Die Geschichte und Sorten der Aachener Printen von Lebkuchen Schmidt
Aachener Printen gelten in Deutschland als ein Wahrzeichen der Stadt Aachen und sind weit über die Landesgrenzen hinaus als regionale Spezialität bekannt. Als herb-süßer Lebkuchen sind sie ein fester Bestandteil der deutschen Genusskultur, vor allem zur Advents- und Weihnachtszeit, aber auch ganzjährig in der Domstadt und den umliegenden Orten. Die Aachener Printen, deren Ursprünge im benachbarten Belgien vermutet werden, blicken auf eine bewegte und lange Traditionsgeschichte zurück, die bis in die Antike hineinreicht und sich im Laufe der Jahrhunderte stetig weiterentwickelte.
Ursprung und Begriffsklärung: Woher kommt die Printe?
Der Name „Printe“ ist abgeleitet vom englischen „print“ und dem niederländischen „prent“, was „drucken“ beziehungsweise „Abdruck“ bedeutet. Ursprünglich stand die Bezeichnung für das im 15. Jahrhundert übliche Benutzen kunstvoll geschnitzter Holzformen, in die der Teig eingedrückt wurde, um das Relief auf das Gebäck zu übertragen.
So bezeichnet man Printen als „Modelgebäck“. Die Tradition, Lebkuchen in verzierten Holzformen (sogenannten Gebildbrotmodellen) herzustellen, reicht weit zurück und ist besonders im Raum der Maasstadt Dinant (Belgien) belegt. Dort wurde bereits um das Jahr 1000 ein Vorläufer der Printe als religiöses Festtagsgebäck produziert.
Die Geschichte der Aachener Printen
Im Mittelalter galt Honigkuchen, also Lebkuchen, als eine von wenigen Süßwaren, die dem einfachen Volk zugänglich waren. Im Laufe der Jahrhunderte verbreitete sich das Handwerk der Lebküchner - Bäcker, die sich auf Lebkuchen spezialisierten - von Klöstern nach Aachen. Die Rezeptur bestand lange Zeit hauptsächlich aus Mehl, Honig und verschiedenen Gewürzen.
Während bis etwa zu Beginn des 18. Jahrhunderts in der Grundrezeptur des Teigs Honig und Gewürze dominierten, ermöglichte mit der Zeit der Import von Rohrzucker und später die Züchtung zuckerreicher Rüben neue Rezepturen. Die Kontinentalsperre Napoleons ab 1806 führte damals dazu, dass Bäcker und Konditoren in der Region kreative Alternativen zu den bislang verwendeten Zutaten entwickeln mussten.
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So wurde anstelle von teurem Honig und zuckerhaltigen Importen zunehmend heimischer Zuckerrübensirup verwendet. Aus dieser Not heraus erfand um 1820 der Aachener Bäcker Heinrich Lambertz die sogenannte Kräuterprinte, ein herb-süßes Gebäck, das sich schnell verbreitete.
Mit dem sich verändernden Zuckerpreis ab den 1830er-Jahren wurde die Herstellung der Printen weiter ausgebaut und neue Varianten wie die mit Zuckerglasur versehene Prinzessprinte kamen hinzu. Um 1850 wurde dem Teig erstmals Krümelkandis beigegeben, was dem Gebäck eine neue Textur verlieh, und ab den 1860er-Jahren veredelten Bäcker die Printe erstmals mit Schokoladenüberzug.
Der bekannte Aachener Bäcker und Konditor Henry Lambertz durfte sich ab etwa 1870 Hoflieferant für das belgische, niederländische und preußische Königshaus nennen.
Bis heute ist die Aachener Printe mit einer geschützten geografischen Angabe versehen und darf nur in Aachen und umliegenden Gemeinden hergestellt werden.
Herstellung und traditionelle Zutaten
Für die Herstellung original Aachener Printen nach altem Rezept werden dunkles Weizenmehl, Kandiszucker, Farinzucker, Zuckersirup und eine geheime Mischung aus weihnachtlichen Gewürzen wie Zimt, Nelken, Koriander und Anis verwendet. Das Mengenverhältnis der Gewürzmischung wird von traditionellen Bäckereien wie ein Geheimnis gehütet.
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| Hauptzutat | Besonderheit |
|---|---|
| Dunkles Mehl | Sorgt für Struktur und Farbe |
| Kandiszucker und Farinzucker | Für die charakteristischen Zuckerkristalle |
| Zuckerrübensirup | Verleiht Feuchtigkeit, Süße und Haltbarkeit |
| Gewürze (Zimt, Nelken, Koriander, Anis) | Für das typische Aroma |
Die Herstellung erfolgt traditionell: Der Teig ruht etwa zwei Tage, damit sich die Gewürzaromen optimal entfalten können. Danach wird er mithilfe von Walzen geformt, auf Backbleche gelegt und bei etwa 200°C gebacken. Nach dem Abkühlen erhalten die Printen oft noch einen glänzenden Überzug aus Kartoffelmehl und Wasser oder werden mit Schokolade, Nüssen oder Mandeln verfeinert.
Sorten und Varianten der Aachener Printen
Im Laufe der Jahrhunderte haben sich zahlreiche Sorten entwickelt. Besonders populär sind die folgenden:
- Kräuterprinten: Der Klassiker unter den Printen, traditionell herb und knusprig.
- Weichprinten: Für Liebhaber des weichen Gebäcks. Nach dem Backen in einer Klimakammer mit hoher Luftfeuchtigkeit gelagert und häufig mit Schokolade überzogen.
- Prinzessprinten: Versehen mit einer Zuckerglasur, die ab den 1830er-Jahren beliebt wurde.
- Schokoladenprinten: Ab den 1860er-Jahren kamen Varianten mit dunkler oder sogar weißer Schokolade hinzu.
- Kräutermoppe: Eine kleinere Form der Kräuterprinte mit aufgesetztem Mandelstück.
Zu besonderen Anlässen werden noch heute auf Bestellung Motivprinten in nach historischen Vorlagen geschnitzten Holzmodellen produziert.
Bedeutung und Kultur rund um die Printe
Die Printe ist weit mehr als nur ein Gebäck - sie ist ein Symbol der Stadt und fest mit der Identität Aachens verbunden. Auch in der Namensgebung von Vereinen, Veranstaltungen und Auszeichnungen spiegelt sich die Verbundenheit wider, beispielsweise bei der Karnevalsgesellschaft „Oecher Prente“ oder dem „Printen Promenaders Aachen Square Dance Club“.
Nicht zuletzt gehören Aachener Printen zu den wichtigen Souvenirs für Touristen und erfreuen sich internationaler Bekanntheit. Printen werden das ganze Jahr über, aber vor allem in der Weihnachtszeit genossen. Auf Weihnachtsmärkten verbreitet sich durch sie der Duft von Anis, Kardamom und Zimt in den Gassen.
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Das Gebäck findet seinen Weg längst nicht mehr nur auf den Plätzchenteller: Ob als Zutat in deftigen Gerichten wie dem typischen rheinischen Sauerbraten, als Eis, Likör oder Tee - die Printe begeistert experimentierfreudige Köche und Feinschmecker gleichermaßen.
Regionale Konkurrenz und Verwandte der Aachener Printen
Die Vielfalt deutscher Lebkuchenlandschaften spiegelt sich in Verwandten wie dem Pulsnitzer Pfefferkuchen, den Nürnberger Lebkuchen und dem Dresdner Stollen wider - allesamt Spezialitäten mit eigenem Charakter, Ursprungsmythen und Herstellungsverfahren.
Aachener Printen dürfen sich so nur nennen, wenn sie aus Aachen oder den umliegenden Orten Roetgen, Alsdorf, Stolberg, Würselen oder Baesweiler stammen - alles andere sind „Printen“, aber keine „Aachener Printen“.
Von der Backkunst zur industriellen Fertigung
Auch die industrielle Produktion hat die Printe erreicht: In großen Werken wie bei Lambertz läuft die Fertigung während der Wintersaison Tag und Nacht. Auf bis zu sieben Form- und Backstraßen werden täglich über 140.000 Kilo Printen, Kekse und Lebkuchen produziert. Der Teig wird nach dem Backen passgenau zugeschnitten, oft mit Schokolade überzogen, abgekühlt und verpackt.
Ob mit Kandis, Nüssen, Schokolade oder klassisch - Aachener Printen vereinen alte Rezeptur und moderne Produktion zu einer vielfach ausgezeichneten Spezialität, deren Tradition lebendig ist und die Genuss und Handwerkskunst auf süße Weise repräsentiert.
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