Bedeutung und Herkunft der Redewendung „Mit jemandem ist nicht gut Kirschen essen“

Wenn unser Gegenüber diese Redensart zum ersten Mal hört, stoßen wir wohl in den meisten Fällen zunächst auf Irritation und fragende Blicke. „Mit dem ist nicht gut Kirschen essen", sagt man, wenn jemand sehr unfreundlich zu einem ist und man mit dieser Person nicht gut auskommt. In der Regel sind damit Personen gemeint, mit welchen sich der Umgang schwierig gestaltet, weil sie entweder sehr streng und autoritär sind oder ein ablehnendes, unfreundliches Verhalten an den Tag legen. Einfach jemand, mit dem man selbst nicht so richtig gut klarkommt.

Was bedeutet die Redewendung konkret?

Dieses Sprichwort wird gerne verwendet, um zu verdeutlichen, dass man mit einer Person nicht so gut auskommt. Ist mit jemandem nicht gut Kirschen essen, wird diese Person häufig als streng, autoritär und unfreundlich empfunden. Man beschreibt damit eine Person, die in unseren Augen unverträglich, arrogant oder schlichtweg schwierig ist. „Mit dem kann ich nicht“ wäre eine einfache, moderne Umschreibung.

Historischer Ursprung: Reise ins Mittelalter

Um dem Sprichwort auf den Grund zu gehen reisen wir ins Mittelalter. Da hat es nämlich seinen Ursprung. Im Mittelalter - aus dem die meisten Redewendungen stammen, die heute noch verwendet werden - waren Kirschen ein seltenes und somit höchst wertvolles Gut. Kirschen waren früher schwer zu kriegen und sehr teuer. Nur Adelige und Menschen der obersten Gesellschaftsschichten konnten sich den Genuss leisten. Weil die Herrschaften nicht nett waren, war mit ihnen nicht gut Kirschen essen.

Kirschbaum im mittelalterlichen Garten

Während etwa Äpfel- oder Birnbäume überall wuchsen, waren die der Süßkirsche sehr selten und standen häufig in den Gärten der wohlhabenden und feinen Gesellschaft. Kirschen waren selten und damit teuer und standen vor allem in den Gärten von reichen Leuten. Somit hatten auch nur Adelige und Reiche Zugang zu den süßen Früchtchen beziehungsweise konnten sie sich leisten. Nur Wohlhabende konnten sich im 18. Jahrhundert den Luxus eines Kirschbaumes leisten.

Das gesellschaftliche Ritual: Kirschenessen der Oberschicht

Um sich ihrer Macht und ihrem Reichtum zu frönen, traf sich die Oberschicht also regelmäßig zum gemeinsamen Kirschenessen. Wenn die Kirschen reif waren, luden sie ihre Freunde ein und ließen sich die süßen Früchte schmecken. Man traf sich sogar zum Kirschenessen. Der Verzehr wurde dann auch ein wenig zelebriert. Bei diesen Kirschenpartys wollten die Herrschenden nicht gestört werden, schon gar nicht von Personen niederen Ranges.

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Kirschenpicknick der Oberschicht (symbolisch)

Wie aus dem Fest eine Warnung wurde

Wer zu diesem Festschmaus nicht eingeladen war oder einer unteren Schicht angehörte und sich zum Kirschen essen heimlich unter die Gäste schmuggelte, wurde von den Reichen so lange mit Kirschkernen bespuckt und Stielen beworfen, bis er das Weite suchte. Wurde ein solcher entdeckt, fackelten die feinen Herrschaften nicht lang und bespuckten den Schmarotzer so lange mit Kirschkernen, bis er verschwand. Wenn dann unter den gut Betuchten jemand saß, der gar nicht erwünscht war in solch hohen Kreisen, spuckte man ihn mit Kirschkernen an, um ihn zu vertreiben. Das machte man den ungebetenen Gästen dann unmissverständlich klar.

Im 16. Jahrhundert hieß es oft: „Mit großen Herren ist nicht gut Kirschen essen, sie spucken einem die Steine/Kerne ins Gesicht“. Über die Jahrhunderte hinweg hat sich der Satz dann verkürzt und aus den „großen Herren“ sind einfach unangenehme Zeitgenossen geworden. Die Redewendung war einst als Warnung an Untergebene vor den Launen der hohen Herren gedacht.

Literarische Zeugnisse

Geht es nach dem Predigermönch Ulrich Boner, waren solche Vorfälle durchaus gängig. Boner wollte mit seinem Text ausdrücklich Untergebene vor den Launen ihrer Herren warnen. Die rund 100 Geschichten in „Der Edelstein“ waren offensichtlich so bekannt, dass der Ausdruck „mit jemanden ist nicht gut Kirschen essen“ weite Verbreitung gefunden hat. Die Herkunft dieser Redewendung ist wirklich interessant. Sie reicht bis ins Mittelalter und verweist mit ein bisschen gutem Willen sogar auf eine Art frühen Bestseller.

Erklärung der Redensart und historische Hintergründe

Veränderung der Bedeutung bis in die Gegenwart

Das Bild hat sich heute zwar gewandelt, aber die Kernbedeutung ist geblieben. Über die Jahrhunderte hinweg hat sich der Satz dann verkürzt und aus den „großen Herren“ sind einfach unangenehme Zeitgenossen geworden. Und wieso überhaupt Kirschen? Die Kirsche zählt übrigens zu den Rosengewächsen zur Gattung Prunus. Trotz ihres intensiven Geschmacks ist sie relativ pflegeleicht.

Die Deutsche Sprache ist ohnehin voller kulinarischer Redewendungen. Die Redewendung geht bis ins Mittelalter zurück und hieß ursprünglich mal: „Mit hohen Herren ist nicht gut Kirschen essen“. Der Kern der Aussage (im wahrsten Sinne des Wortes) ist allerdings bis heute geblieben.

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Regionale Bezeichnungen und Kurioses zur Kirsche

Interessant sind auch die diversen Bezeichnungen für die Kirsche in den einzelnen Dialekten. Das Repertoire reicht von Kriesi im Badischen über die bayerischen Kiaschn und die schwäbischen Kriese bis hin zu den hessischen Kesch. Die Berliner zaubern sogar noch einen Umlaut mit hinein und nennen sie Kürsche. Die Welthauptstadt der Kirsche ist Traverse City, jedenfalls bezeichnet sie sich selbst so. Die Stadt in Michigan USA feiert jedes Jahr im Juli das Nationale Kirsch-Festival.

Kirschfestival in Traverse City

Moderne Verwendung und Variationen

„Mit dem ist nicht gut Kirschen essen", sagt man, wenn jemand sehr unfreundlich zu einem ist und man mit dieser Person nicht gut auskommt. Und falls ihr jetzt Appetit auf Kirschen bekommen habt, ganz ohne schlechte Gesellschaft, findet ihr hier Restaurants, die tolle Desserts auf ihren Speisekarten haben. Kirschen aus Nachbars Garten schmecken am besten: Aber mit jemandem gut Kirschen stehlen zu können, heißt ja nicht zwangsläufig, dass man sie mit ihm auch gut essen kann.

Aspekt Beschreibung
Bedeutung heute Personen sind schwierig, unfreundlich, autoritär
Ursprung Mittelalter, seltenes Luxusobst, Kirschenessen der Oberschicht
Historische Handlung Ungebetene Gäste wurden mit Kirschkernen bespuckt oder mit Stielen beworfen
Ältere Form „Mit großen/hohen Herren ist nicht gut Kirschen essen“

Persönliche Anmerkungen aus dem Material

Die Redewendung war mir natürlich geläufig. Die Herkunft jedoch nicht. Ich gebe zu: Mich entrüstet dieses Verhalten auch ein bisschen. Ich verspreche: Ich werde niemanden mit Kirschen bewerfen. Und obwohl ich das Steinobst so mag, bin ich bereit zu teilen. Ich glaube, mit mir ist gut Kirschen essen.

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