Dubai-Schokolade Hype: Hintergründe und Ursachen

Stundenlanges Anstehen für 150 Gramm Schokolade - so geschehen in Düsseldorf, Berlin, Frankfurt und zuletzt Hamburg. Dabei geht es nicht um irgendeine Schokolade, es geht um die sogenannte Dubai-Schokolade. Über Social Media hat sich die Schokolade - gefüllt mit Pistaziencreme und Kadayif (Teigfäden, die man vom türkischen Gebäck Baklava kennt) - wie ein Lauffeuer verbreitet.

Was ist Dubai-Schokolade?

Dubai-Schokolade ist Schokolade, die mit Pistaziencreme und Kadaifi gefüllt ist. Die Schokolade selbst, wie der Name bereits verrät, kommt aus Dubai. Hier vertreibt die Manufaktur namens "Fix Dessert Chocolatier" die Tafeln. Unternehmensgründerin Sarah Hamouda gilt als Erfinderin der Pistazien-Kreation. „Can’t Get Knafeh of It“ wurde 2021 von Sarah Hamouda, der Gründerin von Fix Dessert Chocolatier, in Dubai entwickelt. Die Füllung besteht aus geröstetem und gehacktem Kadaifi („Engelshaar“), gehackten Pistazien bzw. Die Zutatenliste ist also relativ überschaubar. Neben der Pistaziencreme und den dünnen Teigfäden ist häufig noch Sesam-Mus (Tahini) sowie Vollmilchschokolade enthalten.

Dubai-Schokolade mit Pistazien-Kadayif-Füllung

Wie entstand der Hype?

Weltweit bekannt wurde die Schokolade durch mehrere virale Videos auf den Sozialen Medien. Auf dem deutschen Markt machte aber nicht Maria Vehera die Dubai Schokolade bekannt, sondern die Food-Influencerin Kiki Aweimer. Sie brachte die Dubai-Schokolade im April 2024 nach Deutschland. Kiki Aweimer, besser bekannt unter ihrem Account-Namen „Kiki’s Kitchen“ ist mittlerweile zu so etwas wie der Botschafterin der Dubai-Schokolade hierzulande geworden. Die Schokolade war so beliebt, dass sie kurzerhand einen Online-Shop zum Vertrieb der Süßigkeiten eröffnete. Die erste Lieferung war in kürzester Zeit ausverkauft - teilweise innerhalb weniger Minuten nach dem Verkaufsstart.

Die Plattform machte die Schokolade berühmt. Die Food- und ASMR-Influencerin Maria Vehera entdeckte die Dubai-Schokolade für sich, aß sie in einem Video und trat damit einen riesigen Hype los. Die Art und Weise, wie die dicke Milchschokoladenschicht unter meinen Zähnen nachgab, die Süße der cremigen Pistazienpaste, das überraschende Knacken des irgendwie immer noch knusprigen Knafehs führten zu meiner Einsicht, dass die Influencer:innen vielleicht doch ein wenig Recht hatten. Wenn die dann noch ordentlich knackt und cruncht, kann man sich vieler Likes sicher sein.

Psychologie und Marketing eines Trends

Der Hype um das Produkt sei "angetrieben durch den starken Einfluss der sozialen Medien und die wachsende Sehnsucht bestimmter Konsumentengruppen nach exklusiven Genussmomenten und ihrer starken Trend-Orientierung", erklärt Tim Gensheimer, Markt- und Sozialforscher am SINUS-Institut. Für diese Zielgruppen - oft Konsumpioniere - spielt der Preis eine untergeordnete Rolle. Im Gegenteil: Ein hoher Preis steigert sogar das exklusive Erlebnis und verleiht dem Produkt zusätzlichen Status. Soziale Medien wirken laut Gensheimer dabei als Katalysator. Innerhalb weniger Tage erreiche ein Trend weltweit Konsumenten, "die immer auf der Suche nach dem nächsten großen Genusserlebnis sind". "Ohne Social Media wäre dieser rasante Erfolg undenkbar", so Gensheimer.

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Was machte diese Schokoladensorte auf einmal so unwiderstehlich? Der Hype um die Dubai-Schokolade bedient sich einem einfachen Marketing-Prinzip: FOMO - Fear of Missing Out (dt. die Angst, etwas zu verpassen). Das FOMO-Prinzip ist - wie du Dubai-Schokolade - eigentlich nichts Neues, wurde aber durch Social Media in der vergangenen Zeit immer präsenter. Wenn ein Produkt schwer zu bekommen ist, wollen es plötzlich alle haben. Der limitierte Zugang erzeugt Begehrlichkeit und Dringlichkeit. Gerade Influencer*innen mit Fokus auf Food, Lifestyle und Beauty inszenieren die Schokolade wie ein edles Accessoire. Hinzu kommt der kulturelle Appeal: Für viele Menschen steht Dubai für Luxus, Glanz und Social Status. Diese Schokolade bringt all das in handlichem Snackformat auf den Tisch.

Verbreitung, Nachahmer und rechtliche Fragen

Der Markt wurde binnen kürzester Zeit mit Produkten geflutet, die anfangs den Namen Dubai-Schokolade trugen. Laut dem Deutschen Patent- und Markenamt gab es in Deutschland zum Stand 4. Dezember 2024 insgesamt 19 aktive Markenanmeldungen, die den Begriff „Dubai“ im Zusammenhang mit Süßwaren umfassen. In Europa wurden mehr als 30 ähnliche Markenanmeldungen für Schokolade registriert. Im Dezember 2024 mahnte ein Importeur andere Hersteller ab, da deren Dubai-Schokolade nicht in Dubai produziert wird. Trotz der Abmahnungen vertreiben zahlreiche Hersteller weiter unter der Bezeichnung Dubai-Schokolade. Der Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie ist der Meinung, dass als „Dubai-Schokolade“ bezeichnete Schokoladenerzeugnisse auf der ganzen Welt hergestellt werden dürfen.

Bis dann im Januar 2025 ein Gericht in Köln entschied, dass sich nur im Emirat hergestellte Produkte Dubai Chocolate oder Dubai-Schokolade nennen dürfen. Nun findet man in europäischen Supermärkten fast nur noch Süßigkeiten mit der Bezeichnung Dubai “Style” Schokolade - Betonung auf Style! Mit dem Original haben die meisten Produkte nicht viel zu tun, günstig sind sie dennoch nicht. Die originale Dubai-Schokolade gibt es nur in Dubai an wenigen Orten zu kaufen. Es gibt keine autorisierten Vertriebshändler:innen oder Wiederverkaufende, keinen Laden und auch keine FIX-Franchises in einem anderen Land als Dubai. Die Marke postet regelmäßig Hinweise auf ihren sozialen Kanälen, in denen sie daran erinnert, dass die offiziellen Produkte nur über Deliveroo in Dubai und Abu Dhabi, am offiziellen FIX-Stand im Duty Free des Dubai International Airport Terminal 3, in den Minibars des Jumeirah Marsa Al Arab Resorts und immer dann, wenn besondere Veranstaltungen auf den offiziellen FIX-Kanälen angekündigt werden, erhältlich sind.

Qualität, Sicherheit und Verbraucherschutz

In Dezember 2024 führte die Lebensmittelüberwachung in Baden-Württemberg eine Untersuchung von acht Proben „Dubai-Schokolade“ durch: Fünf Proben waren unterschiedliche Chargen eines Herstellers aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), drei stammten von verschiedenen Produzenten aus der Türkei. Dabei wurde der Einsatz von Palmöl anstelle von Kakaobutter in den VAE-Proben beanstandet, was eine Verbrauchertäuschung darstellt, da das Produkt nicht den rechtlichen Anforderungen für Schokolade entspricht. Zudem enthielten die VAE-Proben herstellungsbedingte Verunreinigungen, was ihre Eignung für den menschlichen Verzehr in Frage stellt. In den Proben aus der Türkei wurde nicht deklarierter Sesam nachgewiesen, was für Personen mit Sesamallergie ein Gesundheitsrisiko darstellt. Fast alle untersuchten Proben enthielten zudem künstliche Farbstoffe, die einen höheren Anteil an hochwertigen Zutaten vortäuschten.

Ein weiterer Aufreger: Einige Hersteller haben die Zutaten auf den Packungen nicht vollumfänglich angegeben - schlecht für Allergiker - oder statt der deklarierten Kakaobutter Palmöl verwendet. In anderen Proben fanden Lebensmittelkontrolleure Verunreinigungen, zum Beispiel mit Farbstoffen. Nicht nur das Verbraucherschutzministerium in Baden-Württemberg warnt vor den Schokoladen. Auch in Sachsen sind Lebensmittelüberprüfungen geplant. Für Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg war ein Schimmelfund in den Pistazienprodukten keine Überraschung. "Das größte Problem in Bezug auf Gesundheit sind natürlich eine mögliche Belastung durch Salmonellen oder im Besonderen durch Mykotoxine, die von Schimmelpilzen produziert werden und die sehr gefährlich für Menschen sind."

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Preis, Verfügbarkeit und Kommerzialisierung

Die geschickt vermarktete Schokolade hat ihren Preis - um die 15 Euro kostet das begehrte Stück. Der Schokoladenhersteller Lindt ist auf den Food-Trend aufgesprungen und verkauft den Porsche unter den Schokoladen nun für stolze 14,99 Euro in wechselnden deutschen Großstädten. Im Herbst sind dann Supermärkte und Discounter auf den Trend aufgesprungen. Namhafte internationale Schokoladenmarken wie Lindt, Godiva und Galaxy sind ebenfalls mit von der Partie. Lindt bietet in der Schweiz Kurse zur Herstellung eigener Dubai-Schokoladentafeln an, die von Maître Chocolatiers geleitet werden. Nachdem der Hype seinen Höhepunkt erreicht hatte, hat der Hersteller Lindt den Preis mittlerweile um ein Drittel reduziert. Ein Beispiel sind zeitlich begrenzte Angebote, die Kund*innen dazu animieren, schnell zu handeln, um eine vermeintlich exklusive Gelegenheit nicht zu verpassen.

Nachhaltigkeit, Herkunft der Zutaten und gesundheitliche Aspekte

Bei den ganzen Trends stellt sich die Frage, was der steigende Pistazien-Konsum für die Umwelt bedeutet. Die Nachfrage weltweit ist groß und steigend. Dies wiederum verlangt nach mehr Anbauflächen. Pistazienbäume sind zwar anpassungsfähig und trockenresistent, allerdings benötigen die Plantagen viel Wasser. Die Bewässerungsmenge an den Anbauorten übertrifft sogar die der wasserintensiven Kulturen von Avocados und Mandeln. Im Iran wird hierfür auch das Grundwasser abgepumpt, was zu regelrechten Wasserkrisen führt. Hinzu kommt noch der Anbau als Monokulturen und der damit verbundene Einsatz von chemischen Düngemitteln und Pestiziden sowie die langen Transportwege des begehrten grünen Schatzes. Dadurch bekommt die leckere Pistaziencreme der überteuerten Dubai-Schokolade einen weiteren, wahrlich bitteren Beigeschmack.

Ist die Dubai-Variante gesünder als normale Schokolade? Das lässt pauschal nicht beantworten, es kommt auf das Rezept bzw. die Inhaltsstoffe an. Greift man z.B. zu einer Schokolade mit hohem Kakaoanteil, reduziert sich der Zuckergehalt entsprechend. Pistaziencreme kann generell gesunde Fette und Proteine enthalten, wobei die Dubai-Schokolade häufig nicht mehr als 10 Prozent davon enthält. Die in Fett gebratenen Teigfäden sind eher ungesund. Die Delikatesse mag schmecken, ist aber leider auch eine Kalorienbombe: der 200-Gramm-Riegel “Can't Get Knafeh Of It” von FIX kommt mit sage und schreibe 992 Kalorien und 60 Gramm Fett einher.

Do-it-yourself: Dubai-Schokolade selber machen

Genau das hat zu einem weiteren Trend geführt. Inzwischen kursieren unzählige Rezepte im Internet und Youtuber erklären Schritt für Schritt, wie man die Schokolade selbst kreiert. Für die Füllung benötigt man noch zerkleinertes Engelshaar (Kadayif-Fäden z.B. aus türkischen Lebensmittelläden) das mit Butter oder Öl in einer Pfanne geröstet wird. Hinzu kommen noch die typische Pistazien-Creme und Tahini. Um dem Original-Geschmack möglichst nahe zu kommen, empfiehlt sich Edelvollmischschokolade zu verwenden. Wer also nicht warten möchte und günstiger in den Genuss kommen möchte, findet hier passende Alternativen. Eine Anleitung finden Sie u.a. hier.

Anleitung: Dubai-Schokolade selber machen

Kulturelle Bedeutung und Ausblick

Der Google-Bericht “Year In Search” zeigte, dass “Dubai Chocolate Bar” im Jahr 2024 weltweit die fünfthäufigste Suche in der Kategorie der Rezepte, Lebensmittel und Getränke war. Ein Kuriosum, da dieser Begriff eigentlich nicht der offizielle Name des Produkts ist. „FIX wird im Internet als ‘Dubai Chocolate’ bezeichnet, aber wir selbst haben es nie so genannt“, sagt Hamouda. „Als die Leute anfingen, Videos im Internet zu sehen und feststellten, dass sie nur in Dubai erhältlich ist, blieb der Name scheinbar auf diese Art hängen. Es wurde zu einer Art Kult.“

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Die Beliebtheit des Produkts hat sogar Auswirkungen auf den Tourismus. Aida Mohammad Al Busaidy, Associate Vice President of Consumer Advocacy beim Dubai Department of Economy and Tourism (DET), sagt, es gäbe immer mehr Besuchende, die den Erwerb einer Dubai-Schokolade als wesentlichen Bestandteil und Grund für den Besuch des Emirates sehen. „Die Schokolade würde mittlerweile genauso zur modernen kulturellen Identität Dubais gehört wie traditionell Datteln und Gold.“

Ob sich der Hype auf Dauer halten kann, bleibt abzuwarten. Entscheidend für die Nachhaltigkeit des Trends werde sein, ob das Geschmackserlebnis die hohen Erwartungen erfüllt. Sein Fazit: "Solange der Reiz der Exklusivität und das Gefühl, Teil eines besonderen Trends zu sein, bestehen bleiben, dürfte die Nachfrage anhalten - auch wenn die Preise im Laufe der Zeit sinken könnten." Es gibt jedoch auch Anzeichen für Hype-Müdigkeit: Das Augsburger Institut für Generationenforschung ermittelte, dass 60 Prozent der Befragten nicht nochmal Dubai Schokolade kaufen wollen. Markensoziologe Oliver Errichiello erkennt es daran, "dass sozusagen jede Tankstelle inzwischen Dubai-Schokolade anbietet."

Kurze Einschätzung

  • Hype-Faktoren: Social Media, ASMR- und Unboxing-Videos, FOMO, Luxus-Image von Dubai.
  • Risiken: Verbrauchertäuschung (Palmöl statt Kakaobutter), Qualitätsmängel, Allergene, Schimmelrisiken in Rohstoffen.
  • Nachhaltigkeit: Erhöhter Pistazienverbrauch belastet Wasserressourcen und Ökosysteme.
  • Kommerzialisierung: Viele Nachahmerprodukte, rechtliche Streitigkeiten um den Begriff „Dubai-Schokolade“.
Aspekt Fakten
Ursprung Fix Dessert Chocolatier, Dubai; Erfinderin: Sarah Hamouda
Hauptzutaten Milchschokolade, Pistaziencreme, Kadayif/Engelshaar, Tahini
Problematische Funde Palmöl statt Kakaobutter, Farbstoffe, nicht deklarierter Sesam, Verunreinigungen
Preis ca. 15 Euro pro Tafel (variierend); Rabatte/Preissenkungen möglich
Kalorien Beispiel: 200 g Riegel ≈ 992 kcal

Die Dubai-Schokolade ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein handwerkliches Produkt durch Social Media, gezieltes Influencer-Marketing und den Wunsch nach exklusiven Erlebnissen zum globalen Hype werden kann - und wie schnell gleichzeitig Fragen zu Qualität, Herkunft, Nachhaltigkeit und Verbraucherschutz aufgeworfen werden.

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