Können Katzen Zucker schmecken — wissenschaftliche Erklärung
Es ist allgemein bekannt, dass Katzen einen phänomenal guten Geruchssinn haben. Aber wussten Sie, dass ihr Geschmackssinn nicht wirklich so gut entwickelt ist? Während ein Mensch 9000 Geschmackspapillen und ein Hund 1500 hat, hat die Katze nur 500.
Wenn eine Katze etwas schmeckt, erreicht die Information über den Geschmack das hoch entwickelte Riechhirn ihres Gehirns. Außerdem kann sie mit dem Jacobson-Organ, zwischen Mund- und Nasenhöhle, den Geruch ihrer Nahrung wortwörtlich „schmecken”. Der Geruch des Futters ist daher sehr wichtig.
Warum Katzen Süßes nicht wahrnehmen
Katzen sind in vielen Dingen eigen. Die Essvorlieben bilden hier keine Ausnahme: Während praktisch alle anderen Säugetiere ganz wild auf Zucker oder andere Süßigkeiten sind, interessieren sich Katzen überhaupt nicht für Naschereien. Katzen können „süß“ nicht schmecken. Die eingesetzten Mengen sind zudem so gering, dass auch kein suchtähnliches Verhalten auslöst wird.
Um diese Hypothese zu überprüfen, untersuchte ein Team um Joseph Brand vom Monell Chemical Senses Center in Philadelphia die Geschmacksrezeptorgene von Hauskatzen, Tigern und Geparden. Das Erkennungsprotein für Süßes besteht bei den meisten Säugetieren aus zwei ineinander verzahnten Eiweißen namens T1R2 und T1R3. Die Auswertung ergab, dass tatsächlich eine wichtige Region des Gens im Katzenerbgut fehlt. Die Folge ist ein funktionsunfähiger Rezeptor in den Geschmacksknopsen der Katzenzunge, schreiben Brand und seine Kollegen in der Fachzeitschrift "PLoS Genetics".
Der genetische Background, warum Hauskatzen keine Affinität für Süßes haben, konnten Wissenschaftler des Monell Chemical Senses Center in Philadelphia nun klären: Es fehlen ihnen nämlich wesentliche Basenpaare auf der DNA. Das bedeutet, dass sie Proteine zum Zuckerschmecken nicht herstellen können, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature. Dem Gen für T1R3 fehlen 247 Basenpaare. Dadurch können sie die Proteine nicht herstellen. Eine DNA-Sequenz, die wie die eines Gens aussieht, ohne zu funktionieren. Pseudogene stellen Genkopien also DNA-Abschnitte dar, die kein funktionelles Protein in voller Länge mehr codieren.
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Demnach funktionieren die Geschmacksrezeptoren für Süßes bei Katzen nicht mehr richtig. Statt zwei funktionierender Gene haben die Tiere nur noch ein intaktes Gen für einen Geschmacksrezeptor, der für Süßes zuständig ist. Bei Katzen liegt eines der beiden Gene jedoch nur noch als Pseudogen vor. Deshalb bricht die Produktion des entsprechenden Eiweißmoleküls vorzeitig ab.
Evolutionäre Erklärung: Fleischfresser vs. Pflanzenfresser
Katzen sind reine Fleischfresser und diese brauchen zum erfolgreichen Überleben nicht notwendigerweise den Geschmackssinn für Süßes. Geschmacksrezeptoren können nicht nur die Nahrungsvorlieben einer Art widerspiegeln, sondern können im Lauf der Evolution auch direkt von der Futterauswahl geprägt werden, schreiben die Forscher. „Es hat nämlich an jenem evolutionären Druck gefehlt, um sie aufrecht zu erhalten“, so Brand. Es ist daher wahrscheinlich, dass die Nahrungsgewohnheiten und vor allem der Wandel zum obligatorischen Fleischfresser den Verlust des Süßsensors bei den Raubtieren gefördert haben, sagt Beauchamp.
Bei genetischen Untersuchungen haben die Wissenschaftler auch bei nahen Verwandten der Katzen, Gepard und Tiger, das Fehlen dieses Süß-Schmeckens festgestellt. Die Forscher haben denselben Gendefekt auch bei Löwen und Geparden gefunden. Nicht nur Hauskatzen können Süßes nicht schmecken, das gilt auch für alle Wildkatzen wie Löwen oder Tiger.
Was steckt dahinter? Einen Hinweis darauf gibt der Speiseplan der betroffenen Tierarten: Sie alle ernähren sich ausschließlich von Fleisch oder Fisch. Pflanzliche Nahrung kommen ihnen nicht in den Magen. „Es ist daher wahrscheinlich, dass die Nahrungsgewohnheiten und vor allem der Wandel zum obligatorischen Fleischfresser den Verlust des Süßsensors bei den Raubtieren gefördert haben“, sagt Beauchamp.
Vergleich mit anderen Tieren
Auch Vampirfledermäuse, hier Desmodus rotundus, besitzen keine Geschmacksrezeptoren für Süßes. Es ist daher nur folgerichtig, dass Früchte fressende Fledermäuse zwar Süßsensoren besitzen, die blutsaugenden Vampirfledermäuse aber nicht. Umgekehrt erscheint es auch logisch, dass der Panda keinen umami-Rezeptor besitzt: Er frisst ausschließlich Bambus - eine streng vegetarische Diät.
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Eine Sonderrolle in puncto Geschmackssinn nimmt der Delfin ein. Denn diesem Meeressäuger fehlt nicht nur der Sinn für Süßes, auch umami und bitter schmeckt er höchstwahrscheinlich nicht. Denn die Gene für diese Geschmackssensoren sind beim Delfin durch eine Mutation deaktiviert. Pinguine, hier Kaiserpinguine, schmecken weder Süße, noch umami oder Bitteres. Aber warum? „Diese Ergebnisse sind überraschend und rätselhaft und wir haben keine gute Erklärung dafür. Aber wir haben einige Ideen“, sagt Zhang.
Eine andere Erklärung könnte sein, dass Delfine und Pinguine ihre fischige Beute meist ganz herunterschlingen. Daher bleibt ihnen ohnehin keine Zeit, ihre Mahlzeit zu schmecken. Bei Pinguinen ist die Zunge zudem von einer dicken Hornschicht überzogen und die typischen Geschmacksknospen fehlen.
Was bedeutet das für Katzenfutter?
Viele Katzenfreunde vermuten, dass der Zuckerzusatz dazu dient, den Geschmack zu verbessern. Der süße Geschmack mache die Katzen süchtig und verleite sie dazu, mehr zu fressen als gut für sie ist, heißt es oft. Dieser Verdacht ist jedoch glücklicherweise unbegründet: Katzen besitzen keine Geschmacksrezeptoren für die Geschmacksrichtung "süß". Geschmacklich ist ihnen der Zuckergehalt im Katzenfutter also völlig egal. Ob eine Katze ein Futter lecker findet, hängt in erster Linie vom darin enthaltenen Eiweiß ab.
Was soll der Zucker im Katzenfutter? Menschen, die auf gesunde Ernährung achten, meiden Zucker. Warum also setzen Katzenfutterhersteller ihren Produkten eine Zutat zu, die ein so schlechtes Image hat? Das Auge isst mit: Der Zucker im Katzenfutter dient in den meisten Fällen gar nicht dem Wohlgefallen der Katzen, sondern dem ihrer menschlichen "Dosenöffner", denn: Zucker karamellisiert bei hohen Temperaturen und verleiht dem Feuchtfutter bzw. der Soße eine hübsche karamellbraune Farbe. Ohne Karamell bleibt die Soße hell. Um den Karamelleffekt zu erzielen, braucht es nicht mehr als 0,5 % Zucker im Katzenfutter.
Bei manchen halbfeuchten Futtermitteln (Wassergehalt von 15 bis 35 %) wird der Zucker allerdings zur Konservierung eingesetzt, da sie leichter verderblich sind als ein Trockenfutter. Halbfeuchte Futtermittel sind meist Snacks, die als Leckerli zwischendurch gegeben werden. Der Zuckergehalt zur Konservierung ist höher, weshalb diabetische Katzen lieber keine halbfeuchten Snacks bekommen sollten.
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Trockenfutter wird kein Zucker zugesetzt, es sind jedoch geringe Mengen Zuckerverbindungen enthalten, die natürlicherweise in den verwendeten Getreideprodukten vorkommen. Der Gesamtzuckergehalt im Produkt liegt unter 1 Prozent (pro 100 g OS). Folgende Inhaltsstoffe liefern Zucker, wenn dieser nicht direkt zugefügt wird: Zucker kommt in vielen Obst- und Gemüsearten vor, die in Tiernahrung verwendet werden (z. B. Äpfel, Kürbis, Karotten, Süßkartoffeln, Tomaten oder Erbsen). Die meisten Kohlenhydrate in vollwertiger und ausgewogener Tiernahrung (Alleinfuttermitteln) stammen aus "komplexen Kohlenhydraten" (z. B. Getreide, Kartoffeln und bestimmte Hülsenfrüchte).
Gesundheitsfragen: Zucker, Übergewicht, Diabetes und Zahngesundheit
DAS ist falsch! "Hochwertiges Katzenfutter muss getreide- und zuckerfrei sein, sonst wird die Katze krank." Zucker (Saccharose) hat keinerlei nachteilige Wirkung auf die Gesundheit von Katzen (und Hunden). Kohlenhydrate spielen eine wichtige Rolle bei der Ernährung von Haustieren. Glukose z. B. ist die primäre Energiequelle für die Körperzellen, während Laktose für die frühe Entwicklung entscheidend ist. Sowohl Hunde als auch Katzen sind in der Lage, den in Tiernahrung enthaltenen Kohlenhydrate zu verstoffwechseln und zu verwerten.
Katzen sind strikte Karnivore (Fleischfresser), d. h. Kohlenhydrate sind für sie gänzlich verzichtbar, sofern ihnen genug Aminosäuren mit der Nahrung zugeführt werden. Zucker wird nur eingesetzt, um Geschmack, Geruch und Farbe zu verbessern. So dient er letztlich also auch dazu, das Auge des Tierbesitzers als Futterkäufer anzusprechen. Die geringe Konzentration von Zucker in Katzenfutter hat keinen Einfluss auf die Zahngesundheit, zumal Karies bei Katzen praktisch nicht vorkommt. Die geringe Menge von Zucker in Katzennahrung hat keinen Einfluss auf das Risiko an Diabetes zu erkranken. Die häufigste Ursache für Diabetes mellitus bei Katzen ist Übergewicht.
Fördert der Zuckergehalt eine erhöhte Futteraufnahme bei Katzen? Nein, Zucker macht in den vorhandenen Mengen weder süchtig noch ist er ein Lockstoff für Katzen. Katzen verfügen nicht über die notwendigen Geschmacksrezeptoren um "süß" zu schmecken. Wohl aber kann die mit Zucker einhergehende Geschmacks- bzw. Geruchsverbesserung des Futters dazu führen, dass die Akzeptanz der Tiernahrung erhöht wird und somit von vielen Katzen lieber gefressen wird. Als Geschmacksverbesserer werden allerdings auch Hefen, sowie spezielle Fett-, Protein- oder Aminosäurenzusätze eingesetzt.
Steigt das Risiko bei Katzen durch Zucker an Diabetes zu erkranken? Nein, bei Katzen ist es wissenschaftlich belegt, dass Adipositas (Übergewicht) das Risiko steigert an Diabetes mellitus zu erkranken. Eine übermäßige Kalorienzufuhr über alle Nährstoffgruppen, nicht speziell Zucker oder Kohlenhydrate, ist ein primärer Risikofaktor für Fettleibigkeit bei Katzen und Hunden. Der Zuckergehalt in Katzennahrung ist so gering, dass bei Katzen kein Zusammenhang zwischen Zucker und Übergewicht besteht.
Ist Zucker schlecht für Katzenzähne? Jedes Kind weiß, dass Zucker Karies verursacht. So ist das beim Menschen, aber wie ist es bei der Katze? Eine dem Menschen vergleichbare Karieserkrankung wurde bei Katzen bisher nicht festgestellt. Dass Katzen sich um Karies keine Sorgen machen müssen liegt wohl auch daran, dass in ihrer Maulhöhle die Bakterien, die uns Menschen die Karies bescheren (v.a. Streptococcus mutans), gar nicht vorkommen. Diese Bakterien bilden beim Abbau von Zucker Säuren, die den Zahnschmelz angreifen und so Karies auslösen. Im Katzenmaul ist der pH-Wert deutlich höher als beim Menschen, dadurch werden gebildete Säuren neutralisiert und die säurebildenden Bakterien fühlen sich in so einem Umfeld auch nicht wirklich wohl.
Praktische Empfehlungen für Katzenhalter
- Die geringe Menge von Zucker in hochwertigem Nassfutter (z. B. 0,5 %) dient vor allem der Farbe, Textur und Haltbarkeit, nicht dem Geschmackserlebnis der Katze.
- Bei diabetischen Katzen sollten halbfeuchte Snacks mit höherem Zuckeranteil vermieden werden.
- Übergewicht ist der wichtigste Risikofaktor für Diabetes; darauf sollten Halter achten (Bewegung, Fütterungsregime, Kalorienkontrolle).
- Ob eine Katze ein Futter bevorzugt, hängt primär vom Eiweißgehalt und Geruch ab; Zucker spielt dabei keine geschmackliche Rolle.
- Bei Unsicherheit über die Zusammensetzung eines Futters lohnt ein Blick auf die Zutatenliste: Viele pflanzliche Inhaltsstoffe liefern natürlich vorkommende Zucker.
Kurzfazit (nicht als Abschnitt "Schluss")
Katzen können Süßes nicht schmecken, weil ihnen ein funktionelles Gen für einen Teil des Süßrezeptors fehlt. Zucker im Futter dient vor allem kosmetischen und technologischen Zwecken; gesundheitliche Nachteile in den üblichen geringen Mengen sind wissenschaftlich nicht belegt, vorbehaltlich der üblichen Risikofaktoren wie Übergewicht.
| Aspekt | Fakt |
|---|---|
| Geschmackspapillen (Mensch/Hund/Katze) | 9000 / 1500 / 500 |
| Schlüsselgene für Süßgeschmack | T1R2 und T1R3; bei Katzen T1R3 als Pseudogen (Fehlen von 247 Basenpaaren) |
| Funktion Zucker im Futter | Farbe (Karamellisierung), Geruchs-/Geschmacksverbesserung, Textur, Haltbarkeit |
| Typische Zuckeranteile im Nassfutter | bis ca. 0,5 % für Karamellisierung; Gesamtzucker meist <1 % |
| Einfluss auf Diabetes | Kein direkter Zusammenhang; Übergewicht erhöht Risiko |
| Kariesrisiko | Bei Katzen praktisch nicht vorhanden; kariogene Bakterien selten |
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