Radioaktivität, Honig und Ukraine: Auswirkungen auf Imkerei, Handel und Umwelt

Seit dem russischen Einmarsch im Februar 2022 und dem damit beginnenden Angriffskrieg Moskaus sind nach Angaben des ukrainischen Außenministeriums derzeit etwa 30 Prozent der gesamten Fläche der Ukraine, etwa acht Millionen Hektar Land, vermint. Darauf will das Außenministerium mit einem Honig-Projekt aufmerksam machen.

Kiew - Ein Land voller Minen: Verminte Gebiete sind in der Ukraine zur traurigen Realität geworden. Nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine am 24. Februar 2022 wurden über 156.000 Quadratkilometer landwirtschaftlicher Flächen durch Minen kontaminiert. Die Nahrungsmittelproduktion wurde gefährlich oder gar unmöglich.

„The Minefields Project“: Bienen statt Menschen in Minengebieten

Wie die Kyiv Post berichtet, wählt das Ministerium nun einen ungewöhnlichen Ansatz, um die internationale Gemeinschaft auf diesen Missstand aufmerksam zu machen. Im „The Minefields Project“ sollen mithilfe von Drohnen auf den für Menschen unzugänglichen Gebieten Samen von Honigpflanzen gesät werden. Durch eine Zusammenarbeit von Saatchi & Saatchi Ukraine, dem Landwirtschaftsunternehmen Kernel, dem Drohnendienstleister Dronarium Ukraine und dem Verband der Imker der Ukraine wurde die Vision Realität: Drohnen säten bienenfreundliche Pflanzen wie Phacelia auf 17 Hektar vermintem Land aus - völlig ohne direkten menschlichen Kontakt.

Bienen, die im Gegensatz zum Menschen die Minen nicht auslösen, sollen dort dann „ernten“. Der „Minenfeld-Honig“, den Imker dann von den Bienenstöcken neben den Minenfeldern gewinnen, soll an ukrainische Diplomaten weiter gegeben werden, die ihn und die Botschaft, die er in sich trägt, in der ganzen Welt verteilen sollen. Im Jahr 2024 konnte die erste Ernte von 200 kg Minefield Honey eingeholt werden.

Drohnensaat auf vermintem Feld / Bienenstöcke an Minenfeldrand

Die Macher des Projekts berieten sich mit Agrarwissenschaftlern, dem staatlichen Notdienst, Drohnen-Experten und dem Imkerverband der Ukraine, wie die Post schreibt. Alle Projektbeteiligten arbeiten rein ehrenamtlich. Das Projekt sollte „in der modernen Welt nicht existieren“, doch „aufgrund des Krieges und der verminten Gebiete ist es jedoch zu unserer Realität geworden“, so Schneider. Er betonte, dass es sich bei dem Honig um ein limitiertes Produkt handele und nicht darauf abziele, den Weltmarkt durch den Verkauf im Laden zu erobern. Das erworbene Geld soll für die Minenräumung eingesetzt werden.

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Qualität, Sicherheit und Kontrollen

Um die Qualität zu garantieren, wurde der Honig in Deutschland auf Schadstoffrückstände untersucht - mit dem Ergebnis: 100 % rein und frei von schädlichen Substanzen. Der gesamte Gewinn fließt in einen Fonds zur Minenräumung, um verseuchte landwirtschaftliche Flächen wieder sicher und nutzbar zu machen.

Nicht jeder in den politischen Kreisen der Ukraine steht dem Projekt positiv gegenüber. Laut Ivanna Klympush-Tsintsadze, Leiterin des Ausschusses für die Integration der Ukraine in die EU, sollte sich das Außenministerium auf wichtigere Angelegenheiten konzentrieren. „Wenn wir so viele Ressourcen haben, um nebenbei etwas zu tun, dann ist das großartig. Aber leider haben wir selbst für die einfachsten Dinge nicht genügend Ressourcen“, äußerte sie gegenüber der Kyiv Post. Bei ihrer nächsten Auslandsreise würde sie lieber ein Raktenfragment oder ein Spielzeug aus einem von Russland zerstörten Haus mitnehmen. Dies wäre „viel wirkungsvoller als jede süße Leckerei“, fügte sie hinzu.

Radioaktivität in Honig: Erkenntnisse aus Geschichte und Forschung

Im Jahr 1986 führte der Reaktorunfall im Kernkraftwerk Tschernobyl zu einer radioaktiven Belastung weiter Teile Europas. Auch Deutschland wurde durch den Fallout belastet, wenn auch bedingt durch Witterung und Windrichtung in sehr unterschiedlicher Stärke. Bedingt durch die unterschiedlichen Halbwertzeiten der im Fallout enthaltenen Isotope waren nach einiger Zeit nur noch die langlebigen, wie insbesondere das Caesium 134 (t½ = 2,1 Jahre) und Caesium 137 (t½ = 30,2 Jahre) relevant.

Die ersten Honige in 1986, geerntet kurz nach dem Reaktorunfall, waren vor allem mit Iod (t½ = 8 Tage) belastet. Während bereits 1987 untersuchte Blüten- und Honigtauhonige keine oder nur noch sehr geringe Belastungen aufwiesen, stieg die Belastung bei Heidehonigen sogar noch an. Untersuchungen im Bieneninstitut Celle und dem damaligen Chemischen Untersuchungsamt Braunschweig zeigten, dass Besenheide (Calluna vulgaris) auf dem sauren, Kalium armen Boden Caesium selektiv aufnimmt und mit dem Nektar ausscheidet und sich somit entgiftet. Andere Pflanzenarten am selben Standort waren deutlich weniger mit Caesium belastet und überwiegend keine Nektarproduzenten.

Celle: Bienenvölker an spezifischen Standorten in der Lüneburger Heide aufgestellt, Heidehonige über Vorschleuderung und anschließendes Stippen sehr sortenrein geerntet und auf Sortenreinheit und radioaktive Belastung untersucht. Zeitliche Wertebeispiele für Heidehonige vom Bieneninstitut Celle: 1986: ca. 300 Bq/kg, 1987 > 700 Bq/kg, 1990 > 1.000 Bq/kg, 1995 > 500 Bq/kg, 2000 ca. 260 Bq/kg, 2005 ca. 286 Bq/kg und in den letzten Jahren im Bereich 50 bis 100 Bq/kg mit abnehmender Tendenz.

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Der Grenzwert beträgt für Honig und andere Lebensmittel 600 Bq/kg. Wegen der besonderen Verhältnisse der Heidetracht wurden durch die staatliche Lebensmittelkontrolle in früheren Jahren Heidehonige besonders intensiv mit hoher Stichprobenzahl und bis heute von besonderen Standorten auf die radioaktive Belastung untersucht. Bei Grenzwertüberschreitungen werden Honige beanstandet und sind nicht mehr verkehrsfähig.

Weitere Studien zu natürlichen Radionukliden

Die Eignung der Honigbiene als Bioindikator für Umweltschäden unterschiedlichster Genese ist bekannt. Untersuchungen mit natürlich vorkommenden Radionukliden, wie sie in verstärktem Maße im ehemaligen Uranabbaugebiet der Wismut vorkommen, sind bis jetzt nicht erfolgt. Die Entwicklung der Bienenvölker in der Wismutregion wurde insgesamt über 2 Jahre verfolgt. Die radioaktive Belastung der Region hatte keinen Einfluss auf den Gesundheitszustand und die Entwicklung der Völker.

Der Transfer der radioaktiven Nuklide unterschiedlicher Bodenarten in die Pflanze (Raps) und in den Honig zeigte keinen Einfluss der Bodenbeschaffenheit. Die ermittelten Transferraten lagen bei 0,04-0,12 beim Transfer Boden-Pflanze und bei 0,01-0,06 beim Transfer Pflanze-Honig. Auch der pH-Wert der Erdproben hatte keinen Einfluss auf Aktivitätsgehalt bzw. Transfer.

Auffallend sind dagegen die höheren Boden- und Pflanzenwerte einzelner Nuklide in der Ronneburger Region im Vergleich zu den ermittelten Werten anderer Regionen Deutschlands. Der höhere Wert beinhaltet aber keinen erhöhten Transfer. Auch die untersuchten Pflanzenarten scheinen keinen Einfluss auf den Transfer der radioaktiven Nuklide zu haben. Allerdings ist die untersuchte Pflanzenzahl zu gering, um eine detaillierte Aussage zu machen.

Der Transfer in den Honig ist äußerst gering (z. B. Phacelia 0,01-0,04). Auch hier sind die erhöhten U-238-Werte in fast allen Boden- und z. T. auch Pflanzenproben der Wismutregion auffällig. Die Untersuchungen zur Ermittlung des Radionuklidgehalts in Abhängigkeit von der Entfernung zum Haldengebiet zeigen im Wesentlichen keine Abweichungen von den Messungen in anderen Regionen. Lediglich eine Erd- und zwei Pflanzenproben unterscheiden sich hinsichtlich der Aktivitätswerte. Äußerst gering und dementsprechend schwer nachweisbar waren die Werte im Honig. Der Transfer von Ra-226 vom Boden in die Pflanze schwankt zwischen 0,01 und 0,05; von der Pflanze in den Honig zwischen 0,05 und 0,17. Auch die direkt an der Absetzanlage Trünzig gewonnenen Honige sowie die Mischhonige aus der Region zeigten äußerst geringe Aktivität. Untersuchungen an Bienen selbst ergaben höhere U-238- und Ra-226-Werte als im Honig.

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Laboranalyse Honigprobe / Messgeräte

Die Honigbiene eignet sich auch für natürlich vorkommende Radionuklide als Bioindikator. Trotz geringer Belastung der Region waren in den meisten Honigproben messbare Aktivitäten zu finden, wenn auch oftmals im Bereich der Nachweisgrenze. Unter Zugrundelegung des Transferfaktors für Boden/Pflanze bzw. für Pflanze/Honig können somit aus den Honigproben Rückschlüsse auf den Gehalt in Boden bzw. Umwelt gezogen werden. Die Belastung des Honigs mit natürlichen Radionukliden ist sehr gering. Der Gehalt an natürlichen Radionukliden in den Bienen selbst war höher als im Honig. Es kann sein, dass die Bienen besser geeignet sind für derartige Untersuchungen als der Honig. Dies müsste jedoch mit einer größeren Probenzahl belegt werden.

Globaler Kontext: Radioaktivität in Honig aus früheren Nukleartests

Die 1950- und 1960-Jahre waren bei den militärischen Großmächten der Erde stark von der Atombombe geprägt. Unter anderem in den USA fanden darum zahlreiche Tests statt. Die Auswirkungen der Tests sind auch heute noch nachweisbar - und zwar in Honig. Die Bomben brachten radioaktives Caesium in die obere Atmosphäre. Jenes wurde anschließend durch Winde auf der ganzen Welt verteilt, bevor es in mikroskopisch kleinen Partikeln vom Himmel fiel. Die Verbreitung war jedoch nicht gleichmäßig. Radioaktives Caesium ist wasserlöslich und kann von Pflanzen mit Kalium verwechselt werden. Der lebenswichtige Stoff hat ähnliche chemische Eigenschaften.

Eine Studie fand Caesium in vielen Honigproben: Sie stellten Caesium in 68 der Proben in Mengen über 0,03 Becquerel pro Kilogramm fest - ungefähr 870.000 Caesiumatome pro Esslöffel. Die höchste Radioaktivität trat in einer Florida-Probe auf - 19,1 Becquerel pro Kilogramm. Der gesundheitliche Grenzwert ist damit aber immer noch weit unterschritten. Laut der US-amerikanischen Lebensmittelbehörde FDA liegt der Grenzwert bei 1.200 Becquerel pro Kilogramm.

Weltkarte Fallout-Verbreitung / Honiganalyse global

"Der Caesiumgehalt von Honig war in den 1970er-Jahren wahrscheinlich zehnmal höher", erklären Forscher. Auch wenn die Werte heute gesundheitlich unbedenklich sind, sei es wichtig zu verstehen, wie sich nuklear belastete Schadstoffe verhalten. Auch in Österreich werden nach dem Kernkraftwerksunfall in Tschernobyl nach wie vor Umwelt und Lebensmittel auf radioaktive Belastung gemessen. Österreich war vom radioaktiven Fallout - bedingt durch Niederschläge in den Tagen nach der Freisetzung - demnach stark betroffen. Die Nachwirkungen sind auch hierzulande immer noch messbar. So können etwa in wildwachsenden Pilzen und Wildbret immer noch höhere Caesium-137-Werte auftreten.

Handel, Markt und Betrugsrisiken im Honigsektor

Die Ukraine ist mit ca. 65.000 t Jahresmenge einer der größten Honigproduzenten weltweit. Der wichtigste Handelspartner der Ukraine für Honig ist die EU. In den letzten Jahren lag die jährliche Importmenge der EU bei ca. 45.000 bis 50.000 t. Damit hat die Ukraine einen Anteil an den EU-Importen. Deutschland importierte jährlich ca. 15.000 t Honig aus der Ukraine.

„Die Bestandsfähigkeit der europäischen Imkereien steht auf dem Spiel“, warnte jüngst Copa-Cogeca, ein Zusammenschluss der beiden großen landwirtschaftlichen Dachorganisationen in der Europäischen Union. Grund dafür sei eine "verheerende Marktsituation". Verursacht werde sie durch zunehmende Billig-Einfuhren aus Drittländern. Die Produktionskosten für chinesischen Honig liegen bei 1,24 Euro pro Kilogramm, was etwa zwei Drittel weniger als in den EU-Ländern ist. Copa-Cogeca zufolge ist dieser Preisunterschied nur durch das massive Hinzufügen von Zuckersirup zu erklären, der bei europäischen Grenzkontrollen nur schwer zu enttarnen ist.

Etienne Bruneau von der Arbeitsgruppe "Honig" bei Copa-Cogeca sagte der DW, auch die zunehmenden günstigen ukrainischen Honig-Exporte in die EU würden den Verdacht wecken, dass in der Ukraine ebenfalls Zuckersirup beigemischt wird. Laut Eurostat stiegen die Einfuhren in die EU von 5.000 Tonnen Honig im Jahr 2011 auf 20.000 Tonnen im Jahr 2013 und auf 47.000 Tonnen im Jahr 2017. Dabei sank der Preis im Jahr 2019 auf 1,69 Euro pro Kilo. Seit 2016 gilt zwischen der Ukraine und der EU ein Freihandelsabkommen. Doch die zollfreie Exportquote betrug zunächst 5.000 Tonnen, in diesem Jahr sind es 6.000.

Taras Katschka, Handelsbeauftragter im ukrainischen Landwirtschaftsministerium, weist die Verdächtigungen als "Gerüchte und Verleumdungen" zurück. "Jedes Kilogramm ukrainischen Honigs, das in die EU gelangt, erfüllt die EU-Normen", sagte er der DW und betonte, dass Anfang Februar sogar noch eine weitere Honigverordnung seines Ministeriums in Kraft getreten sei. Doch auch vorher hätten die Exporte längst den EU-Anforderungen entsprochen. Andrij Baschyn vom ukrainischen Imkerverband meint, Labore in der EU seien durchaus in der Lage, Betrug aufdecken. Doch oft würden Importeure ukrainischen und anderen Exporteuren in Verträgen nur Kontrollen auf Zucker, aber nicht auf Sirup vorschreiben. So würde man den Kilopreis drücken.

Honiggläser mit Herkunftslabels / Zollkontrolle

Chinesischer Honig wird in der Ukraine überhaupt nicht importiert, aber die EU importiert ihn in großen Mengen. Er kritisiert, dass niemand daran gehindert werde, hochwertigen ukrainischen Honig mit Ersatzstoffen zu mischen. Was den Anstieg der ukrainischen Honig-Exporte in die EU angeht, wies Andrij Baschyn darauf hin, dass der ukrainische Honig früher meist im Inland konsumiert worden sei. "Aber seit dem wirtschaftlichen Abschwung in den Jahren 2014-15 verbrauchen die Ukrainer weniger Honig", sagte er. Das bestätigen auch Zahlen des ukrainischen Statistikamtes.

Im vergangenen Jahrzehnt lag die Honigproduktion zwischen 60.000 und 75.000 Tonnen pro Jahr. Laut Baschyn gibt es in der Ukraine fast 400.000 Imker. Allerdings könne diese Zahl nicht nachgewiesen werden. Daher schlägt er eine einfache und kostenlose Registrierung von Imkern vor. "Wenn die Ukraine diese Anzahl nachweist, dann werden alle Zweifel an der Produktion von über 70.000 Tonnen Honig ausgeräumt", sagte Baschyn.

Politische und sektorale Gegenmaßnahmen

Copa-Cogeca hat der EU einen ganzen Aktionsplan vorgelegt. Demnach soll aus Drittländern eingeführter Honig der EU-Definition von Honig entsprechen, die Ursprungskennzeichnung für Mischhonig auf europäischer Ebene verbindlich vorgeschrieben und die jeweiligen Anteile an Mischhonig angegeben werden. Deutschland und Ukraine bündeln künftig Kräfte gegen organisierten Honig-Betrug. Mit Zuckersirup gefälschter Honig ist hochlukrativ und vernichtet wichtige Einnahmen für die ukrainische Landwirtschaft.

Im Rahmen der Grünen Woche warnte der Berufsimkerbund eindringlich vor den nationalen Folgen. Zur Grünen Woche 2026 in Berlin diskutierten auf dem 18. Global Forum for Food and Agriculture rund 80 internationale Agrarministerinnen und -minister sowie hochrangige Vertreterinnen und Vertreter internationaler Organisationen u. a. zur Ernährungssicherheit. Der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund (DBIB) warnte insbesondere die Teilnehmer aus der Ukraine eindringlich vor den dramatischen Folgen systematischen Honigbetrugs für ihr Land.

Zur Grünen Woche 2026: In einem Verbandsdialogtreffen mit führenden Agrar- und Forstverbänden beider Länder am Samstag betonte DBIB-Vizepräsident Bernhard Heuvel, dass die ukrainische Landwirtschaft unter Kriegsbedingungen derzeit mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung und der Staatseinnahmen erwirtschaftet. Wenn die Imkerei durch organisierten Honigbetrug zusammenbricht und damit auch die Bestäubung der Feldfrüchte ausfällt, hätte dies verheerende Folgen für die ukrainische Wirtschaft. Die Teilnehmer des GFFA-Dialogtreffens zeigten sich alarmiert. Der ukrainische Agrarminister Oleksij Sobolew griff die Honig-Thematik in seinem Schlusswort ausdrücklich auf. Er bezeichnete die Bekämpfung von Lebensmittelbetrug am Beispiel Honig als eines der drei prioritären Folgeprojekte dieses Dialogs und versprach, sich persönlich für rasche Gegenmaßnahmen einzusetzen. Als unmittelbares Resultat kündigte er ein deutsch-ukrainisches Stakeholder-Treffen zur Bekämpfung des Honigbetrugs an, das bereits im Frühjahr 2026 in Berlin stattfinden soll.

Der ökonomische Anreiz ist für den Betrug mit Honig sehr hoch: Bereits ab 20 % Zumischung von Zuckersirup verdoppelt sich die Gewinnmarge für die Fälscher. Recherchen der Berufsimker vor Ort in China und in der Ukraine haben gezeigt, dass dieses Problem auch für die Imker aus der Ukraine das schwerwiegendste Problem ist. Die Betrüger nutzen die zollfreien hohen Exporte aus der Ukraine in die EU und nach Deutschland, um ihre gefälschte Ware unterzubringen. Betrüger und die organisierte Kriminalität stehlen diese Gewinne dem ukrainischen Volk und der ukrainischen Imkerei. Bricht aber die Imkerei zusammen, ist die Bestäubung der wichtigsten Agrarprodukte wie Raps oder Sonnenblumen direkt bedroht.

Reportage über Minefield Honey und Minenräumung

Marktfolgen des Kriegs und Perspektiven

Mit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine sind die Auswirkungen auf den Honigmarkt unmittelbar greifbar. Angekündigte Lieferungen, die die Ukraine nicht mehr verlassen konnten, blieben aus. Ersatzangebote von Honig sind derzeit auf dem europäischen Kontinent kaum noch vorhanden. Die neuen Honigernten beginnen frühestens ab Mai/Juni. Die gerade erst begonnenen Honigernten in Mittel- und Südamerika stehen bereits seit dem Herbst vergangenen Jahres unter starker Nachfrage aus den USA, dem zweitwichtigstem Honigimportmarkt nach der EU. Auch die Schwierigkeiten der Schiffstransporte erschweren die Liefersituation für Honig. Seit Herbst letzten Jahres sind die Verteuerungen der Frachtraten und Verzögerungen beim Transport durch mangelnde Kapazitäten bzw. Schiffsraum enorm spürbar.

Die fehlenden Honigmengen aus der Ukraine können nicht kurzfristig adäquat durch andere Länder kompensiert werden. Die EU kann sich zu ca. 50% durch Eigenproduktion versorgen. Aus ca. 40 Ländern darf Honig in die EU importiert werden. Allerdings konzentrieren sich die Lieferungen auf wenige Hauptlieferanten. Das Honigangebot aus Mittel-, Südamerika und Europa wird die weltweite Nachfrage nach Honig alleine nicht ausgleichen können. Ein Ausweichen auf asiatische Länder ist nötig, aber nur begrenzt möglich. Somit wird das Fehlen der Honigmengen aus der Ukraine die Lage auf dem Honigmarkt verschärfen.

Chancen von Projekten wie Minefield Honey

Minefield Honey ist mehr als nur Honig - es ist ein Symbol des Wiederaufbaus. Der „Minenfeld-Honig“ dient neben der Sensibilisierung für das Problem der Verminung auch als Mittel zur Finanzierung der Minenräumung. Das Projekt verbindet technologische Lösungen (Drohnen) mit lokalem Imkerwissen und internationalen Qualitätskontrollen und zeigt, wie Nischenprodukte zur Unterstützung von Wiederherstellungsmaßnahmen genutzt werden können.

Aspekt Auswirkung / Befund
Verminte Flächen Ukraine ca. 8 Mio. ha (30 % der Fläche) / >156.000 km² landwirtschaftlich betroffen
Minefield Honey 2024 Erste Ernte 200 kg, Qualitätsprüfung in DE: frei von Schadstoffen
Historische Radioaktivität (Tschernobyl) Caesium-134/137 relevant; Heidehonige zeitweise >600 Bq/kg
Grenzwert Lebensmittel 600 Bq/kg
Ukraine Honigproduktion ca. 65.000 t/Jahr; Exporte in EU bedeutend (DE ~15.000 t)

Die Verbindung von Umwelt- und Sicherheitsproblemen mit wirtschaftlicher Betroffenheit macht deutlich, dass Honig in Krisenregionen zugleich Produkt, Indikator und politisches Instrument sein kann. Projekte wie das „Minefields Project“ setzen auf Symbolkraft, Technologieeinsatz und transparente Qualitätskontrollen, um Schäden sichtbar zu machen und gleichzeitig konkrete Mittel für die Sanierung betroffener Flächen zu generieren.

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