann das Messgerät zum Ablesen des Messwerts gegen eine Lichtquelle zu richten. Der Betrag des gemessenen Werts wird durch die Trennlinie zwischen farbigem und farblosem Bereich signalisiert. Beim digitalen Refraktometer wird die Messung durch Drücken der Taste „Read“ ausgelöst und der Messwert auf dem Display angezeigt.

Reinigung, Wartung und Kalibrierintervalle

Regelmäßige Reinigung und vorsichtiges Trocknen erhöhen die Haltbarkeit jedes Instruments. Die Messprismen sollten sofort nach jeder Messung gereinigt werden, damit Proben nicht antrocknen. Ein weiches, fusselfreies Zellstofftuch genügt, um die Probe aufzunehmen und das Messprisma mit einem angefeuchteten Tuch nachzuwischen. Wasser eignet sich meist als Lösemittel, für ölige Proben empfiehlt sich Ethanol; acetonhaltige Reinigung ist je nach Geräteverträglichkeit auch möglich. Das Messprisma ist nicht alkalibeständig, daher müssen alkalische oder aggressive Proben besonders zügig entfernt werden.

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Die Data deuten darauf hin, dass eine Kalibrierung in regelmäßigen Abständen empfohlen wird. Zur Sicherstellung, dass ein Messgerät dauerhaft genaue Messergebnisse liefert, ist in regelmäßigen Abständen eine Kalibrierung durchzuführen. Eine Kalibrierung ist je nach Anzahl der gemessenen Referenzen eine Einpunkt-, Zweipunkt- oder Mehrpunkt‑Kalibrierung. Vor jeder Messserie empfiehlt sich die Durchführung einer Einpunkt‑Kalibrierung bei Raumtemperatur mit destilliertem Wasser.

Genauigkeit, Auflösung und Auswahl des geeigneten Geräts

Die Genauigkeit von Messungen hängt maßgeblich von der korrekten Brechung des Lichts ab. Jede Wellenlänge modifiziert den Refraktionsindex, was die Notwendigkeit präziser Justierungen unterstreicht. Die Präzision von Messungen basiert auf Daten. Moderne Refraktometer ermöglichen es, den Brechungsindex von Flüssigkeiten präzise zu messen. Ein digitales KALSTEIN Refraktometer erreicht eine Genauigkeit von bis zu vier Dezimalstellen. Ein solches Refraktometer erreicht eine Präzision von ±0,001, was Atago und Misco mit ±0,002 nicht erreichen.

Handgeräte sind leicht zu transportieren und benötigen nur wenige Milliliter Probe. Digitale Modelle hingegen sind in Laboren ideal, wo hohe Präzision gefordert ist. Handrefraktometer arbeiten optisch und erfordern eine manuelle Ablesung über ein Prisma. Im Gegensatz dazu liefert ein digitales Refraktometer automatisch Messergebnisse auf einem Display. Bei der Wahl eines robusten Geräts ist es wichtig, Qualität, Pflege und mögliche Erweiterungen zu berücksichtigen.

Gerätetyp Vorteile Einsatzbereich
Handrefraktometer kompakt, günstig, mobil, wenige Tropfen Probe Feldmessungen, Heimbrauen, schnelle Kontrollen
Digitales Refraktometer hohe Präzision, Display, ATC, einfache Datenverarbeitung Labor, Qualitätskontrolle, Forschung
Differentielles Refraktometer höchste Empfindlichkeit, geeignet für Chromatographie Forschung, SEC‑MALS‑Kopplung, Biopharma

Anwendungsbeispiele: Weinbau, Brauerei, Lebensmittel und Forschung

Winzer nutzen diese Daten, um die Qualität und den Gärverlauf zu kontrollieren. Ein Refraktometer ermöglicht es, den Zuckergehalt in einer Probe optisch zu bestimmen. Nur wenige Tropfen sind erforderlich, die schnell gemessen werden können. Mit einem Refraktometer lässt sich der Alkoholgehalt berechnen und der optimale Erntezeitpunkt bestimmen.

In Heimbrauer‑Kreisen werden Refraktometer eingesetzt, um den Alkoholgehalt eines selbst gebrauten Bieres abzuschätzen oder den Gärverlauf zu beobachten. Die Refraktometrie ist kein Neuling im Bereich der Bieranalyse. Versuche, auf Basis dieses Messprinzips den Alkoholgehalt zu bestimmen, reichen weit zurück. Refraktometer sind unverzichtbar bei der Herstellung von Hauswein und -bier.

In der Industrie und Forschung dienen differentielle Refraktometer in Kombination mit Lichtstreudetektoren zur Bestimmung des absoluten Molekulargewichts von Makromolekülen und zur Analyse komplexer Proben. So kann in der Chromatographie ein winziger Peak im Nanogramm‑Bereich quantifiziert werden, der von einem Peak im Milligramm‑Bereich überlagert wird.

Video: Anwendung eines digitalen Refraktometers im Labor

Praktische Tipps für Anwender

  • Reinigen Sie das Prisma unmittelbar nach jeder Messung.
  • Führen Sie vor jeder Messserie eine Einpunkt‑Kalibrierung mit destilliertem Wasser durch.
  • Vermeiden Sie heiße Proben und entgasen Sie während der Gärung entnommene Proben.
  • Nutzen Sie ATC‑Funktionen, aber prüfen Sie die Gültigkeit der ATC für den Probentyp.
  • Verwenden Sie für Umrechnungen in °P bzw. potenziellen Alkohol die passenden Korrekturfaktoren (z. B. WCF ≈ 1,04) und etablierte Korrelationsmodelle.
  • Führen Sie detaillierte Notizen über Messbedingungen, Kalibrierungen und Geräte, um Messreihen vergleichbar zu machen.

Für individuelle Beratung empfiehlt es sich, Experten zu konsultieren. Wenn Sie mehr über differentielle Refraktometer und ihren Einsatz in Wissenschaft und Forschung erfahren wollen, wenden Sie sich jederzeit an spezialisierte Anbieter oder das jeweilige Support‑Team.

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