Kaltglasur: Lebensmittelecht und vielseitig einsetzbar – Eine Anleitung
Die Welt der Keramikgestaltung bietet unzählige Möglichkeiten, kreative Ideen umzusetzen. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Glasur, die nicht nur das Aussehen, sondern auch die Funktionalität der Keramik beeinflusst. In diesem Artikel werden wir uns mit Kaltglasur beschäftigen, einer Alternative zum traditionellen Brennen im Ofen. Wir werden die Eigenschaften, Anwendungsmöglichkeiten und Sicherheitsaspekte dieser Glasurform beleuchten.
Was ist Kaltglasur?
Kaltglasur ist ein Zweikomponentenmaterial, das aus einem Harz und einem Härter besteht. Diese Komponenten werden im Verhältnis 1:1 gemischt, um einen hochwertigen, lackartigen Flüssigkunststoff zu erzeugen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Glasuren, die bei hohen Temperaturen im Brennofen geschmolzen werden müssen, härtet Kaltglasur bei Raumtemperatur aus.
Zusammensetzung und Eigenschaften
Die Kaltglasur besteht aus einem auf Epoxid modifizierten Harz und einem cycloaliphatischen Diamin als Härter. Nach dem Mischen der beiden Komponenten entsteht ein transparenter Flüssigkunststoff, der folgende Eigenschaften aufweist:
- Lösungsmittelfrei: Kaltglasur enthält keine Lösungsmittel, was den Anwendungsbereich erheblich erweitert.
- Beständig: Sie ist beständig gegen Säuren, Chemikalien und Laugen.
- Haftstark: Kaltglasur haftet auf einer Vielzahl von Materialien wie Glas, Keramik, Holz, Metall, Styropor, Leder und Textilien.
- Vielseitig: Die Viskosität der Glasur verändert sich nach dem Zusammenmischen. Anfangs ist sie sehr dünnflüssig und eignet sich für die Imprägnierung von Textilien. Mit der Zeit wird sie dickflüssiger und kann auf Schachteln oder Broschen aufgetragen werden.
- Gestaltungseffekte: Kaltglasur ermöglicht verschiedene Gestaltungseffekte wie Schliereneffekte, Tropf-/Verlauftechniken und mehr.
Anwendungsbereiche der Kaltglasur
Die Kaltglasur ist ein vielseitiges Material, das in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden kann.
Kunst und Handwerk
- Beschichtung von Oberflächen: Kaltglasur eignet sich ideal zum Beschichten von Kacheln, Vasen, Terrakotta-Schalen, Tischplatten, Modeschmuck, reliefartigen Bildern, Skulpturen aus keramischer Gießmasse oder modellierten Tonfiguren, Holzkästen und Dekorationsgegenständen aus Glas, Metall, Stein, Keramik oder Pappe.
- Schmuckherstellung: Die Glasur kann verwendet werden, um Schmuckstücke wie Broschen oder Schmuckanhänger zu beschichten und ihnen ein edles Aussehen zu verleihen.
- Reparatur von Porzellan: Eingefärbte Kaltglasur in sirupartiger Viskosität kann zur Reparatur von wertvollen Porzellanteilen verwendet werden.
- Gestaltung von Vasen und Gefäßen: Senkrecht stehende Flächen wie Vasen, Flaschen oder Schalen können mit transparenter oder eingefärbter Kaltglasur beschichtet werden, um interessante Farbeffekte zu erzielen.
- Modellbau: Im Modellbau wird Kaltglasur zur Imitation von Seen und Flüssen verwendet.
- Lampenschirmherstellung: Kaltglasur eignet sich sehr gut zum Imprägnieren von Textilgeweben, z. B. für die Lampenschirmherstellung.
Schutz und Veredelung
- Schutzlack: Kaltglasur kann als chemikalienbeständiger Schutzlack für Tabletts oder andere Gegenstände verwendet werden.
- Versiegelung: Die Glasur kann auf bemalte Oberflächen aufgetragen werden, um einen glänzenden Effekt zu erzielen und die Oberfläche zu versiegeln.
Weitere Anwendungen
- Tablettgestaltung: Tabletts aus Holz, Glas oder Metall können mit Kaltglasur und verschiedenen Dekorationen wie Serviettenbildern, getrockneten Blumen, Briefmarken oder Münzen verziert werden.
- Holzveredelung: Die transparente Glasur wird zum Beschichten von schön gemaserten Holzoberflächen wie Tischplatten, Holzscheiben, Zifferblättern und Griffen verwendet.
Verarbeitung von Kaltglasur
Die Verarbeitung von Kaltglasur erfordert einige Vorbereitungen und Kenntnisse, um optimale Ergebnisse zu erzielen.
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Vorbereitung
- Abwiegen der Komponenten: In separaten Messbechern wird jeweils die gleiche Menge Kaltglasurharz und -härter abgewogen und beide Materialien zusammen in einen Mischbecher gefüllt (z.B. 50 g Kaltglasurharz und 50 g Kaltglasurhärter).
- Mischen der Komponenten: Beide Komponenten werden danach intensiv miteinander vermischt.
- Anpassung der Viskosität: Die Viskosität der Kaltglasur verändert sich mit der Zeit. Je nach Anwendungsbereich kann die Glasur in unterschiedlichen Konsistenzen verwendet werden.
Verarbeitungstechniken
- Imprägnieren: Für die Imprägnierung von Textilgeweben wird die sehr dünnflüssige Glasur verwendet.
- Beschichten: Zum Beschichten von Schmuckstücken wird die bereits dickflüssige Glasur verwendet.
- Verteilen mit Spatel: Senkrecht stehende Flächen werden mit einem Spatel gleichmäßig mit der Glasur in honigartiger Konsistenz beschichtet.
- Tropftechnik: Die Glasur kann tropfenförmig in unregelmäßiger Dicke mit unterschiedlich langen »Tropfnasen« auf Gefäße aufgebracht werden.
- Kombination von Farben: Verschieden eingefärbte Glasuren können miteinander kombiniert werden, um interessante Farbeffekte zu erzielen.
- Verdünnen der Glasur: Sollte die Kaltglasur nicht fließfähig genug sein, kann sie mit Kaltglasur-Verdünner verdünnt werden.
Aushärtung
Die Kaltglasur benötigt für das Aushärten mindestens 18 Stunden und ist dann staubtrocken. Die endgültige Aushärtung ist nach 48 Stunden erreicht. Während dieser Zeit sollten die mit der Glasur beschichteten Gegenstände vor Staub und Verunreinigungen geschützt werden.
Tipps für die Verarbeitung
- Vorreaktionszeit: Wenn die Glasur nicht sofort verarbeitet wird, muss sie in ein flaches Mischgefäß gefüllt werden und dort vorreagieren. Die Füllhöhe sollte nicht über 15-20 mm hinausgehen, da sie sonst zu schnell reagiert und innerhalb weniger Minuten fest und hart wird.
- Beschleunigung/Verzögerung der Reaktion: Die Reaktionszeit (Aushärtezeit) kann bei der Kaltglasur durch Wärme beschleunigt, bzw. durch Kälte verzögert werden.
- Entfernung von Lufteinschlüssen: Beim Aushärten von glatten Flächen ist es wichtig, dass die Glasuroberfläche nach einer Vorreaktionszeit von ca. 15 Minuten mit einem weichen Pinsel vorsichtig überstrichen wird, um Lufteinschlüsse zu entfernen.
Sicherheitshinweise
Bei der Verarbeitung von Kaltglasur sind einige Sicherheitshinweise zu beachten:
- Hautreizungen: Kaltglasurharz und -härter können Hautreizungen verursachen. Es ist ratsam, Schutzhandschuhe zu tragen.
- Augenreizung: Es kann zu schweren Augenreizungen kommen. Beim Arbeiten mit Spritzpistolen etc. ist unbedingt eine Schutzbrille zu tragen.
- Haut- und Augenkontakt: Bei Augen- oder Hautkontakt mit Kaltglasurharz, Kaltglasurhärter oder dem Kaltglasur-Gemisch werden Verunreinigungen sofort mit fließendem, kaltem Wasser abgespült.
- Gesundheitsschädlich: Kaltglasur kann allergische Hautreaktionen verursachen.
- Umweltschädlich: Kaltglasur ist schädlich für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung. Sie sollte nicht in die Umwelt gelangen.
Kaltglasur und Lebensmittelechtheit
Eine häufig gestellte Frage ist, ob Kaltglasur für Gegenstände verwendet werden kann, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen.
Kennzeichnungsfreie Produkte
Generell sind Kaltglasuren als Firma in der Regel kennzeichnungsfrei, d. h. sie enthalten keine Schwermetalle wie Blei, Cadmium oder andere giftige Stoffe. Kennzeichnungsfrei bedeutet genauer, dass die Glasuren keine Inhaltsstoffe enthalten, die als gesundheits- oder umweltschädlich gekennzeichnet werden müssen (bzw. dürfen).
Hygienische Aspekte
Auch wenn die Kaltglasur selbst keine schädlichen Stoffe enthält, gibt es einige hygienische Aspekte zu beachten. Bei Craqueleglasuren können Essensreste in die Risse der Keramik eindringen und sich dort festsetzen, was zu einem muffigen Geruch führen kann. Daher ist es ratsam, für Gebrauchskeramiken Steinzeugglasuren (Brenntemperatur 1230°C) zu verwenden, da diese durch die höheren Temperaturen dichter und härter werden und somit unempfindlicher sind.
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Verwendungszweck
Auch der Verwendungszweck des Gegenstandes spielt eine Rolle. Bei selbstgetöpfertem Essgeschirr sollten schnelle Temperaturwechsel vermieden werden, da dies zu Spannungen im Material führen kann.
Gewerblicher Verkauf
Besondere Regeln gelten, falls getöpferte Gebrauchskeramik gewerblich verkauft werden soll. In diesem Fall müssen die einschlägigen Vorschriften und Normen für Lebensmittelkontaktmaterialien eingehalten werden.
Alternativen zum Brennen im Ofen
Obwohl eine echte Glasur immer bei hohen Temperaturen gebrannt werden muss, um sich mit der Keramik zu verbinden und die schützende, glänzende Oberfläche zu bilden, gibt es Alternativen, die ähnliche visuelle Effekte erzielen können.
- Acrylfarben: Lufttrocknende Keramikstücke können mit Acrylfarben bemalt werden.
- Mod Podge oder Klarlack: Diese Produkte können auf die bemalte Oberfläche aufgetragen werden, um einen glänzenden Effekt zu erzielen und die Oberfläche zu versiegeln.
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