Milch und Honig Festival — Hintergrund, Programm und besondere Formate

Milch & Honig (auch geschrieben als „Milch x Honig“) ist ein Kulturfestival in Wiener Neustadt, das bewusst klassische Musik mit Malerei, Tanz, Videokunst, Performance und ungewöhnlichen Präsentationsformen verschmilzt. Das Festival versteht sich als Labor für innovative Konzertformate, in dem Grenzen zwischen Bühne und Publikum aufgebrochen und sinnliche, ganzheitliche Erlebnisse geschaffen werden.

Idee, Intendanz und Name

Das Festival wurde von Klarinettist Christoph Zimper initiiert und geleitet. Zimper ist Solist, Kammermusiker, Professor für Klarinette an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Komponist und ehemaliger Soloklarinettist im Mozarteum Orchester Salzburg. Er hat Milch & Honig als „Musikfestival für innovative Konzertformate“ erdacht, initiiert und auf die Beine gestellt.

Die Namensgebung war ein Gemeinschaftsprozess: „Milch und Honig sind zwei eigenständige Produkte. Und wenn man sie ineinander verschmelzen lässt, dann ergibt sich wieder etwas Eigenständiges. Und zusätzlich gibt es ein Gefühl der Geborgenheit, das auch eine Rolle spielt“, erläutert Zimper die Idee hinter dem Titel.

Entstehung und Formatentwicklung

Im April/Mai 2023 fand das erste Milch & Honig Festival in Wiener Neustadt statt. Das Festival präsentierte acht Konzerte über drei Wochenenden. Alle Konzerte wurden zentral in der Stadt gespielt: eines im MÄX, eines im Stadtpark neben den Kasematten und die anderen in den historischen Kasematten. Das Programm vereinte klassische Elemente mit multimedialer Performance, Lesung, Sandkunst und ungewöhnlichen Konzertbedingungen wie einem Konzert in kompletter Dunkelheit.

Das Ziel ist klar: „Das klassische Konzert neu gedacht“ - die Musik mit anderen Kunstrichtungen zu vereinen, alle Sinne anzusprechen und ausgetretene Traditionen bewusst zu verlassen, um neue Zielgruppen zu erreichen und das Publikum zu verjüngen.

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Schwerpunkte und besonders eindrucksvolle Formate

Der Kleine Prinz - Sandkunst, Lesung, Musik

Eine Inszenierung von „Der Kleine Prinz“ vereinte Beiträge von fünf Performance-Composern, eine Sandkünstlerin, eine Lesung und Live-Musik. Die Sandkünstlerin Anna Vidyaykina formte sekündlich neue Bilder und Figuren aus Sand, die auf einer großen Projektionsfläche hinter den Künstler:innen sichtbar wurden. Die Kunstfertigkeit der Sand-Choreografien machte aus jedem gelesenen Textabschnitt eine vergängliche, visuell intensive Szene: vom Hut (aka Boa) über den kleinen Planeten bis zur Rose oder dem Fuchs. „Man kann nicht wegschauen und will auch nicht“, so eine typische Reaktion auf die Sandanimationen.

Anna Vidyaykina bei Sandkunst-Performance

Concert in the Dark - Streichquartett im Zappendustern

Ein besonderes Erlebnis war ein Streichkonzert in absoluter Dunkelheit: das Vision String Quartet spielte Werke von Bloch, Schostakowitsch und Ravel in kompletter Finsternis. Das Format verlangt Vertrauen und Mut von Publikum und Künstlern: „Man sieht nicht den Nachbarn, nicht die Hand vor Augen, kein einziges Lamperl. Dafür hört und spürt man umso mehr.“ Die Sicherheitsvorkehrungen umfassten Nachtsichtgerät-einsatz für Notfälle und kurze Pausen, in denen einzelne Besucher aus dem Raum begleitet wurden.

Streichquartett-Konzert im Dunkeln (Symbolbild)

Silent Concert / PianoBox - Musik als intimes Erlebnis im Freien

Beim Silent Concert saßen Zuhörer:innen mit Kopfhörern auf Liegestühlen vor den Kasematten und erlebten Pianomusik (u. a. Maria Radutu) bei sonnigem Wetter. Die PianoBox übertrug Klavierklang direkt in Kopfhörer - ein unkonventionelles, sehr persönliches Konzertformat. Die Pianistin Maria Radutu hat dieses Format auch als Podcast umgesetzt.

LiederMalen, Performance und interdisziplinäre Projekte

Bei „LiederMalen“ verschmolzen die Sopranistin Marlis Petersen und der Maler und Performer Horst Gläsker Lied, Malerei und Performance zu einem Gesamtkunstwerk. Solche Kombinationen zeigen, wie unterschiedlichste Medien im Festival zu einem Erlebnis für Augen und Ohren zusammengebracht werden.

Programmbeispiele und Themen (Auswahl)

  • Mendelssohn as I know him feat. Anna Mabo - Streichoktett trifft auf Pop-Songs; Klassik trifft auf kreative Pop-Perlen.
  • Der Feuervogel - The Freestyle Orchestra - Verbindung von klassischer Musik und Zirkusakrobatik; Musiker:innen, die auch akrobatisch brillieren.
  • Kirtan - meditative, grenzüberschreitende Reise, die musikalische Traditionen Indiens, Brasiliens und Österreichs verbindet.
  • Austria has got talent - neun Ensembles aus unterschiedlichen Klangwelten präsentieren sich frei in den Kasematten.
  • Peter und der Wolf 2.0 - Neuinterpretation des musikalischen Märchens mit Sandkunst und modernen Kompositionen.
  • Persian Ecstatic Dance - experimentelles Tanzformat ohne Gespräche und Alkohol, geführt von herausragenden iranischen Musikerinnen.

Räumliche und organisatorische Aspekte

Die historischen Kasematten in Wiener Neustadt bilden das zentrale Festivalareal. Die Stadt hat dem Festival Mut bewiesen und den Künstler:innen relativ freie Hand gelassen. Veranstaltungsorte reichten vom Jugend-Eventlokal MÄX über Parkflächen vor den Kasematten bis hin zu den Kasematten selbst als atmosphärischen Aufführungsraum.

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Kasematten Wiener Neustadt als Festivalbühne

Weekend-Packages und touristische Verknüpfung

Rund um das Festival wurden Weekend-Packages geschnürt, die Übernachtung in Hotels (z. B. Hilton Garden Inn Wiener Neustadt), Konzerte und Zusatzprogramme wie Stadtführungen oder Ausflüge (z. B. Semmering mit Besuch des Südbahnhotels und des Loos-Hauses) kombinierten. Ein Beispiel war das „Prinzen-Weekend“ mit Übernachtung, „Der Kleine Prinz“-Inszenierung und dem Dark Concert.

Package Inhalte
Prinzen-Weekend „Der Kleine Prinz“ in den Kasematten, Dark Concert, Hotelübernachtung, Stadtführung
Kaiser-Wochenende Konzerte, Semmering-Ausflug, zwei Übernachtungen, Aktivitäten

Publikum, Wirkung und Herausforderungen

Das Festival erreicht ein sehr gemischtes Publikum, mit überraschend vielen jungen Besucher:innen bei Formaten, die Pop-Elemente oder ungewöhnliche Präsentationsweisen integrieren. Zimper sieht Milch & Honig als „Labor“, das jungen kreativen Musikerinnen und Musikern eine Bühne bietet und neue Formate erprobt.

Herausforderungen bleiben: Solche selbstgemachten Produktionen sind ressourcenintensiv und in puncto Kommunikation anspruchsvoll. Zimper betont, dass die Vermarktung oft entscheidender ist als der Inhalt - Formate, die mehr Erklärung benötigen, brauchen intensive Kommunikation, um Publikum zu gewinnen.

Ausblick und Weiterentwicklung

Das Festival ist nicht als reines einmaliges Experiment angelegt: Es ging 2023 an den Start, wurde 2024 fortgesetzt und plante weitere Spielzeiten mit neuen Konzepten. Für die Saison 2025 ist eine dritte Spielzeit in den Kasematten angekündigt, diesmal zwischen 30. Oktober und 14. November, mit Formaten wie „Mendelssohn as I know him“, „The Freestyle Orchestra“, Kirtan, „Austria has got talent“, „Peter und der Wolf 2.0“ und „Persian Ecstatic Dance“.

Trailer: Milch x Honig Festival - Impressionen und Formate

Wert für Wiener Neustadt

Das Festival stärkt Wiener Neustadts kulturelles Profil und ergänzt die Stadt als Kultur- und Reisdestination. Nach der NÖ Landesausstellung 2019 „Welt in Bewegung“ und diversen Kulturangeboten bietet Milch & Honig ein weiteres, eigenständiges Element, das die kulturelle Identität der Stadt bereichert.

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Besondere künstlerische Leistungen

  • Hohe künstlerische Qualität: Beteiligung international erfahrener Musiker:innen und Solist:innen wie Benjamin Schmid, Maria Radutu u. a.
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Performance-Composers, Sandkünstler:innen, bildende Künstler:innen und Musiker:innen kreieren gemeinsame Gesamtkunstwerke.
  • Mut zu Experimenten: Konzerte im Dunklen, Sandanimationen, musikalisch-performative Neuinterpretationen klassischer Werke.

Milch & Honig zeigt, dass klassische Musik neu gedacht, mit anderen Künsten verknüpft und so einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden kann. Das Festival bleibt ein Experimentierfeld, das die musikalische Szene belebt und visuelle, körperliche und akustische Sinne gleichermaßen anspricht.

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