Maiwipferlhonig selber machen — ausführliche Anleitung und Tipps
Spaziert man im Mai durch die Wälder, fallen einem sofort die jungen Triebe von Fichten und Tannen auf. Mit den Maiwipferln, so genannt, weil die Fichten eben im Mai so saftig und hellgrün austreiben, kann man wunderbare Heilmittel gegen Erkältung und Husten herstellen: Maiwipferlhonig, -sirup oder -oxymel lassen sich einfach selber machen und schmecken herrlich waldig und aromatisch.
Was sind Maiwipferl und warum verwenden wir sie?
Von Ende April bis Anfang Juni bilden Fichten und Tannen frische, hellgrüne Triebe, die wertvolle ätherische Öle, Harze, Tannine und Vitamin C enthalten. Diese Triebe haben eine antiseptische Wirkung und können so die Bildung von Bakterien hemmen. Tannen- und Fichtenspitzen haben eine antibakterielle, schleimlösende und beruhigende Wirkung, weshalb sie schon seit langer Zeit als Hausmittel gegen allerlei Beschwerden eingesetzt werden.
Die jungen Triebe enthalten vielerlei gesunde Inhaltsstoffe: Tannine (pflanzliche Gerbstoffe), Harze, sekundäre Pflanzenstoffe, viel Vitamin C sowie wertvolle ätherische Öle. Durch ihre Inhaltsstoffe wirken sie antiseptisch, das heißt sie können abtötend oder wachstumshemmend auf Bakterien, Viren oder auch Pilze wirken.
Sicherheit beim Sammeln - worauf achten?
- Wenn man selber Wildpflanzen sammelt und diese nutzt, muss man in der Lage sein, die Pflanze zu hundert Prozent sicher zu erkennen. Bei Unsicherheit ist von der Nutzung unbedingt abzusehen!
- Achtung! Du musst die Bäume gut unterscheiden können, denn die Nadeln/Triebe von der Eibe sind giftig. Die Nadeln und Triebe der Eibe sind GIFTIG!
- Nur die ganz jungen und zunächst noch roten Zapfen der Fichte stehen ebenfalls nach oben. Die Zapfen der Fichten werden später komplett abgeworfen, während bei der Tanne die Zapfenspindeln stehenbleiben.
- Fichten- und Tannenwipferl können verwendet werden, ihr solltet nur auf die stark giftigen Eiben Acht geben. Vor dem Sammeln solltet ihr euch unbedingt vergewissern, dass ihr die Baumart zuverlässig bestimmen könnt.
- Die jungen Triebe sind wichtig für das gesunde Wachstum der Bäume, daher sollten sie nur sparsam geerntet werden. Nie alle Triebe von einem Ast ernten! Sehr junge, kleine Bäume sollten gar nicht beerntet werden.
Beste Sammelzeit und Auswahl der Bäume
Die beste Sammelzeit für Fichten- und Tannenspitzen ist während der Blüte Ende April bis Mai. Dann treiben vorne an den Zweigen der Nadelbäume weiche, hellgrüne Triebe heraus. Wer im Wald wohnt oder so wie ich die Wipferl aus Nachbars Garten ernten kann, der soll sich beeilen, denn nur die frischen, hellgrünen Nadeln sind für diesen Honig geeignet.
Deswegen schaut euch die Standorte genau an, riecht und kostet und nehmt nur die Wipferl von gesunden Bäumen. Nur gesunde, kräftige Bäume zum Sammeln der Triebe auswählen, um die Bäume nicht in ihrem Wachstum zu beeinträchtigen. Vereinzelt pflücken und nur die hellgrünen Spitzen am Ende der Zweige abzupfen, damit die Bäume noch ausreichend Kraft zum Wachsen haben.
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Vorbereitung: Reinigung und Vorsichtsmaßnahmen
Die Maiwipferl sammeln und Zuhause waschen, dabei Fremdkörper und holzige Teile entfernen. Diese wascht ihr dann zu Hause unter klarem kaltem Wasser und gebt sie zusammen mit Wasser und Zucker in einen Topf. Wichtig: Ich musste schon so manchen Sirup wegschütten, weil sich Schimmel gebildet hat. Dies kannst du vermeiden indem du SEHR sauber arbeitest und das Einmachglas vorher mit 70%igem Alkohol reinigst.
Rezepte - drei gängige Varianten
1) Klassischer Maiwipferlsirup (Einfaches Rezept)
- 2 große Hände voll junge Maiwipferl (bei uns von der Fichte) mit 1 Liter Wasser aufkochen und 15 Minuten köcheln.
- Danach den Sud einen Tag lang ziehen lassen. Den Sud am nächsten Tag abseihen und 1 kg Bio-Vollrohrzucker hinzugeben und aufkochen.
- Wenn die Flüssigkeit eine sirupartige Konsistenz hat, fülle ihn in saubere Flaschen ab. Der Sirup ist dann ca. 1 Jahr haltbar.
Diese wascht ihr dann zu Hause unter klarem kaltem Wasser und gebt sie zusammen mit Wasser und Zucker in einen Topf. Kocht kurz auf, solange bis sich der Zucker komplett aufgelöst habt. Dabei verfärben sich die Wipfel braun. Schaltet die Platte aus und legt den Deckel auf den Topf. Lasst diesen nun für 24 Stunden abgedeckt stehen. Während der Abkühlphase zieht der Geschmack der Wipfel in das Zuckerwasser.
2) Maiwipferlhonig (Honig-Variante mit Bienenhonig)
Wer Zucker nicht so gerne mag, kann die Fichtenwipferl auch in Bienenhonig ausziehen. Ein Schraubglas zur Hälfte mit Fichtensprossen befüllen, dann randvoll mit Honig auffüllen und mit einem Schraubdeckel gut verschließen. Kurze Zeit auf den Kopf stellen, damit sich die Fichtenwipferl gut mit Honig vollsaugen. Gut durchziehen lassen, ab und an das Glas ein wenig schwenken. Die Fichtenwipferl können ruhig solange im Glas verbleiben, bis der Honig angebrochen wird, solange der Honig sie bedeckt, sind sie darin konserviert.
Zur Herstellung von Maiwipferlhonig im nächsten Schritt dünnflüssigen Honig über die zerstampften Maiwipferl in das Glas füllen, bis die Maiwipferl vollständig mit Honig bedeckt sind. Dann 3-4 Wochen an einem warmen, hellen Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung ausziehen und täglich schütteln. Nach dieser Zeit durch ein feines Sieb abseihen.
3) Maiwipferloxymel (Honig-Essig-Mischung)
Zur Herstellung von Maiwipferloxymel im nächsten Schritt 3 Teile Honig mit 1 Teil Essig gut in einer Schüssel verrühren bis sich der Honig vollständig aufgelöst hat. Dann diese Mischung über die zerstampften Maiwipferl in das Glas füllen, bis die Maiwipferl vollständig mit der Honig-Essig-Mischung bedeckt sind. 3-4 Wochen an einem warmen, hellen Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung ausziehen und täglich schütteln. Nach dieser Zeit durch ein feines Sieb abseihen.
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Schichtmethode für Maiwipferlsirup im Glas (ohne vorkochen)
Schichtet man die klein geschnittenen Maiwipferl abwechselnd mit Zucker in das Glas, so dass die Zuckerschicht immer doppelt so hoch ist wie die Pflanzenschicht, und stampft die Masse immer wieder fest, so tritt Saft aus den Maiwipferln aus und benetzt den Zucker. Die letzte Schicht oben sollte Zucker sein. Wichtig: die abschließende Schicht MUSS Zucker sein und alles Pflanzenmaterial abdecken! Dann 4 Wochen an einem warmen, hellen Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung ausziehen. Innerhalb der nächsten 2-3 Wochen zersetzt sich der Zucker und wird zu einem Sirup.
Wenn sich alles gelöst hat seiht man das ganze durch ein Sieb ab und füllt den Maiwipferlhonig in Gläser. Dunkel gelagert sollte sich dieser einige Monate halten.
Detailliertes 3-Tage-Rezept für intensiven Maiwipferlhonig
- Tag 1: Die Maiwipferl sammeln und Zuhause waschen, dabei Fremdkörper und holzige Teile entfernen. Die gesäuberten, hellgrünen Triebe mit 1 Liter kaltem Wasser aufgießen, mit einem Teller beschweren und 6-12 Stunden (über Nacht) kühl gelagert ziehen lassen.
- Tag 2: Die Triebe mitsamt Einweichwasser in einen Topf geben und zum Kochen bringen. Sofort die Temperatur reduzieren, dann 30 Minuten mit geschlossenem Deckel leise simmern lassen. Anschließend den Herd ausschalten und den Topf auf der warmen Herdplatte abkühlen lassen. Den Sud für weitere 12-24 Stunden kühl gelagert ziehen lassen.
- Tag 3: Den milchigen Sud abseihen, einen Schuss Zitronensaft hinzugeben und die Flüssigkeit abmessen. Den Sud mit derselben Menge Zucker (1 Liter Flüssigkeit = 1 kg Zucker) zurück in den gesäuberten Topf geben und bei geöffnetem Deckel unter gelegentlichem Rühren etwa 2 Stunden zu einem Sirup einkochen. Um die richtige Konsistenz abzupassen, immer mal wieder eine Gelierprobe durchführen. Den fertig gekochten Maiwipferlhonig noch heiß in sterilisierte Gläser füllen und verschließen.
Die Menge von Wasser und Zucker ist variabel und kann je nach Menge der gesammelten Triebe halbiert oder vervielfacht werden. Wichtig fürs Einkochen ist ein Verhältnis von 1:1 (Sud zu Zucker). Die Verwendung von mehr Trieben sorgt für einen intensiveren Geschmack.
Haltbarkeit und Lagerung
Der Honig hält sich luftdicht verschlossen 6-8 Monate. Ist das Glas mal geöffnet nach 3-4 Tagen aufbrauchen. Der Sirup ist dann ca. 1 Jahr haltbar, wenn sauber gearbeitet und heiß abgefüllt. Beim Abkühlen wird der Maiwipfelsirup noch deutlich fester, also keine Sorge, wenn er beim Abfüllen noch sehr flüssig ist.
Wann und wie einnehmen - Anwendungen
Der Sirup eignet sich hervorragend als Süßungsmittel für Tee, man kann ihn aber auch Teelöffelweise zu sich nehmen. Der Sirup ist sehr süss, deshalb schmeckt Kindern dieser Hustensirup besonders gut. Es können mehrere Esslöffel auf den Tag verteilt eingenommen werden. Wenn uns die Erkältung einmal erwischt hat, können wir sowohl den Sirup als auch den Honig löffelweise zu uns nehmen oder ein Hustengetränk daraus zubereiten.
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Maiwipferl zählen neben anderen Hustenkräutern wie Thymian, Spitzwegerich und Eibisch zu den bekanntesten Husten-Heilmitteln. Anwendungsbereiche: Bronchitis, Husten, Katarrh der oberen Luftwege, Keuchhusten, Asthma, Nasennebenhöhlenentzündungen, Rachenentzündung, Rheuma, Gicht, Durchblutungsstörungen, Muskelkater, Nervosität, Nervöse Herzbeschwerden, Neuralgien, Schlaflosigkeit.
Weitere Verwendungsmöglichkeiten
- Als Brotaufstrich: Am besten schmeckt der Aufstrich auf einem Butterbrot. Ausserdem soll der Maiwipfel-Sirup auch noch gegen Erkältungen (vorallem gegen Husten) helfen.
- Kulinarisch: Beides, Sirup und Honig kann man auch wunderbar hernehmen, um Salatdressings und Saucen einen gewissen Pfiff zu geben oder um damit Desserts zu verfeinern. Vanilleeis mit Fichtenwipferlsirup und Waldhimbeeren, ganz herrlich!
- Tee: Maiwipferl Tee - die Alternative ohne Zucker: Eine Handvoll frische oder getrocknete Maiwipferl in einen Topf geben und mit kochendem Wasser übergießen. Den Tee ca. 10-15 Minuten lang ziehen lassen und danach den Sud abseihen. Du solltest den Tee bei Hustenbeschwerden lauwarm und in kleinen Schlucken trinken.
- Badeanwendungen: Für ein Erkältungsbad könnt ihr euch entweder einen Aufguss aus den getrockneten Fichtennadeln machen und diesen ins Badewasser geben oder aus den frischen Trieben ein Badeöl zubereiten und es aufbewahren.
- Salze und Zucker: Aus Fichtenwipfeln und verschiedenen Kräutern bereite ich ein aromatisches Salz und einen Zucker zu. Der Zucker ist zu gleichen Anteilen mit Fichtennadeln und Rosmarin hergestellt, unter Zugabe von geriebener Zitronenschale nach Geschmack.
Tipps zur Vermeidung von Schimmel und Vorbereitung der Gefäße
Wichtig: Ich musste schon so manchen Sirup wegschütten, weil sich Schimmel gebildet hat. Dies kannst du vermeiden indem du SEHR sauber arbeitest und das Einmachglas vorher mit 70%igem Alkohol reinigst. Füllt den Sirup anschließend heiß in saubere Gläser und lasst ihn abkühlen. Beim Abkühlen wird der Maiwipfelsirup noch deutlich fester.
Waldwissen und Nachhaltigkeit
Die Fichten findet ihr bald überall. Natürlicherweise kommen sie in den Mittelgebirgen und Bergwäldern Mittel- und Nordeuropas vor. Im Tiefland werden sie angepflanzt, da sie wirtschaftlich stark genutzt werden. In den Fichtenaufforstungen haben die Fichten wesentlich weniger Zeit zum Wachsen als auf ihren natürlichen Standorten. Solch eine Monokultur erkennt ihr daran, dass die Bäume in Reih und Glied angeordnet sind und der Baumbestand eintönig und gleichaltrig ist.
Es ist medizinisch bewiesen, dass „Waldbaden“ gesund ist. Insbesondere der Aufenthalt in einem Wald mit Nadelbäumen, wie Fichten und Tannen, stärkt das Immunsystem des Menschen. Verantwortlich dafür sind in erster Linie Terpenoide, also Duftstoffe, die die Bäume verströmen. Aber nicht nur mit einem Aufenthalt im Wald, sondern auch mit der Anwendung dieser Pflanzen zu Heilzwecken können wir unserer Gesundheit etwas Gutes tun.
Hinweis und Disclaimer
Die Beschreibung der Kräuter und Gewürze stammt aus alten Überlieferungen und der traditionellen Volkskunde, sie sollen als Ergänzungen zur Schulmedizin verstanden werden und ersetzen nicht die ärztliche Meinung. Auch Hausmittel können Nebenwirkungen haben und sind nicht generell für jeden geeignet. Sprechen Sie deshalb vor der Anwendung mit Ihrem Arzt oder Apotheker. Bei unklaren, schweren, akuten und anhaltenden Gesundheitsbeschwerden reichen Hausmittel nicht aus und es sollte ein Arzt konsultiert werden.
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