Schonkost und Schokolade bei Magen-Darm-Erkrankungen: Was ist sinnvoll und was nicht?
Eine Durchfallerkrankung greift die Darmschleimhaut an, daher sollten erkrankte Kinder keine hochkalorischen Süßigkeiten wie Schokolade zum Trost erhalten. Während und kurz nach einer Durchfallerkrankung sollten Kinder keine hochkalorischen Süßigkeiten, wie Schokolade oder Cremeeis zum Trost erhalten. „Da die Darmschleimhaut durch eine Durchfallerkrankung angegriffen ist, sollten Kinder keine Süßigkeiten, Zitrusfrüchte, stark gewürzte oder fette Speisen, oder Hülsenfrüchte konsumieren. Auch eiskalte oder stark kohlensäurehaltige Getränke, Fruchtsäfte, Kakao oder fettreiche Milch können den ‚geschwächten’ Darm belasten“, erklärt Dr. Gunhild Kilian-Kornell, Kinder- und Jugendärztin sowie Pressesprecherin des BVKJ.
„Nach einer Durchfallserkrankung kann vorübergehend eine Unverträglichkeit des Milchzuckers auftreten. Dadurch kann es vermehrt zu Verdauungsstörungen und auch schmerzhaften Blähungen kommen“, so Frau Dr. Kilian-Kornell weiter. Da bei Kindern der Wasser- und Elektrolytumsatz wesentlich höher ist als bei Erwachsenen, kann bei ihnen ein Durchfall schneller zur Austrocknung (Exsikkose) führen. Ein Säugling trinkt beispielsweise täglich ein Sechstel seines Körpergewichts, während ein Erwachsener weniger als ein Zwanzigstel Flüssigkeit in Relation zu seinem Körpergewicht zu sich nimmt. Kindern müssen deshalb bei „Montezumas Rache“ rasch wieder Flüssigkeit und Salze aufnehmen.
„Dies kann in Form von fertigen Elektrolytlösungen aus der Apotheke oder Tee-Salz-Zuckermischungen nach Anordnung des Kinder- und Jugendarztes geschehen. Zucker ist erforderlich, damit die Darmschleimhaut die Flüssigkeit und das Salz aufnehmen kann. Säuglinge erhalten bei Durchfall öfter die Brust, nichtgestillte Kinder bekommen zunächst Tee bzw. Elektrolytlösung, dann verdünnte normale Milchnahrung“, empfiehlt Dr. Kilian-Kornell. „Heutzutage empfehlen wir keine strenge Diät mehr bei Durchfall. Die Kinder setzen sich meist sowieso selbst ‚auf Diät’, weil sie ganz einfach keinen Appetit mehr haben. Sie können aber dann ganz normal die Speisen zu sich nehmen, auf die sie Lust haben, bis auf die o.g. Ausnahmen. Das Wichtigste ist allerdings nach wie vor: ausreichend Flüssigkeit!! Tee, Wasser oder verdünnte nicht zu saure Säfte sind dann richtig!“
Vor allem in den Sommermonaten können u.a. Salmonellen in Nahrungsmitteln heftige Durchfallerkrankungen auslösen. Auch Erkrankte verbreiten durch ihre Ausscheidungen diese Bakterien. Wenn beim Säugling der Durchfall länger als sechs Stunden dauert, beim größeren Kind länger als zwei Tage sind, sollte man medizinisch handeln. Was essen bei Magen-Darm-Problemen sinnvoll ist, hängt jedoch stark vom individuellen Verlauf ab. Oft helfen Schonkost und leicht verdauliche Lebensmittel.
Schonkost: Was ist das? Tatsächlich gibt es die eine „Schonkost“ nicht. Der Begriff wird historisch verwendet; heutige Empfehlungen betonen leichte Vollkost: Eine ausgewogene, vollwertige Ernährung, bei der man jene Lebensmittel meidet, die man nicht gut verträgt. Vereinfacht: Betroffene dürfen alles essen, was ihnen gerade bekommt.
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Als unverträglich gelten Lebensmittel, wenn diese bei mehr als 5 Prozent der Patient*innen Magen-Darm-Probleme verursachen. Für eine leichte Vollkost bzw. Schonkost sollte man daher bestimmte Lebensmittel eher meiden: stark angebratene, fette oder geräucherte Speisen, rotes Fleisch in fetter Zubereitung, Vollfett-Milchprodukte, fettreiche Suppen oder Soßen, Streichfette, luftige Backwaren, blähende oder schwer verdauliche Gemüsesorten, Nüsse und ungesüßtes Obst in rohem Zustand sowie stark zucker- oder fettlastige Süßigkeiten.
Zu den Prinzipien der leichten Vollkost gehören: mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt, abwechslungsreiche, fettarme Ernährung, Fleisch nur hell bis mittel gebräunt zubereiten, schonende Zubereitungsarten (Dünsten, Dämpfen, Grillen, Garen in Folie oder Mikrowelle), langsames Essen und gründliches Kauen. Wenn Dinge nicht vertragen werden, besser weglassen. Alkohol sollte gemieden werden. Bei Magen-Darm-Erkrankungen dient Schonkost nicht als Therapie, kann aber Beschwerden lindern und das Wohlbefinden verbessern.
Was essen bei akuten Magen-Darm-Beschwerden? In der akuten Phase empfiehlt es sich oft, vorübergehend auf festes Essen zu verzichten und stattdessen Flüssigkeit zuzuführen. Später folgen leicht verdauliche Speisen wie Zwieback, Toast, Haferbrei, Karottensuppe, geriebener Apfel oder Spätestens nach 2-3 Tagen wieder zur leichten Vollkost übergehen, um Nährstoffmangel zu vermeiden. Wichtig bleibt, ausreichend zu trinken - Tee, Wasser oder verdünnte nicht zu saure Säfte sind geeignet.
Was essen bei Magen-Darm-Mittelpunkt? Haferschleim (Haferflocken in Wasser), gekochte Kartoffeln, Reis, Bananen, zerdrückte Bananen, gedünstetes Gemüse, mageres Geflügelfleisch, Nudeln, klare Suppe. Tests zeigen, dass eine langsame Kostaufbau-Strategie das Risiko von Rückfällen senkt. Studien deuten darauf hin, dass ein zu schneller Kostaufbau in 30% der Fälle zu Rückfällen führen kann.
Kinder benötigen bei Magen-Darm-Erkrankungen besonders viel Flüssigkeit; Muttermilch oder Säuglingsnahrung sollten fortgeführt werden. Kleine Portionen alle 2 Stunden sind oft besser als große Mahlzeiten. Elektrolytlösungen für Kinder sind erhältlich. Nach Abklingen der akuten Phase kann eine Probiotika-Unterstützung die Darmflora wieder aufbauen, allerdings ist Probiotika bei akutem Infekt kein Standard.
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Was ist mit Schokolade? Hochkalorische Süßigkeiten, besonders Schokolade, sollten während Durchfall-Phasen vermieden werden. Bitterschokolade mit sehr hohem Kakaoanteil (mindestens 70%) kann in geringen Mengen verträglich sein, Milchschokolade mit Lactose kann Beschwerden verschlimmern. Generell gilt: Schokolade ist bei Durchfall eher ungeeignet, da Fett und Zucker den Verdauungstrakt belasten können. Wenn überhaupt, dann in sehr kleinen Mengen und bevorzugt dunkle Schokolade.
Häufig empfohlene Hausmittel unterstützen den Flüssigkeitshaushalt und die Linderung der Beschwerden: Zwieback, Bananen, Reis, Haferbrei, gedünstete Möhren, klare Brühe, Olivenöl sparsam, Kamillentee, Fencheltee. Eine selbst gemachte Elektrolytlösung kann hilfreich sein: 1 Teelöffel Salz und 6 Teelöffel Zucker in 1 Liter Wasser lösen; optional etwas Orangensaft für Kaliumzugabe. Wichtig: über den Tag verteilt kleine Schlucke trinken.
Bezüglich Getränken empfiehlt sich: Wasser, Tee, verdünnte Fruchtsäfte ohne Zitrusfrüchte, klare Brühe, Elektrolytlösungen. Kohlensäurehaltige Getränke, süße Säfte und Kaffee belasten den Verdauungstrakt eher. Colas oder Salzstangen sind keine optimale Lösung zur Behandlung von Durchfall; sie liefern meist nicht die benötigten Elektrolyte. Vielmehr helfen fertige Elektrolytlösungen aus Apotheke oder Drogerie, alternativ selbst hergestellte Lösungen, um den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust auszugleichen.
Bei Kindern ist das richtige Trinken wichtiger als das Essen: regelmäßige kleine Schlucke Wasser, Tee oder verdünnte Elektrolytlösungen. Wenn wieder Appetit aufkommt, beginnen Sie mit leichten, gut verdaulichen Lebensmitteln wie Reis, Kartoffeln, Banane, Zwieback, Toast, Haferbrei oder einfache Nudeln. Fettreiche, scharfe oder zuckerhaltige Speisen sollten gemieden werden, ebenso wie rohes Obst und Gemüse in der akuten Phase.
Diagnostische Hinweise und Prävention: Rotaviren gehören zu den häufigsten Ursachen bei Kindern; Rotaviren-Impfung bietet Schutz. Magen-Darm-Infekte sind hochansteckend, daher sind Hygienemaßnahmen wichtig. In Risikogruppen (Babys, ältere Menschen, immungeschwächte Personen) ist eine frühzeitige ärztliche Beurteilung ratsam. Bei schweren Flüssigkeitsverlusten oder Anzeichen von Austrocknung sollte medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.
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Beispiele für eine praxisnahe Mahlzeitenfolge während der Schonkostphase:
- Morgens: Porridge mit Banane
- Vormittags: Zwieback und Tee
- Mittags: Kartoffelpüree mit Gemüse und magerem Fisch
- Nachmittags: Apfelkompott oder Banane
- Abends: Leichte Suppe oder Brühe mit weichem Brot
Zusammengefasst empfiehlt sich bei Magen-Darm-Infekten ein schrittweiser Kostaufbau mit Fokus auf Flüssigkeit, leichten Bis-nachweisbaren Lebensmitteln und der Vermeidung von fettigen, stark gewürzten, rohen oder schwer verdaulichen Speisen. Die Rückkehr zur normalen Ernährung erfolgt tendenziell innerhalb von 7-14 Tagen, je nach individuellem Verlauf. Die Signale des Körpers beachten: Wenn es besser wird, langsam die Vielfalt erhöhen; bleibt der Durchfall an, sollte ärztliche Abklärung erfolgen.
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