Ist Trüffel eine Nuss? Herkunft, Biologie, Genuss und Missverständnisse

Trüffel riechen nicht einfach nur gut. Sie sind ein echter Genuss. Sobald du den Duft in der Nase hast, ist klar: Hier geht’s nicht um irgendeine Zutat. Trüffel sind Natur pur - und trotzdem ein Luxus. Aber was genau ist eigentlich ein Trüffel? Ein seltener Pilz? Ein kulinarisches Erlebnis? Wir finden: beides und noch viel mehr.

Was ist ein Trüffel biologisch betrachtet?

Ja, Trüffel sind Pilze - ganz klar. Genauer: Sie gehören zur Gattung Tuber und wachsen unter der Erde. Trüffelpilze sind unterirdisch wachsende Knollenpilze. Man findet sie 30 bis 40 Zentimeter unter der Erde. Trüffel sind unterirdisch vorkommende Fruchtkörper eines Pilzes, der zur Pilzgattung Tuber gehören und als Delikatesse gilt. Als Trüffel (der oder die) wird vor allem umgangssprachlich eine Vielzahl knolliger, meist unterirdisch (hypogäisch) wachsender Pilze bezeichnet; darunter befinden sich sowohl „echte“ als auch „falsche“ Trüffel.

Im engsten Sinne handelt es sich um die Gattung Tuber, zu der einige der teuersten und kulinarisch wertvollsten Pilze gehören. Die echten Trüffel gehören zu den echten Schlauchpilzen (Pezizomycotina). Trüffeln sind mykorrhizierend, das heißt, sie gehen eine Verbindung mit den Feinwurzeln ihrer Wirtspflanzen ein. Dies sind in der Regel Laubbäume.

Die Knolle, die du auf deinem Teller findest, ist der Fruchtkörper dieses Pilzes. Ihre Aufgabe? Tiere mit ihrem betörenden Duft anlocken. Der starke Geruch wird von Wildschweinen selbst durch den Waldboden hindurch wahrgenommen. Nach dem Verzehr werden die unverdaulichen Sporen wieder ausgeschieden. Somit trägt das Wildschwein wesentlich zur Verbreitung des Trüffelpilzes bei. Auch Insekten, etwa die Trüffelfliege oder bestimmte Käferarten, werden von Trüffeln angelockt.

Ist Trüffel eine Nuss?

Trüffel sind nuss- bis apfelgroße, knollige Wildpilze. Sie wachsen meist unterirdisch. Das deutsche Wort „Kartoffel“ leitet sich von ital. Tartuffo (Trüffel) her, was auf das knollige Aussehen und das unterirdische Wachstum anspielt. Trotz des nussigen Aromas und der knollenartigen Größe sind Trüffel botanisch keine Nüsse. Sie sind Pilze. Genau: streng genommen ist der Trüffel ein Pilz, ganz wie Morcheln oder Steinpilze.

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Wachstum, Symbiose und Lebensraum

Trüffel leben stets in einer Symbiose mit einer Pflanze, sei es ein Baum oder ein Strauch. Trüffel sind mykorrhizierend: Über ihre feinen Wurzelspitzen gehen sie eine enge Verbindung ein, die sogenannte Mykorrhiza. Der Baum liefert dem Trüffel Zucker aus der Photosynthese, der Trüffel hilft dafür beim Wasser- und Nährstofftransport.

Oftmals wachsen sie in Symbiose mit Nussbäumen, Eicheln, Pappeln oder Ginster. Vermutlich wirkt sich diese Verbindung zum beiderseitigen Nutzen aus (Symbiose): Die Wirtspflanze erhält Mineralsalze und Wasser, die Trüffel werden mit Photosyntheseprodukten versorgt. Die meisten Trüffelarten bevorzugen pH-Werte im alkalischen Bereich, zumindest die essbaren, einige wenige kommen auch in Nadelwäldern mit eher geringem pH-Wert vor.

Entgegen der Annahme, dass Trüffel nur unter Eichen oder Haseln wachsen, mykorrhizieren die etwa 160 Arten (etwa 50 Gattungen) mit einer Vielzahl von arboretischen verholzenden Gewächsen. Dabei ist wohl nicht entscheidend, welcher Symbiosepartner zur Verfügung steht, sondern eher die Bodenbeschaffenheit, Belüftung, Sonnenscheindauer sowie viele weitere abiotische und biotische Faktoren.

Arten, Geschmack und kulinarische Verwendung

Es gibt mindestens 100 verschiedene Trüffelarten, die weltweit wachsen, aber sehr selten sind. Im Handel und in der Küche sind verschiedene Arten besonders bekannt: Der König der Trüffel: Weißer Alba-Trüffel (Tuber magnatum pico). Der weiße Trüffel passt geschmacklich gut zu Rührei oder Pasta. Sein Duft ist unverwechselbar, mit feinen Anklängen von Knoblauch, Honig und Heu. Weiße Trüffel werden durch Hitze zerstört und deshalb erst kurz vor dem Servieren roh über Pasta-, Fleisch- oder Fischgerichte, Salate und Rührei zugegeben.

Der schwarze Diamant: Schwarzer Périgord-Trüffel (Tuber melanosporum). Schwarzer Trüffel hingegen eignet sich beim Mitkochen und -garen aller Fisch-, Fleisch und Schmorgerichte. Schwarzer Trüffel verleiht Saucen, Rührei und Fleischgerichten ein intensives Aroma und kann erhitzt werden.

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Andere bekannte Arten: Tuber aestivum - Sommer-Trüffel; Tuber brumale - Wintertrüffel; Tuber borchii - Märztrüffel; Tuber mesentericum, Tuber macrosporum. Nicht zu den echten Trüffeln gehört der als „mexikanische Trüffel“ bezeichnete Getreidebrandpilz Ustilago maydis.

Die verschiedenen Arten unterscheiden sich nicht nur deutlich im Geruch und Geschmack, auch preislich gibt es große Unterschiede. Meistens wird ihnen eine erdige bis nussige Note attestiert, die süßliche Anteile hat. Trüffel-Pilze passen mit ihrem Geschmack gut zu Nudeln, Reis, Fisch und Fleisch.

Ernte, Suche und Kultivierung

Das Finden der Trüffel ist nicht so einfach. Es braucht Spezialisten, um die Delikatessen zu finden: Speziell dafür abgerichtete Hunde oder Schweine sind in der Lage, die Trüffel-Pilze zu erschnüffeln. Anfangs hat man Schweinchen eingesetzt, um die Trüffel zu finden, da sie die kleinen Leckereien lieben. Allerdings geben sie ihre Beute nur ungern her und wühlen viel Waldboden auf. Darum hat man begonnen, die Trüffel mittels der Hilfe von Hunden zu suchen. Die heute am weitesten verbreitete Art, Trüffel zu suchen, geschieht mit speziell abgerichteten Trüffelhunden (insbesondere der Rasse Lagotto Romagnolo).

Die natürliche Trüffelzucht ist aller Annahme zum Trotz ohne Probleme auf dem richtigen Boden möglich. Die natürlichen Bedingungen sind jedoch entscheidend: Die Mykorrhiza muss sich etablieren, und ein wichtiger Faktor für das Wachstum von Trüffeln ist der pH-Wert des Bodens. Die besonderen Anforderungen und die lange Zeit bis zur ersten Ernte machen Trüffelbäume zu einer langfristigen Investition. Einen solchen „Trüffelhain“ nennt man französisch auch Truffière. Diese Methode soll bereits nach zehn Jahren zu guten Ernten führen.

Das Besondere an Trüffel ist, dass sie nicht gezüchtet werden können. Es handelt sich um ein Naturprodukt, deren Ernte stark von äußeren Einflüssen abhängt. Deshalb kann die Ernte auf Grund von verschiedenen Witterungsbedingungen unterschiedlich gut oder schlecht ausfallen. Das ist auch ein Grund für die schwankenden teuren Preise. Die aufwendige Ernte mit weiblichen Trüffelschweinen und Spürhunden, die kurze Saison und ihre Seltenheit sind ursächlich für die hohen Preise.

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Haltbarkeit, Lagerung und Verarbeitung

Trüffel verlieren schnell ihr Aroma. Egal, ob Trüffelrisotto, Trüffelpasta oder Trüffelbutter, wichtig ist, dass die Trüffel möglichst frisch sind. Sie verlieren schnell ihr Aroma. So sollte man sie zum Beispiel mit etwas Küchenkrepp umwickeln, da die Pilze Feuchtigkeit abgeben. Das Tuch sollte jeden Tag gewechselt werden. Weiße Trüffel lassen sich, in luftdurchlässiges Papier eingewickelt, in einem Glasgefäß gekühlt etwa zwei bis sieben Tage lagern, wobei das Papier täglich ausgetauscht werden muss.

Da Trüffel jahreszeitlich abhängige Produkte sind (Périgord-Trüffel werden z. B. nur von Dezember bis März geerntet), liegt es nahe, diese zu konservieren. Viele der bei anderen Pilzarten üblichen Konservierungsmethoden sind bei Trüffeln unüblich. Trocknen verändert die typische Maserung. Einfrieren zerstört die typische Maserung der Trüffel und ist deshalb nicht optimal. Bei konservierten Trüffeln kann beim Einkochvorgang Flüssigkeit und damit Aroma verloren gehen. Um dieses Aroma nicht zu verlieren, muss diese Flüssigkeit mit in der Dose bzw. dem Glas verbleiben. Die Flüssigkeit, die beim ersten Kochen entsteht, nennt man première cuisson bzw. première ébullition. Wird die Trüffel dann nochmal gekocht, entsteht eine sog. deuxième cuisson.

Preis, Handel und Fälschungen

Die Trüffel ist der teuerste Speisepilz: ein Kilogramm weiße Trüffel kostet bis zu 9.000 Euro, in Japan bis 15.000 Euro. Die Preise variieren stark je nach Vorkommen, Nachfrage, Witterung und Qualität. Die Größe und die Form der Trüffel hat ebenfalls Einfluss auf den Preis: Eine runde Trüffel besitzt im Verhältnis zum Volumen weniger Oberfläche als eine anders geformte.

Die hohen Preise für Trüffel machen es für Fälscher attraktiv, minderwertige Sorten in den Handel zu bringen, die von den hochwertigen äußerlich kaum zu unterscheiden sind. Der wohl häufigste und lukrativste Betrug bei Trüffel ist der Handel mit China-Trüffeln. Der China-Trüffel ist optisch kaum von hochwertigen und teuren Perigord-Trüffeln zu unterscheiden, ist selbst aber kulinarisch gesehen wertlos. Zudem hat er die Eigenschaft, das Aroma anderer Trüffel anzunehmen.

Im Lebensmittelhandel findet man immer mehr Produkte mit Trüffeln als Zutat. Für Verbraucher ist es jedoch oft schwierig zu erkennen, ob in diesen Produkten tatsächlich echte Trüffel enthalten sind. Ein Nachweis erfolgt mittels Sporenanalyse unter dem Mikroskop. Das Hessische Landeslabor hat Proben untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass die meisten Erzeugnisse halten, was die Kennzeichnung verspricht, wobei es große Unterschiede bei Menge und Art der verarbeiteten Trüffel gibt. Bei verpackten Produkten wurden laut Angaben auf der Verpackung zwischen 0,1 Prozent und 10 Prozent Trüffel verarbeitet.

Kulturgeschichte und Anekdoten

Wahrscheinlich waren Trüffel schon den Menschen der Vorzeit bekannt. Trüffeln werden schon 2000 v. Chr. auf Tontafeln der Sumerer in Mesopotamien erwähnt. In der Renaissance wurden auch die Trüffel wieder populär. Sie durfte auf keiner vornehmen Tafel fehlen. Erstmals tauchen höherwertige Trüffelarten auf, wie Tuber magnatum und Tuber melanosporum. Brillat-Savarin bezeichnete Trüffel als „Schwarzen Diamanten“.

Im Jahr 1999 wurde bei Buje (Buie) nahe dem Ort Livade in der westkroatischen Region Istrien die bis dahin größte bekannte Trüffel gefunden. Die weiße Trüffel wog 1,31 kg. Auch heute bringen Rekordfunde oft Millionenbeträge bei Auktionen ein: Am 5. Dezember 2014 versteigerte Sotheby’s in New York eine 1,89 kg schwere weiße Trüffel, die in Umbrien entdeckt worden war.

Lagotto Romagnolo beim Trüffelsuchen

Praktische Tipps: Genuss, Kombination und Lagerung

Trüffel müssen vor der Verwendung mit einer weichen Bürste sorgfältig von Erdresten befreit werden. Beginnen wir mit der wichtigsten Regel: Weniger ist mehr. Trüffel brauchen eine Bühne, keine Konkurrenz. Kombiniere sie deshalb mit Zutaten, die sich zurücknehmen und das Aroma tragen: Fett ist dabei dein bester Freund - denk an Pasta mit Butter, cremiges Risotto, Eiergerichte oder milden Käse. Frische Trüffel solltest du hauchdünn hobeln, und zwar am besten mit einem richtigen Trüffelhobel.

Hier ein einfacher Lager-Hack: Leg deine frischen Eier zusammen mit einem Trüffel in ein verschlossenes Glas und lass sie zwei Tage darin liegen. So ziehen die Eier das Aroma an. Frische Trüffel sollten so bestellt oder gekauft werden, dass sie einen Tag vorher oder am Tag des Verzehrs geliefert werden.

Wie man Trüffel richtig hobelt und lagert

Sicherheitshinweis

Essen oder Verwenden Sie niemals gefundene Pilze ohne entsprechende Sachkenntnis! Nicht jeder unterirdisch wachsende Knollenpilz ist essbar; nur der Speisetrüffel ist essbar, die anderen Arten sind giftig.

Kurze Übersichtstabelle: Wichtige Trüffelarten

ArtDeutsche BezeichnungSaisonVerwendung
Tuber magnatumWeißer Alba-TrüffelOktober-DezemberRoh über Pasta, Ei, Risotto
Tuber melanosporumSchwarzer Périgord-TrüffelDezember-MärzKochen, Saucen, Fleischgerichte
Tuber aestivumSommer-TrüffelSommerLeichter, nussiger Geschmack
Tuber indicumChina-TrüffelOktober-MärzGünstiger Ersatz, häufig gehandelt

Trüffel sind Teamplayer. Sie brauchen einen Baum an ihrer Seite - am liebsten Eiche, Hasel oder Buche. Ohne diesen Tauschhandel gäbe es keine Trüffel. Die doppelte Natur der Trüffel - biologisch Pilz, kulinarisch Luxusgut - macht sie einzigartig.

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