Manuka Honig: Nährstoffe, Inhaltsstoffe und Wirkung
Manuka-Honig ist ein von Honigbienen aus dem Blütennektar der Südseemyrte (Manuka) erzeugter Honig, der traditionell als Naturheilmittel verwendet wird. In der freien Natur Neuseelands wachsen Kanuka und Manuka oft in unmittelbarer Nachbarschaft, blühen aber nacheinander. Der Honig stammt von der Manuka-Pflanze ab, welche in den Bergen Neuseelands und in Nord-Australien wächst. Manuka-Pflanzen sind Bäume, welche bis zu vier Meter hochwachsen können. Sie können aber auch in Form von Sträuchern vorkommen. Die Blüten der Manuka-Pflanze ähneln Kirschblüten und ihr Farbspektrum reicht von weiß über blutrot bis violett.
Herkunft, Produktion und Markt
Die fleißigen Ligustica-Bienen sammeln den Manuka Nektar und verarbeiten diesen in ihrem Bienenstock zu Honig. Die befüllten Waben werden dann von den Imkern mit einem Kaltschleuder-Verfahren ausgelöst. Dieses Verfahren ist sehr wichtig, denn beim Erhitzen würden die natürlichen Inhaltsstoffe verloren gehen. Manuka Honig wird auch das flüssige Gold aus Neuseeland bezeichnet. Der Hype um den kostbaren Honig hat in den letzten Jahren zugenommen, aber dieser Honig hat auch seinen Preis. Mit der steigenden internationalen Nachfrage erhöhte sich der Preis von 37 NZD für ein Kilo im Jahr 2010 auf über 100 NZD im Jahr 2015. Die Zahl der Imker wuchs sprunghaft und die Menge an produziertem Honig erreichte 2015 20.000 Tonnen.
Nach neuseeländischem Recht durfte in der Vergangenheit uneingeschränkt jeder Honig, der von einem Bienenvolk produziert wurde, das in der Nähe von Manukapflanzen aufgestellt ist, von den Imkern als „Manuka“ vermarktet werden, auch wenn die Manukaanteile im Honig kaum mehr nachweisbar waren. 2013 warnte die britische Agentur für Lebensmittelstandards (Food Standards Agency) Konsumenten vor zunehmenden Betrügereien mit falschem Manuka-Honig. Analyse-Ergebnisse würden zeigen, „daß offensichtlich insbesondere in England, aber damit natürlich auch im Rest von Europa, sehr viel Manuka-Honig verkauft wird, der gar kein Manuka-Honig ist. Konkret wurde festgestellt, daß in diesen Honigen gar kein Methylglyoxal, also damit gar kein tatsächlicher wertgebender Inhaltsstoff, enthalten war.“
Die neuseeländischen Produzenten gaben 2013 eine jährliche Produktion von nur 1700 Tonnen an, weltweit wurden jedoch jährlich 10.000 Tonnen angeblicher Manuka-Honig verkauft. Nur jeder fünfte bis sechste verkaufte „Manuka-Honig“ sei demnach authentisch. Bei dem Rest handele es sich in Wahrheit um andere Honige. Mit der Einführung separater Warennummern für Manuka-Honig - zur Unterscheidung des Honigs von anderen Blütenhonigen im internationalen Zollkodex - war es möglich, die tatsächlichen Exportmengen eines Jahres für Manuka-Honig zu beziffern. 2019 betrugen diese weltweit für monofloralen Manuka-Honig 4.499 Tonnen und für multifloralen Manuka-Honig 2.270 Tonnen.
Hauptinhaltsstoffe und Nährstoffe
Die wesentlichen Inhaltsstoffe des Manuka-Honigs sind neben den Zuckern des Honigs in wechselnden Mengen das nicht-peroxidisch antibakteriell wirksame Zuckerabbauprodukt Methylglyoxal (MGO). Methylglyoxal entsteht in der Honigwabe durch Dehydratation des im Nektar der Blüten des Manukastrauchs enthaltenen Stoffes Dihydroxyaceton (DHA). Der Grund dafür liegt im Nektar der Manukapflanze und der hohen Konzentration an Dihydroxyaceton (DHA). Diese Substanz ist die Vorstufe von MGO. Während der Reifung des Manuka Honigs wird DHA bereits im Bienenmagen durch natürliche, enzymatische Prozesse in MGO umgewandelt.
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Der heilende Effekt des Manuka Honigs wird durch die wertvollen Komponenten, wie z. B. Wasserstoffperoxyd, verschiedene Vitamine B-Derivate (vor allem Vitamin B1, B2, B6, Pantothensäure, Nikotinsäureamid), Biotin, Folsäure und Mineralien wie Calcium, Kalium und Magnesium unterstützt. Neben seinem leckeren Geschmack hat er auch noch einen anderen klaren gesundheitlichen Vorteil!
Methylglyoxal (MGO) und seine Bedeutung
In Arbeiten des Instituts für Lebensmittelchemie der Technischen Universität Dresden konnte die Konzentration des Stoffwechselproduktes Methylglyoxal in bestimmten Manuka-Honigen aus Neuseeland gemessen und dessen antibakterieller Einfluss quantitativ in vitro nachgewiesen werden. Besonders bakterizide Eigenschaften wurden gegen die Erreger Staphylococcus aureus und Escherichia coli festgestellt. Für Methylglyoxal wurde die minimale Hemmkonzentration gegenüber beiden Keimen ermittelt als 1,1 Millimol pro Liter (entsprechend 75 Milligramm Methylglyoxal pro Kilogramm).
Forscher der Universität von Waikato (Neuseeland) fanden heraus, dass Methylglyoxal hauptsächlich durch einen katalytischen Effekt entsteht. So lösen verschiedene Anionen offenbar im „jungen“ Manuka-Honig eine Dehydratation des Inhaltsstoffes Dihydroxyaceton (DHA) zu Methylglyoxal aus. Dieser Prozess findet nach Einbringen des Honigs in den Bienenstock statt. Die MGO-Konzentration im „reifen“ Honig korreliert mit der DHA-Konzentration im Nektar, welche wiederum von Strauch zu Strauch schwankt. Die TU Dresden hat ein Messverfahren entwickelt, mit dem sich die durch Lagerung erzielbare MGO-Konzentration im Honig vorhersagen lässt.
Der Honig aus dem Nektar der verwandten Kunzea-Art Kanuka kann kein MGO entwickeln; es fehlt DHA als Ausgangsstoff für die MGO-Synthese. Da aber die Pollen von Manuka und Kanuka praktisch nicht zu unterscheiden sind, wird auch Kanuka-Honig häufig als Manuka-Honig ausgewiesen.
Messung der antibakteriellen Aktivität: MGO, UMF und weiteres
Kommerzielle Manuka-Honige werden hinsichtlich ihrer nicht-peroxidischen antibakteriellen Aktivität mit einem sogenannten Unique Manuka Factor = UMF (übersetzt „einzigartiger Manuka-Faktor“) gekennzeichnet, welchen der neuseeländische Verband Unique Manuka Factor Honey Association (UMFHA) an Lizenznehmer für entsprechende Honigqualitäten vergibt. Zur Bestimmung dieses Faktors wird die antibakterielle Wirkung des Manuka-Honigs mit der einer Phenollösung verglichen: beispielsweise hat ein Manuka-Honig UMF® 20+ die gleiche nicht-peroxidische antibakterielle Wirksamkeit in-vitro wie eine 20-prozentige phenolische Lösung. Im Gegensatz zur MGO-Messung handelt es sich hierbei um eine Messung der Wirksamkeit ohne Zugrundelegung eines speziellen Inhaltsstoffes. Zur Referenzmessung benötigt man mindestens zwei Petrischalen mit gleichen Bakterienkulturen und misst nach der Behandlung mit Honig bzw. Phenol die Größe des entstandenen Hofes.
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Einige Hersteller charakterisieren den Methylglyoxalgehalt der von ihr vertriebenen Manuka-Honige mit dem Markenzeichen MGO®, gefolgt von einer Zahl, die den Mindestgehalt an Methylglyoxal in Milligramm pro Kilogramm Honig angibt. Andere Anbieter folgen mittlerweile dieser Methodik, indem sie ebenfalls einen MGO-Wert (Methylglyoxalgehalt) zur Charakterisierung der nicht-peroxidischen antibakteriellen Wirkstärke angeben.
Kontroversen um MGO und Sicherheit
Die Bedeutung des Methylglyoxalgehaltes im Manuka-Honig wurde sowohl hinsichtlich der antibakteriellen Wirksamkeit als auch der toxikologischen Unbedenklichkeit kontrovers diskutiert. Der Lebensmittelchemiker Thomas Henle von der TU Dresden hält die in Manuka-Honigen gefundenen 300 bis 700 mg pro Kilogramm „für den menschlichen Organismus (…) möglicherweise nicht mehr unbedenklich“. Zudem könne es sein, „dass der Manuka-Baum das Methylglyoxal selbst produziert - als Schädlingsabwehr oder durch Stress“.
Medizinische Anwendung und Studienlage
In vitro konnten antibakterielle Eigenschaften des Honigs nachgewiesen werden. Die Ureinwohner Neuseelands, die Maori, verwenden traditionell Blätter und Rinde bzw. Auszüge daraus sowie den Honig des Manuka-Baums äußerlich zur Desinfektion und Unterstützung der Heilung von Wunden und Entzündungen, ferner innerlich bei Erkältungen, Blasenentzündungen und anderen Infektionen.
Im August 2005 wurde ein zur Behandlung von Wunden ausgewiesenes Fertigpräparat unter der Bezeichnung Medihoney europaweit als Medizinprodukt zugelassen. Medihoney wird aus dem Blütennektar verschiedener Leptospermum-Arten gewonnen und enthält als weitere Komponente einen Blütenhonig mit einem hohen Anteil des Enzyms Glucose-Oxidase. Das Gemisch wird durch Bestrahlung keimfrei gemacht. Der Hersteller hatte in dem vorausgegangenen Zertifizierungsverfahren behauptet, die Wirkung beruhe auf dem osmotischen Effekt, käme also auf rein physikalischem Wege zustande. Diese Behauptung stand neben anderen Wirksamkeitsmechanismen in der Diskussion.
Mittlerweile wird Manuka-Honig in klinischen Studien erforscht und teilweise angewendet. Durch den Einsatz des Honigs als Wundauflage soll ein feuchtes Wundmilieu erzeugt werden. Dieses soll in der Lage sein, sich ständig selbst zu desinfizieren, die Wunde nach außen abzuschließen und sie mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen. Diese Eigenschaften sind besonders wichtig bei Brandwunden, bei denen Sekundärinfektionen eine häufige und gefürchtete Komplikation darstellen. Sekundärinfektionen können durch die große Angriffsfläche für Keime schnell entstehen.
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Eine systematische Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration aus dem Jahr 2015 stellte fest, dass sich aufgrund der Unterschiede in den Wundarten und Vergleichsbehandlungen keine allgemeinen Schlussfolgerungen über die Wirkung von Honig auf die Wundheilung ziehen lassen. Die Evidenz für die meisten Vergleiche sei von niedriger oder sehr niedriger Qualität. Allerdings bestehe Evidenz hoher Qualität dafür, dass Teilschichtverbrennungen mit Honig etwa vier bis fünf Tage schneller heilen als mit konventionellen Verbänden. Es bestehe Evidenz moderater Qualität dafür, dass Honig wirksamer zur Wundheilung von infizierten Wunden nach chirurgischen Eingriffen ist als Antiseptika mit anschließendem Mullverband. Heuer et al. befürworteten 2011 die Anwendung von Manuka-Honig nur auf nicht-chronischen Wunden, wie sie zum Beispiel infolge einer Verletzung, eines chirurgischen Eingriffs oder nach Strahlentherapie vorkommen. Die Deutsche Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung e. V. rät in ihrer S3-Leitlinie zur Lokaltherapie chronischer Wunden von der Verwendung ab.
Anwendungsgebiete im Alltag
Das flüssige Gold lindert Beschwerden bei äußerer Anwendung. Dieser besondere Honig wird sehr oft gegen diverse Entzündungen im und um den Mund eingesetzt. Aphthen, Herpesbläschen und Zahnfleischentzündungen sind häufig vorkommende Entzündungen im und um den Mund herum. Diese kleinen Stellen auf Mundschleimhaut und Zahnfleisch sind unangenehm und schmerzhaft. Und jeder kann betroffen sein: Kinder, Erwachsene oder Senioren; Männer und Frauen gleichermaßen. Viele Betroffene suchen daher nach pflegenden Produkten, um ihre Beschwerden zu lindern.
Es gibt mehrere Studien, die belegen, dass MGO effektiv gegen Staphylococcus aureus und Escherichia coli Bakterien wirkt. Dem Manuka Honig wurde sogar die Wirkung als ein „natürliches Antibiotikum“ zugesagt. Die heilenden Eigenschaften machen ihn in bestimmten Fällen zu einer interessanten Option zur unterstützenden Behandlung.
Sicherheit, Qualitätssicherung und Authentizität
2013 warnte die britische Agentur für Lebensmittelstandards (Food Standards Agency) Konsumenten vor zunehmenden Betrügereien mit falschem Manuka-Honig. Eine Gruppe Dresdner Lebensmittelchemiker um Thomas Henle konnte auch unter den in Deutschland angebotenen „Manuka-Honigen“ eine ganze Reihe identifizieren, in denen kein Methylglyoxal enthalten war. Diese Honige würden mit entsprechenden „Phantasie-Auslobungen“ wie zum Beispiel active plus oder active 10 verkauft.
Im Dezember 2017 stellte das neuseeländische Ministerium für Grundstoffindustrien (MPI) eine Definition und ein Analyseverfahren vor, die für die Authentifizierung von „neuseeländischem Manuka-Honig“ verwendet werden können. Mit diesem Analyseverfahren, welches nur für die neuseeländischen Exporteure von Manuka-Honig vorgeschrieben ist, kann zwischen monofloralen und multifloralen Manuka-Honigen unterschieden werden. Monofloraler Manuka-Honig stammt überwiegend aus einer einzigen Blütenquelle, der Manukapflanze, wohingegen multifloraler Manuka-Honig aus mehreren unterschiedlichen Quellen stammen kann.
Marktprobleme und kriminelle Folgen
Mit der wachsenden Konkurrenz um die begrenzte Zahl an Futterpflanzen kam es zu zahlreichen Konflikten und steigender Kriminalität im Manuka-Imkermilieu. Die Analyseergebnisse zeigten, dass offenbar sehr viel Manuka-Honig verkauft wird, der gar kein Manuka-Honig ist.
Kurzübersicht: Wichtige Daten
| Aspekt | Wesentliche Information |
|---|---|
| Herkunft | Manuka (Leptospermum) aus Neuseeland und Nord-Australien |
| Wichtige Inhaltsstoffe | Zucker, Methylglyoxal (MGO), Dihydroxyaceton (DHA), Wasserstoffperoxyd, B-Vitamine, Mineralien |
| Wirkung | In vitro antibakteriell, Wundheilungsunterstützung, traditionelle antiseptische Anwendung |
| Messgrößen | MGO mg/kg, UMF® (vergleichende antibakterielle Wirksamkeit) |
| Sicherheit | Diskussion um hohe MGO-Werte; mögliche toxikologische Bedenken bei sehr hohen Mengen |
| Markt | Hoher Preis, Authentizitätsprobleme, MPI-Analyseverfahren zur Authentifizierung |
Manuka-Honig bietet durch seine speziellen Inhaltsstoffe ein interessantes Profil für medizinische und pflegende Anwendungen. Gleichzeitig sind Authentizität und Qualitätsprüfung wichtige Aspekte, um gewünschte Wirkung und Sicherheit zu gewährleisten.
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