Wie Mücken die Kakaobäume bestäuben: Unsichtbare Helden der Schokoladenproduktion

Schokolade, eines der beliebtesten Genussmittel der Welt, wäre ohne die faszinierende Kooperation verschiedenster Lebewesen kaum vorstellbar. Kaum jemand weiß, dass ausgerechnet winzig kleine Mücken, sogenannte Gnitzen, die Hauptverantwortung für die Bestäubung der Kakaoblüten tragen. Doch wie genau funktioniert dieser erstaunliche Prozess?

Blühende Kakaobäume und Mücken im tropischen Regenwald

Die Hauptbestäuber des Kakaos: Mücken, nicht Bienen!

Kakaobäume werden nicht von Bienen, Schmetterlingen oder etwa von Fledermäusen bestäubt - sondern ausschließlich von kleinen Mücken. Es handelt sich um Bartmücken, von denen die meisten Arten kleine Blutsauger sind.

Für die Bestäubung der Kakaoblüten - und das wird einige bestimmt verblüffen - zeichnen sich tatsächlich nicht Bienen, sondern winzige Mücken verantwortlich. Genauer gesagt Gnitzen der Gattungen Forcipomyia und Euprojoannisia, die im feuchten, fauligen Unterholz im Schatten der Kakaobäume leben.

Sie sind nur 1-3 Millimeter groß und passen in die schmalen Blütenköpfe des Kakaobaums, in welche eine Biene gar nicht eindringen könnte.

Die beiden wichtigsten Bestäuberarten sind zwei Mückenarten: Gnitzen und Gallmücken. Gerade einmal 10-20% der Blüten erhalten genügend Pollen um Schoten zu bilden.

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Diagramm des Bestäubungsprozesses an einer Kakaoblüte durch Mücken

Warum können nur Mücken den Kakao bestäuben?

Die Blüten der Kakaobäume sind so klein, dass sie nur von wenigen Insekten bestäubt werden können. Nur winzig kleine Insekten können die Blüten von Kakaobäumen bestäuben. Kakaoblüten sind meist nur 1-2 Tage für Pollen empfänglich.

Dazu stehen sie auch noch unter Zeitdruck, denn Kakaoblüten sind meist nur 1-2 Tage für Pollen empfänglich. Ansonsten sterben die Blüten ab, ohne eine Kakaoschote zu produzieren.

So soll die Intensität der Bestäubung - laut einer Studie von Wissenschaftlern der Universität Göttingen - sogar eine wichtigere Rolle für den Ernteertrag einnehmen, als eine optimale Versorgung des Kakaobaums mit Wasser, Licht und Stickstoff.

Ameisen und ihre mögliche Rolle bei der Bestäubung

Die Mücken scheinen jedoch nicht die einzigen Bestäuber zu sein. Forscher untersuchten acht Monate lang 11.000 Blüten an 500 Bäumen. Das Ergebnis: Ameisen besuchten die Kakao-Pflanzen am häufigsten.

Es ist noch nicht erforscht, ob sie selbst Pollen transportieren, oder ob sie die Mücken dazu bringen, schneller von einer Blüte zur nächsten Blüte zu wechseln. Die Ameisen seien in jedem Fall sehr viel wichtiger für die Bestäubung von Kakaoblüten als bisher angenommen.

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Karte der natürlichen Kakaoanbaugebiete mit Darstellung der Bestäuberarten

Schwierigkeiten bei der Bestäubung - und die Bedeutung der Mücken

Ein Kakaobaum trägt pro Jahr Tausende von Blüten. Das klingt nach einer Menge Kakaoschoten, doch der Eindruck trübt. Denn: Kakaobäume können sich nicht selbst bestäuben. Das heisst, dass Pollen eines anderen Kakaobaums von einem Insekt übertragen oder die Bäume in mühseliger Handarbeit bestäubt werden müssen.

Ohne die Bestäubung der Mücken würden noch viel weniger der Blüten bestäubt werden und die globale Schokoladenproduktion stünde wohl vor einer ernsthaften Krise.

Warum dürfen beim Kakaoanbau keine Insektizide eingesetzt werden?

Daher ist es extrem wichtig - und hier punktet abermals der Anbau nach biologischen Maßstäben - dass die Kakaobauern auf jedwede Art von Mückenschutzmitteln verzichten.

Bestäubung der Kakaoblüte im Zeitraffer

Welchen Beitrag leisten Bienen im Kakao-Ökosystem?

Also hat die Biene für den Erhalt der Kakaopflanze keinerlei Bedeutung? Vielleicht nicht direkt. Trotzdem ist sie - zumindest für den Bio-Kakaoanbau - auf anderer Ebene von großer Wichtigkeit.

Da Bio-Kakao grundsätzlich in Mischkulturen kultiviert wird, um die Biodiversität der Tier- und Pflanzenwelt zu sichern, leistet die Biene ihren Beitrag, indem sie alles, was so um den Kakaobaum herum gedeiht, bestäubt und ihm dadurch perfekte Rahmenbedingungen schafft: Schattenspender, nährstoffreiche Böden, Pflanzen (wie Bananenstauden oder Papayabäume), die Einfluss auf das Geschmacksprofil des Kakaos nehmen können.

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Um sich diesen Nutzen zu eigen zu machen, siedeln viele Kakaobauern Bienen in ihrem Kakaowald an und haben durch die Imkerei sogar noch einen weiteren Nebenerwerb. Und ganz ehrlich: Der Regenwald-Honig schmeckt einfach fantastisch anders.

Wie hängen Biodiversität und Wirtschaft zusammen?

Die Wirtschaft sei auf die Leistungen der Natur angewiesen. Tatsächlich wird rund die Hälfte des globalen Bruttoinlandsprodukts - im Jahr 2021 waren das etwa 90 Billionen Euro - durch natürliche Ökosystemleistungen erbracht. Die Produktion von Kakao etwa hängt von der Bestäubung durch eine bestimmte Mücke ab. Ohne Mücken gibt es keine Schokolade.

Bestäuber Beteiligung an Kakaoblüten-Bestäubung Bedeutung
Mücken (Gnitzen) Hauptverantwortlich (ca. 80%) Bestäuben die meisten Blüten; sichern Ernteertrag
Ameisen Regelmäßige Besucher Unterstützende, teils ungeklärte Rolle
Bienen Indirekt, durch Bestäubung anderer Pflanzen Fördern Biodiversität im Kakaowäldchen
Infografik: Bedeutung und Zusammenspiel von Bestäubern im Kakao-Ökosystem

Die unterschätzte Rolle „lästiger“ Tiere im Ökosystem

Mücken sind für die Kakao-Frucht also die perfekten Bestäuber. "Sie sind total gut darauf angepasst und deswegen übernehmen sie fast ausschließlich diese Aufgabe Kakao-Blüten zu bestäuben." Wenn es um Tiere wie Mücken, Ratten oder Stubenfliegen geht, neigen wir schnell dazu, sie als lästig oder nutzlos zu bezeichnen. Doch in Wahrheit erfüllen auch diese Lebewesen wichtige ökologische und auch wissenschaftliche Funktionen - neben ihrer offensichtlich bedeutenden Funktion in der Nahrungskette.

Viele Arten erfüllen bedeutende Aufgaben, die das Gleichgewicht unserer Ökosysteme erhalten und dabei sogar die moderne Wissenschaft unterstützen.

Faszinierendes Mückendasein: Wissenswertes über die kleinen Helfer

Die Hälfte der Mücken sticht uns gar nicht. "So hart wie es klingt, aber da sind es tatsächlich nur die Weibchen, die Männchen sind komplett unschuldig, die stechen uns nämlich gar nicht und saugen auch kein Blut, das machen einzig und allein die weiblichen Mücken", sagt Rosi Krause.

Auch das Summen, dieses fiese Geräusch, das den Friedfertigsten in blanke Wut versetzen kann, das geben Mücken aus gutem Grund von sich: "Die summen nicht einfach nur so, um uns zu nerven, sondern dadurch finden sich Männchen und Weibchen, weil sie nämlich ihre Flügelschlagfrequenz aufeinander einstellen und synchronisieren und quasi einen kleinen Liebestanz vollführen", erklärt die Biologin.

Kakao, Mücken und die globale Schokoladenproduktion

Mit Schokolade überzogene Erdbeeren? Es ist fast undenkbar, aber Schokolade, das Herzstück des Schweizer Patriotismus, gäbe es ohne Mücken kaum.

Ein Supermarkt in Hannover habe diese Abhängigkeit einmal demonstriert und alle Waren aus den Regalen geräumt, die es ohne natürliche Bestäubung nicht gäbe. 60 Prozent der Regale blieben leer: kein Obst, kein Gemüse, kein Kaffee, keine Schokolade. Fliegen als Detektive, Ratten als Mediziner und Mücken als Schokoladeproduzenten? Ja, auch diese bei uns eher unbeliebten Tiere tragen auf vielleicht überraschende Art und Weise zu unseren Leben bei.

Also, wenn Sie das nächste Mal wieder mal genervt sind von den kleinen Quälgeistern, gönnen Sie sich doch ein Stück Schokolade und zeigen den kleinen Romantikern ein bisschen Dankbarkeit.

Kakaoplantage im Regenwald mit Infografik zu Insektenarten

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