Ist in Zahnpasta Zucker enthalten? Was in der Tube wirklich steckt
Jeder Deutsche verbraucht durchschnittlich sechs Tuben Zahnpasta pro Jahr. Eine der häufigsten Fragen, die Zahnärzten täglich in der Praxis gestellt wird, ist daher die nach der richtigen Zahnpasta. Bei regelmäßigen Tests zeigt sich, dass es weitgehend egal ist, welche Zahnpasta zum Einsatz kommt. Wichtig ist nur, dass sie Fluorid enthält! Doch warum ist das eigentlich so?
Enthält Zahnpasta Zucker?
Auf der Zahncreme steht ja nicht "Zucker" drauf. Das wäre ja zu einfach. Aber keine Sorge: Auch wenn Kinderzahncremes süß schmecken, sie enthalten keinen Zucker, sondern lediglich Zuckerersatzstoffe. Süßstoffe binden an Geschmacksrezeptoren auf unserer Zunge und erzeugen die Wahrnehmung „süß“. Sie sind oft sogar mehrere hundertmal süßer als Haushaltszucker. In der Zahnpasta wird zumeist Sorbit (Sorbitol) oder andere Zuckeraustauschstoffe wie Xylit, Erythrit, Mannit oder Isomalt verwendet. Zuckeraustauschstoffe sollen sich sogar günstig auf die Mundgesundheit auswirken und die Vermehrung von Karies bildenden Bakterien reduzieren.
Warum schmeckt Zahnpasta süß - und ist das problematisch?
Ein Inhaltsstoff, der gerade Kindern das Zähneputzen schmackhaft macht - Saccharin. Insbesondere im Hinblick auf Kinder ist dies kritisch zu sehen, denn dadurch könnten Kinder verleitet werden, mehr von den Produkten zu schlucken. Süßstoffe werden der Zahnpasta beigemischt, um ihren Geschmack zu verbessern. In der EU sind aktuell 12 Süßstoffe zugelassen, darunter z. B. Aspartam, Saccharin, Sucralose und Steviaglycoside. Für alle 4 genannten Süßstoffe wurde nachgewiesen, dass sie sowohl die Mundflora als auch die Darmflora beim Menschen stören können. In der genannten Studie wurde ebenfalls gezeigt, dass vor allem Sucralose und Saccharin bei längerfristiger Einnahme eine Glukoseintoleranz bis hin zur Insulinresistenz verursachen können und somit zur Entstehung von Diabetes Typ II beitragen könnten.
Zucker, Karies und das orale Mikrobiom
Zucker wird häufig als Hauptverursacher von Karies angesehen. Doch was genau passiert, wenn wir Zucker konsumieren, und welche Faktoren tragen wirklich zur Entstehung von Zahnerkrankungen bei? Zucker allein verursacht keine Karies. Vielmehr ist die Entstehung von Karies ein komplexer Prozess, der von mehreren Faktoren abhängt. Im Mittelpunkt stehen dabei bestimmte Bakterien, die sich im Zahnbelag ansiedeln und Zucker als Nahrung nutzen. Dabei entsteht Säure, die den Zahnschmelz angreift und Mineralien wie Kalzium und Phosphat löst.
Ein häufiger Irrtum ist, dass die Menge des konsumierten Zuckers der wichtigste Faktor für die Kariesentstehung ist. Tatsächlich spielt die Häufigkeit eine viel größere Rolle. Jedes Mal, wenn Zucker verzehrt wird, beginnen die Bakterien im Mund mit der Säureproduktion. Diese Säure greift den Zahnschmelz an und unterbricht den natürlichen Reparaturprozess durch den Speichel. Ein einzelnes Dessert nach dem Essen ist weniger schädlich als viele kleine Snacks oder gesüßte Getränke über den Tag verteilt.
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Viele Menschen sind überrascht, dass nicht nur Süßigkeiten, sondern auch stärkehaltige Lebensmittel wie Brot, Kartoffelchips oder salzige Snacks das Kariesrisiko erhöhen können. Stärke wird im Mund durch Enzyme wie die Amylase in Zucker umgewandelt, der von den Bakterien im Zahnbelag genutzt wird.
Speichel, Remineralisierung und Fluorid
Der menschliche Speichel spielt eine entscheidende Rolle im Kampf gegen Karies. Er hilft nicht nur dabei, Speisereste und Zucker aus dem Mund zu spülen, sondern enthält auch Mineralien wie Kalzium und Phosphat, die den Zahnschmelz stärken und Säureschäden reparieren können. Nach einer Zuckeraufnahme benötigt der Speichel jedoch Zeit, um die Zähne zu remineralisieren.
Die karieshemmende Wirkung von Fluorid ist in zahlreichen Studien bewiesen. Zahnpasten mit 1.500 ppm, die zwei Mal täglich angewendet werden, hemmen das Kariesrisiko um 40 Prozent, und sind absolut sicher. Bei Kinderzahnpasten wurden 2018 sogar die Fluoridempfehlungen erhöht. Professor Dr. Stefan Zimmer empfiehlt: „Ab dem Durchbruch des ersten Milchzahns sollte mit einer reiskorngroßen Menge Zahnpasta geputzt werden, die 1000 ppm Fluorid enthält. Ab dem 2. Lebensjahr soll es eine erbsengroße Menge sein. Zusätzlich zur Zahnpasta sollte auch fluoridiertes Speisesalz als Fluoridquelle genutzt werden.“
Fluorid ist die ionisierte Form des chemischen Elements Fluor. Fluoride (z. B. Sodium Fluoride, Sodium Monofluorophosphate, Olaflur) helfen Ihren Zahnschmelz zu härten. So schützen Sie Ihre Zähne vor Säureangriffen - zum Beispiel durch Stoffwechselprodukte von Karies-Bakterien, die Zucker zu Säuren umwandeln. Deshalb wirken Fluoride kariesvorbeugend. Wenn man größere Mengen des Inhaltsstoffes schluckt, können Fluoride gesundheitsschädlich sein. Deshalb sollte Kinder-Zahnpasta einen maximalen Fluorid-Gehalt von 500 ppm haben.
Empfehlungen zur Fluorid-Dosierung bei Kindern
| Alter | Menge Zahnpasta | Empfohlener Fluoridgehalt |
|---|---|---|
| Erster Zahn bis 2 Jahre | reiskorngroß oder erbsengroß | 500-1000 ppm (je nach Empfehlung) |
| 2-6 Jahre | erbsengroß | 1000 ppm möglich |
| Ab Durchbruch bleibender Zähne / Erwachsene | normale Portionsgröße | 1.500 ppm |
Seit 2018 gilt: Kinder ab dem ersten Zahn bis zu ihrem zweiten Geburtstag sollten die Zähne täglich zweimal geputzt bekommen - mit einer erbsengroßen Portion Zahnpasta. Dazu raten mehrere zahnärztliche Fachverbände. Alternativ möglich ist auch das Putzen mit einer reiskorngroßen Portion Creme mit 1.000 ppm Fluorid. Ab dem 2. bis zum sechsten Geburtstag kann die Fluorid-Dosis dann gesteigert werden: 1.000 ppm Fluorid in einer erbsengroßen Portion sind dann möglich. Wenn die bleibenden Zähne da sind, dürfen Zahncremes mit 1.500 ppm Fluorid ran - beispielsweise zu finden in Junior- oder Erwachsenenzahnpasten.
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Alternative Wirkstoffe: Hydroxylapatit und andere
Hydroxylapatit ist ein Mineral, das auch in unseren Zähnen vorkommt. Daher wird es gelegentlich in der Werbung als „flüssiger Zahnschmelz“ bezeichnet. Es soll bei der Remineralisierung unterstützen und wird von einigen Zahnpastaherstellern als Alternative zu Fluoriden angepriesen. Für Hydroxylapatit konnte die karies- und erosionspräventive Wirksamkeit bisher nicht in vergleichbarem Maße wie für Fluorid belegt werden. Ob das zur Vorbeugung von Karies geeignet ist, ist noch unklar, da wenige Studien dazu vorliegen.
Abrasiva, Whitening und Aktivkohle
Abrasiva sind unabdingbar für eine gute Putzwirkung. Ein leichter Abrieb durch die Putzkörperchen entfernt Plaque und poliert die Zahnoberfläche. Allerdings ist der Schmirgeleffekt insbesondere bei Zahnpasten mit Whitening-Effekt durch grobe Schleifkörper manchmal zu stark. Dadurch kann der Zahnschmelz Schaden nehmen. Verbraucher können hier auf den sogenannten RDA-Wert (Relativer Dentinabrieb) schauen. Wer Putzschäden oder empfindliche Zahnhälse hat, sollte auf einen RDA-Wert unter 70 achten. Zahnpasten mit einem Wert über 150 sind stark abrasiv und können Aluminiumoxid oder -hydroxid enthalten.
Hersteller bewerben Zahnpasten mit Aktivkohle mit einem biologisch und ökologisch freundlichen Aufhellungseffekt. Viele der getesteten Zahnpasten hielten dieses Versprechen auch. Allerdings wird die Aufhellung ausschließlich durch einen starken Abrieb des Zahnbelags und Verfärbungen hervorgerufen und nicht durch eine Aufhellung der Zahnfarbe. Außerdem problematisch: In vielen Aktivkohle-Zahnpasten ist kein Fluorid zu finden, wodurch kein Kariesschutz möglich ist.
Weitere Inhaltsstoffe und mögliche Risiken
Schaumbildner sorgen dafür, wie es ihr Name schon vermuten lässt, dass die Zahnpasta im Mund schäumt, der Zahnbelag gelockert wird und damit ein höherer Reinigungseffekt eintritt. Umstritten ist hier der Inhaltsstoff Natriumlaurylsulfat (SLS). Es wirkt antibakteriell, steht jedoch im Verdacht, allergieauslösend und hautreizend zu sein. Natriumlaurylsulfat kann die Entstehung von Geschwüren (Ulzerationen) im Mundraum begünstigen.
Triclosan wurde in den letzten Jahren stark kritisiert. Triclosan wird leicht über die Mundschleimhaut und Haut aufgenommen und kann in verschiedenen Körperflüssigkeiten vom Menschen nachgewiesen werden. Studien weisen darauf hin, dass Triclosan das Hormonsystem stören könnte und die Entstehung multiresistenter Bakterien fördert. Wir haben bei unserer Recherche keine Zahnpasta gefunden, die diesen Inhaltsstoff aktuell noch enthält.
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Parabene stehen in der Kritik, hormonartige Wirkungen auf den Körper auszuüben. Polyethylenglykole (PEG) können Haut und Schleimhäute durchlässiger machen. Titandioxid (E171) wurde in vielen Zahncremes als Weißmacher eingesetzt; Studien weisen auf mögliche Risiken hin, u. a. neurotoxische Effekte bei Nanopartikeln.
Wie wichtig ist die genaue Inhaltsstoffliste?
Ob bei Lebensmitteln oder Kosmetik - mittlerweile werden bei vielen Produkten die Inhaltsstoffe diskutiert und hinterfragt. Das betrifft auch die alltäglich genutzte Zahnpasta. Inhaltsstoffe in Zahnpasten müssen EU-weit einheitlich auf der Tube deklariert werden. Die Grundlage hierfür bilden sogenannte INCI-Bezeichnungen (International Nomenclature Cosmetic Ingredients). Für Laien sind die teils englischen, teils lateinischen Fachbegriffe allerdings nur leicht bis schwer zuzuordnen. Die Zahnarztpraxis Dr. Jürgen Pink | Kollegen hat sich dem angenommen und das „Kleingedruckte“ auf den Zahnpasta-Tuben für Sie entschlüsselt.
Praktische Tipps: Auswahl und Anwendung
- Gründliche Mundhygiene: Mindestens zweimal täglich Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta ist unerlässlich.
- Zuckerkonsum reduzieren: Es ist nicht nur wichtig, die Menge an Zucker zu begrenzen, sondern vor allem die Häufigkeit der Zuckeraufnahme zu reduzieren.
- Bei Kindern: Achten Sie auf die richtige Fluoridmenge und die empfohlene Portionsgröße (reiskorngroß/erbsengroß) sowie auf eine Zahnpasta, die nicht zu stark gesüßt ist, um Verschlucken zu vermeiden.
- Bei empfindlichen Zähnen: Auf niedrigen RDA-Wert (<70) achten.
- Inhaltsstoffe prüfen: Wer bestimmte Stoffe vermeiden möchte, sollte auf INCI-Namen achten (z. B. keine Parabene, Triclosan, PEG, Titandioxid).
- Alternativen: Naturkosmetische Zahnpasten verzichten oft auf viele bedenkliche Zusätze, enthalten aber nicht immer Fluorid - achten Sie auf Kennzeichnung und ggf. zusätzliche Fluoridquellen.
Putztechnik schlägt Inhaltsstoffliste
Sie sind verunsichert, ob Sie die ideale Zahncreme verwenden? Für die Gesundheit Ihrer Zähne sind weniger die Inhaltsstoffe der Zahnpasta entscheidend, sondern vielmehr Ihre Putzgewohnheiten und Ihre Putztechnik! Ohne Zahnpasta zu putzen ist vergleichbar mit dem Putzen eines Fußbodens, den man nur mit einem Schrubber und Wasser reinigen will. Der Schmutz wird auf diese Weise nur verteilt, aber nicht entfernt. So ist es auch bei der Zahnpasta. Abrasive Inhaltsstoffe sind der Zahncreme zugesetzt, um Beläge von den Zähnen zu "schrubben".
Praxisbeispiele und Verbraucherinfos
Im Test von 35 Kinderzahncremes zeigen sich deutliche Unterschiede: 3 Zahncremes enthalten kritische Inhaltsstoffe - viele sind aber zu empfehlen. 15 Zahncremes sind "sehr gut": darunter Produkte von Lidl und Aldi. Teuer ist nicht gleich gut und auch unter der Naturkosmetik fanden sich keine Spitzenprodukte. Öko-Test bemängelt, dass nicht alle fluoridfreien Zahnpastatuben mit einem Hinweis versehen sind, dass sie kein Fluorid enthalten und dass deshalb eine zusätzliche Fluorid-Gabe nötig ist. Die Tester bemängeln zudem mangelhafte oder veraltete Dosierungsangaben bei einigen fluoridhaltigen Kinderzahnpasten.
Bei individuellen Markenempfehlungen handelt es sich nicht um finanzierte Werbung, sondern ausschließlich um die jeweilige Empfehlung des Experten/der Expertin. In einer Mehrheit der getesteten Zahnpasten ließen sich aber keine gesundheitlich bedenklichen Mengen von Schwermetallen finden.
Praxisfragen von Eltern
Viele Eltern fragen: Sollte ich Zahncreme schon bei den ersten Zähnchen verwenden? Welche Zahnpasta und welche Zahnbürste? Unsere Antwort: Am besten mit dem Durchbruch des ersten Milchzahns beginnen, zweimal täglich putzen, reiskorngroße/erbsengroße Menge Zahnpasta verwenden und auf die richtige Fluoridmenge achten. Am besten lesen Sie genau die Inhaltsstoffe der verwendeten Zahnpasta nach, um zu klären ob sie für Ihr Kind geeignet ist.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Obwohl Zucker zweifellos eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Karies spielt, ist er nicht der einzige Faktor. Häufigkeit und Form des Konsums, Mundhygiene, Speichelproduktion und die Nutzung von fluoridhaltigen Produkten sind ebenso entscheidend. Mit der richtigen Pflege und einem bewussten Umgang mit zuckerhaltigen Lebensmitteln kann das Risiko für Karies erheblich reduziert werden. Der Schlüssel liegt in einem ausgewogenen Lebensstil und der Kombination aus Prävention und regelmäßigen Zahnarztbesuchen.
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