Lindt Schokolade Skandal: Hintergründe, Informationen und Auswirkungen
Lindt & Sprüngli ist einer der bekanntesten Premium-Schokoladenhersteller weltweit, berühmt für seine feinste Schokolade und jahrhundertealte Tradition. Doch das Unternehmen sieht sich mit schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert, die die dunkle Seite der Schokoladenproduktion beleuchten: Gesundheitsrisiken durch Schwermetalle, fragwürdige Arbeitsbedingungen auf Kakaoplantagen und ethische Fragen im Umgang mit Konsumenten.
Erhöhte Schwermetallwerte in Lindt-Schokolade
Eine Untersuchung des US-Konsumentenmagazins «Consumer Reports» hat den Mythos der gesunden dunklen Schokolade erschüttert. 28 Tafeln mit dunkler Schokolade wurden auf ihren Gehalt an Cadmium und Blei geprüft. 23 der untersuchten Schokoladentafeln zeigten einen hohen Schwermetallgehalt.
Teil der Studie waren auch zwei Schokoladentafeln des Schweizer Herstellers Lindt. Die Schokoladentafel mit 70 Prozent Kakaogehalt wies einen hohen Cadmiumgehalt auf, die Tafel mit 85 Prozent Kakaogehalt einen hohen Bleigehalt. Der Verzehr von zirka 30 Gramm dieser Schokoladen pro Tag würde dazu führen, dass ein Erwachsener einen Wert von Schwermetall überschreitet, der nach Ansicht der Experten von «Consumer Reports» schädlich sein könnte.
| Produkt | Kakaogehalt | Über Grenzwert | Schwermetall |
|---|---|---|---|
| Lindt Excellence | 70 % | +16 % | Cadmium |
| Lindt Excellence | 85 % | +66 % | Blei |
Wie gelangen Schwermetalle in den Kakao?
Cadmium werde von den Kakaopflanzen aus dem Boden aufgenommen. Das Metall sammle sich in den Bohnen an, während der Baum wächst. Blei hingegen gelange in den Kakao, nachdem die Bohnen geerntet worden sind. Das Metall befinde sich typischerweise auf der äusseren Hülle der Kakaobohne, nicht in der Bohne selbst.
Für Blei müsste es Änderungen in den Ernte- und Herstellungsverfahren geben. So könne man durch das Trocknen von Bohnen auf Tischen oder sauberen Planen abseits von Strassen oder mit Schutzabdeckungen den Kontakt der Bohnen mit dem Boden minimieren. Eine andere Möglichkeit sei, mehr Blei während des Reinigungsprozesses zu entfernen, wenn die Bohnen in Fabriken verarbeitet werden. Eine Lösung für Cadmium sei schwieriger. Veränderung von Pflanzen könne bewirken, dass sie weniger Schwermetall aufnehmen. Das dauere aber mehrere Jahre.
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Gesundheitsrisiken durch Schwermetalle
Die Schwermetalle werden mit einer Vielzahl von Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht. Am größten sei die Gefahr für Schwangere und kleine Kinder, da die Metalle Entwicklungsstörungen verursachen, die Gehirnentwicklung beeinträchtigen und zu einem niedrigeren IQ führen können. Für Kinder und Schwangere ist die Gefahr bei langfristiger Exposition am grössten, schreibt «Consumer Reports».
Grundsätzlich lasse sich sagen: je höher der Kakaogehalt einer Schokolade, umso höher der Gehalt an Schwermetallen. Deswegen empfiehlt «Consumer Reports», dunkle Schokolade zwischendurch gegen Schokolade mit tieferem Kakaogehalt oder gegen Milchschokolade auszutauschen.
Juristische und ethische Aspekte: Der Skandal und Sammelklagen
Lindt nennt eigene Werbung „Angeberei“
US-Verbraucherschützer haben in Schokolade des Schweizer Konzerns Lindt & Sprüngli Schwermetalle gefunden, daraufhin wurde eine Sammelklage eingereicht. Das Unternehmen wollte diese stoppen - hatte damit aber vor einem New Yorker Gericht keinen Erfolg. Brisant an der Sache sind unter anderem die Argumente von Lindt, die dem eigenen Selbstverständnis als Premium-Marke widersprechen.
In der Werbung gemachte Qualitätsversprechen seien bloß „puffery“, zitierte die "NZZ" die Anwälte der Firma. Also: marktschreierische Übertreibung. Auch den Namen der Produktlinie "Excellence" dürfe man nicht überbewerten, hieß es. Laut den Anwälten von Lindt handele es sich "um übertriebene Werbung und um Angeberei, auf die sich kein vernünftiger Konsument verlasse". Sie hätten die Schokolade nicht gekauft, wenn sie von den Schwermetallen gewusst hätten - oder aber nicht so viel dafür bezahlt.
Konkret geht es um zwei Produkte: Die getestete Tafel von Lindt mit 70 Prozent Kakaoanteil enthielt den Verbraucherschützern zufolge 16 Prozent mehr Cadmium als erlaubt, die mit 85 Prozent Kakaoanteil 66 Prozent zu viel Blei.
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Kakaoanbau & Nachhaltigkeit: Realität hinter dem „Farming Program“
Der Schweizer Schokoladenkonzern Lindt & Sprüngli hat die Bekämpfung von Kinderarbeit «höchste Priorität» - so das Marketingversprechen. Doch die «Rundschau» ist in den Kakaoplantagen rund um die Provinzstadt Tepa in Ghana auf mehrere Fälle von verbotener Kinderarbeit in Lindts Lieferkette gestossen. Im Dorf Mfenibu schleppen der sechsjährige Kennedy und sein achtjähriger Bruder Ebenezer Kakaoschoten.
Lindt bezieht Kakao von rund 80’000 Bäuerinnen und Bauern in Ghana - und ist damit einer der wichtigsten Abnehmer von Kakao dieses Landes. Seit 2016 führt der Konzern ein Kinderarbeitsmonitoring durch. Dabei setzt Lindt auf unangemeldete Besuche bei den Kakaobauern. Bei 8491 solcher Besuche im Jahr 2021 deckte Lindt 87 Fälle von Kinderarbeit auf. «Lächerlich wenig» findet der ghanaische Journalist Kwetey Nartey: «Die Überwachung durch die Schokoladenfirma ist unzureichend.»
| Konzern | Farmen | Erkannte Fälle von Kinderarbeit | Jahr |
|---|---|---|---|
| Lindt & Sprüngli | 80.000 | 87 | 2021 |
| Barry Callebaut | 250.000 | 53.839 | 2021 |
Die Umsetzung des „Farming Programs“ erfolgt durch den Schweizer Rohwarenkonzern Ecom. Ecom, einer der grössten Kakaohändler weltweit, ist gleichzeitig Lindts Lieferant für Kakaobohnen aus Ghana. „Wir begleiten und überwachen die Umsetzung des Farming Programs kontinuierlich. Ein Qualitätssicherungssystem zielt darauf ab, potenzielle Interessenkonflikte der Lieferanten zu vermeiden“, schreibt Lindt auf Anfrage.
Prekäre Lage der Kakaobauern
Ghana ist nach der Côte d’Ivoire der zweitgrösste Kakaoproduzent und produziert jährlich rund 800’000 Tonnen Kakao. Rund 850’000 Familien in Ghana sind vom Kakaoanbau abhängig; es ist das wichtigste landwirtschaftliche Exportgut des Landes. Aktuell befindet sich der Kakaosektor in einer beispielslosen Krise: Ghanas Kleinbäuer:innen kämpfen mit Schädlingsplagen und der Klimakrise. Viele Böden sind durch die Trockenheit, den Kakaoanbau in Monokulturen und den zunehmenden Einsatz von Düngern und Pestiziden ausgelaugt.
Der illegale Goldabbau, lokal «Galamsey» genannt, zerstört ganze Landstriche, vergiftet Flüsse mit Quecksilber und Schwermetallen und frisst sich zunehmend in Kakaoanbaugebiete. Zudem sind viele Farmen mittlerweile vom «Swollen shoot»-Virus befallen, einem Virus, das in den ersten Jahren nach Befall bis 50 Prozent der Ernte dahinrafft.
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Kakaobäuer:innen in Ghana haben von dem Preisanstieg bei Kakao praktisch nichts gemerkt. Das hat auch mit der Kakaobürokratie in Ghana zu tun. Das staatliche Ghana Cocoa Board legt den Preis, den die Kleinbäuer:innen pro Sack Kakao erhalten, jeweils ein Jahr im Voraus fest. Über 30 Prozent der Exportpreise streicht die Behörde für Marketing, Qualitätskontrolle, Steuern und Sprayprogramme selbst ein.
Pestizideinsatz und Umweltproblematik
Im Rahmen des Nachhaltigkeitsprogramms von Lindt & Sprüngli nutzen ghanaische Kakaobäuer:innen Pestizide, die in der EU und der Schweiz verboten sind - und gefährden damit ihre Gesundheit. Die Kakaoplantagen werden monatlich von April bis November mit hochgiftigen Pestiziden wie Confidor (Imidacloprid) und Akate Master behandelt. Diese Wirkstoffe gelten als hochgefährlich und sind für ihre Risiken in der Landwirtschaft und Umwelt bekannt.
Die beiden Neonicotinoide Imidacloprid und Thiamethoxam gelten als hochgefährlich für Bienen und weitere Bestäuber und reichern sich in der Umwelt und in den Böden an. Die EU hat den Einsatz von Imidacloprid 2018 aufgrund «inakzeptabler» Risiken für Bienen verboten. Zudem wurden in Kakaobohnen Rückstände von Aldrin, Lindan und Endosulfan nachgewiesen - alles Wirkstoffe, die auf internationalen Verbotslisten stehen.
Die Unternehmensgeschichte von Lindt & Sprüngli
Alles begann mit der Eröffnung von David Sprünglis kleinem Süßwarenladen in Zürich. Dank Sprünglis Unternehmergeist und Leidenschaft wuchs das Geschäft schnell. Schon bald war Sprüngli ein bekannter Name unter den Schokoladenherstellern.
1845 stellten David Sprüngli und sein Sohn Rudolf Sprüngli-Ammann die erste feste Schokoladentafel im deutschsprachigen Teil der Schweiz her. 1879 revolutionierte Rodolphe Lindt die Schokoladenherstellung mit der Erfindung des Conchierens, wodurch die bekannte cremige Lindt Schokolade entstand.
1899 wurde die perfekte Partnerschaft geboren: Johann Rudolf Sprüngli kaufte Lindt für 1,5 Millionen Goldfranken und Lindt blieb weiterhin im Geschäft involviert. Von hier an entstanden parallel zwei Einrichtungen: Sprüngli und Lindt & Sprüngli.
Bis heute ist Lindt & Sprüngli die Nummer 1 im weltweiten Premium-Schokoladenmarkt und bekannt für seine Schokoladenklassiker. Das Unternehmen setzt sein Wachstum in allen Schlüsselmärkten mit eigenen Tochtergesellschaften oder Vertriebsunternehmen fort. Heute ist Lindt & Sprüngli ein bekannter Name, der weltweit Glückseligkeit, Qualität und Schokoladengenuss signalisiert.
Konsumentenperspektive & Produktqualität
Der Hersteller Lindt betont, dass die Schokolade weiterhin gegessen werden kann. „Die Lindt & Sprüngli Gruppe stellt höchste Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit und die Qualität ihrer Produkte.“ Das Geheimnis des einzigarten Lindt Geschmacks liegt in der Lindt Gourmet-Schokoladen-Herstellung. Feinster Kakao, ein einzigartiges Röst- und Mahlverfahren und der Conchierprozess sorgen für den unvergleichlichen Geschmack.
Die Qualitätssicherung umfasst den gesamten Produktionsprozess: von der Auswahl hochwertiger Kakaobohnen bis zum fertigen Gourmetprodukt. Alle Produkte durchlaufen strenge Qualitätsprüfungen, und die Zutatenlisten sind transparent und nachvollziehbar. Kakaobohnen sind das Herzstück der Schokoladenproduktion. Grundsätzlich wird zwischen Konsumkakao und Edelkakao unterschieden.
Lindt & Sprüngli arbeitet an zahlreichen Verpackungsinitiativen, um das Gewicht des Verpackungsmaterials zu reduzieren, den Verpackungsabfall in der Produktion zu verringern und die Verpackungszerstörung zu minimieren. Das Unternehmen verfolgt das Ziel, bis 2050 Netto-Null-Treibhausgasemissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu erreichen.
Fazit: Kann Schokolade noch genossen werden?
Der erhöhte Schwermetallgehalt bedeutet nicht, dass ab sofort ganz auf Schokolade verzichtet werden muss. Eine genaue Berechnung, ab wann der Verzehr riskant ist, ist kompliziert. Der Gehalt könne variieren, und Menschen hätten verschiedene Risikostufen. «Consumer Reports» empfiehlt, dunkle Schokolade zwischendurch gegen Schokolade mit tieferem Kakaogehalt oder gegen Milchschokolade auszutauschen. Kindern sollte nicht zu viel dunkle Schokolade gegeben werden, da für sie die Gesundheitsgefährdung durch Schwermetalle höher ist.
Lindt & Sprüngli heute
Als weltweit führender Anbieter von Premium-Schokolade ist Lindt & Sprüngli in mehr als 120 Ländern mit 11 Produktionsstandorten in der Schweiz, Europa und den USA etabliert. Trotz seines Wachstums ist das Unternehmen immer noch ein heimisches Unternehmen - tatsächlich bleiben die Schweizer die größten Champions, wobei jeder Bürger durchschnittlich einen LINDOR Trüffel pro Tag konsumiert.
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