Ist in Milka-Schokolade Schellack enthalten?
Viele Verbraucher wundern sich, wenn Schokolade oder bunte Schokodragees so schön glänzen: Oft steckt hinter dem Überzug ein Stoff namens Schellack, ein Produkt der Lackschildlaus, das in der Lebensmittelindustrie als Überzugsmittel verwendet wird. Schellack ist ein Produkt der Lack-Schildlaus, genauer eine harzartige Ausscheidung der Tiere.
Was ist Schellack genau? Schellack, auch Plattlack oder Lackharz genannt, ist ein Harz, das von Lackschildläusen abgesondert wird. Eigentlich ernähren sich die Läuse nämlich von Baumsäften und kleben dann Hüllen an Zweige, in denen dann ihr Nachwuchs heranwächst. Nachdem sich die Läuse nach einiger Zeit wieder aus dieser Harzblase ausbohren, bleibt die Harzabscheidung zurück und wird von den Ästen und Zweigen abgekratzt. Dieses Harz wird zusammen mit Rindenstücken und übrig gebliebenen Läusen von den Bäumen gekratzt und anschließend durch Aufkochen, Auswaschen und Zermahlen zu Schellack verarbeitet.
Wofür wird Schellack in Lebensmitteln verwendet?
In der Lebensmittelindustrie wird Schellack häufig als Überzugsmittel bei Süßwaren, Schokolade, Kaffeebohnen, Nüssen und einigen Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt. Es sorgt für Glanz und verhindert das Zusammenkleben der Produkte. Damit etwa die Ostereier nicht aneinander kleben, wird häufig Schellack eingesetzt. Schellack kann einen glänzenden Überzug bilden. Es kommt zum Beispiel in Farben und Lacken, Nagellack, Haarspray und als Politur zum Einsatz. Auch in Nahrungsmitteln ist oft ein Schellack-Überzug enthalten.
Einige Beispiele für Produkte, die Schellack enthalten können, sind: Schokoladendragees, Schoko-Ostereier, Kinder Schoko-Bons (bis 2023), Milka-Schokoladensorte „Bunte Kakaolinsen“, Schoko-Bon-Nachmache „Milchknirpse“ von Lidl, Mentos-Kaugummis „Pure White“.
Ist Schellack in Milka-Schokolade enthalten?
Die Auswahl an Sorten von Milka-Schokolade ist groß. Tatsächlich findet sich im Sortiment des Schokoladenherstellers eine Sorte, die in den Zutaten neben Zucker, Kakaobutter, Kakaomasse, Magermilchpulver und Co. unter Überzugsmittel nicht nur Gummi arabicum und Bienenwachs aufführt, sondern auch Schellack. So werden die Laus-Ausscheidungen zum Beispiel bei den beliebten Schokobons von Kinder sowie bei den „Bunten Kakaolinsen“ von Milka benutzt, um diese zum Glänzen zu bringen. Bei einem Blick auf die Inhaltsstoffe der beliebten Kinder Schoko-Bons von Ferrero kann man die Zutat "Schellack" schnell entdecken. Auch bei der Milka-Sorte "Bunte Kakaolinsen" wird Schellack in der Zutatenliste aufgeführt.
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Wichtig zu wissen: Als Zusatzstoff hat es die Bezeichnung E 904 und muss auf der Zutatenliste deklariert werden - entweder mit der E-Nummer oder mit dem Klarnamen "Schellack". Gekennzeichnet ist es in der Zutatenliste mit der Kennzahl E904. Wer sicher gehen will, dass keine tierischen Bestandteile in Produkten stecken, kann die Zutatenliste beim Einkauf genau prüfen.
Ist Schellack gesundheitlich bedenklich?
Schellack ist nicht giftig. Schellack gilt laut Öko-Test als unbedenklich. Weniger noch: "Schellack ist wirklich ganz unbedenklich - es gibt nicht einmal Höchstmengen, die festgesetzt worden sind", beruhigt Ernährungsfachfrau Daniela Krehl. "Der Zusatzstoff Schellack ist als unbedenklich eingestuft." Auch in der Schwangerschaft ist der Verzehr von Schellack unbedenklich. Das heißt also, dass wir weiterhin unsere Süßigkeiten mit einem guten Gefühl naschen dürfen - und auch der glänzende Apfel nur gewaschen, aber nicht geschält werden muss.
Warum kritisieren Tierschutzorganisationen Schellack?
Obwohl Schellack ein Ausscheidungsprodukt der Lackschildläuse ist, kritisieren Tierschutzorganisationen die Gewinnungspraxis: Die Tierschutzorganisation Peta erklärt: "Schellack ist zwar ein Ausscheidungsprodukt, das der Läuse-Nachwuchs irgendwann nicht mehr braucht, aber darauf wartet die Industrie nicht immer. Schellack werde Peta zufolge für 'alles verwendet, das glänzen und sich nicht zu schnell auflösen soll'." Daniela Krehl erklärt: "Schellack ist streng genommen nicht nur für Veganer ungeeignet, sondern auch für Vegetarier. Im Harz sind zwar keine Läusebestandteile enthalten, bei der Produktion werden aber Läuse getötet."
Kennzeichnung, Alternative und religiöse Bewertung
Auf der Zutatenliste ist Schellack unter der E-Nummer E 904 oder dem Klarnamen "Schellack" zu finden. Ist der Verzehr unbedenklich? Der Zusatzstoff ist unbedenklich, aber nicht vegan. Für Veganer ist Schellack deshalb nicht geeignet. Produkte, die Schellack enthalten, dürfen nicht als vegetarisch und vegan deklariert werden.
Es gibt verschiedene Alternativen zu Schellack, die in der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden können. Eine Möglichkeit ist Gummi Arabicum, ein pflanzliches Harz, das ebenfalls für einen glänzenden Überzug sorgt. Auch pflanzliches Pektin kann als Alternative verwendet werden. Ferrero verwendete bis 2023 Schellack als Überzugsmittel für seine Kinder Schoko-Bons, um den Bonbons ihren typischen Glanz zu verleihen. Inzwischen setzt der Süßigkeitenkonzern für seine Schoko-Bons nur noch auf „Gummi Arabicum“, ein pflanzliches Harz, das für einen ähnlichen Glanzeffekt sorgt wie Schellack, aber vegan ist.
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Der Halal-Status von Schellack wird durch Gelehrte unterschiedlich bewertet. Die ägyptische Al-Azhar Universität und die Zertifizierungsstellen MUI (Indonesien) und JAKIM (Malaysia) stufen den Verzehr von Schellack als halal ein. Der Fatawa-Rat der Diyanet hält Schellack für unbedenklich, solange der Verzehr keine negativen gesundheitlichen Auswirkungen hat.
Insekten in Lebensmitteln: EU-Regelungen und Beispiele
Mit dem Inkrafttreten einer EU-Verordnung dürfen weitere Insekten in Lebensmitteln verwendet werden. Im Januar dieses Jahres hat die Kommission der Europäischen Union (EU) die Liste der als Lebensmittel zugelassenen Insekten erweitert. Der Getreideschimmelkäfer und die Hausgrille als teilweise entfettetes Pulver sind in Europa jetzt als Lebensmittel zugelassen. Ganz neu ist das allerdings nicht: In gefrorener, getrockneter oder pulverisierter Form ist die Hausgrille jedoch bereits seit fast einem Jahr erlaubt. Seit 2021 dürfen die Larve des Gelben Mehlwurms und die Wanderheuschrecke in Nahrungsmitteln verarbeitet werden. 2022 wurde die Hausgrille (Acheta domesticus) zugelassen. Seitdem können diese Insekten in Brot, Kuchen, Chips, Flips, Nudeln, Müsli-Riegeln, Backmischungen, Fleisch- und Milchersatz und vielen weiteren Lebensmitteln vorkommen.
Die Empörung über die neue EU-Verordnung ist bei vielen Menschen groß. Allerdings sind Insekten in Lebensmitteln nichts Ungewöhnliches. Die Lebensmittelindustrie arbeitet schon seit langer Zeit mit den kleinen Tierchen. Nicht nur Heuschrecken, auch Mehlwürmer dürfen schon seit etwa eineinhalb Jahren innerhalb der EU in Nahrungsmitteln verarbeitet werden. Im Januar dieses Jahres hat die EU zudem Getreideschimmelkäfer und Hausgrillen zugelassen.
Beispiele bekannter Zusatzstoffe aus Insekten
- E 904 - Schellack: Harz der Lackschildlaus, Überzugsmittel für Glanz und Anti-Klebeeigenschaften.
- E 120 - Karmin (Carmine): Roter Farbstoff aus Scharlachschildläusen, verwendet z. B. in Süßigkeiten und Kosmetik.
Praktische Hinweise für Verbraucher
Wenn Sie sicher gehen wollen, ob ein Produkt Schellack oder andere Insektenbestandteile enthält, achten Sie auf die Zutatenliste: "E 904" oder "Schellack" sowie "E 120", "Karmin" oder Bezeichnungen wie "Carmine" beziehungsweise "CI 75470" deuten darauf hin. Wer sich vor Insekten ekelt, sollte sich zwei Nummern merken: "E 120" und "E 904". Beide sind Inhaltsstoffe von Lebensmitteln, die bei uns täglich übers Kassenband wandern.
| Produktbeispiele | Mögliche Insektenbestandteile |
|---|---|
| Milka „Bunte Kakaolinsen“ | Schellack (E 904) |
| Kinder Schoko-Bons (bis 2023) | Schellack (E 904) - inzwischen durch Gummi Arabicum ersetzt |
| M&Ms (bestimmte Sorten) | Karmin (E 120) |
| Mentos „Pure White“ | Schellack (E 904) |
Viele Verbraucher sind sich jedoch nicht bewusst, welche Inhaltsstoffe in diesen Produkten enthalten sind. Wer sicher sein möchte, kann beim Einkauf Zutatenliste und Kennzeichnungen prüfen oder Produkte mit pflanzlichen Alternativen wie Gummi Arabicum oder Pektin bevorzugen. Zahlreiche Hersteller zeigen, dass es auch ohne geht - sie nutzen beispielsweise pflanzliches Pektin statt Schellack.
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