Honigschleim bei Bienen: Ursachen und Behandlung

Honigschleim (auch: verkleisterter Honig, Honigtau-bedingte Störungen) ist ein Thema, das Imkerinnen und Imker beunruhigt: Es betrifft die Gesundheit der echten Honigbiene und kann das Volk schwächen. In diesem Beitrag werden die möglichen Ursachen, das Erkennen des Problems und praxisnahe Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung anhand vorhandener Erkenntnisse und verwandter Krankheitsbilder zusammengeführt.

Was ist Honigschleim und wie äußert er sich?

Der Begriff Honigschleim beschreibt veränderte Honig- oder Honigtau-Eigenschaften, die bei Bienen zu Stoffwechselproblemen, verklebten Körpern, erhöhtem Durchfallrisiko und indirekt zu Symptomen wie Haarausfall (Schwarzsucht) führen können. Unter bestimmten Umständen kann Honigtau eine toxische Wirkung auf den Organismus der Bienen haben und zu Stoffwechselproblemen führen. Das geringe Pollenaufkommen zu Zeiten starker Honigtautracht unterstützt die toxische Wirkung.

Honigtautracht im Wald: Bienen auf Fichte/Tanne

Honigtau, Melezitose und ihre Bedeutung

Unter bestimmten Umständen wird das Honigtautrachtangebot von Tanne und Fichte als Auslöser für den Verlust der Behaarung ausgemacht. Aufgrund des spezifischen Zuckerspektrums und dem hohen Mineralstoffgehalt wird insbesondere das Honigtautrachtangebot von Tanne und Fichte als Auslöser für den Verlust der Behaarung ausgemacht. Eine Forscherin der Universität Hohenheim konnte kürzlich erstmals einen Zusammenhang zwischen der Zuckerart Melezitose und der Waldtrachtkrankheit nachweisen. Bienen, die mit dieser häufig in Honigtau enthaltenen Zuckerart gefüttert wurden, entwickelten im Verlauf der Studie schwere Krankheitssymptome.

Warum ist Melezitose problematisch?

  • Melezitose ist eine Zuckerart, die häufig in Honigtau vorkommt und unter Umständen Stoffwechselprobleme bei Bienen auslösen kann.
  • Die Fähigkeit des Honigtaus, toxisch zu wirken, hängt vom Zucker- und Mineralstoffspektrum ab; ein geringes Pollenaufkommen verschlechtert die Situation.
  • Honigtau kann dazu führen, dass Bienen ihre Körperbehaarung verlieren und dadurch eine dunkle, glänzende Panzerschalen-Optik (Schwarzsucht) zeigen: Die Bienen verlieren ihre Körperbehaarung und die darunterliegenden schwarzen, glatten und glänzenden Panzerringe des Hinterleibes prägen nun das Erscheinungsbild der betroffenen Bienen.

Schwarzsucht: Symptom, nicht immer eigenständige Krankheit

Die Schwarzsucht, auch Waldtrachtkrankheit genannt, ist ein kleines Mysterium. Bisher kennt man noch nicht den genauen Auslöser, vielmehr kennt man einige Faktoren, die Ursachen sein könnten. Die Schwarzsucht ist eine nicht infektiöse Faktorenkrankheit und in allererster Hinsicht keine eigenständige Krankheit: Schwarzsucht bezeichnet vielmehr ein Krankheitssymptom, welches auf ein Sammelsurium unterschiedlicher Ursachen zurückgeführt werden kann. Wie der Name es bereits andeutet, lässt sich die Schwarzsucht leicht an einer dunklen, nahezu schwarzen Körperfarbe der Bienen erkennen.

Verwandte Krankheitsbilder und Differenzialdiagnosen

Honigschleim und damit verbundene Symptome können im klinischen Bild mit anderen Erkrankungen überlappen. Daher sind genaue Kontrollen und, wenn möglich, labordiagnostische Untersuchungen wichtig. Häufige, in der Imkerei relevante Krankheiten, die bei der Diagnose bedacht werden müssen:

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  • Varroamilbe (Varroa destructor) - schwächt Bienen, überträgt Viren und erhöht Anfälligkeit für weitere Erkrankungen. Die Varroamilbe lebt parasitisch an Honigbienen und gilt als größter Bienenschädling weltweit und als eine der Hauptursachen für das Bienensterben.
  • Nosemose / Nosema - Durchfallerkrankungen und Schwächung der Winterbienen.
  • Amöbenruhr (Malpighamoeba mellificae) - verursacht schweren Durchfall, führt zu stark verkoteten Waben und erhöhter Sterberate im Volk.
  • Andere Brutkrankheiten wie Faulbrut, Kalkbrut oder Steinbrut können ebenfalls das Volksgefüge stören und Sekundärprobleme begünstigen.
Verklebte Bienen und verschmutzte Waben

Wie erkennt man Honigschleim-bedingte Probleme im Volk?

Typische Hinweise, die Imkerinnen und Imker beobachten können:

  1. Veränderte Honigkonsistenz im Stock (zäh, kristallin, klebrig).
  2. Bienen mit Haarausfall, dunklerer, glänzender Hinterleibsoptik (Schwarzsucht): Die typische Farbe ihres Hinterleibes erhalten die Bienen tatsächlich nur durch ihre Behaarung.
  3. Erhöhte Kotverschmutzung im Innenraum der Beute oder Kotflecken am Flugloch (kann auf Durchfall/Amöbenruhr bzw. Nosema hindeuten).
  4. Schwächung des Volks, erhöhte Sterberate, flugunfähige oder desorientierte Bienen.
  5. Geringes Pollenaufkommen im Umfeld zur Zeit der Honigtautracht.

Praktische Maßnahmen: Vorbeugung und Sofortmaßnahmen

Was kannst Du tun, wenn Du Verdacht auf Honigschleim- bzw. Honigtau-bedingte Probleme hast?

  • Standortwechsel: Ein Standortwechsel Deiner Bienenvölker ist empfehlenswert. So kannst Du Räuberei beenden oder Deinen Bienen ein anderes Trachtangebot zur Verfügung stellen, das ihnen vielleicht besser bekommt.
  • Fütterung mit geeignetem Futter: Bei fehlendem Pollenangebot und schlechter Versorgung kann gezielte Zufütterung (pollenreiche Nahrungsergänzung, korrekt zubereitete Zuckerlösungen) helfen, Stoffwechseldefizite zu vermeiden.
  • Starke Völker bevorzugen: Starke Bienenvölker können sich bei einem schwachen Befall oft selbst heilen. Ein hoher Umsatz neuer Bienen im Sommer spielt dabei eine entscheidende Rolle. Dies erfordert eine leistungsstarke Königin und ausreichend Pflegebienen.
  • Wabenkontrolle und Hygienemaßnahmen: Alte, stark verklebte oder kontaminierte Waben gegebenenfalls austauschen; Honigvernichtung vermeiden, wenn er für Mensch/Tier nicht geeignet ist.
  • Beobachten und testen: Bei Verdacht auf andere Erkrankungen (Amöbenruhr, Nosemose, Varroose) Proben entnehmen und bei Bedarf mikroskopisch/untersuchen lassen. Für Viren gibt es Schnelltests (z. B. FASTest Bee 3T) zur Untersuchung auf wichtige Bienenviren.

Wenn Sekundärkrankheiten auftreten

Bei gleichzeitigem Auftreten von Varroa, Nosema oder Amöbenruhr muss die Behandlung dieser Krankheiten erfolgen, da sie die Widerstandskraft des Volkes weiter reduzieren. Die Varroamilbe ist in vielen Regionen anzeigepflichtig und verlangt systematische Bekämpfungsmethoden: organische Säuren (Ameisensäure nach der Honigernte, Oxalsäure als Restentmilbung), thermische Verfahren oder biologische Methoden wie totale Brutentnahme. Die Kontrolle der Honigtau-bedingten Symptome macht nur in einem gesunden, varroa-kontrollierten Volk wirklich Sinn.

Imkerin kontrolliert Brutwabe

Maßnahmen bei schweren Fällen und Abwägung

In besonders schweren Fällen (Massenschäden, multiple Infektionen, unheilbarer Befall) müssen Imkerinnen und Imker pragmatisch handeln: Abschwefeln oder gezielte Vernichtung stark betroffener Völker, gründliche Reinigung und ggf. Einschmelzen befallener Waben, Desinfektion der Beuten (z. B. 3%ige heiße Sodalauge) und bei Holzbeuten zusätzlich Abbrennen von Innen- und Außenseiten. Diese Maßnahmen sind zwar aufwändig, aber notwendig, um die Bienenkrankheit einzudämmen und die Gesundheit anderer Bienenvölker zu schützen.

Warum Prävention so wichtig ist

Die Prävention ist bei honigtaubedingten Problemen besonders wichtig, da effektive medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten fehlen. Imker sollten daher stets auf die Stärke und Gesundheit ihrer Völker achten und bei Anzeichen von Schwäche frühzeitig handeln, bevor sich die Krankheit ausbreiten kann. Je größer die Biodiversität in einem Ökosystem ist, desto weniger können äußere Einflüsse einem Lebensraum anhaben. Durch vielfältige Trachtangebote (früh- und spätblühende Pflanzen) und Reduktion von Monokulturen im Umfeld kann das Risiko reduziert werden.

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Zusammenwirken von Belastungsfaktoren

Neben Honigtausch-bedingten Effekten greifen weitere Stressfaktoren: Klimawandel, Monokulturen, Pestizide (insbesondere Neonicotinoide) und Schädlinge wie Varroamilben schwächen die Insekten. Die Varroamilbe schwächt die Bienen, befallene Tiere sind beim Schlupf kleiner, bei starkem Befall sind Fehlentwicklungen der Flügel möglich, sie sterben früher und kehren häufiger als gesunde Artgenossen nicht in den Bienenstock zurück. Die Wirkung von Pestiziden kann Desorientierung und Tod bewirken. Nur in einem insgesamt gesunden Umfeld hat ein Volk genug Reserven, um zu überstehen.

Erklärung Honigtau & Melezitose: Ursachen und Imkerpraxis

Empfohlene Routine für Imkerinnen und Imker

  1. Regelmäßige Kontrollen des Brutnestes, der Wabenzustände und des Honigs.
  2. Systematische Varroakontrollen und rechtzeitige Varroabehandlung (organische Säuren, Oxalsäure, Brutmanagement).
  3. Beobachtung des Trachtangebotes: Bei starker Honigtautracht Beobachtung auf Melezitoseeffekte und ggf. Standortwechsel erwägen.
  4. Bei Verdacht Proben entnehmen und mikroskopisch/untersuchen lassen (z. B. bei Durchfall: Amöbenruhr/Nosema berücksichtigen).
  5. Hygienemaßnahmen: Wabentausch, Reinigung der Beuten, korrektes Umgang mit befallenem Material.
  6. Förderung von Biodiversität und Pollenquellen im Umfeld, um die Ernährungssituation zu verbessern.

Weiterführende Hinweise und Hilfsangebote

Fachinformationen und Beratung bieten örtliche Imkervereine, Bienensachverständige und veterinärbehördliche Stellen. Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten helfen, Praxiserfahrung und aktuelles Fachwissen zu erlangen.

Imkerkurs: Waben- und Krankheitskontrolle

Wichtige Fakten auf einen Blick

ThemaKernaussage
Ursache HonigschleimHonigtau (z. B. Melezitose) + geringes Pollenangebot; komplexes Faktorengefüge
Typische SymptomeHaarausfall (Schwarzsucht), verklebte Waben, Durchfall, Schwächung
Wichtige DifferenzialdiagnosenVarroose, Nosemose, Amöbenruhr, Brutkrankheiten
VorbeugungStarke Völker, Standortwahl, Biodiversität, Varroakontrolle
NotfallmaßnahmenStandortwechsel, Hygienemaßnahmen, ggf. Abschwefeln und Desinfektion

Honigschleim und honigtaubedingte Probleme erfordern ein ganzheitliches Management: Beobachtung, Prävention, gezielte Maßnahmen gegen Begleiterreger und die Förderung gesunder Umweltbedingungen sind die besten Werkzeuge, um Bienenvölker zu schützen.

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