Mozartkugeln: Geschichte, Herstellung und Zutaten der Salzburger Spezialität

Es war das Jahr 1890, als der Salzburger Konditor Paul Fürst die berühmte Salzburger Mozartkugel erstmals im Hause Fürst erstmals „rollte“. Er nannte seine Kreation "Mozart-Bonbon". Zur Vorbereitung des 100. Todestages Wolfgang Amadeus Mozarts wollte PAUL FÜRST mit der Mozartkugel der Stadt Salzburg und ihrem großen Komponisten seine Reverenz erweisen.

Die historische Entstehung und der Mozartkult

Salzburg hat Mozart in der Mitte des 19. Jahrhunderts, 50 Jahre nach seinem Tod, wiederentdeckt. Die Mozart-Statue wurde 1842 errichtet, und die Salzburger erinnerten sich nicht nur an ihn, sondern erkannten auch, dass man mit Mozart Geld verdienen konnte. Ein regelrechter Mozartkult begann. Im Rahmen der Entwicklung des Mozartkults im 19. Jahrhundert wurden nicht nur Denkmale für Mozart aufgestellt und Gebäude nach ihm bezeichnet, sondern auch Lebensmittel und Getränke u. a. Produkte erhielten seinen Namen.

In Vorbereitung des Mozartfestes meldete die Neue Würzburger Zeitung aus Salzburg am 1. September 1842: Überschwemmt ist die Stadt mit industriellen Erzeugnissen aller Art, die sämmtlich den Namen „Mozart“ als einladende Firma tragen. Während der Enthüllungsfeier für das Mozartdenkmal in Salzburg am 4. September 1842 gab es Mozartbüsten, Mozartnadeln, Mozartpfeifen, Mozartwein, Mozartbrot, Mozartbrödchen und Mozarttörtchen.

Es war also nur eine Frage der Zeit, bis der sog. „Zeitgeist“ dem Mozart auch eine Schokolade widmete, sei es mit der Bezeichnung „Mozartkugel“ (1881), „Mozart-Chokolade“ (1883) oder „Mozartbonbon“ (1888). Schließlich stand 1891 eine weiteres Jubiläum, der 100. Todestag vor der Tür.

Wer erfand die Mozartkugel? Kontroversen und Konkurrenz

Die Erfindung der Mozartkugel mit Zartbitterkuvertüre, Marzipan, Haselnuss-Nougat und Pistazien wird dem Konditor Paul Fürst für das Jahr 1890 zugeschrieben. Doch zahlreiche Hersteller haben eigene Varianten entwickelt. Paul Fürst, ein Konditormeister, erfand die Mozartkugeln für den bevorstehenden 100. Todestag von Mozart im Jahr 1891. Was er vergaß, war die Anmeldung des Patents.

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Zwar ging Paul Fürst mit den Nachahmungen sehr kollegial um, aber schnell wurde die Praline in millionenfacher Ausführung industriell kopiert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts trat ein weiterer Wettbewerber auf den Plan: die Konditorei Schatz. Im Jahr 1901 veröffentlichte die „Conditorei Carl Schatz“ eine Anzeige für „Feinste Mozartkugeln“.

Später gab es auch Mozart-Creme, Mozartpasta, Mozartparfüm, Mozartcigarren, Mozartzigaretten, Mozarthandschuhe usw. Diverse Kreationen der Zuckerbäcker fanden Eingang in die Konditorei-Rezeptebücher. Aber mit Nachhaltigkeit und überregionaler Verbreitung hat sich nur die Mozartkugel durchgesetzt, mitunter auch eine Mozart-Praline in Form eines Riegels.

Die Marke „Original Salzburger Mozartkugeln“ und Rechtliches

Tatsächlich ist Fürst seit 1996 die einzige Firma, die ihre Mozartschokolade „Original Salzburger Mozartkugeln“ nennen darf. Den Namen „Original Salzburger Mozartkugel“ darf heute aber sonst keine tragen und seit 1997 ist die silber-blaue Stanniolverpackung mit dem Porträt Mozarts als Wortbildmarke registriert. Sie kämpften in mehreren Gerichtsverfahren, darunter eine gegen Nestlé, um dieses Recht einzufordern.

Mirabell, der österreichische Massenhersteller, muss seine Mozartkugeln „Echte Salzburger Mozartkugeln“ nennen. Reber darf seine Schokolade jedoch nicht mehr „Salzburger Mozartkugeln“ nennen. Reber, die Nummer eins unter den Herstellern von Mozartkugeln, ist ein deutsches Unternehmen. Reber produziert eine halbe Million Mozartkugeln pro Tag und stellt jährlich 80 Millionen Mozartkugeln her.

Die Zutaten: Drei Grundbausteine und Varianten

Zu einer Mozartkugel gehören standardmäßig folgende Zutaten: Marzipan, Nougat und Schokolade. Mozartkugeln bestehen aus Marzipan, Nougat und Pistazie, umhüllt von Schokolade. In der Regel werden Nougat, Marzipan und Pistazien von Schokolade umhüllt. Es gibt aber u. a. auch Kugeln mit Orange, Kaffee, Datteln oder Lychee.

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Die Original Salzburger Mozartkugel besteht aus angewirktem Marzipan. Das bedeutet, dass die Marzipanrohmasse aus Mandeln mit Pistazienmark vermischt wird. Die Kombination aus ihrem herausragenden Geschmack, die hochqualitativen Ausgangsprodukte und die sorgfältige händische Herstellung machten und machen die berühmte Praline bis heute zu einer besonderen Köstlichkeit.

Herstellungsverfahren: Handarbeit vs. Industrie

Damit sie kugelrund war, wurde sie auf einem Stäbchen hergestellt. Eine Kugel aus Pistazien und grünem Marzipan, umgeben von Nougat, wird auf einen Stab gesteckt und in Schokolade getaucht. Durch den Stab, auf dem die Schokokugeln in Schokolade getaucht werden, bleibt an jeder von ihnen ein Ganzes. Das Loch wird mit Schokolade gefüllt und ein Punkt aus Schokolade bleibt übrig.

Bei Fürst wird jede einzelne Salzburger Mozartkugel von Hand gerollt und schließlich auf ein Stäbchen gesteckt, um in die dunkle Schokolade getunkt zu werden. Ist die köstliche „Hülle“ fest, wird das Holzstäbchen vorsichtig entfernt und das kleine Einstichloch ebenfalls händisch nochmal mit Schokolade verschlossen. Von Hand wird die Kugel zum Abschluss mit blau-silberner Stanniol-Folie umwickelt.

Fürst stellt die ursprüngliche Schokolade noch heute von Hand her. Die Konditorei Fürst bleibt ihrem Modell treu, die Original- Mozartkugel wie zu Beginn vor ca. 130 Jahren anzufertigen und nur in ihren eigenen Läden und nicht über andere Firmen zu vertreiben. Die Fürst-Mozartkugeln findest du im Fürst-Café, am Alten Markt. Dort wurde die Original Mozartkugel erfunden und dort wird sie auch heute noch hergestellt.

Historische Backstube der Familie Fürst

Bei den handgefertigten Kugeln entsteht durch das Entfernen des Stäbchens ein kleiner 'Nabel' aus Schokolade - es macht die handgeschöpfte Kreation dadurch unverkennbar. Die Originale ist etwas weniger süß und durch die Handfertigung nicht ganz perfekt rund. Im Unterschied dazu ergibt die industrielle Produktion häufig eine leicht abgeflachte Unterseite oder einen 'Fuß' aus Schokolade.

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Schritte der klassischen Handherstellung (wie bei Fürst)

  • Kugel aus Pistazien- und Mandeln-Marzipan formen.
  • Nougat um den Marzipankern legen (bei Fürst ist das Nougat die Umhüllung des Pistazienmarzipans oder umgekehrt je nach Rezeptur).
  • Kugel auf ein Holzstäbchen stecken und in dunkle Kuvertüre tauchen.
  • Abkühlen lassen, Stäbchen entfernen, Einstichloch mit Kuvertüre verschließen.
  • Manuell in blau-silberne Stanniolfolie einwickeln.

Bei anderen Handwerkern, wie der Konditorin in Wien, wird oft erst das Marzipan glatt gewalkt, Quadrate ausgestochen, das Nougat vorbereitet und mit einem Trick (z. B. Nougat vorher einfrieren) leichter geformt. Anschließend werden die Kugeln in temperierte dunkle Schokolade getunkt und bei Bedarf das überstehende Schokoladenfußstück entfernt.

Herstellungsablauf: Aufspießen, Tunken, Verschließen

Rezeptgeschichten und Quellennachweise

Rezepte aus der Entstehungszeit im 19. Jahrhundert sind nicht überliefert. Dennoch publizierten Zeitungen seit 1910 über Jahrzehnte einfache „Hausfrauenrezepte“, die die Mozartkugel im häuslichen Rahmen nachahmbar machten. In Konditoreihandbüchern wie denen von Hans Skrach und J. M. Erich Weber erschienen professionelle Techniken: Bei ihnen zeichnen sich Mozartkugeln durch zwei Schichten aus und werden in Kuvertüre getunkt.

Die Rezepte aus den Jahren 1916, 1925, 1933, 1934 und 1947 beweisen die Vielfalt an Ansätzen: von Nuss-Zucker-Mischungen über Marzipan-Schokoladen-Varianten bis zu Ananasmarzipan-Füllungen. Elisabeth Mayer-Brown beschreibt in „Austrian Cooking for you“ eine Variante mit zwei Füllungen: eine marzipanähnliche Mischung und eine nougatähnliche Füllung aus Walnüssen, Rum und Schokolade.

Verbreitung, Mengen und Preisgestaltung

Mehr als zwei Millionen "Originale" Mozartkugeln werden in Salzburg jährlich von Hand angefertigt. Insgesamt jedoch exportieren die Schokoladenhersteller jährlich mehr als 100 Millionen Mozartkugeln in die ganze Welt. Reber stellt jährlich 80 Millionen Mozartkugeln her. 80% dieser Mozartkugeln werden in Deutschland verkauft und konsumiert.

Die rot-goldene Supermarkt-Mozartkugel kostet zwischen 0,40 und 0,80 € je nach Geschäft und Menge der gekauften Schokolade. Die original Mozartkugel kostet etwa 1,40 € (im Jahr 2020). Handgefertigte Kugeln kosten fast das Doppelte, sind aber auch etwas größer. An der Mozartkugel wird mehr verdient als an der Vermarktung von Mozarts Musik: Rund einen Euro bezahlt man in Salzburg für eine einzelne Mozartkugel aus der Produktion großer Firmen wie Reber oder Mirabell.

Die Fürst-Familie und die Produktionsentwicklung

Die Tradition des Familienunternehmens CAFE KONDITOREI FÜRST reicht bis in das Jahr 1884 zurück. Im Jahr 1884 eröffnete Konditormeister Paul Fürst sein eigenes Geschäft in der Brodgasse 13. Die erste schriftliche Erwähnung des Stammhauses in der Brodgasse fand bereits im Jahr 1391 als Hofbäckerhaus statt.

Das historische Rezeptbuch aus der Backstube des Paul Fürst, das aus dem Jahr 1915 stammt, befindet sich wohlbehütet im Familienbesitz. Auf Seite 111 "Mozartkugeln" wurde in Kurrentschrift das Rezept der Original Salzburger Mozartkugel festgehalten. Die umfassende Rezeptsammlung ist in einem in Leinen gebundenen Buch verfasst.

Das weiß auch Martin Fürst, Ur-Ur-Enkel von Paul Fürst. Er ist seit 2015 in fünfter Generation Geschäftsführer der Cafe-Konditorei Fürst und legt auch heute noch größten Wert auf die Herstellung der Salzburger Mozartkugel nach überliefertem Rezept und Herstellungsverfahren von Hand, wobei sie selbstverständlich gänzlich ohne Konservierungsstoffe auskommt.

2024 wurde das 140-jährige Bestehen der Cafe-Konditorei Fürst gefeiert. Zum Jubiläum wurde im Februar 2024 die neue Fürst Manufaktur mit Verkaufslokal in der Salzburger Gemeinde Elsbethen eröffnet. Aufgrund der großen Beliebtheit der Köstlichkeiten aus der Cafe-Konditorei Fürst wurde die 55 Quadratmeter kleine Produktion, die sich nach wie vor im Stammhaus in der Altstadt befand, zu klein.

Neue Fürst-Manufaktur in Elsbethen: Außenansicht

Nun freut man sich über eine dreimal so große Fläche in der architektonisch durchdachten sowie nachhaltigen und energieeffizienten Produktion. Zwar sind jetzt neben großzügigen Personalräumen, größeren Kühlräumen und Lagerflächen auch modernere Maschinen in die Produktion eingezogen - die Salzburger Mozartkugel wird aber wie eh und je per Hand hergestellt. Selbstverständlich bleibt auch das Stammhaus in der Brodgasse bestehen - ein wunderbarer Ort, um bei einem Kaffee mit Mozartkugel oder einem Stück Torte gemütlich dem Treiben am Alten Markt zuzusehen.

Tipps zum Kauf, Lagerung und Genuss

Die Original Mozart Schokolade ist von Fürst und in Blau und Silber verpackt. Wenn auf Ihrer Schokolade also nicht „Fürst“ steht, ist sie nicht Fürst und nicht original, und Fürst-Mozart-Schokolade ist nur in Salzburg erhältlich. Fürst verkauft die original Mozartkugeln an keine anderen Geschäfte.

Das bedeutet aber auch, dass sie möglichst frisch genossen und idealerweise zwischen 14 und 18 Grad gelagert werden sollte. Die Originalen Mozartkugeln werden ohne künstliche Konservierungsstoffe hergestellt und sind daher nur etwa acht Wochen haltbar. Du siehst, Mozart-Schokolade ist groß. Auch wenn die Salzburger nicht mehr Mozart-Schokolade konsumieren als der Rest der Welt, solltest du die Chance nutzen und das Original kaufen, wenn du in Salzburg bist.

Kein Besuch in Salzburg ist komplett ohne in der Konditorei Fürst eine Original Mozartkugel probiert zu haben. Als Souvenir eignen sich die preisgünstigeren Echten Salzburger Mozartkugeln von Mirabell, die überall erhältlich sind. Ich würde empfehlen, die Mozart-Schokolade in der Ritzerbogen-Filiale von Fürst zu probieren.

Herstellungsprozess einer handgearbeiteten Mozartkugel

Vielfalt am Markt: Hersteller und Varianten

Wir haben uns auf die Suche nach der Antwort auf diese Frage gemacht. Und haben auf den ersten Blick tatsächlich 13 (!) verschiedene Mozartkugeln gezählt! Alle haben sie ein mehr oder weniger fesches Bild von Mozart auf der Verpackung, manche auch den Namen des Produzenten. Bei näherem Hinsehen fallen ein paar Namen auf, die den Markt beherrschen: Da ist natürlich die Originale Mozartkugel der Familie Fürst, daneben vor allem die rot-goldenen Kugeln von Mirabell und Reber.

Die Straßen von Salzburg sind mit Mozartkugeln des deutschen Herstellers überschwemmt. Neben der Kugel hat die Firma Mirabell 1982 die Mozarttaler erfunden, die sich aufgrund der Milchschokolade großer Beliebtheit erfreuen. In vielen Confiserien und Konditoreien (z. B. Habakuk, Holzermayr, Hofbauer, Dallmann) finden Schokoladenfreunde unterschiedliche Interpretationen der Mozartkugel; durchkosten und den eigenen Favoriten wählen lohnt sich.

Rezepte und historische Varianten (Kurzüberblick)

Zeit / Quelle Hauptzutaten / Besonderheit
Frühe Hausfrauenrezepte (1910-1930) Zucker, geriebene Nüsse, Marzipan, in Schokolade gewälzt
Professionelle Konditorei-Quellen (Skrach, Weber) Zwei Schichten: Nougatkern und Marzipan, in Kuvertüre getunkt
Elisabeth Mayer-Brown (1961) Zwei Füllungen: marzipanähnliche und nougatähnliche (Walnuss, Rum)
Moderne Variationen Pistazienmarzipan, Orange, Kaffee, Datteln, Lychee

Die Tabelle verdeutlicht, dass Rezepturen über Jahrzehnte erprobt und regional variiert wurden: vom einfachen Hausrezept bis zur professionellen Konditoreikunst.

Warum die Mozartkugel bis heute beliebt ist

Die Kombination aus hochwertigen Zutaten, handwerklicher Fertigung und der Verbindung zu einem weltweit bekannten Komponisten machte und macht die Praline unverwechselbar. Die Mozartkugel gehört zu Salzburg wie die Festspiele und die Festung Hohensalzburg. Egal, ob mit dem Fokus auf Bitterschokolade, Nougat oder Marzipan: Die Mozartkugel ist ein Symbol kulinarischer Identität und Tradition.

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