Ist Honig aus dem Supermarkt wirklich echter Honig?
Honig zählt zu den beliebtesten Lebensmitteln der Deutschen: Im Durchschnitt konsumieren wir etwa ein Kilogramm Honig pro Jahr, und weltweit steigt der Bedarf. Allerdings können deutsche Imkerinnen und Imker den Bedarf längst nicht mehr decken - um Deutschlands Hunger auf Honig zu stillen, werden 58 Prozent des Honigs importiert, EU-weit sind es 40 Prozent. Die größten Importländer sind die Ukraine, Mexiko, Argentinien und China. Dieser internationale Handel und die hohen Preisunterschiede - die 500-Gramm-Gläser kosten zwischen drei und acht Euro - machen den Markt besonders lukrativ, wie Britta Schautz von der Verbraucherzentrale Berlin betont: "Genau deshalb ist der Honigmarkt so umkämpft, weil man damit auch hohen Gewinn machen kann."
Honigfälschungen im Supermarkt - Wie groß ist das Problem?
Ein Skandal um gefälschten Honig, der in Supermärkten verkauft wird, sorgt aktuell für Unsicherheit bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern und bedroht die heimische Imkerei. Zahlreiche Studien und Untersuchungen belegen, dass viele Honige mit billigem Zuckersirup gestreckt werden. Die Europäische Kommission veröffentlichte 2023 eine Untersuchung, die zeigt: Fast jede zweite getestete Honigprobe war gestreckt, meist mit Sirup auf Mais-, Reis- oder Zuckerrübenbasis. Besonders betroffen sind Importe aus China, aber auch aus anderen Ländern. Mit dieser Methode wird die Herstellung billiger und die Konkurrenz für regionale Imkerinnen und Imker steigt.
Eine von der Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund (DBIB) in Auftrag gegebene DNA-Analyse von 30 zufällig ausgewählten Honigen aus deutschen Supermärkten ergab, dass 80 Prozent der Proben gefälscht waren. "Und was ebenso schockierend war: Es waren namhafte Marken dabei, darunter Bio-Honige und fair gehandelte Honige", berichtet Bernhard Heuvel, Vizepräsident des DBIB.
Wie wird Honig gefälscht?
In vielen Fällen wird importierter Honig mit billigen Sirupen gestreckt: Flüssige Süßstoffe, Hochfruchtsirup, Glukose und Zuckersirup. Teilweise bestehen Honige sogar vollständig aus Sirup, ohne Anteil von echtem Bienenhonig. Solche Produkte können zum Beispiel über chinesische Online-Plattformen bezogen werden. Zuckersirup ist im Einkauf deutlich billiger als die aufwendige Honiggewinnung traditioneller Imker. Bei dem geschützten Naturprodukt Honig ist das Mischen - etwa mit Zuckersirup - allerdings verboten. Die Kontrollbehörden bleiben oft machtlos, denn Untersuchungen erfolgen nur stichprobenartig und Fälscher kennen die Analyseverfahren.
So berichtet Imker Walter Haefeker: In China werden Bienen nur als reine Honigtau-Sammler eingesetzt. Während die Bienen bei unserem heimischen Honig alles selbst erledigen - vom Sammeln bis zur Verarbeitung - geschieht das in chinesischen Fabriken künstlich. Das erklärt die niedrigen Preise für Honig aus dem Ausland im Vergleich zu deutscher Produktion.
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DNA-Analysen: Neue Methoden zur Erkennung von gefälschtem Honig
Zur Erkennung von Honigfälschungen setzen Labore bislang hauptsächlich chemisch-physikalische Methoden ein, die die Zuckerprofile bestimmen und Sirup-Rückstände nachweisen. Diese Methoden gelten jedoch als nicht komplett sicher - Betrüger wissen genau, wie sie die gängigen Tests umgehen können. Erste Labore setzen daher auf DNA-Analysen, bei denen die im Honig enthaltene DNA analysiert wird. Hierbei werden Pflanzenarten, Tiere, Mikroorganismen und sogar Spuren von Enzymen identifiziert, die im echten Honig vorkommen.
Prof. Kaarel Krjutškov vom Institut Celvia beschreibt das Verfahren: Die DNA der Honigprobe wird isoliert, die enthaltenen Codes werden gelesen und mit Datenbanken abgeglichen. Dadurch lässt sich ermitteln, welche Pflanzen- und Tierarten vertreten sind und ob sich auffällige DNA-Spuren, wie von Mais oder Reis, finden. Solche Spuren weisen auf das Strecken mit Sirup hin.
Ergebnisse aus DNA-Tests
- Goldland Blütenhonig von Aldi: nicht authentisch*
- Maribel flüssiger Bienenhonig von Lidl: nicht authentisch
- Blütenhonig von Penny: nicht authentisch
- Ja! Blütenhonig von Rewe: nicht authentisch
- Gut & Günstig Blütenhonig von Edeka: nicht authentisch
- Vom Land Blütenhonig von Netto: nicht authentisch
- Die Flotte Biene von Langnese: nicht authentisch*
Im Gegensatz dazu erhielt der Honig eines Hobby-Imkers aus dem Spreewald das Prädikat "plausibel". Das DNA-Profil entsprach dem, was Wissenschaftler von echtem Honig erwarten.
| Marke | Analyse-Ergebnis |
|---|---|
| Aldi Goldland | nicht authentisch |
| Lidl Maribel | nicht authentisch |
| Penny | nicht authentisch |
| Rewe Ja! | nicht authentisch |
| Edeka Gut & Günstig | nicht authentisch |
| Netto Vom Land | nicht authentisch |
| Langnese Die Flotte Biene | nicht authentisch |
Michael Traugott, Zoologe und Leiter des Labors Sinsoma, erklärt weiter: "Das, was wir uns erwarten, was an verschiedenen Organismen im Honig festzustellen ist, ist nicht vorhanden oder in Kombinationen vorhanden, die keinen Sinn machen."
Reaktionen der Industrie und Politik
Die Industrie zeigt sich von den DNA-Testergebnissen wenig beeindruckt. Große Marken wie Langnese, Edeka, Rewe und Breitsamer verweisen auf ihre eigenen Qualitätskontrollen, kritisieren die DNA-Methode oder stellen deren Relevanz infrage. Aldi beurteilt die Untersuchung als nicht neutral und objektiv. Dennoch nehmen die Politik und unabhängige Experten die Ergebnisse sehr ernst. Die Estnische Regierung arbeitet bereits am Akkreditierungsverfahren für die DNA-Methode, andere EU-Länder stehen dem Verfahren offen gegenüber.
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Importhonig und Deklarationspflicht
Bei uns kann im Blütenhonig aus dem Supermarkt oder Discounter zum Beispiel auch Honig aus China sein. Aktuell, so die Stiftung Warentest, stammen 42 Prozent des Honigs, den wir konsumieren, aus Deutschland. Vor zehn Jahren waren es nur 22 Prozent. Auf dem Etikett ist die Herkunft des Honigs immer vermerkt - allerdings meist schwer nachvollziehbar, besonders bei Honigmischungen findet man die Angabe „Honigmischung aus EU- und nicht-EU Ländern“. Dieser Honig kann aus allen möglichen Ländern kommen. Nur wenn „deutscher Honig“ oder „Honig aus Deutschland“ auf dem Etikett steht, ist auch tatsächlich deutscher Honig drin.
Wie können Verbraucher echten Honig erkennen und kaufen?
- Herkunft: Achten Sie auf Hinweise wie „Echter Deutscher Honig“ oder regionale Siegel.
- Konsistenz: Echter Honig kristallisiert nach einiger Zeit - das ist kein Zeichen für zugesetzten Haushaltszucker, sondern ein Qualitätsmerkmal.
- Preis: Ein Glas Honig für knapp zwei Euro ist nahezu unmöglich zu produzieren. Billige Honige sind meist ein Hinweis auf minderwertige oder gepanschte Produkte.
- Regional kaufen: Kaufen Sie Honig bei regionalen Imkern - diese halten sich an die Honigverordnung und fügen dem Honig keine weiteren Stoffe hinzu.
- Saisonale Angebote: Regionaler Honig bietet klimafreundlicheren Genuss und unterstützt die lokale Imkerei.
Warum ist regionale Imkerei so wichtig?
Wer beim Imker oder der Imkerin kauft, kann sicher sein, dass dem Honig weder etwas hinzugefügt noch entzogen wurde. Imkerinnen und Imker halten sich an die Deutsche Honigverordnung: "Honig dürfen keine anderen Stoffe als Honig zugefügt werden." Durch bewusstes Einkaufen und den Kauf von regionalen Produkten können Verbraucherinnen und Verbraucher dazu beitragen, die heimische Imkerei zu unterstützen und minderwertige Importprodukte zu vermeiden. Regionalen Honig zu kaufen, nutzt allen: Wir unterstützen damit Imkerinnen und Imker und ihre Bienen, die einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung und Erhaltung der Artenvielfalt leisten. Ohne die Honigbienen wäre unser Speiseplan drastisch kleiner - 90 Prozent der Obstbaumblüten werden von Bienen bestäubt.
Die Konkurrenz durch gefälschte Honige führt bereits dazu, dass immer mehr Imker ihren Bestand reduzieren, weil sie auf vollen Lagern sitzen und ihre Produkte nicht mehr anbieten können. Am Ende leiden nicht nur die Berufsimker, sondern auch Landwirte und das Ökosystem.
Honigverordnung: Der gesetzliche Rahmen
In Deutschland regelt die Honigverordnung streng, dass dem Honig keine Stoffe entzogen oder hinzugefügt werden dürfen. Doch in der Praxis sind viele auffallend billige Honige aus dem Supermarkt mit Zuckersirup oder anderen chemischen Ersatzstoffen gepanscht. Dies zeigt, wie wichtig es ist, als Verbraucher achtsam und informiert zu handeln.
Fazit der aktuellen Situation
Zahlreiche Untersuchungen und Studien zeigen: Die Wahrscheinlichkeit, im Supermarkt echten Honig zu kaufen, ist gering. Vor allem billige Importe und Mischhonige sind oft gepanscht. Die Branche und Politik arbeiten daran, mit neuen DNA-Analysen die Authentizität von Honig besser zu überprüfen und Verbraucher zu schützen. Bis dahin gilt: Der sicherste Weg zu echtem Honig führt zum regionalen Imker oder zur transparenten Markierung wie „Echter Deutscher Honig“ mit Angabe der Adresse des Imkers.
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