Premium Trüffel bei Aldi und Co.: Ein kritischer Blick auf die Luxusangebote der Discounter
Pünktlich zu Weihnachten und Ostern verwandeln sich Aldi, Lidl und Co. in wahre Schatzkammern für Feinschmecker. Rinderfilet von Lidl, Champagner von Aldi, Gourmet-Ente von Penny: Die Discounter entdecken ihr Herz für edle Produkte. Doch was steckt wirklich hinter den verlockenden Angeboten? Sind die Premium-Produkte der Discounter wirklich ein Fest für den Gaumen oder nur clevere Marketingstrategien?
Der Trend zum "kleinen Luxus"
Der Trend zu Luxusangeboten vor den Festtagen ist bei den Discountern ungebrochen. Für die Discounter ist das Geschäft mit dem "kleinen Luxus" vor den Festtagen lukrativ. Denn die Kunden greifen zu und kaufen mehr ein als sonst. Zwar hätten die Discounter inzwischen einige Premium-Produkte das ganze Jahr im Angebot. Doch zu und zu Ostern werde das Sortiment mehr als verdoppelt.
Die Luxus-Angebote sind auch Teil der Bemühungen, hier gegenzuhalten. Doch auch im Rest des Jahres sind die Billiganbieter immer öfter bemüht, den Kunden "etwas mehr" zu bieten: Produkte aus der Region, Angebote mit dem Bio-Label oder Fairtrade-Produkte. Lidl wirbt mit Feinkost-Produkten der Eigenmarken "Sansibar" und "Deluxe".
Imagepflege durch Feinkost
Doch geht es nicht nur um die Umsätze. Das ist für die Aldi und Co. auch eine gute Gelegenheit, ihr Image nachzuschärfen, indem sie ihre Lebensmittelkompetenz beweisen. Tatsächlich stehen die Discounter zur Zeit unter einigem Druck. Ihr Erfolgsrezept "gut und billig", das ihnen jahrzehntelang in Deutschland ein stürmisches Wachstum bescherte, scheint an Grenzen zu stoßen. Der Grund: Die "klassischen" Supermärkte haben in den vergangenen Jahren viel in Laden-Design und Service investiert und damit offenbar den Geschmack vieler Kunden getroffen. Das hat die erfolgsverwöhnten Billiganbieter in die Defensive gebracht. Dennoch wäre ein Abgesang auf die Billiganbieter verfrüht. Denn längst sind Aldi, Lidl und Co. dabei, sich im Kampf um die immer anspruchsvoller werdenden Kunden neu zu erfinden.
Discount-Marken im Feinkost-Look
Bei den angeblichen Feinkost-Angeboten handelt es sich um Discount-Marken wie "Gourmet" von Aldi, "Deluxe" oder "Sansibar" von Lidl, "Feine Kost" von Penny oder "K-Favourites" von Kaufland. Die Liste geht weiter: Macarons, Pastrami, Käsespezialitäten und Wildfond - alles zu erschwinglichen Preisen, anders als beim Feinkosthändler. Wie ist das möglich?
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Die Strategie der Discounter: Marge verbessern
Die Strategie geht für die Discounter schon seit Jahren auf. Für die Discounter besteht bei den Angeboten allerdings die Chance, die Erträge ordentlich aufzubessern. Die Eigenmarken lassen sich unter dem Level Premium teurer verkaufen - vor allem kurz vor Weihnachten. Natürlich geht es bei dieser ganzen Sache auch um die Marge, sagt Marken-Soziologe Arnd Zschiesche gegenüber dem SWR. Die Märkte würden sich immer breiter aufstellen, "von der Billig-Ecke bis zur Premium-Ecke". Am Ende gehe es darum, eine "günstigere Alternative im Premium-Bereich zu sein", was die Strategie der Discounter in allen Bereichen ist.
Verbrauchertäuschung durch Premium-Verpackung?
Autor Kurt Meier erklärt, warum viele Menschen überhaupt auf die Marketing-Strategie hereinfallen würden: "Der Verbraucher möchte sich was Gutes gönnen. Vielleicht kommen die Eltern oder Schwiegereltern und denen will man was Besonderes hinstellen. Dass es in Wirklichkeit die normalen Produkte sind, nur anders eingepackt, das weiß der Verbraucher nicht."
Kurt Meier und Uwe Glinka, Ratgeber für Verbraucher:innen, warnen schon lange vor den Markentricks. Für "Focus" testeten sie bereits im Jahr 2015 Gourmet-Produkte von Lidl und stellten fest: Der Unterschied zwischen den angeblichen Delikatessen und den Standard-Produkten ist so gut wie nicht vorhanden."Wir können weder von der Optik her noch von der Konsistenz oder vom Geschmack merkliche Unterschiede feststellen", sagte Meier. "Hier wird allein aufgrund der Verpackung und Bezeichnung schön kräftig aufgeschlagen."
Dass es sich bei den Premium-Angeboten um keine wahren Delikatessen handelt, ergibt durchaus Sinn: Die Produkte werden in so großen Mengen in den Supermärkten vertrieben, dass niemand auf Top-Qualität wie im echten Feinkostgeschäft hoffen sollte.
Der Blick auf die Zutatenliste
Der Koch Bernhard Moser gibt gegenüber dem SWR noch einen Tipp an alle Kund:innen. Es sei wichtig, sich die Zutatenliste genauer anzuschauen und "nicht zu leichtgläubig" ans Regal zu treten.
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"Edel", "Gourmet" und "Delikatesse" - nicht geschützte Begriffe
Dazu kommt, dass Begriffe wie "Edel", "Gourmet" und "Delikatesse" nicht geschützt sind. "In Deutschland darf man Trüffel drauf schreiben, sobald nur ein paar Trüffelspäne drin sind", sagt Trüffelexperte Ralf Bos - anders als in Frankreich, wo es genaue Vorschriften gibt, ob es Sommer- oder Wintertrüffel sein müssen und wie viel Trüffelanteil ein Produkt haben muss, damit der Aufdruck "Trüffel" lauten darf.
Die Moser Roth Schokolade von Aldi: Ein Geheimtipp?
Die Geschichte der Marke „Moser Roth“ geht zurück auf die Mitte des 19. Jahrhunderts: Gründung der Stuttgarter Konditorei Roth, die Ende des Jahrhunderts mit dem Unternehmen des Konditormeisters Eduard Moser fusionierte. Moser-Roth wurde zur lokal wichtigsten Schokoladenfabrik. Moser Roth genießt auch als Aldi-Marke unter vielen Schokoladenfreunden inzwischen Geheimtipp-Status. Unsere Experten finden: nicht ganz zu Unrecht. Natürlich können von so billigen Schokoladen keine Geschmackswunder erwartet werden. Aber dieser Sachverhalt betrifft nicht nur Moser Roth, sondern erfahrungsgemäß jegliche Schokolade unter ca. 5€ je 100g Produkt, und umso mehr, wenn der Verkaufspreis auch noch Marketingkosten abdecken soll. Für jeden Geldbeutel, von „klein“ bis „sparsam“ hat der Lebensmitteldiscounter ALDI auch eine passende Schokolade im Sortiment. Die ALDI-Marke „Moser Roth“ markiert dabei bereits das obere Ende der Fahnenstange … also „sparsam“, aber nicht extrem billig.
Der deutsche Lebensmitteldiscounter Aldi bietet bekanntlich so gut wie keine echten Markenprodukte an, differenziert sein Sortiment aber vor allem bei Genussmitteln preislich aus: Maurinus als Billigmarke, Château in der Mitte und eben Moser Roth als vergleichsweise hochpreisige Handelsmarke.
Die vom deutschen Discounter Aldi vertriebene Moser Roth Edel-Vollmilch-Schokolade erfuhr durch ihr gutes Abschneiden in einem Schokoladen-Test der Stiftung Warentest aus dem Jahre 2007 einige Aufmerksamkeit. Aber wie zuverlässig ist die Stiftung Warentest im Beurteilen von Geschmack?
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