Krumme Kumpel aus purem Pudding — Erklärung und Herkunft des Begriffs „Pudding“
Der Titel „Krumme Kumpel aus purem Pudding“ verbindet bildhafte Sprache mit einem klassischen kulinarischen Begriff: Pudding. Um den Ausdruck zu erklären, ist es nötig, zuerst die vielfältigen Bedeutungen und die historische Entwicklung des Wortes „Pudding“ darzustellen, wie sie im deutschen Sprachraum und in Großbritannien über Jahrhunderte gewachsen sind.
Was ist Pudding heute?
Pudding bezeichnet im deutschen Sprachraum heute eine Süßspeise, die mit Speisestärke angedickt wird. Was in den USA und im deutschen Sprachraum als Pudding bezeichnet wird, ist eine Milchspeise, die im Englischen seit dem 19. Jahrhundert als pudding verstanden wird. Seit Ende des 19. Jahrhunderts bieten große Molkereien und Lebensmittelfirmen industriell hergestellten sogenannten Fertigpudding an, oft auf Basis von Instantpulver, auch fälschlicherweise Puddingpulver genannt. Hauptbestandteil ist Mais-, Reis- oder Weizenstärke. Weitere Zutaten sind Zucker, teilweise Sahnepulver, Kakao oder Vanille sowie Aromen.
Unterschiede: Flammeri, industrieller Pudding und Puddinge
Entgegen klassischer Definition für Süßspeisen verwendet die Lebensmittelindustrie die Bezeichnung Pudding für Flammeris mit überwiegender Stärkebindung, die kalt serviert werden, seit den 1930er Jahren, wobei der Name Flammeri in Vergessenheit geriet. Der (heutige) Unterschied zwischen Flammeri, industriell genannt Pudding, und einem Pudding im küchenfachsprachlichen Sinn liegt darin, dass Flammeris mit Stärke gebunden und kalt serviert werden, Puddinge hingegen mit Eiern (Eierstich- oder Brandmasse) gebunden und im Wasserbad gekocht werden. Puddinge, auch Puddings, im küchenfachsprachlichen Sinn sind eine Zubereitung aus unterschiedlichen Grundbestandteilen, im Wasserbad gegart, das Bindemittel ist in der Regel Eiermilch, und werden meist warm serviert.
Herstellung und typische Zubereitungsweisen
Puddinge werden oft hergestellt, indem man eine Brandmasse aus Milch, Butter, Zucker und Weizenmehl bereitet, die mit Eigelb, Geschmacksstoffen und Eiklarschnee fertiggestellt wird. Typisch ist das Pochieren im Wasserbad in der Backröhre in feuerfesten, gefetteten Gefäßen, wobei Ei als Bindemittel fungiert. Nur in wenigen Fällen weicht die Bindung mit Stärke vom klassischen Verfahren ab.
Geschichte und Etymologie des Wortes „Pudding“
Die Herkunft des Wortes Pudding ist unsicher. Übernahme von altfranzösisch bodin (vgl. neufranzösisch boudin ‚Blutwurst‘), seinerseits von lateinisch botulus ‚Wurst‘, liegt nah, ist aber umstritten. Im Englischen seit 1305 belegt, bezeichnete Pudding erst einmal Speisen, die in einen Magen eingenäht gekocht wurden, ab 1444 ist es in der Bedeutung ‚Eingeweide‘ bezeugt. Seine heute übliche britische Bedeutung ‚Nachtisch, Dessert‘ kann man nur bis ins Jahr 1544 zurückverfolgen und ist offensichtlich jünger.
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In Meyers Konversations-Lexikon heißt es Ende des 19. Jahrhunderts: „Die englischen Puddinge enthalten in der Regel viel fein gehacktes Rindsfett, werden in einem mit Butter bestrichenen leinenen Tuch in Salzwasser gar gekocht und mit Wein- oder Brandysaucen gegessen. (…) Man hat süße Puddinge und solche mit Fleisch, Leber, Fisch, Krebsen, Austern und Gemüse.“ Das englische Wort pudding bezeichnete zuerst offenbar die runde und knödelartige Form.
Britische und schottische Traditionen
In Großbritannien bezeichnete Pudding ursprünglich ein aus Brot, Gemüse oder Fleisch bestehendes Gericht, das in einer Form im kochenden Wasserbad zubereitet oder gedämpft wird, vor allem in Varianten, die aus der traditionellen englischen oder schottischen Küche stammen. Beispiele sind Black Pudding (im Prinzip eine Blutwurst), Haggis oder der traditionelle süße Christmas Pudding. In der schottischen Küche wird ein süßer Pudding in der Art des Christmas Pudding als Clootie dumpling bezeichnet (clootie = Tuch, dumpling = Kloß).
Verbreitung und Wandel in Deutschland und Österreich
Die Bezeichnung „Pudding“ für eine Süßspeise wurde laut dem Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm im deutschen Sprachraum im 18. Jahrhundert aus dem Englischen übernommen. Parallel dazu gab es den deutschen Ausdruck Serviettenkloß. Bei Grimm wird der englische pudding hergeleitet von dem französischen Wort boudin für Blutwurst. Die Definition von Habs/Rosner Ende des 19. Jahrhunderts lautet „ein großer Kloß aus Mehl, Ei und Butter (…), der in einem Tuch oder einer Blechform in kochendem Wasser gar gesotten wird (…)“. Allerdings ist der Ausdruck Pudding bereits bei Schandri und Buchmeier Ende des 19. Jahrhunderts ganz klar als eine Speise, die in einer Puddingform im Wasser gegart wird, beschrieben.
Bis etwa 1760 sei im deutschen Sprachraum der Sack- oder Büchsenkuchen verbreitet gewesen, danach sei der warm gegessene gekochte Pudding zunehmend beliebt geworden, der manchmal vor dem Servieren mit Rum flambiert werde. „Da jedoch in der (süddeutschen, erg.) Küche des 19. Jahrhunderts eher Überfülle als Mangel an warm verspeislichem süßen Backwerk herrscht, so haben seit etwa 1880 ganz entschieden die kalten Puddings die Oberhand gewonnen, die entweder wie die Sulzen mit Hausenblase bereitet oder in der Eismaschine gekühlt werden (...).“
Pudding in Kochbüchern und Alltagskultur
Im Kochbuch „Die Süddeutsche Küche“ der österreichischen Kochbuchautorin Katharina Prato werden Puddings im Kapitel „Köche, Aufläufe, Puddings“ vorgestellt („Köche“ wie Grießkoch, der mit Dotter und Eischnee zubereitet auch im Dunst gekocht wird), wobei Köchen und Puddings gemeinsam ist, dass sie (neben anderen Garungsmethoden) vor allem in einer Form im Wasserbad gekocht werden (und Aufläufe als „gebackene Köche“ bezeichnet werden). In Frankreich bezeichnet pouding eine Art Kuchen, also eine Sonderform des süßen bread pudding (Brotpudding).
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„Krumme Kumpel aus purem Pudding“ - Deutung des Bildausdrucks
Der Ausdruck „krumme Kumpel aus purem Pudding“ ist sprachlich bildhaft und spielt mit den Erwartungen an Form und Substanz. „Krumme Kumpel“ suggeriert ungewöhnliche, schiefe oder skurrile Gefährten; „aus purem Pudding“ betont, dass diese „Kumpel“ aus einem weichen, formbaren, vielleicht instabilen Material bestehen. Die Wortkombination evoziert damit einerseits Harmlosigkeit und Verspieltheit (Pudding als weiche, süße Speise), andererseits ein mögliches Bild von Unzuverlässigkeit oder Unbeständigkeit (Pudding verformt sich leicht, hält keine feste Struktur wie eine Wursthülle).
Vor dem historischen Hintergrund des Puddings - der sowohl mit festen, gebundenen „Puddingen“ als auch mit weichen, stärkegebundenen „Puddings“ besetzt ist - wird der Gegensatz zwischen stabiler Form (Puddinge im Tuch oder in der Form gekocht) und weicher Konsistenz (moderner, industrieller Pudding) deutlich. Daher kann „krumme Kumpel aus purem Pudding“ als Metapher verstanden werden: ungewöhnliche Begleiter, die einerseits aus traditioneller Formensprache stammen, andererseits in ihrer Konsistenz und Beständigkeit fragil sind.
Beispielhafte Assoziationen
- Humorvolle Bildlichkeit: Die Kombination klingt scherzhaft und absurd - ideal für satirische oder künstlerische Nutzung.
- Kulturelle Anspielung: Verweist implizit auf die kulturelle Vielfalt des Puddingbegriffs (herzhaft, süß, gebunden, stärkegebunden).
- Metaphorische Lesart: Steht für Personen oder Dinge, die äußerlich zusammengesetzt sind, aber innerlich wenig Struktur oder Verlässlichkeit besitzen.
Tabelle: Kurzüberblick über Puddingtypen
| Typ | Bindemittel | Serviert | Beispiele |
|---|---|---|---|
| Puddinge (küchenfachsprachlich) | Eier (Eierstich / Brandmasse) | meist warm | Kabinettpudding, pochierte Formen |
| Industrieller „Pudding“ / Flammeri | Speisestärke (Mais-, Reis-, Weizenstärke) | kalt | Instant-Vanillepudding, Schokopudding |
| Britischer Pudding | variabel (Teig, Brot, Fleisch) | gedämpft oder gekocht | Black Pudding, Christmas Pudding, Haggis |
Fazit zur Wortverwendung
Der Begriff „Pudding“ ist historisch und regional stark variabel: von herzhaften, in Tüchern gegarten Klößen über süße, im Wasserbad gegarte Puddinge bis hin zum modernen, stärkegebundenen Dessert in Bechern. Die Bildformulierung „krumme Kumpel aus purem Pudding“ nutzt diese sprachliche Vielfalt als Metapher: Sie kombiniert das Weiche, Formbare und gelegentlich Unzuverlässige des Puddings mit der Vorstellung ungewöhnlicher Begleiter bzw. Erscheinungen.
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