Lindt Adventskalender Moschee Kontroverse: Hintergründe, Reaktionen und Debatte

Ein Harmloser Adventskalender wird zum Auslöser einer landesweiten Kontroverse: Der „1001 Weihnachtstraum“ Adventskalender von Lindt sorgte für reichlich Aufregung und entfachte eine intensive Diskussion über Islamisierung, kulturelle Symbole und die Auslegung von Weihnachtsbräuchen

Lindt Adventskalender mit orientalischem Motiv
. Die aktuelle Flüchtlings- und IS-Terror-Diskussion trieb seltsame Blüten, und ihr jüngstes Opfer: Lindt. Der Schokoladenhersteller entfesselte unfreiwillig einen Shitstorm. Grund der Empörungswelle im Internet: Ein harmloser Adventskalender, dessen Verpackung eine vermeintliche Moschee zeigt.

Die Entstehung der Kontroverse

Seit Jahren stellt die Schweizer Firma Lindt den Weihnachtskalender „1001 Nacht“ her. Er bildet eine orientalische Landschaft ab. Der Adventskalender ist keine neue Marketingmaßnahme für „die neue Zielgruppe“, wie einige rechte Hetzer vermuten, sondern Lindt hat das Motiv schon seit zehn Jahren im Programm. Schon früher war der Kalender im Lindt-Shop erhältlich und ist mittlerweile, wie viele andere Produkte, vergriffen.

Der Kalender zeigt auf seiner Verpackung ein orientalisches Gebäude, das wütende Nutzer in den sozialen Medien als Moschee identifizieren. Der Slogan „1001 Weihnachtstraum“ befeuerte die Diskussion. Das Gebäude könnte ein Sultanspalast sein, aber eben auch eine Moschee, obwohl keiner der abgebildeten Türme ausdrücklich ein Minarett darstellt. Es liegt im Auge des Betrachters. Viele sehen darin jedenfalls ein Gotteshaus, in dem der Koran verkündet wird.

Adventskalender Motiv: Moschee oder Palast?

Digitale Empörung und Boykottaufrufe

Seit das antimuslimische Hetzportal „pi-news“ unter der Überschrift „Lindt islamisiert den Advent“ am 3. Dezember über den Schokoladenkalender berichtete, steht das Telefon bei Lindt-Sprüngli nicht mehr still, und die Social-Media-Administratoren der Firma haben alle Hände voll zu tun. In einem wahren Shitstorm hätten viele Nutzer ihre Wut über den vermeintlich „muslimischen Kalender“ bekundet. Die Empörten sammelten sich in den Kommentarspalten anderer Beiträge und brachten mehr oder weniger offene Boykottvorschläge sowie Ankündigungen: „Nie wieder Lindt in meinen Mund!“

ReaktionstypBeispiele
Hass-Kommentare„Werbung für eine archaische Gesellschaftsordnung ,ISLAM‘, in der Frauen gesteinigt werden“
Boykott-Aufrufe„Ich kaufe keine LINDT Schokolade mehr!“
Humorvolle Reaktionen„Wie gut, dass nun viele der 'besorgten Bürger' auf Schokolade von Lindt verzichten“
Aufklärende Beiträge„Der Geburtsort im Heiligen Land auf einer Karte markiert als Gegenreaktion“

Die meisten Boykottaufrufe wurden mit Humor aufgenommen. Viele wütende Kommentare vermuteten hinter dem Kalender eine „Islamisierung des Weihnachtsfestes“. Einige Nutzer konterten mit Fakten und Aufklärung: „Aus meiner Kindheit kenne ich Adventskalender mit Häusern und Kirchen - und zu Heiligabend schaute man durch die Kirchentür auf eine Krippe.“

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Internetreaktionen und Kommentar-Debatte zum Lindt Adventskalender

Die Rolle rechter Gruppierungen und Medien

Islamhasser mobilisierten gegen „muslimische“ Adventskalender und gegen Halal-Fleisch im Supermarkt. Als Pegida-Gründer Lutz Bachmann seine Motive darlegte, in Dresden gegen eine angeblich drohende „Islamisierung des Abendlandes“ auf die Straße zu gehen, führte er als Beispiel einen Berliner Weihnachtsmarkt an, der in Wintermarkt umbenannt worden sei - angeblich aus Rücksicht auf die religiösen Gefühle von Muslimen. Die Story hatte so in der Bild-Zeitung gestanden. Dass sich die Dinge in Wirklichkeit ganz anders verhielten, war den Islamhassern schon damals egal - sie witterten eine muslimische Weltverschwörung.

Für Europas Rechtspopulisten ist Halal-Fleisch ein gefundenes Fressen, weil sich damit antimuslimische Ressentiments mit Argumenten wie Tierschutz verbinden lassen. In Dänemark und den Niederlanden haben sie bereits erfolgreiche Kampagnen gegen Halal-Fleisch geführt und dafür gesorgt, dass die rituelle Schlachtung in ihren Ländern verboten wurde.

Pegida Demonstration und Symbolik

Orientalisches Motiv: Ursprung und Interpretation

Mit seinen orientalischen Gebäuden und Verzierungen kommt der Adventskalender durchaus etwas ungewöhnlich daher. Das Motiv erinnert eher an das Bagdad aus den Märchen als an Bethlehem unter römischer Herrschaft, mehr an den kleinen Muck als an das Jesuskind in der Krippe.

Die Verpackung stellt „eine Visualisierung der damaligen lokalen Lebensumstände“ dar, erklärte der Hersteller Lindt. Dazu gehöre auch „Architektur und Kultur, wie diese in der orientalischen Welt zu Christi Geburt gewesen sein könnte“. Dass die drei Weisen, die in der Bibel Gold, Weihrauch und Myrrhe an die Wiege Jesu bringen, aus dem Morgenland kamen, scheinen viele der wütenden Kommentatoren vergessen zu haben.

Das abgebildete Gebäude ist bei genauerer Betrachtung keine Moschee, sondern ein Sultanspalast. Christliche Kirchen vor Jesu Geburt dürften eher selten gewesen sein. Dennoch wurde die Szene als Visualisierung zur Geburt Jesu geschaffen.

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Orientalische Architektur im Vergleich: Moschee vs. Palast

Der 1001 Nacht Adventskalender hat vermutlich mehr mit Weihnachten zu tun, als jeder andere im Handel. Normalerweise sollte ein Produkt, das seit über zehn Jahren auf dem Markt ist, nicht mehr für großen Wirbel sorgen. Im Fall eines Lindt-Adventskalenders ist das Gegenteil der Fall.

Lindt reagiert auf die Kontroverse

Bei Lindt ist man über diese Hasslawine überrascht und erschrocken. „Die haben das losgetreten“, sagt eine Sprecherin von Lindt über „pi-news“. Bislang antwortet Lindt mit der immer gleichen Stellungnahme - freundlich und geduldig. Zunächst beginnt es in PR-Sprech: „Lindt & Sprüngli möchte immer Freude bereiten und dies nicht nur mit bester Qualitätsschokolade und raffinierten Rezepturen, sondern auch mit einer ansprechenden Verpackung.“ Dann wird erklärt, dass es dem Konzern fernliege, „mit unseren Produkten die Gefühle“ der Kundschaft zu verletzen. „Es tut uns sehr leid, wenn dies der Fall war.“ Respekt und Toleranz, unabhängig von Geschlecht, Religion, politischer Auffassung und sonstigen Überzeugungen seien für den Konzern Basis jeden Handelns. „Selbstverständlich respektieren wir daher auch den kulturellen Hintergrund des Weihnachtsfestes.“

Zu dem Adventskalender wird erklärt: „1001 Nacht ist seit über 10 Jahren ein Lindt-Klassiker an Weihnachten. Die Verpackung stellt eine Visualisierung der damaligen lokalen Lebensumstände dar. Dazu gehören auch Architektur und Kultur, wie diese in der orientalischen Welt zu Christi Geburt gewesen sein könnte.“

Ob die Erklärung des Süßwarenherstellers zur Beruhigung beitragen kann, bleibt abzuwarten.

Reaktionen aus Österreich: Halal-Fleisch als paralleles Thema

In Österreich erregt ein vergleichbarer Protest die Gemüter. Nachdem die muslimfeindliche Hetzseite „unzensuriert.at“ angeprangert hatte, dass die Supermarktkette Spar in ihren Wiener Filialen testweise auch Halal-Fleisch angeboten habe, ging ebenfalls ein Shitstorm auf das Unternehmen nieder. Da half es auch nichts, dass die Tiere vor ihrer Schlachtung betäubt wurden, wie Spar zu betonen nicht müde wurde. Das Unternehmen zeigte sich „traurig und schockiert“ und sprach von „unbegründeten (!) Vorwürfen“, knickte aber vor den Protesten ein und stoppte vorerst den Verkauf.

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Halal Fleisch im Supermarkt: Protestwelle

Kulturelle Symbole und Weihnachtsdebatte

Mit Blick auf den Vorwurf der Islamisierung markierte ein Nutzer als Gegenreaktion den Geburtsort im Heiligen Land auf einer Karte. Viele Nutzer machten die Verfasser der Hass-Kommentare auf die Unsinnigkeit ihrer Aussagen und deren eigenes Unwissen über die christlichen Traditionen aufmerksam. Der Adventskalender „1001 Weihnachtstraum“ hat vermutlich mehr mit Weihnachten zu tun, als jeder andere im Handel.

Viele Empörte schimpfen dennoch und widersprechen Lindt. Ein anderer nennt „Werbung für eine archaische Gesellschaftsordnung ,ISLAM‘, in der Frauen gesteinigt werden“ geschmacklos und verkündet: „Ich kaufe keine Lindt Schokolade mehr!“ Am Ende bekommt Lindt auch viele zustimmende Kommentare: „Ein dickes Lob an die Admins dieser Seite, die sich mit einer wahren Engelsgeduld dem schriftlichen Ansturm an latenter, aber leider auch unverholener Intoleranz und Ignoranz entgegenstellen.“

Lindt, Markt und gesellschaftliche Debatte

Der Umsatz macht einen Sprung, die Produktion läuft monatelang auf Hochtouren, und Mitarbeiter haben alle Hände voll zu tun, die riesige Nachfrage zu befriedigen. Weihnachtsmänner aller Größen, Lebkuchen und Baumschmuck, mit diversen Leckereien gefüllte Schokokugeln und natürlich Adventskalender - alles will unters Volk gebracht werden. Ganz vorn mit dabei: Lindt & Sprüngli, eines der weltweit bekanntesten Schweizer Unternehmen.

Die Social-Media-Abteilung des Konzerns hat alle Hände voll zu tun. Der Schokoladenproduzent sieht sich mit wütender Kritik, Beschimpfungen, Boykottvorschlägen und Empörungswellen konfrontiert.

Lindt Adventskalender: Produktionshoch und Nachfrage

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Respekt und Toleranz bleiben zentrale Werte. Lindt betont: „Es liegt uns fern, mit unseren Produkten die Gefühle unserer Konsumentinnen und Konsumenten zu verletzen, und es tut uns sehr leid, wenn dies der Fall war.“

Infografik: Werte und Leitbild bei Lindt

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