Kein Zucker, kein Krebsrisiko? Was Studien wirklich sagen

Viele Krebspatienten und ihre Angehörigen beschäftigen sich intensiv mit der Frage, wie die Ernährung den Krankheitsverlauf beeinflussen kann. Ein weit verbreiteter Mythos ist, dass Zucker das Tumorwachstum ankurbelt und ein Verzicht darauf die Krankheit aufhalten könnte. Doch was sagen die wissenschaftlichen Studien wirklich dazu?

Die Rolle von Zucker im Körper und bei Krebszellen

Zucker, insbesondere in Form von Glukose, ist ein wichtiger Energielieferant für unseren Körper. Er dient als Energiequelle und liefert Bausteine für Biomoleküle, die für Zellteilung und -wachstum notwendig sind. Krebszellen zeichnen sich oft durch einen veränderten Stoffwechsel aus. Sie nehmen bis zu zehnmal mehr Zucker auf als normale Körperzellen, um ihren hohen Energiebedarf für schnelles Wachstum und Teilung zu decken. Dieses Phänomen, bekannt als Warburg-Effekt, wird sogar in der Krebsdiagnostik genutzt, beispielsweise bei der Positronen-Emissions-Tomographie (PET), um Bereiche mit erhöhter Zuckeraufnahme im Körper sichtbar zu machen und so Tumore zu lokalisieren.

Krebs "aushungern" - Ein gefährlicher Mythos

Die Vorstellung, man könne Krebszellen "aushungern", indem man komplett auf Zucker verzichtet, ist jedoch ein gefährlicher Mythos. Es ist schlichtweg nicht möglich, die Zuckerzufuhr gezielt nur auf die Krebszellen zu beschränken. Ein vollständiger Zuckerverzicht würde auch gesunde Körperzellen unterversorgen, was zu Mangelernährung und Gewichtsverlust führen kann. Die aktuellen Leitlinien zur Ernährung von Krebspatienten betonen daher, dass der Nutzen einer solchen Ernährungsweise nicht belegt ist.

Alternative Energiequellen für Krebszellen

Krebszellen sind zudem sehr anpassungsfähig. Wenn sie nicht genügend Zucker erhalten, können sie auf andere Energiequellen wie Fette oder Eiweiße zurückgreifen. In diesem Fall würden sie den Abbau von Fett und Muskeln im Körper ankurbeln, was den Zustand des Patienten weiter verschlechtern würde. "Krebs lässt sich nicht aushungern, eher hungert er den Menschen aus", warnt die Ärztin Marisa Kurz.

Zucker und Krebsrisiko: Indirekte Zusammenhänge

Obwohl ein direkter Zusammenhang zwischen Zuckerzufuhr und Tumorwachstum widerlegt ist, gibt es indirekte Verbindungen, die beachtet werden sollten.

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Übergewicht und Diabetes

Ein übermäßiger Zuckerkonsum kann zu Übergewicht und Diabetes führen, die wiederum das individuelle Krebsrisiko erhöhen. Übergewicht ist ein anerkannter Risikofaktor für verschiedene Krebsarten.

Süße Getränke

Studien deuten darauf hin, dass ein übermäßiger Konsum zuckerhaltiger Getränke zur Entwicklung von Tumoren beitragen könnte. Eine französische Studie (NutriNet-Santé) fand heraus, dass der tägliche Konsum von zusätzlichen 100 ml zuckerhaltiger Getränke mit einem Anstieg des Krebsrisikos insgesamt um 18 % und des Brustkrebsrisikos um 22 % verbunden war. Es wird vermutet, dass die schädliche Wirkung auf Wechselwirkungen mit dem viszeralen Fettgewebe, dem Blutzuckerspiegel und Entzündungsmarkern zurückzuführen ist.

Fruchtzucker (Fructose)

Eine US-Studie deutet darauf hin, dass Fruchtzucker das Wachstum von Krebszellen fördern könnte. In Experimenten mit Mäusen und Zebrafischen, die mit Futter mit hohem Fructosegehalt gefüttert wurden, vergrößerten sich Melanome, Brustkrebs und Gebärmutterhalskrebs teilweise mehr als doppelt so schnell wie sonst. Die Forscher vermuten, dass die Leber den Fruchtzucker in Stoffwechselprodukte umwandelt, die von den Krebszellen als Nahrung genutzt werden können.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Ergebnisse aus Tierstudien stammen und noch am Menschen bestätigt werden müssen.

Empfehlungen für Krebspatienten

Statt auf radikale Diäten zu setzen, sollten Krebspatienten auf eine ausgewogene Ernährung achten, die alle wichtigen Nährstoffe enthält.

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Ausgewogene Ernährung

Eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und mageren Proteinen ist wichtig, um den Körper während der Krebstherapie optimal zu unterstützen.

Individuelle Ernährungstherapie

Bei krankheitsbedingter Mangelernährung kann eine ärztlich angeleitete Ernährungstherapie notwendig sein, um den Nährstoffbedarf des Patienten zu decken.

Genuss und Lebensqualität

Es ist wichtig, dass Krebspatienten essen, was ihnen schmeckt und Freude bereitet. Verbote und Einschränkungen können die Lebensqualität unnötig beeinträchtigen.

Weitere Mythen rund um Krebs

Neben dem Mythos vom Zucker gibt es viele weitere Gerüchte und Vorurteile rund um das Thema Krebs. Dazu gehören beispielsweise die Annahme, dass Krebs ansteckend sei, dass Büstenhalter mit Bügel das Krebsrisiko erhöhen oder dass Elektrosmog Krebs verursachen kann. All diese Mythen entbehren jeglicher wissenschaftlichen Grundlage.

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