Lebkuchen: Inhaltsstoffe, Allergene und Symptome – Was Allergiker wissen müssen

Lebkuchen und anderes weihnachtliches Gebäck gehören zur festlichen Adventszeit einfach dazu. Doch für viele Menschen bedeutet der Genuss von Zimtsternen, Lebkuchen und Plätzchen auch ein erhöhtes Risiko von allergischen Reaktionen oder Unverträglichkeiten. Ob ein Kribbeln im Mund, Bauchschmerzen oder gar ernste Symptome - Allergien auf Inhaltsstoffe des beliebten Gebäcks sind keine Seltenheit.

Illustration von Lebkuchen und weihnachtlichen Gewürzen

Typische Inhaltsstoffe im Lebkuchen und ihre Risiken

Ein klassischer Lebkuchen enthält meist eine Vielzahl an Zutaten, die als potentielle Auslöser für Allergien oder Intoleranzen bekannt sind. Zu den häufigsten gehören Nüsse, Eier, Milchprodukte, Mehl (Gluten) sowie diverse Gewürze wie Zimt, Anis, Kardamom, Gewürznelken und Koriander.

  • Nüsse und Erdnüsse: Sie gehören zu den wichtigsten Zutaten in vielen Varianten und sind Allergieauslöser Nummer 1 in der Weihnachtszeit. Besonders Erdnüsse, Haselnüsse und Mandeln stehen im Mittelpunkt.
  • Eier und Milch: Nicht nur Nüsse sind heikel im Weihnachtsgebäck, auch Eier und Milch können allergische Reaktionen verursachen, die sich gleich äussern wie bei einer Nussallergie.
  • Mehl/Gluten: Das Klebereiweis, das in verschiedenen Getreide- und somit Mehlsorten enthalten ist, schädigt bei Betroffenen einer Zöliakie die Schleimhaut des Dünndarms.
  • Trockenfrüchte und Fruktose: Rosinen, getrocknete Aprikosen und Pflaumen sind beliebte Zutaten, können aber bei Personen mit Fruktosemalabsorption Beschwerden hervorrufen.
  • Gewürze: Zimt, Anis, Kardamom, Gewürznelken und Koriander sind potenzielle Auslöser für Kreuzallergien bei Pollenallergikern, insbesondere bei Heuschnupfengeplagten.
Klassische Zutaten von Lebkuchen und ihre Allergiepotenzen

Symptome von Lebkuchen-Allergien und Intoleranzen

Typische Allergiesymptome

Zu den klassischen Symptomen einer Lebensmittelallergie gehören Juckreiz oder ein pelziges Gefühl im Mundbereich sowie Schwellungen an Lippen und Gaumen. Nach einem Stück Lebkuchen kitzelts im Mund, ein Zimtstern und der Bauch schmerzt: Das sind typische Symptome einer Nahrungsmittelallergie oder Intoleranz.

Weitere, weniger gefährliche Allergiesymptome sind Nesseln, laufende Nase, Husten, Atemnot, Kopfschmerzen, Blutdruckabfall und Herzrasen. Bei schwerwiegenden Reaktionen kann es zu einem anaphylaktischen Schock kommen.

Nach dem Verzehr eines Lebkuchens kommt es zu einem juckenden Hautausschlag und der Bratapfel lässt die Augen zuschwellen. Das sind typische Symptome einer Sofortallergie.

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Durchfall, Verstopfung, Blähungen, Kopfschmerzen und auch eine plötzliche Gewichtszunahme können Symptome einer verzögerten Nahrungsmittelallergie sein.

Interview mit Allergieexpertin zu Symptomen bei Weihnachtsgebäck

Spezielle Intoleranzen bei Lebkuchen-Inhaltsstoffen

  • Laktoseintoleranz: «Jede fünfte Person in der Schweiz ist heute laktoseintolerant und kann aufgrund eines Laktasemangels Milchzucker nicht (ganz) verdauen», so Beuret. Der Milchzucker wandert unverdaut in den Dickdarm, wo er von Bakterien vergoren wird. Bauchkrämpfe, Blähungen, Verstopfung und Übelkeit sind die Folge.
  • Fruktosemalabsorption: «Wer an einer Fruktosemalabsorption leidet, kann aufgrund einer eingeschränkten Funktion des Transportproteins den Fruchtzucker nicht ausreichend in die Darmzellen aufnehmen. Es kommt zu Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Verstopfungen oder Übelkeit.»
  • Zöliakie (Glutenunverträglichkeit): «Das Klebereiweis, das in verschiedenen Getreide- und somit Mehlsorten enthalten ist, schädigt bei Betroffenen einer Zöliakie die Schleimhaut des Dünndarms», erklärt Noemi Beuret. In der Folge werden Nährstoffe weniger gut aufgenommen.
  • Histaminintoleranz: «Die Symptome einer Histaminintoleranz reichen von Hautrötungen, Juckreiz, rinnender Nase über Verdauungsbeschwerden bis hin zu Kopfschmerzen, Blutdruckabfall und Herzrasen», weiss die Expertin.

Wer ist besonders häufig betroffen?

Vor allem Kinder sind betroffen. «Fast ein Viertel aller Nahrungsmittelallergien bei Kindern werden von Hühnerei ausgelöst (23,7 Prozent), gefolgt von Kuhmilch (20,1 Prozent) und Erdnüssen (14 Prozent).» Bei den Erwachsenen mit einer Nahrungsmittelallergie reagieren lediglich 8 Prozent auf Milch, 4 Prozent auf Hühnerei und auf Nüsse.

Plätzchen, Lebkuchen und Stollen - und schon kommen Kindheitserinnerungen hoch und man hat das Gefühl den Duft in der Nase zu haben. Besonders für Nahrungsmittelallergiker ist große Vorsicht geboten, da bereits Spuren von Nüssen schwere Symptome auslösen können. Parallel dazu nehmen die Nussallergien zu, da Nüsse als Snack oder in internationalen Gerichten immer populärer werden.

Zunahme von Nahrungsmittelallergien bei Kindern - Diagramm

Nussallergien im Detail

Primäre und sekundäre Nussallergien

Nüsse sind Nahrungsmittel, die aus sehr unterschiedlichen botanischen Familien stammen. Sie enthalten verschiedene Allergenkomponenten, von denen einige schwere systemische Reaktionen auslösen und andere eher milde allergische Symptome aufgrund von Kreuzreaktivitäten verursachen können.

  • Primäre Nussallergie: Diese Form tritt bereits im Kindesalter auf und wird häufig von Erdnüssen ausgelöst. Die Ursache: Der Körper nimmt bestimmte Proteine der Nüsse fälschlicherweise als Feind wahr und reagiert mit Symptomen.
  • Sekundäre Nussallergie (Kreuzallergie): Diese Form bezeichnen Mediziner auch als Kreuzallergie, sie kommt meistens bei Erwachsenen vor. Von einer Kreuzreaktion sprechen Ärzte, wenn eine Person zuerst auf ein bestimmtes Allergen reagiert und anschließend auf ein anderes Allergen, das dem ersten ähnelt.

Zu den Symptomen zählen Übelkeit, Erbrechen , Durchfall aber die Wahrscheinlichkeit für eine schwere allergische Reaktion oder einen anaphylaktischen Schock ist bei dieser Art größer. Vor allem bei Erdnüssen und Haselnüssen ist das Risiko erhöht.

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Eine allergische Reaktion auf Nüsse kann unterschiedliche Beschwerden auslösen, allerdings sind bei den kreuzreaktiven Nussallergien eher leichtere Symptome zu erwarten.

Nessele, juckende Haut, Schwellungen, Atemnot und unregelmäßiger Herzschlag sind typische Warnzeichen für eine Anaphylaxie.

Diagnose und Differenzierung

Um die Diagnose Nussallergie zu stellen, veranlasst der Arzt nach einem umfangreichen Anamnesegespräch eine Reihe von Tests. Bei einem sogenannten Prick-Test oder Hauttest bringt er die Allergene von Nüssen in Form von Tröpfchen auf den Oberarm auf. Rötet sich die Haut oder bilden sich Quaddeln, ist das ein Hinweis auf eine Nussallergie.

Zusätzlich wird eine Blutuntersuchung durchgeführt, um spezifische IgE Antikörper im Blut nachzuweisen. Eine sehr genaue, schnelle und einfache Testmöglichkeit ist der ALEX2 Allergy Explorer. Die spezifischen IgE-Bestimmungen mit dem umfangreichen Allergenpanel am ALEX2 Allergietest ermöglicht eine „echte” Nussallergie von Kreuzreaktionen zu unterscheiden und liefert weitreichende Informationen über das Risiko, ernsthafte Reaktionen bei Exposition gegenüber Nüssen zu entwickeln.

Oftmals deuten spezifische IgE-Antikörper gegen die Speicherproteine wie Albumine und Globuline auf eine „echte” Erdnuss-Allergie und ein erhöhtes Risiko schwerer Reaktionen hin. Im Gegensatz dazu, sind PR-10 Proteine der Haselnuss (Cor a 1), Erdnuss (Ara h 8) und Soja (Gly m 4) mit lokalen Symptomen wie dem oralen Allergiesyndrom (OAS) assoziiert und Marker für Birkenpollen-assoziierte Kreuzreaktionen.

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Schema Allergietests: Hauttest, Bluttest und IgE-Analyse

Therapie und Notfallmaßnahmen

Die gängige Therapie bei Nussallergien ist es, die Allergie-Auslöser zu vermeiden und gegen leichtere Beschwerden Antihistaminika einzunehmen. Das Auftreten auch von schweren allergischen Reaktionen bis hin zu einem anaphylaktischen Schock ist bekannt, insbesondere bei einer Erdnussallergie. Daher muss die Patientin/der Patient und dessen Umfeld immer im Umgang mit Notfall-Maßnahmen und den Notfallmedikamenten gut geschult sein.

Forscher arbeiten an einer oralen Immuntherapie, die Erdnuss-Allergien in Zukunft womöglich heilen kann. Die Entwicklung der epikutanen Immuntherapie bei einer Erdnussallergie ist mittlerweile weit fortgeschritten (Prüfung in Phase-III-Studien).

Kreuzallergien durch Lebkuchengewürze

Zimt, Anis, Kardamom und andere Lebkuchengewürze können eine pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie hervorrufen - eine sogenannte Kreuzreaktion. «Weil Eiweisse der Pollen und gewisser Lebensmittel ähnlich sind, erkennt der Körper letztere ebenfalls als Allergene und reagiert.»

  • Wen im Sommer der Heuschnupfen plagt, der sollte sich in der Adventszeit genau beobachten. Zimt-, Anis- und Haselnussplätzchen und auch Marzipan können Eiweiße enthalten, die bestimmten Pollenallergenen ähneln.
  • Anis, Nelken, Koriander, Zimt, Kardamom, Pfeffer und Piment sind potenzielle Allergene für alle, die im Frühjahr und Sommer auf Sauerampfer-, Spitzwegerich-, Beifuß-, Goldrute- und Gänsefußpollen reagieren.

Pollenallergiker sollten deswegen entweder ganz auf Lebkuchen und Co. verzichten, wenn sie von ihrer Kreuzallergie wissen, oder nur sehr vorsichtig ausprobieren, was sie vertragen.

Allergische Reaktionen nach dem Griff in die Keksdose sind leider kein Einzelfall. Die Gewürze können Symptome wie Kribbeln oder Jucken auf den Mundbereich beschränken.

Tipps für die Adventszeit mit Allergierisiko

  • Im Supermarkt sind verpackte Lebkuchen und Plätzchen oft mit Allergikerhinweisen versehen. Auf dem Christkindlmarkt fehlen diese Hinweise häufig.
  • Der einzige Weg, um auf der sicheren Seite zu stehen, ist: selber backen. Dabei kann man typische Allergene ersetzen - Haselnüsse und Erdnüsse zum Beispiel durch Mandeln, Haferflocken, Kokosraspeln oder Amaranth.
  • Beim Kauf von glutenfreiem Mehl sollte man natürlich immer im Hinterkopf haben, was genau man draus backen möchte und sich darauf einstellen, dass das Endprodukt „anders“ als gewohnt schmecken wird.
  • Baumpollenallergiker sollten in der Weihnachtszeit genau beobachten, ob sie auf Nüsse allergisch reagieren.
  • Das beste Mittel: Beobachten Sie die eigenen Symptome und gehen Sie bei Verdacht auf eine Allergie frühzeitig zum Allergologen oder zur Allergologin. Der Gang zum Allergologen kann dabei helfen.
Praktische Zubereitungstipps für allergenarmes Weihnachtsgebäck

Tabellarische Übersicht: Häufige Allergene und Symptome im Lebkuchen

Inhaltsstoff Häufige Symptome Besonders gefährdet
Nüsse & Erdnüsse Juckreiz, Schwellungen, Anaphylaxie, Magen-Darm-Beschwerden Kinder, Erwachsene mit Kreuzallergie
Eier Juckreiz, Hautausschlag, Magen-Darm-Beschwerden Kinder
Milch (Kasein, Laktose) Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit Laktoseintolerante, Kinder
Mehl (Gluten) Bauchschmerzen, Durchfall, Mangelernährung Zöliakie-Betroffene
Gewürze (Zimt, Anis, etc.) Kribbeln im Mund, Juckreiz, Schnupfen Pollenallergiker
Trockenfrüchte (Fruktose) Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall Personen mit Fruktosemalabsorption
Histamin Hautrötung, Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme Histaminintolerante
Infografik: Symptome der wichtigsten Allergene im Lebkuchen

Fazit für eine sorgenfreie Adventszeit

Lebkuchen enthalten viele potenzielle Allergene - von Nüssen über Eier und Milch bis zu Mehl, Gewürzen und Trockenfrüchten. Wer betroffen ist, sollte die eigenen Beschwerden gut beobachten und die Inhaltsstofflisten aufmerksam lesen, vor allem beim Einkauf oder beim Besuch von Weihnachtsmärkten. Am sichersten ist: selbst backen und bekannte Allergene gezielt durch Alternativen ersetzen.

Der beste Schutz vor unliebsamen Hautreaktionen, Atemnot oder Schnupfennase ist es, unverträgliche Gewürze und Lebensmittel zu meiden. Wichtig ist es aber auch, die Reaktionen des eigenen Körpers genau zu beobachten. So kommen Allergiker gut durch den Advent.

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