Bienenwachs aus Honigwaben schmelzen – ausführliche Anleitung und Praxiswissen

Bienenwachs ist eines der wertvollsten und vielseitigsten Produkte der Imkerei. Es wird von den Arbeiterbienen zum Bau der sechseckigen Waben im Bienenstock produziert, in denen Honig, Pollen und Brut aufbewahrt werden. Für die Imker ist Bienenwachs jedoch mehr als nur ein Nebenprodukt - es eröffnet zahlreiche Möglichkeiten für die Herstellung kreativer und nachhaltiger Produkte.

Warum Wachs ernten und aufbereiten?

Das eigene Wachs: Für jeden Imker lohnt er sich also: der eigene Wachskreislauf und die selbst hergestellte Mittelwand kann den Imker zu Recht mit Stolz erfüllen. Die Wachsgewinnung: Um aus dem anfallenden Wabenmaterial das Rohwachs zu gewinnen gibt es, je nach Größe der eigenen Imkerei und Anspruch an die Effektivität der Ausbeute, verschiedene Methoden und Gerätschaften. Immer gleich bleibt, dass die Waben eingeschmolzen werden, um das Wachs von den Rähmchendrähten, Verunreinigungen und Rückständen der Bienen wie Kokonhüllen zu befreien.

Ausgangsprodukte: Jungfernwachs und Altwachs

Es gibt zwei Arten von Wachs: Jungfernwachs, das von den Bienen frisch geschwitzt wurde, und deshalb besonders rein ist und Altwachs, welches schon länger im Stock hängt. Jungfernwachs: Neues, ganz reines, fast weißes Wachs, das vom Entdeckeln, von Drohnenrahmen oder unbebrütetem Wild- und Naturbau stammt. Altwaben: Diese Waben beherbergten schon mehrfach Bienenbrut. Durch die abgestreiften Nymphenhäutchen und dem Kot der Larven sind sie braun oder fast schwarz.

Vorbereitung: Sammlung, Sortierung und Sicherheit

Bei jeder Volkskontrolle sollte man sich angewöhnen, alle Wachsüberbauten abzuschaben und in eine Dose oder ein Kästchen zu geben. Alter, dunkler, nicht mehr durchscheinender Wabenbau sollte baldigst aus den Völkern entnommen werden, denn er birgt sehr oft viele Krankheitserreger und es werden innerhalb der Zellen dieser Altwaben immer kleinere Bienen erzeugt, weil durch die Puppenhäutchen der vorausgegangenen Brutgänge die Einzelzellen immer kleiner und enger werden. Aus Gründen der Bienengesundheit sollte man das Wachs im Volk nicht zu alt werden lassen - Keime und andere Erreger können sich über die Zeit ansammeln und so die Gesundheit Ihrer Bienen gefährden.

Weiches Wasser verwenden: Regenwasser ist ideal. Edelstahl oder Alu: Eisen, Zink und Kupfer verfärben das Wachs. Alte Kleidung: Wachs spritzt und klebt. Auch der Honig vom Deckelwachs hinterlässt klebrige Spuren an Hose und T-Shirt. Anders als Honig lässt sich das Wachs nur schwer auswaschen.

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Methoden des Wachsschmelzens

Sonnenwachsschmelzer (Trockenschmelzung)

In der warmen Jahreszeit bietet sich vor allem für kleinere bis mittlere Imkereien die Nutzung eines Sonnenwachsschmelzers. Ein großer Vorteil der Methode ist, dass keine weitere Energiequelle benötigt wird. Insbesondere für sparsame und umweltbewusste Imker empfiehlt sich diese Methode also. Auch ist der Sonnenwachsschmelzer ein sehr gutes Hilfsmittel, um unbebrütetes Wachs mit Hilfe der Sonnenwärme einzuschmelzen und zu Wachsblöcken werden zu lassen. Rinnt das Wachs aus dem Schmelzer, erstarrt es zu einem gelben Block.

Sonnenwachsschmelzer mit Rähmchen auf Ablage

Dampfwachsschmelzer (Feuchtschmelzung)

Bei der Feuchtschmelzung werden die Waben in Wasser ausgekocht, bzw. mit Dampf zum Schmelzen gebracht. Gerade bei der Dampfwachsschmelzung erhält man bereits sehr sauberes Wachs: das Wachs wird in bodennähe des Gerätes abgelassen und ist so bereits frei von aufschwimmenden Verunreinigungen. Im Dampfwachsschmelzer wird Wasser zum Verdampfen gebracht, welches wiederum das Wachs zum Schmelzen bringt. Dampfwachsschmelzer werden meist von den Imkern für das Schmelzen der Waben verwendet.

Viele Modelle haben einen Einsatz, in dem die Reste (Trester) zurückbleiben. Einsteigergeräte werden meist mit einem Dampfmeister betrieben, wobei hingegen Geräte für den größeren Bedarf bereits eine Elektroheizung integriert haben oder mit einem Gasbrenner betrieben werden. Beim Bienenwachs schmelzen mit einem Dampfwachsschmelzer sollte dieser, wie bei jedem Schmelzvorgang, am besten aus Edelstahl sein. Eine falsche Materialwahl kann sich auf die Farbe des Wachses auswirken.

Wasserbad / Topf (häusliche Methode)

Wenn du nicht über alle notwendigen Werkzeuge wie Wachsschmelzer oder Honigschleuder verfügst, ist das kein Problem. Zum Wachsschmelzen nimmt man gerne einen großen Topf, in dem etwas Wasser erhitzt wird (der Boden sollte gut bedeckt sein, eventuell 10% Wasser im Verhältnis zum Wachs). In das Wasser gibt man dann den Wachsblock zum Schmelzen. Durch Rühren schmilzt das Wachs meistens etwas schneller bzw. gleichmäßiger. Beim Schmelzen von Bienenwachs wird empfohlen dies immer in einem Wasserbad zu machen. Das verhindert, dass das Wachs verbrennen kann.

Topf mit Wasserbad und schmelzendem Wachs

Doppelwandige Wachstöpfe / Wachsschmelztöpfe

Expertentipp: Doppelwändige Töpfe, sogenannte Wachsschmelztöpfe, eignen sich sehr gut zum Bienenwachs schmelzen. Bevor hier das Wachs zu heiß wird, beginnt das Wasser, welches sich im Doppelmantel befindet, zu verdampfen. Dies sollte nur für komplett reines Bienenwachs angewandt werden und ist eigentlich auch nur für kleinere Wachsmengen geeignet, da der Schmelzvorgang sehr lange dauert. Idealer und komfortabler Weise benutzt man einen doppelwandigen Wachsschmelztopf mit beheiztem Ölbad. Auch die Feuergefahr wird so minimiert.

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Reinigung und Klärung des Wachses

Oft ist das Wachs nach dem ersten Schmelzvorgang noch nicht ganz sauber und es wird zusätzlich noch einmal gereinigt. Hierbei kann das flüssige Wachs durch ein feines Sieb in einen weiteren Topf, welcher heißes Wasser enthält, geleert werden. Das heiße Wasser im Topf verhindert das sofortige Abkühlen des Wachses. Zusätzlich sollte der Topf zugedeckt werden. Je langsamer das Wachs abkühlt, umso besser können sich Schwebeteilchen und Schmutz absetzen. Nach dem Schmelzen sollte das Wachs sehr langsam abkühlen, damit Schwebeteilchen Zeit haben, sich unten abzusetzen. Die Wachs-Schicht härtet dann oben aus und der unten abgesetzte Schmutz lässt sich vom Wachsblock leicht abkratzen.

Benötigt man komplett reines Bienenwachs, kann dies nur durch Filtration gereinigt werden. Hierbei wird der Blütenstaub aus dem Wachs gefiltert, was für Kerzen einen erheblichen Vorteil beim Brennverhalten darstellt. Eine Filtration von Bienenwachs ist selbst schwer durchzuführen. Beim langsamen Erkalten bleibt so eine “Schmutzschicht”, die vom Wachsboden - z.B. mit einem Stockmeißel - entfernt werden kann.

Filtrationstipps und Hilfsmittel

  • Als Filtermaterialien eignen sich Damenstrumpfhosen, Gartenvliese oder feine Siebe.
  • Als Gefäße eignen sich alte Hobbocks oder Futtereimer - hier sollte man aber schauen, dass sie hundertprozentig dicht sind und keine Risse haben.
  • Um den Abkühlungsprozess zu verlangsamen, kann man die Eimer wärmedämmen und z.B. in Styroporplatten verpacken oder alte Wolldecken verwenden; ausrangierte Gefriertruhen oder alte Kühlschränke sind besonders gut geeignet.

Entseuchung und chemische Reinigung

Wollen Sie Ihr Wachs zur Produktion eigener Mittelwände verwenden, sollte das Wachs idealerweise entseucht werden, um sicher zu gehen, dass sich Keime und Sporen nicht von Saison zu Saison ansammeln. Um das Wachs noch besser zu säubern, gibt man Zitronensäure zu: Mit Wasser und flüssigem Wachs gut verrühren. Manche Imker verwenden Schwefel- und Oxalsäure - wir empfehlen Zitronensäure. Sie ist sicherer für den Imker und besser für die Umwelt. Dabei mischt man 10 Kilogramm flüssiges Wachs, 1,5 Liter Wasser und 10 Gramm Zitronensäure. Wer eine größere Menge benötigt, rechnet einfach hoch: Für 20 Kilogramm Wachs nimmt man doppelt so viel Wasser und Säure. Schließlich wird das flüssige Gemisch intensiv verrührt und langsam abgekühlt. Schmutzreste befinden sich dank der Zitronensäure unten im Wasser.

Was tun mit stark verschmutzten oder mottenbefallenen Waben?

Altwaben sollten immer sorgfältig aus dem Rähmchen ausgeschnitten, eingeschmolzen, oder einer wachsverarbeitenden Firma zugeführt werden. Wer seinen Honig nicht gerade presst oder Wabenhonig verkauft, erhält bei der Honigernte Abdeckelwachs. Doch das Wachs ist hier nicht nur ein Nebenprodukt - da es frisch geschwitzt ist, ist dieses Jungfernwachs besonders rein und enthält keine Schadstoffe. Braune Waben sollte man möglichst bald ausschmelzen oder gegen die Wachsmotten behandeln.

Bei der Frage, ob beschmuddelte und dreckige Waben eingeschmolzen werden dürfen: Bedenklich sind oft nur stark mit Altfutter durchsetzte Waben; diese können so viel Schmodder enthalten, dass der Aufwand nicht lohnt. Ansonsten kannst Du beschmuddelte und dreckige Waben bedenkenlos einschmelzen. Bei der gesamten Prozedur wird alles mehrfach sehr hoch erhitzt und das killt so ziemlich alles.

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Weiterverarbeitung: Kerzen, Mittelwände, Kosmetik, Wachstücher

Mit dem Wachs kann man Kerzen gießen oder ziehen. Kerzen aus schmutzigem Wachs brennen unruhig ab. Deshalb muss das Wachs gut geklärt und gereinigt werden. Bienenwachskerzen sind nicht nur wegen ihrer Umweltfreundlichkeit beliebt, sondern auch wegen ihrer langen Brenndauer und ihres angenehmen, natürlichen Duftes. Kerzenform und Docht vorbereiten: Wähle eine geeignete Kerzenform (z.B. aus Silikon) und befestige den Docht in der Mitte. Gieße Wachs ein: Gieße das flüssige Wachs vorsichtig in die vorbereitete Form und lasse es langsam abkühlen.

Die Mittelwandherstellung: Seine eigenen Mittelwände stellt man am besten und komfortabelsten mit einer wassergekühlten Mittelwandgießform her. Mit einer solchen Gießform lassen sich 60-70 Mittelwände pro Stunde herstellen! Das Prinzip kann man sich als kühlendes Waffeleisen vorstellen. Das Wachs wird zwischen zwei nicht haftenden Formplatten zum Erkalten gebracht.

Bienenwachstücher sind eine nachhaltige und wiederverwendbare Alternative zu Plastikfolie. Sie eignen sich hervorragend zum Abdecken von Lebensmitteln oder zum Einwickeln von Brot und Obst. Stoff vorbereiten: Ein sauberes Baumwolltuch aussuchen und auf die gewünschte Größe zuschneiden. Wachs schmelzen: Das Bienenwachs im Wasserbad schmelzen, bis es flüssig ist. Stoff erhitzen: Lege das Backblech in den Backofen (ca. 80-90 °C), damit das Wachs besser in den Stoff einziehen kann. Die fertigen Wachstücher halten Lebensmittel frisch und können immer wieder verwendet werden.

Herstellung von Bienenwachstüchern im Backofen

Neben der Verwendung im Haushalt hat Bienenwachs auch in der Kosmetik eine große Bedeutung. Es bildet auf der Haut einen schützenden, atmungsaktiven Film und hilft, Feuchtigkeit zu speichern. Wachs schmelzen: Schmelze das Bienenwachs im Wasserbad und füge das Öl hinzu, sobald das Wachs geschmolzen ist. Hinweis: Jeder Hauttyp ist einzigartig, und was für den einen gut ist, kann bei einem anderen zu Irritationen führen. Daher ist es ratsam, die Salbe zunächst an einer kleinen Hautstelle zu testen, bevor sie großflächig aufgetragen wird.

Tipps zur Lagerung und Umgang mit Altwaben

Wer die Waben über den Winter lagert, sollte sie unbedingt dicht verstauen. Wenn man gelbe, unbebrütete Waben einlagert, sollte man sie besser noch von den Bienen ausschlecken lassen. Denn in den Zellen bleiben auch nach dem Schleudern immer noch kleine Honigreste zurück. Wenn diese Reste Feuchtigkeit anziehen, können sie gären und auch den Honig im nächsten Jahr kontaminieren. Deshalb sollte man die Waben noch einmal den Bienen aufsetzen.

Alljährlich gehen viele Zentner gutes Bienenwachs für die Imker und auch für die Wirtschaft verloren, indem leerstehende Beuten oft mit den Waben im Bienenhaus stehen. Nach spätestens einem Jahr sind alle Waben von den Wachsmotten vernichtet worden. Dies darf aber nicht sein und ist pure Verschwendung von "Imker-Gold"!

Praktische Hinweise und Fehlervermeidung

  • Beim Schmelzen die Temperatur kontrollieren: Hierbei ist darauf zu achten, dass die Temperatur etwa 90 °C nicht übersteigt um ein Aufkochen und Überlaufen (Feuergefahr!) zu vermeiden.
  • Kerzenrußen vermeiden: Pollen- und Propolisreste in unreinem Wachs lassen die Flamme flackern und rußen.
  • Materialwahl beachten: Eisen, Zink und Kupfer verfärben das Wachs; Edelstahl oder Aluminium sind besser geeignet.
  • Sicherheitsmaßnahmen: Altwachs kann Keime und Schadstoffe binden; beim Einsatz für Mittelwände auf sauberes, idealerweise entseuchtes Wachs achten.
  • Wachs langsam abkühlen lassen, damit Schmutzpartikel Zeit haben, sich abzusetzen.

Wirtschaftliche und praktische Perspektiven

Im Gegensatz zu Honig gilt Wachs eher als Nischenprodukt. Das liegt vor allem daran, dass die Bienen weit weniger Wachs als Honig produzieren. Zudem ist die Wachsverarbeitung eine eher unbeliebte Winterarbeit, die Imker gerne aufschieben. Viele Imker verkaufen oder geben Altwachs an Verarbeitungsbetriebe ab oder kaufen bei Bedarf vorgefertigte Bienenwachspastillen, die den Einstieg erleichtern, wenn man keine eigenen Bienen oder keine Möglichkeit zum Wachsschmelzen hat.

Du hast Altwachs, aber nicht die Möglichkeit, es selbst zu recyceln? Kein Problem - wir übernehmen das! Wir kaufen dein gereinigtes Bienenwachs in Form von Blöcken und bieten dir dafür faire Preise.

Häufige Fragen kurz beantwortet

  1. Dürfen Waben mit Kot oder leichten Schimmelspuren eingeschmolzen werden? Bedenklich sind oft nur stark mit Altfutter durchsetzte Waben; ansonsten kannst Du beschmuddelte und dreckige Waben bedenkenlos einschmelzen, da beim Erhitzen vieles abgetötet wird.
  2. Was tun mit Futterwaben? Wenn die Waben zu voll sind mit Futter lohnt der Aufwand nicht immer; manchmal ist Wegwerfen oder Sammelverschmelzen mit Nachbarn praktikabel.
  3. Wie sauber muss Wachs für Mittelwände sein? Für Mittelwände sollte das Wachs idealerweise entseucht und möglichst rein sein.
Demonstration: Dampfwachsschmelzer in Betrieb und Wachsklärung
MethodeVorteileNachteile / Hinweise
Sonnenwachsschmelzerkein zusätzlicher Energiebedarf, besonders für unbebrütetes Wachsabhängig von Sonne, langsam
Dampfwachsschmelzersauberes Wachs, unabhängig von JahreszeitAnschaffungskosten, Größe/Material beachten
Wasserbad / Topfeinfach, auch für Kleinstmengenungeeignet für große Mengen, Vorsicht vor Überhitzung
Doppelwandiger Wachstopfkontrollierbar, reduziert Feuergefahrlange Schmelzzeiten bei reinem Wachs

Bienenwachs bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten - sei es zur Herstellung von Kerzen, Wachstüchern oder pflegenden Kosmetikprodukten. Die Vielseitigkeit dieses Naturproduktes macht es sowohl für Imker als auch für alle, die nach natürlichen und nachhaltigen Alternativen suchen, äußerst wertvoll. Mit der richtigen Ausrüstung und etwas Geduld lassen sich aus Bienenwachs hochwertige Produkte herstellen, die nicht nur umweltfreundlich, sondern auch praktisch sind.

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